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Neue jüdische Presse · 1912-03-15 · Heft 11 (15.3.1912) · p. Seite 12

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 11 (15.3.1912)
Date
1912-03-15
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Frankfurter MraelitisHS FamilieMakk. Seite 12 London. Das glücklicherweise ungefährlich verlaufene Attentat auf Leopold de Roths child hat für diesen in der gesamten hiesigen Judenheu lebhafte Sympathiekundgebungen hervorgerufen. In wenigen Tagen sind 150000 J6. für das „Jüd. Hospital" und das „Jüd. Altenheim" gespendet worden, deren Präsident Rothschild ist, und für die er vor einiger Zeit einen Auftuf erlassen hatte. Daß das jüdische Publikum diese Form für seine Sympathiekundgebung geftinden hat, zeigt, wieviel gut jüdisches Gefühl noch vorhanden ist. Der Attentäter, der 30jährige Student William Tebit, ist ein Londoner Jude, der infolge geistiger Ueberanstrengung hochgradig nervös ist. Er ivollte Lord Nathanrel Rothschild erschießen, und da er die Rothschilds nicht von Gesicht kannte, sondern nur das Rothschildsche Automobil, so schoß er auf Leopold de Rothschild. Die erste Glückwunschdepeesche, die bei Leopold de Rothschild eintraf, war von König Georg. London. Herrund Frau Moritz Glaser feierten die diamantene Hochzeit. Der Jubilar war Mitgründer und Präsident der jüdischen Gemeinde in Buenos Ayres. Petersburg (Rußland). Die Erben des Barons HoraceGinzburg haben anläßlich der nunmehr erfolgten Erbschaftsverteilung 200 000 Rubel für kulturelle und philanthropische Institutionen bestimmt. — Die Brüder Wawelberg haben 3000 Rubel jährlich als Stipendien für jüdische Studenten gestiftet. Warschau. In dem Stäbchen Floreschti (Bessarabien) wurde die Krämerfamilie Jankclenitsch — Mann, Frau und drei Kinder — in ihrer Wohnung ermordet vorgcfunden. Als Mörder wurde durch den Polizeihund ein Bauer entdeckt. Die Bauern des betreffenden Dorfes waren von der Kunst des Hundes so überrascht, daß sie an 100 Rubel sammelten und den Gensdarmen schenkten, der ein solch' ungewöhnliches Tier besitzt. Bern (Schweiz) Im Großen Rat des Kantons Bern - erreichte bei den Einbürgerungen, bei denen wiederuni verschiedene jurassische Gemeinden durch ihre gewerbsmäßige Praxis auffielen, einzig Dr. L i f s ch i tz, Dozent an der Universität Bern, ein geborener Russe, die erforderliche Zweidrittelsmehrheit nicht. Rew-Nork. James Speyer empfing vom Deutschen Kaiser den Roten Adlcrorden 2. Klasse in Anerkennung seiner Bestrebungen zur Pflege freundschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschland und den Bereinigten Staaten. — In Montreal, der Haupstadt Kanadas, wurde der Kailfinann Abraham B l u nr c n t h a l zum Ratsherrn gewählt. —■ .! In Philadelphia feierten MYer Schlesinger und Frau Lena geb. Sturm die goldene Hochzeit. Der Jubilar war Großpräsident der Distrikts-Großlogc Nr. 3 I. O. B. B. Er ist aus Eppingen in Baden gebürtig. Er ne st T hakmann, Seniorchef des bekannte» Bankhauses Ladenburg, Thalmann u. Co., verschied im 61. Lebensjahre. Aus der zionistische« Bewegung. Gießen. Am 10. März hielt Oberlehrer D. Ta ch au er- Franksurt a. M. hier einen Lichtbilder-Bor trag über Palästina. In beredten Worten schilderte er das aufstrebende jüdische Leben in unserer alt¬ Nr. 11. neuen .Heimat und die. interessanten Eindrücke und- Erfahrungen, die er während seines längeren Aufenthalts dort gesammelt hat und beleuchtete in objektiver Weist Licht- und Schattenseiten des in steter Entwickelung begriffenen Landes. Eine besondere Würze gab» Herr Tachauer seinen» Ausführungen durch die lebendige Schilderung der mannigfachen persönlichen Erlebnisse, die ihm in dem eigenartigen Lande begegnet sind. Das hoffnungsreiche Bild, das der Redner vor uns entrollte, machte auf die Zuhörer einen starken Eindruck. I. B. Aus der Lehrerwett. Berlin. In der hiesigen ,W i s s e n s ch a s t l. Bereinigung der jüd. Lehrer und Lehrerinnen" sprach Lehrer Geismar über das Thema „A l t h c b r ä - -i s ch e S ch r i f t." Referent führte folgendes aus: Unsere heutigen Buchstaben tragen noch als persönliche Bestandteile die Formen der althebräischen Buchstaben. Die althcbräischc Schrift ist die älteste Buchstabenschrift; ihre Vorläufer sind: Bilder-, Karten-, Wortzeichen- und Silbenschrift. Der Erfindung der Buchstabenschrift kommt dieselbe Bedeutung zu wie ''der Erfindung der Buchdruckerkunst. Die Buchstabenschrift ist über Phönizicn, Griechenland und Rom ins Abendland gekommen. Sie wurde zuerst nur bei den nordsemitische» Völkern geschrieben (neben der amtlichen^ Keilschrift). Die Dokumente der althebräischen Schrift sind: der Wesastein, phönizische Inschriften und die Siloah-Inschrift, sämtlich ans dem 8. und 9. Jahrhundert v. Ehr. Die Formen - der Buchstaben ändern sich bald durch Anlehnung an die nationalen Zeichen: nur bei den Juden behalte» .sie ihre Form bei, woraus Tel. 5736 Tel. 5736 Jnh. Bernh. Himmler Frankfurt a. HL. Hochsir. 2, am Eschenheimer Turm. 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