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Neue jüdische Presse · 1912-04-12 · Heft 14 (12.4.1912) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 14 (12.4.1912)
Date
1912-04-12
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 14. viel weniger als die bei weitein leistungsfähigeren Großgemeinden leisteten, scharf auf der Hut sein und vor allem dafür sorgen, sich die Freiheit ihres.Wahlrechts zu erhalten, um weitere.Eingriffe in .ihre Rechte zu verhüten. Hieran' schloß sich eine Diskussion, an der sich Generalsekretär Tr. Reumann vom D-J.-G.--B., Rabb. Tr. Diene mann und Gemeindevorsteher N o t h m a n n beteiligten. . Zu dem Verlauf dieser Versammlung ist — entgegen dem Berichte einer Zeitung — folgendes zu bemerken: Die Versammlung war nicht von einigen Herren, sondern von drei Gemeinden einberufen worden, und der Beschluß, in einer Vollversammlung des Oppelner Verbandes noch einmal zu der vom D.-J. G.-B. beabsichtigten Statutenänderung Stellung zu nehmen, wurde einmütig gefaßt. Mit diesem Beschlüsse wurde bezweckt, den kleinen Gemeinden.noch einmal die Bedeutung der richtigen Vergebung ihrer Mandate vor Augen zu führen. WandSbek. Die hiesige jüdische Gemeinde hat einen erheblichen Zuwachs , .. erfahren. Die Regierung hat ihr sämtliche im Kreise Stormarn wohnenden Juden — ausgenommen die' in Ahrensburg — als Mitglieder zugcwiesen. Der Verwaltungsbereich der jüdischen Gemeinde in Wandsbek erstreckt sich.somit auf mehr als 100. Ortschaften, und der Rabbiner in Wandsbek ist Kreisrabbiner für Wandsbek und Stormarn. Rußland. Kiew. Soeben wird hier bekannt, daß auch eine Anzahl der angesehensten französischen Gelehrten, Politiker, Künstler und Schriftsteller eine ähnliche Protesterklärung gegen den Ritualmordwahn veröffentlicht haben, wie sie die Männer des öffentlichen Lebens in Deutschland erlassen hatten. Auch in Oesterreich und Däne m a r k verösfentlicht die dortige Presse Kundgebungen gleichen Inhalts. Die „echtrussischen" Zeitungen scheuen sich natürlich nicht, über die Unterzeichner der ' Proteste herzufaUen und zu behaupten, die protestierenden Intellektuellen des Auslandes seien samt und sonders Juden und Freimaurer. Trotzdem haben diese Kundgebungen, die von sämtlichen großen Tageszeitungen wörtlich oder im Auszug abgedruckt werden, ihre Wirkung nicht verfehlt, indem sie die schamlose Pogromhetze etwas eindämmten. Schweiz. Zürich. Die iiraelit. Kultusgemeinde feierte mit einem' Festgottesdieust ihr 50 j ä h r'i g e s B e st e h e n. Von den zwölf Gründern leben noch 'B r u n sch w i g - Rachmühl und Leopold Weil. Heute ist die Zahl der Gemeindemitglieder mehr als 500. Paläfttua. Jaffa. In dem mächtigen jüdischen Villenviertel „Tel Awiw" gibt es jetzt 94 Ein- und Zweifamilienhäuser niit 502 Wohnzimmern, 135 Küchen und 106 modern ausgestattetcn Badezimmern. Neben „Tel Atviw" tvird jetzt mit Hilfe des Jüd. Nationalfonds ein zweites jüdisches Stadtviertel erbaut: in .diesem — „Nachalath Benjamin" — stehen bereits 21 Häuser. '; Jaffa. Bor etwa I«/« Jahren begründete hier Frau Tr. Arthur Ru pp in eine - Musikschule. . Tie Anstalt wurde mit 40 Schülern cröfsuet. zählt aber gegenwärtig bereits über 80 Schüler und