Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 15 (19.4.1912)
- Date
- 1912-04-19
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Dir. 15 frankfurter JsraelitWes FanÄieMsK. Leite 3. das; all seine wackere Tätigkeit sich in denselben Bahnen bewegen muß; dann wird er die Tendenz seines Aufstiegs bewahren, Hann wird er vor einem Schicksale,, wie es. die Alliance gegenwärtig erlebt, verschont bleiben, dann wird er den Ruhm, den er sich bisher schon erworben hat, nur mehren und steigern. Aus aller Wett- Deutsches Reich. Berlin. Der 4. Rechenschaitsbericht des Verbandes „Jüdische r Irauen f ü r K u l t u r - arbcit in Palästina" zeigt, das; dieser Organisation ein stetig steigendes Interesse cntgegengebracht wird. Durch die erzielten ■ größeren Einnahmen konnte der Verband eine größere Tätigkeit entfalten. Zu den in Jaffa, Jerusalem und Tibcrias bereits bestehenden Spitzcnschnlcn kam als Neugründnng eine Schule in der Kolonie Ekron, die von 25 Mädchen besucht wird. Die in den verschiedenen Ateliers des Verbands gearbeiteten Spitzen zeichnen sich durch' besonders sorgfältige Ausführung ans und erfreuen sich in Europa, wo sie durch verschiedene Ausstellnngcn bekannt wurden, großer .Beliebtheit. Sie haben sich ein großes Absatzgebiet er- ' obert und biete» vielen jüdischen Frauen und Mädchen in Palästina die Möglichkeit, sich einen für dortige Verhältnisse ziemlich guten Erwerb zu verschaffen. Tie Schriftführerin des Verbandes, Frau Bettv Leszy nski-Berlin, hatte Gelegenheit, ans ihrer Reise durch Palästina sich persönlich von dem Fortschritt der Institutionen zu überzeugen und sich über die Arbeitsmöglichkeiten für die jüdische Frau zu orientieren. Im verflossenen Jahre gelang es denr Verband, durch Gründung einer Mädchen farm einen großen Schritt vorwärts zu tun in dem Bestreben, den jüdischen Kolonisten durch, Heranbildung von Mädchen zu Gartenarbeit, Gemüse und Geflügelzucht eine notwendige Stütze zu schaffen. Denn der Teil der Landwirtschaft, der überall von der Frau besorgt wird, liegt leider sehr im Argen, da die Frauen der Kolonisten, die säst durchweg den östlichen Ghetti entstammen, naturgemäß kein Verständnis für die Landwirtschaft haben. Eine größere Subvention des Herrn Kremenetz k i - Wien und der Simon-Stiftung- Hannover gab dem Verbairde in erster Linie die. Möglichkeit, die unter Leitung von Frl. Dr. Maisel stehende Mädchenfarm in Kinereth bereits im Mai letzten Jahres auf der Farm der Palestine Land Tevelopement Comp, mit 6 Schülerinnen zu eröffnen. Zur Zeit arbeiten bereits 10 Mädchen auf der Farm. Wie uns Direktor Auhagen, der vor kurzem aus Palästina zurückgckehrt ist, mitteilt, sei den Schülerinnen der Mädchenfarm die Anlage der Baumwollpflanzungen dort zu verdanken. Die Schule erfreut sich in der kurzen Zeit ihres Bestehens eines so guten Rufes, daß viele Mädchen, die gern für ihre Ausbildung bezahlen würden, sich zur Aufnahme melden. Leider müssen diese aus Mangel an Wohnungen z urü ckgewiesen werden. Die Mädchen iverden im Gemüsegarten, in der Baumschule, im Geflügelhof, bei der Milchwirtschaft, in der Küche und auch beiin Nähen beschäftigt. Im Winter erhielten sie dreimal wöchentlich theoretischen Unterricht. Ein großes Verdienst hat sich der Verband bei . der Erössnung des jüdischen Hospitals in Haifa erworben. Er gab 6000 Frcs. für die Inneneinrichtung und subventioniert es jährlich mit 1000 Francs. Tie