Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 15 (19.4.1912)
- Date
- 1912-04-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15. «K 4 Tranffwcier ArwelitWeL FamAi«iLlatk. „Denn ich dereinst dieser Bezeichnung wüchtz sein werde, so werde ich auch dieses Mr zu danken haben." (Fortsetzung folgt.) nDTlH ]. 1.Int. 11k. p. Hamen}. U F » E I^ - Ecke Nme Hainzentr. h. WalMfrauenstr. n. Elektr. Klaiiibaleuchtung. Taschenlampen. Eingesandt. Orthodoxie uud Zionismus.*) Von Jsch Zioui. In Nummer 14 des „Israelit" veröffentlicht Herr Dr. Jsak Breuer einen längeren Artikel, in dem er die Vorwürfe zu entkräften sucht, die ich in Nr. 8 des Franks. Jsr. Familienblattes gegen die Orthodoxie, speziell gegen den B. j. A. erhoben habe. Seine Ausführungen lassen sich inhaltlich in zwei Teile gliedern. Er will zeigen, 1. daß derselbe Borwurf, den ich der Orthodoxie inache, nämlich, dich sie unberechtigterweise sich mit dem Gesamtjudentum identifiziere, auch den Zionismus treffe; 2. daß das für die Orthodoxie kein Borwurf sei, denn sie habe das Recht, sich als das gesamte positive Judentum zu betrachten. Dabei sucht er den Mangel an Schärfe der Beweisführung zu ersetzen zum Teil durch eine von seinem Standpunkt vollberechtigte Begeisterung, zum. Teil über durch einen sehr übe^ angebrachten arroganten Ton. Trotzdem will ich versuchen, bei meiner Erwiderung meine von Herrn Dr. Breuer so selbstbewußt verspottete Objektivität auch weiter walten zu lassen. Bei Punkt 1. habe ich Folgendes zu bemerken: Wie Herr Dr. B. selbst zugibt, behauptet die Orthodoxie, die einzig berechtigte Auffassung im Judentum zu sein, daß also jeder, der nicht mit dieser Auffassung übereinstimmt, sich außerhalb des positiven Judentums stellt. Der Zionismus hat nie behauptet, das einzig berechtigte positive Judentum zu sein, der Zionismus setzt über den Inhalt des Judentums überhcmpt nichts voraus, er will nur für die Judenheit die Möglichkeit schaffen, das Judentum naturgemäß weiter zu entwickeln. Freilich setzt der Zionismus eine Überzeugung voraus, nämlich, daß sein Weg der richtige ist. Wer diese Ueberzeugung nicht teilt, ist nicht Zionist, aber deshalb behauptet doch niemand, daß er kein vollberechtigter Jude ist. Jude ist selbst der, der das Judentum zugrunde richten will; ckber er ist kein positiver Jude, weil das Wort positiv eben ein Ausdruck für die ganz bestimmte Anschauung -ist, daß das Judentum erhalten bleiben und positive Werte schaffen soll. Orthodoxie, Zionismus und alle Richtungen, die ehrlich eine Erhaltung des Judentums wollen, sind Telle des positiven Gesamtjudentums. Jede Richtung setzt eine Ueberzengung voraus, aber keine hat das Recht, sich mit dem Gesamtjudentum zu identifizieren. Der Zionismus aber — und mit ihm außer den zionistischen Verbänden in der Studentenschaft der B. j. C. >— kann behaupten, die Interessen des positiven Gesamtjudentums zu vertreten, was nicht, gleich „identisch sein" ist. Das kann er deshalb, weil er nichts über den Inhalt des Judentums voraussetzt, sondern mit dem Willen zum Judentum sich begnügt. Und tatsächlich lassen sich die Zu>nisten selbst durch die größte Gehässigkett der Orthodoxie nie abhalten, auch die bedrohten Interessen der Orchodoxie schützen zu helfen» wenn' dadurch dem Gesamtjudentum ein Dienst geschieht. Uebrigens ist mir ein. Geständnis des Herrn Dr. B. wertvoll: Da der B. j. C. wie Las Kl Z. V. die Entkonfessiönalisierüng des Judentums betreiben, so