Schülerinnen. Das Schulgeld wird im lausenden Jahre ca. 8—10000 Francs betragen. Es gibt aber' auch Freischüler. Die Lehrer der Anstalt haben : ihre Studien durchweg an europäischen Konservatorien absolviert. Auch in Ier usalcm. wurde vor einem halben Jahre unter Leitung von Frau Tr. Ruppin eine Musikschule ins Leben gerufen. Egypten. Cairo. Am 10. März wurde hier die Ausstellung des Bezalel geschlossen. Sie war ein wirklich großes Ereignis im jüdischen Leben unserer Stadt. Besonders erfreulich' ist es, daß die vornehmen sephardischen Kreise, die sonst leider sehr wenig für das Judentum leisten, der Ausstellung reges Interesse entqegenbrachten. Tie Eröffnung der Ausstellung erfolgte durch den Präsidenten der Kultusgemeinde, Exzellenz Cattaui Pascha, der das Protektorat übernommen hatte. Auch' die Spitzen der nichtjüdischen Gesellschaft und viele hohe Regierungsbeamte besuchten die Ausstellung und erkundigten sich lebhaft nach allen Einzelheiten der Bezalelschule. Besonders groß war das Interesse der hiesigen Kunst- und Kunstgewerbeschuleu Ecole . des Beaux Arts und Ecole des Arts et. Metiers. Für die Museen dieser Anstalten wurden zahlreiche s Ausstellungsgegenstände als Modelle angekauft. Großes Aufsehen erregte der'B'esuch des Barons Edmund v. R o t h s ch i fb aus Paris, des großherzigen Förderers der jüdischen Uckerbaukolonien 'in Palästina, der wiederholt in Gesellschaft seiner Gattin in den Ausstellungsräumen weilte. Kurz vor seiner Abreise! aus Kairo erschien Baron Rothschild noch zweimal' in, der Ausstellung und unterhielt sichmit deren Leiter, Maler G o 1 Mer g, über die ttinsllerische Richtung des„Pezalel" und über hi? Bestrebungen- - -der Anstalt, -die-Hiusischtz Frankfurter ZfraektWB FümMenblatk. Bevölkerung Jerusalems in 7 produktive Berufe überzuführen und sie allmählich unabhängig von den Almosen der Chälukka zu machen. '' Amerika. New-Aork. Dr. Mossinsohn, der am 23. März Amerika wieder verließ, hat hier für das Jaffaer hebräische Gymnasium etwa 35 000 Dollars gesammelt. Mek «Witt. Historische Erzählung von Friedrich Rott. «Fortsetzung). „Wer war Las?" fragte Akiba hastig. Rahel blickte staunend zu ihm hinüber. „Das weißt Du nicht?" Eine Blutwelle überflutete plötzlich sein männlich schönes Angesicht. „Gewußt habe ich's nicht, aber jetzt habe ich's erraten. — Was hat Dein Vater Dir damals geantwortet?" Rahel ^zögerte, und nur leise kamen die Worte aus ihrem Munde: „Er hat behauptet, meine Mutter müsse nicht mehr bei vollem Bewußtsein gewesen sein, sonst hätte sie ihm einen derartigen Vorschlag nicht machen können." Auch Akiba atmete schwer auf, und beide blickten sinnend vor sich nieder. Mehrere Minuten herrschte lautloses Schweigen, denn Frau Bele hatte sich schon vorhin entfernt. Endlich begann Slkiba halblaut mit bebender Stimme: „Rahel, der junge Mann, mit dem Dein, Vater Dich verheiraten wollte, ist ein Jüngling, an dessen Seite Dü alles finden würdest, was ein iunges Mädchen sich wünschen kann. — Warum hast Du ihn zurnckgewiesen?" Sie war erblaßt. „Akiba!" schrie sie auf, „das kannst Dü fragen? — Du?" „Dü hast recht, — ich hätte das nicht zu fragen brauchen. — Aber ich wollte Dich erinnern, was Du alles zurückgennesen