Moskauer Ortsgruppe des Verbands hat außerdem eine Wöchnerinnenstube beim Hospital errichtet. Zn gleichem Zwecke überwies diese Ortsgruppe größere Summen nach Jaffa. \ Ter Verband bringt allen Gebieten, ans denen sich die Frau betätigen kami, Interesse entgegen. Er sucht durch aufklärende Borträge zu verhindern,, daß der bis hierher vordringende M ä d ch e n h a n d e l festen Fuß faßt. Sein Hauptbestreben äst, die jüdischen Mädchen und Frauen arbeitskräftigen und arbeitsfrendigen Menschen hcranzubilden. Ter Verband hat gezeigt, daß seine segensreiche Tätigkeit in dem Maße sich steigert, als seine Mittel wachsen. Es wäre um der hohen Ziele willen, welche der Verband sich gesteckt hat, wünschenswert, daß das Interesse an ihm und seine Mitgliederzahl immer weiter zunehmen, damit er iminer nichr den großen Forderungen, welche an ihn gestellt werden, gerecht werden kann. Anfragen sind zu richten an Frau Betty Leszhnski-Berlin IV. 62 (Bayreutherstr. 36) oder an Frau Rechtsanwalt Gronemann -Berlin kl. (Monbijouplatz 10). Berlin. Die Zahl der Judentaufen in unserer Reichshanptstadt stellte im vergangenen Jahre einen Rekord dar; sie betrug 224 (148 Männer und 76 Frauen). Darmftadt. Bei der letzten Volkszählung am 1. Dez. 1910 wurden in Hessen .2502 ausländische Juden, 715 mehr als im Jahre 1905, gezählt, die fast ausschließlich in den größeren Städten lebten, so in Offen- , bach -1131, in Darmstadt 512 und in Mainz 380. Der Staatsangehörigkeit nach' sind die ausländischen Juden hauptsächlich Russen (1606) und Oesterreicher. (689). Bemerkenswert ist, daß seit der letzten Volkszählung im Jahre 1905 besonders. viele russische Juden in Offenbach eingewandert sind. Dies rührt daher) daß die f olizei im benachbarten Frankfurt a. M. viele russische, irden — nach dem Muster anderer . preußischer Städte .ausgewiesen hat, - nmhrendilpen- -in Ofsenbach die Aufenthaltsbewiltignng anstandslos gewährt' wird. Dem Beruf nach sind die meisten russischen Inden in Offenbach Porteseuiller und Zigarettenarbeiter. Breslau. Der stets für zwei Jahre astgesetzte H anshn l tu ngsplan der israel. Gemeinde sieht für die Zeit vom 1. April 1912 bis 31. März 1911 279 716 im Einnahmesoll und .ik. 554 737 im Ansgabesoll vor. Demnach ist ein Betrag von 275 021 .11. durch Steuern aufznbringcn. Der Vorstand beantragt, zur Aufbringung des fehlenden Betrages die direkte Gemeinde-Steuer in der bisherigen Höhe scstznsetzen, nämlich durch Erhebung von %0,<> — 60 Pfg. (bez. ", ii — 40 Pfg. für die im Landkreise wohnenden Mitglieder) von je 100 Jk des zur Staatssteuer veranlagteil. Einkommens mit den durch die Satzungen (§ 73,3) festgesetzten abgestnfte» Abzügen fiir die niederen Einkommen. Metz. Wie schon in den beiden letzten Jahren, so hat auch dieses Mal die Lothringen-Loge einen S e d e r a b e n d i »i T o l d a t e n h e i m veranstaltet. Soweit nicht einzelne von den Mannschaften Rciscurlanb erhalten hatten, waren sie ziemlich vollzählig erschienen. Außer den etwa vierzig Soldaten in ihren verschiedenen Uniformen hatten sich 'etwa zwanzig Herren lind Damen nebst einigen Knaben und Mädchen cingesnnden, so daß das Ganze einen reizvollen Anblick gewährte. In seiner mit vielem Beifall ansgenommenen Tischrede würdigte D. G o l d s ch m i d t — der geistige Vater des Soldatcnhciins — . die Bedeutung des Pesachfestes. Kattowitz. Am 11. April wurde hier im Hotel Kaiserhof eine Beza l e l - A u s st e l l u n g crösfnet. Gleichzeitig bringt die Ausstellung ein Musterlager des „Verbandes silbischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina" und Palästinabilder von Struck. Wiesbaden. Bon einem Komitee unter dem Vorsitz Rabbiners Dr. Kahn-Wiesbaden und Moritz Sender, Gemeindevorsteher in Biebrich, waren die Vorstände der dem D.