ist es damit dem gesetzestreuen Juden unmöglich gemacht, einem dieser Verbände beizutreten. Das Judentum ist also nach Herrn Dr. B. eine Konfession gleich dem Katholizismus. Dieses Bekenntnis wlll ich mir merken. Da die Orthodoxie das hiswrische Judentum darstellen will, so möchte ich mir nur die Frage erlauben, wie Konfession aus Hebräisch heißt. Vielleicht wird Herr Dr. B. auf der Suche nach dem entsprechenden Wort der Gedanke kommen, daß Konfession ein so unwesenllicher Begriff für das Judentum ist, daß er als Grundlage fir eine aus historii , *) Wir gewähren dem angegriffenen Schreiber des in unserer Zeitung veröffenllichwn Eingesandts Raum, f obwohl wir uns mit wesentlichen Punkten der Ausführungen durchaus' nicht identifizieren. Unseren Lesern wird es zur Genüge bekannt sein, daß wir ganz auf dem Boden der Tradition stehen und deren Verbindlichkeit für alle Fälle für uns gilt. D. R. schem Boden stehende jüdische Gemeinschaft unmöglich in Betracht kommen kann. Nun zu Punkt 2! Der Gedankengang ist hier etwa folgender: Jede Gesamtheit hat das Recht, von den einzelnen den Gehorsam der Tat zu verlangen, infolgedessen hat auch das Judentum dieses Recht. Da die Orthodoxie allein diesen Gehorsani leistet, so ist sie die einzig wahre Vertreterin des Judentums. Zunächst die Frage: Welche Gesamtheit hat dieses Recht, die organisierte oder auch die unorganisierte? Es gibt nämlich auch unorganisierte, natürliche Gesamtheiten, wie Familie im weiten und engeren Sinn. Wer setzt da den Gesamtwillen fest, und wie läßt sich dieser bestimmen? Wer bestimmt de» Gesamtwlllen eines Volkes? Tie Majorität? Hat diese das Recht, der Minorität ihren Willen vorzuschreiben? Aber vielleicht meint Herr Tr. B., das Judentitin sei eine organisierte Gcsamthell, die am Sinai organisiert worden sei und nun zu gehorchen habe. Wenn ich hier auch absehen will von der Frage, ob eine Organisation sich überhaupt auf Nachkommen ohne weiteres übertragen kann, so wird Herr Dr. B. zum mindesten zugestehen, daß die Ueberzeugung von der göttlichen Gesetzgebung und der Berechtigung der Weisen, uns Gesetze vorzuschreiben, dazu gehört, um sich organisiert zu fühlen. Das jüdische Volk ist heute eben nicht mehr organisiert, well es nicht in seiner Gesamtheit diese Organisation mehr anerkennt, und grade deshalb will der Zionismus eine Organisation schaffen, in deren Rahmen das Gesamtjudentum hineinpaßt. Ich. möchte aber noch weiter fragen: Hat selbst; die organisierte Gesamthell das Recht, in allen Dingen von ihren Mitgliedern Gehorsam Lu verlangen? Ich. dachte immer, sie hat nur soweit ihren Atitgliedern Vorschriften zu machen, als zur Erreichung des Organisationszwecks nötig ist. Airs diesem Grunde kann z. B. auch die zionistische Organisation ihren Atitgliedern keinerlei Vorschrift über ihre Lebensführung inache». Uebrigens habe ich noch nicht gewußt, daß für die Orthodoxie das jüdische Gesetz der Gesamtwille ist. Ich hielt es im Sinne .der Orthodoxie für den göltlichen Willen. Daher hat auch die Orthodoxie das Recht, dem Gesamtwillen zu widerstreben, well sie deir göttlichen Willen zu erfüllen glaubt, daher hat sie auch das moralische Recht, Sondergemeinden zu bilden. Sonst müßte sie sich doch dem nelien Gesamtwillen ebenso beugen wie dem alten. Daher hat sie aber andererseits keine Veranlassung, solchen Organisationssormen zu widerstreben, die auf menschlicher, politischer Organisation beruhend, ihren Gesamtwlllen prinzipiell