hast, — weil — weil ich Dir so gar nichts bieten kann." Sie war im Nu wie mit Purpur überschüttet. „Ich verstehe Dich nicht. Was' kannst Du mir nicht bieten?" „Nichts, gar nichts von alledem, was der junae Mann Dir bieten könnte. Len Dein Vater für Dich bestimmt hatte. — Ich habe zwar," fuhr er nach kurzer Panse fort, „von Deinen hochherzigen Gaben schon seit zwei Jahren keinen Gebrauch mehr gemacht — —" Er zog bei diesen Worten drei Säckchen mit Silbermünzen aus der Tasche. Rahel war sichtlich 'bestürzt. „Dü hast düs Gel» nicht gebraucht? — Und ich war so stolz und so glücklich in dem Glauben, daß Du durch dieses Geld weniger Zeit zur Erwerbung Deines Lebensunterhaltes zu verwenden brauchtest!" „Sei unbesorgt! Jü den ersten drei Jahren hat Deine Unterstützung mein Studium allerdinas wesentlich gefördert. Seitdem ich jedoch mehr fortgeschritten bin, wird es durch einige Stunden' körperlicher Arbeit keineswegs unterbrochen; auch beim Holzhacken, Wasserträger: oder ähnlicher Arbeit kann! ich in der Gotteslehre forschen, und ich hätte Dir langst sagen lasten, daß ich Deiner Unterstützung nicht mehr bedarf, wenn ich' nicht aefürchtet hätte. Dich dadurch zw verletzen, denn ich weiß es ja, wie gern Dü mir. hilfst." Sie blickte lächelnd zu ihm hinüber. „WieDu mich kennst! — Aber ivarünr hast Dü mir die Freude nicht länger gelassen? Warum entziehst Dü mir jetzt den mich beglückenden Wähn?" „Well Du heute selber so arm bist wie ich. Weil Du sonst trotz Deiner Armut Mittel und Wege finden würdest, mir Geld zukommen zu lassen, wenn Du auch deshalb darben oder Dir den größten Teil Deines Schlafes entziehen müßtest. Habe ich nicht recht?" Sie sah sich entwaffnet. „Du Hast immer recht, selbstverständlich. Du bist dochviel weiser als ich." , „Das ist nicht wahr. Wdnn Dü .nicht viel weiser gewesen wärest als' ich, so wäre ich höchstwahrscheinlich heute noch ein solcher Amhaarez wir vor fünf Jahxen. Das wirst Du Loch zügeb'en?" Sic schüttelte ablehnend Len Kopf,' „Wenn nicht durch mich, wärest Du vermutlich durch einen anderen zur Einsicht gekommen." Er schüttelte gleichfalls den Kopf. „Nein, -nur durch Dich habe ich zur Einsicht gelirngen' können, ^Erinnerst Ml. Dich. nMk. -Mn -,mir Seite 3. zwar nicht verheißen, aber doch in Aussicht gestellt hast? — Sage, Rahel, erinnerst Du Dich daran nicht, mehr?" .; - 1 : Rahels Antlitz war im Nu wie in Glut getaucht, selbst ihre sonst blendend weiße Sttrn war gerötet bis hinauf unter das dnnkelglänzende Geringel, das darauf siel, ihre Augen hafteten an dem Fußboden, und ihre leise bebenden Lippen blieben geschlosten. Der Mann ihr gegenüber schien sie mit den Augen verschlingen zu wollen. Er neigte sich etwas näher zu ihr und fuhr halblaut flüsternd fort: „Rahel, liebe Rahel, Du willst mir nicht sagen, daß Du Dich erinnerst, welchen Lohn Du mir in Aussicht gestellt hast?" Sie preßte beide Hände gegen den wogenden Busen und bemühte sich vergebens, ein Wort hervvrzubringen; — dann, ohne den Blick zu heben, neigte sie bejahend das liebliaie Köpfchen. „Du erinnerst Dich," rief er frohlockend, „ich wußte es ja! Uni» nun," seine Sümme wurde plötzlich belegt und merklich unsicher, „Rahel, liebe Rahel, Du weißt, ich habe meine