-J. G.-B. angehörenden kleinen und mittleren Genieinden des Regierungsbezirks Wiesbaden zu einer internen Sitzung betreffs des d ein n ä ch stig en Gern e i n d e t a g s in Berlin eingeladen worden. Obwohl Direktor Dr. Adler, Frankfurt a. M. und Bezirksrabbiner Dr. Landau die Gemeindevorsteher von dem Besuch dieser Versammlung abgeraten hatten, war dieselbe von 15 Gemeindevorstehern besucht, andere hatten brieflich ihr Fernbleiben entschuldigt. Ter Referent, Moritz A. L ö b - Berlin, behandelte in ausführlicher Weise die letzte Tagung des D.-J. G.-B., die Unterabsichten der geplanten Statutenänderung und deren Folgen für die kleineren Gemeinden. Tie ofsizielle Leitung des D.-J. G.-B. hatte Prof. Dr. Schäfer-Berlin, Louis Sachs -Berlin, Rabb. Tr. S a al sc l d-Mainz, Rabbiner Dr. Italien er-Darmstadt und andere Herrn zu der Versammlung entsendet. Diese Opposition suchte die glänzenden Ausführungen des Referenten durch den Hinweis auf die ersprießliche Tätigkeit des D.-J. G.-B. zu entkräftigen, ging aber auf dessen Vorwürfe betreffs der geplanten Statutenänderung garnicht ein. Wirkungsvoll traten diesen Ausführungen der Referent und Martin L e v i g a r d - Frankfurt a. M. entgegen. Letzterer betonte, daß die Statutenänderung nur die Einbringung eines neuen Entwurfes der Zwangsorganisation ermöglichen sollte. Die Gefahren dieser Zwangjacke besonders in jüdischer Beziehung fiir die kleinen Geincinden schilderte er in beredten Worten. Oesterreich-Uugarrr. Budapest. Die ist. Gemeinde hat bei einem Schutzmarkenstreit vor Gericht das Gutachten abgegeben, daß der T a v i d s ft c r n (Mögen Dovid) bei den Juden nicht jene Bedeutung als religiöses Symbol habe als das Kreuz bei den Christen oder der Halbmond bei den Mohammedanern. Die klägerische Partei, welche gegen die Eintragung einer Schutzmarke für eine Biersorte in der Form eines Mogen-Dovid klagte,* wurde daher abgewiesen. G feuilleton. Akiba. Hi st arische Erzählung von Friedrich Rott. ,Fortsetzung!. Rahels Antlitz strahlte. „Das hat Mosche zu Dir gesagt? — Wie danke idj Dir, daß Du mir baß mitgeteilt hast, sonst hätte ich's doch nicht erfahren, Akiba spricht immer so, als ob er um gar nichts mehr wäre als alle anderen. Mer ich weiß doch, daß er mehr ist, längst habe ich das gewnßt. — Und darum versichere ich Dich nochmals, auch ohne Kind halte ich mich für die glücklichste Frau, wenn ich mir aber trotzdem ein Kind wünsche, so ist das um Akibas willen, namentlich in jüngster Zeit kommt es mir pst. so vor, als würde er etwas vermissen, wenn ich chn aber stage, was, dann hat er immer ausweichende Antworten." Milka wiegte sinnend den Kopf. „Du meinst, das wäre, weil Ihr keine Kinder habt?'" „Ich wüßte wenigstens nicht, was es sonst sein könnte. Es ist allerdings wahr, mit irdischen Glücks-- gütcrn sind ivir nicht überreich gesegnet, aber unsere Gewänder waren doch noch nie so zerrissen, daß ich sie nicht hätte ausbessern können, und satt sind wir auch noch iminer geworden. Also was könnte er vermissen, wenn nicht Kinder?" Milka