von religiösen Fragen fernhalten. Die Bemerkung, daß 18 jährige Leute noch keine Ueberzeugung haben, ist belanglos. . Tie Überzeugung mag noch nicht ausgereift sein, aber eine Ueberzeugung hat jeder. Und es gibt viele junge Heute von 18 Jahren, die gar manche Gründe haben, die orthodoxe Weltanschauung abzulehnen. Und solche junge Leute werden zu leicht Feinde des Judentums überhaupt, da sie oft selbst glauben, Orthodoxie sei mit Judentum identisch. Die Haüptschwierigkeit, die wir bei solchen finden, die, ohne den Zionismus zu kennen, von der Orthodoxie sich losgesagt haben, ist die Furcht, man solle auf Umwegen zur Orthodoxie zurückgeführt werden. Und da doch Herr Dr. Breuer in seiner großen Gnade uns die Daseinsberechtigung als „Asyl für solche Obdachlose" zuerkennt, so sollte er auchdarauf hinwirken, daß uns bei unserem Werben mir diese nicht immer Steine in den Weg gelegt werden. Dann wird auch er mit seinen Gesinnungsfreunden für das Gesamtjudentum tätig - sein, insofern als er ihm wenigstens nicht .mehr schadet. I&ai»er Frledricu Quelle - Offenbacn a> Ä. — ' — Gegen Gicht and BheamatiBinns bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stahl. Frankfurt a. M., Stallbnrgstr. 9. TeL 259 n. 714. Wocherr-Kalender. (Zeitangaben nach dem Luacb.) Samstag, den 20. April i— 3. Ijan. Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr — Min. Sabbat-Ausgang j« Frankfurt a. M. 8 Uhr 15 Min. in Berlin 7 Uhr 50 Min. Wochenabschnitte: Sasria und Mezanro. — Reinheitsvorschriften tfür die Wöchnerin. Gesetze über Aussatz oder Ausschlag, der an Menschen, Häusern oder Kleider sich zeigt. Nur der Priester hatte das Urteil zu sprechen n»t> zu bestimmen, ob der bete. AuSsatz als „reiner" oder „unreiner" anzusehen sei. Dazu war oft eine Quarantäne von einer, zwei oder drei Wochen ' nötig, um die Symptome, die gleichfalls angegeben werden, zu beobachten. Ter Unreine mußte außerhalb des Lagers weiten bis zur Reinheitserlangung. Ein „unreines Haus" macht den Eintretenden uud die Geräte dortselbs! „tome." ■ — Bei der „Reinigung" mußten verschiedene Opfer gebracht werden, wobei Zedernholz. Asop und Karmesinsaden Verwendung fanden, ähnlich wie beim Bereiten des Opfers der „roten Kuh." Tauben wurden über lebendigem.Quellwasser geschlachtet, Blur und Oel an Daumen, große Zehe und Ohrläppchen gestrichen. Wir wissen Grund und Bedeutung dieser Verordnungen nicht zu erklären! Fest steht, daß wir sie nicht als sanitäre Gesetze gegen Lepra und die Priester als „Sanitätsbehörden" anzusehen haben. — Am Ende des Wochenabschnittes Mezanro sind jene Reinheitsgcsetze mitgeteilt, die es mit leidenden ^Zuständen des menschlichen Körpers — bei männlichen und weiblichen Personerl — zu tun haben. Alle diese Verordnungen sollerr zur Heiligkeit führen. Sie sind charakteristisch für Israels Welt- und Lebens-Anschauung. Freitag abend (19. April) 18. Samstag „ (20. „ ) — 19. Sonntag „ (21. ) 20. Montag „ (22. „ ) 21. Dienstag „ (23. ., ) =: 22. Mittwoch ,, (24. ., =: 23. Donnerstag ft (25. „ ) --- 24. Frankfurter Möbelmagazin ftoberZ Simon Ausstellung compl.Wohnräume Qr.Eschenheimer5lT.39'ij.39a Schillerst!. 26. Frankfurter Familieunachrichten. Geboren. E. Sohn, L. Gorbitz (Lipschitz), Burg, straße 19. — E. Sohn, S. Seligmann (Müller), Bocken heimeranlage 7. — E. Tochter, Dr. Carl Strauß!j (Blanck), Baumweg! — E. Tochter, Ludwig Schweizer. - Kettenhofweg 121. — E. 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