Zusage gehalten, — allerdings nur in der allerersten Zeit im Hinblick auf den mir in Aussicht gestellten Lohn —, aber Du hast ihn mir ja doch in Aussicht gestellt, und —" „Und weißt Du denn nicht, wie glücklich ich wäre, wenn — wenn —; aber —i Du weißt doch —ment Rater —, nie wird er es zugeben." „Er hat es doch bereits zugegeben." Sie blickte ihn betroffen an. „Das ist ein Irrtum." „Ich glaube nicht. Hat denn Dein Vater nicht gesagt, daß er Dich verstößt. Dich nicht mehr als senk Kind bettachtet, wenn Du Dich weigerst, den zu nehmen, mit denk er Dich verheiraten will?" Rahel erblaßte bis auf die Lippen. „Allerdings, das hat er gesagt." „Und hat er nicht hinzugefügt, wenn Dü den nicht nimmst, so könntest Dn seinethalben heiraten, wen Dn wolltest, einen römischen Henkersknecht, seinen einstigen Meschores oder sonst irgend einen Lumpenhund, — hat er das nicht gesagt?" „Gewiß," staimnelte sie, „das alles hat er gesagt." „Nun also, Kind, was willst Du denn mehr? So hast Du doch freie Hand — —" Rahel stieß einen Freudenschrei ans. während ein Sttom von Tränen ihren Augen entstürzte. „Muhme Bele! Muhme Bele!" rief sie der eben Eintretenden entgegen, „ich kann heiraten, wen ich will, der Vater hat's gesagt!" „Habe ich Dir denn das nicht schon gestern gesagt?" wandte sich die Alte triumphierend an Akiba, sitzt das Kind da und sagt Bechios, wohingegen sie hätte Hallet sagen und dem Obersten danken und ihn loben sollen, daß alles so gekommen ist." * Akibas eheliche Verbindung mit der verstoßenen Tochter eines der reichsten Männer Jerusalems erregte großes Auffehen, namentlich, da man erst davon erfuhr, ats sie bereits vollzogen und 'Akiba in Frau Beles Häuschen zu seiner jungen Gattin übersiedelt war. Seine Freunde beglückwünschten ihn von Herzen; andere tadelten sein Vorgehen, daß er gegen den Willen des Vaters sich mit der Tochter verbunden batte; noch andere gaben ihm wohl im Herzen recht, hielten sich jedoch ttotzdem fern von ihm, um es mit. dem reichen Manne nicht zu verderben. — Das junge Ehepaar kümmerte sich weder um die einen noch um die andern. TröA ihrer ärmlichen Berbältnisse fühlten sie sich fir glücklich, daß sie sich auch nicht glücklicher hätten fUken können, selbst wenn Indiens Schätze zu ihrer VH^güng gestanden hätten. Und auch Frau Bele pries Tag^für Tag ihr Glück, daß es ihr möglich gewesen wäre,/ „den größten Gelehrten in Israel einzusetzen", dennAhie Kinderlose betrachtete ihre Nichte als ihre Tochter Vergebens verwies Akiba ihr, daß sie seine Persönlichkeit überschätze, sie ließ sich nicht beirren. Tatsächlich gab es auch' schon damals bedeutende Männer, die Akibas Größe neidlos anerkarmten. Wiederholt bemühten sie sich, Kalba Sabua mit seiner Tochter und deren Gatten zu versöhnen, indem sie ihm vorstellten, wie sie sich geehrt gefühlt hätten, wenn es ihnen gelungen wäre, ihn als Schwiegersohn zu erhalten. Im Grunde seines Herzens tat es dem eitlen Manne wohl, seinen Schwiegersohn, — denn das war er ttotz allem doch nun einmal —, von den angesehensten Männern rühmen zu hören. Wäre seine Frau nicht gewesen, so hätte er sich sicherlich mit seinen Kindern ausgesöhnt. Mer diese

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