schüttelte abermals den Kopf. ,FZch glaube, daß Du Dich irrst. — Was er, wie Du glaubst, in jüngster Zeit zu vermissen scheint, das ist doch etwas anderes — —" Rah ei blickte sie betrosfen an. „Wie kannst Du das wissen'? — Woher vermutest Du das?" Milka antwortete nicht sogleich; dann sagte sie: „Dein Gatte hat Dich sehr, sehr lieb." „Das weiß ich," sagte Rahel, glücklich lächelnd,' „aber ich weiß nicht, wieso Du jetzt gerade darauf, kommst." A „Weil ich glaube, daß Akiba aus übergroßer Liebe^ zu Dir nicht sagen will, was er vermißt." „Aber Du weißt es?" Hef Rahel erglühend, „da muht Du cs mir sagen, Mllka, ich bitte Dich! Ich beschwöre Dich!" „Run, nun, nur nicht so wild!" „Mer Du kannst Dir doch senken, Milka-" „Gewiß, ich kann mir denken, daß Du zu wissen wünschest, was Akiba vermißt. — Aber mit Bestimmtheit kann ich Dir das doch auch nicht sagen." „Das weiß ich, aber Du mußt mir sagen, was Du Dir denkst nno warum Du Dir das denkst." „Ich meine: Akiba müßte ein eigenes Lehrhans haben. Das geht hier nicht wegen der anderen älteren Gesetzeslehrer und wegen Deines Baters und noch aus so und so vielen andern Gründen. Mosche hat gesagt, Akiba müßte anderwärts hin, und Akiba sieht das auch wohl ein, aber er sagt, wegen Deiner dürfe er das nicht tun, denn >venn er den ganzen Tag .im Lehrhaus ist, könne er nicht gar so viel verdienen. — Hier hättest Du gute Freunde, die Dir Arbeit geben, und wenn cs ihm auch sehr leid täte, daß Dn Dich so anstrengen müßtest, geschadet hätte es Dir Gottlob doch nicht. Aber wie das anderwärts sein würde? Ob Tu Dich da nicht noch mehr anstrengen muß»? test? — Das dürfe er nicht zngeben. — Das also, meine ich, wird Deinem Miba im Kopfe liegen, darum wird es Dir so Vorkommen, als ob er etwas vermissen würde." Rahel atmete tief auf. „Du wirst recht hüben, Mllka, so wird es sein. — Und ich danke Dir von Herzen, daß Tu mir das gesagt hast, denn jetzt heißt's überlegen, was sich da tun läßt. Aber das sage ich Dir schon jetzt, Akiba muß fort, um jeden Preis." „Und Du?" Rahel zuckte die Achseln.. „Das weiß ich noch nicht» ihm zu Liebe könnte ich auch' ohne ihn sein." „Für ihn könntest Du alles, das weiß er, das hat er gesagt, und eben deshalb hat er mit Dir nicht darüber reden wollen." „Um so größeren Dank schulde ich Dir." - Als die Nacht hereingebrochen war, kam Akiba heim. Mit der flammenden Kerze in der Hand sprach er den Habdalah-Segen. Dann wandte er sich an Rahel und streichelte ihr die rosigen Wangen. Sie lehnte sich gegen ihn und blickte lächelnd zu ihm auf. „Hast Du mich noch lieb?" „Das mußt Dn erst fragen?" „Gewiß muß ich das fragen» denn Du sagst mir 'nichts, nicht einmal das, was Dn weißt, daß es mich freuen würde." Er sah sie verständnislos an.. „Ich weiß nicht, worauf Du anspielst — —" „So schwer von Begriff ist Akiba? — Also sage mir, ist es wahr, daß Rabbi Tarphon zu Dir gesagt hat: „Wer von Dir weicht, weicht von seinem ewigen Leben; was die Ueberliefernng vergißt, das stellst Du durch Deine Deutungen wieder her". Hat er das zu Dir gesagt?" „Das hat er," versetzte er lächelnd, „aber woher weißt Du's?" „Bon andern Leuten!" „Verzeihe. Dein Borwurf ist berechtigt, ich hätte wissen sollen, daß Dich dies freut, — ich hätte es Dir sagen sollen, denn jedes Lob, das mir wird, gebührt von rechtswegen Dir. — Denn was wäre ich ohne Dich?" „Vermutlich dasselbe, was Du bist, ein Großer in Israel." .....