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Neue jüdische Presse · 1912-03-01 · Heft 9 (1.3.1912) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 9 (1.3.1912)
Date
1912-03-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Leite 11 Nr.. 9 Frankstlrter Israelitisches FaMierLlatk. Gumpertz'sches Siechenhaus. r*^Q3LSe«Qs FÄsadESSS^fJi.Ä •i-ssnSfc -TiXKZ. Männerhaus (Rückansicht). Aus der ziorristischeu Bewegung. Berlin. Davis Tri et sch spricht in einem vom zionistischen Verein „West-Berlin" veranstalteten V o r l e s u n g s z y k l n s über j ü d i s ch e Emigration nnd Kolonisation. Die Vorlesungen, die vier Abende (Doppelstunden) umfasse», finden an den Dienstagen des Monats März, abends 8 Uhr in der Charlottenburger Gemeindeschüle (Bleibtreustraße 43) statt. Offenbach a. M. Zion. Ortsgruppe. — Oberlehrer Tachaucr führte dem mit gespannter Aufmerksamkeit lauschenden Publikum das emporblühende, „neue Leben in Palästina" vor die Seele. Der Referent, der selber Palästina bereist und in einer dortigen Schule einige Zeit gewirkt Hatte, zeigte in seinem Referate durch Wort und Bild, wie das Land unsrer Sehnsucht in einem erfreulichen Evolutionsstadium begriffen ist. lieber 60 Bilder erläuterten den Vortrag. Besondern Eindruck machten die Bilder der Kolonien, Ueberhaupt jüdische Kolonien! Und überdies auf heimatlichem Boden! Es ist ein warmes, wonniges Gefiihl, das die Seele dnrchströmt beim Anblick dieser Kolonien, die von einem eigentümlichen, märchenhaften Zauber umwöbcn sind und von denen das Herz schon so oft geträumt hat. Interessant und geishxich wie die Bilder, 'waren auch die Episoden und Reiseabenteuer, die der Redner in spannender Weise vortrug. Eines seiner grotesken Erlebnisse war jener seiner Zeit in deutscher Presse berichtete Ueberfall eines Arabers auf einen deutschen Touristen, der sich dessen Leitung anvertrante. Oberlehrer Tachauer war jener deutsche Tourist, der unter den nicht geringen Folgen jenes Ueberfalls lange zu leiden , hatte und erst in Deutschland vollständige Genesung fand. Aber — so schloß der Referent — seine unvergeßlichen Eindrücke und Empfindungen, die er im heiligen Lande gewonnen hätte, entschädigten ihn reichlich für seine körperlichen Leiden. Reicher Beifall lohnte den Redner. D. . . München. Die zionist. Ortsgruppe entfaltet diesen Winter eine große Rührigkeit. So Halle sie gleich nach dem Sombart'schen Bortrag eine» Diskussionsabend über dessen Thema veranstaltet — der bei zahlreicher Beteiligung einen recht anregenden Verlauf nahm. Wie kam Sombart, als unbefangener Forscher, als Außenstehender dazu, die Lösung der Judenfrage auf dem Wege zu suchen, den die zionistische Bewegung seit Jahren weist? Da seine Begründung sich aber nur in den äußeren Punkten mit dem deckt, was uns diesen Weg geführt hat, war cs nötig, auch unseren Standpunkt zu diesen Fragen darzulegen, und deshalb hatte die Ortsgruppe auf den 26. Februar zu einem öffentlichen Vortrag eingeladen, wo unser bekannter Dr. Schein. Kevin, Mitglied des E. A.-K-, über die „Tragödie der' H e i m a t l o s i g ke i t" sprechen sollte. Lange vor Beginn des Vortrags war der Saal überfüllt. Nahezu 700 Zuhörer folgten den Ausführungen des Redners mit der größten Aufmerksamkeit. Es ist nicht möglich, diesen Bortrag nur auszugsweise wiederzugeben; jedes Wort, jeder Satz muß gehört werden, um den Eindruck hervorzubringen, den der Redner erzielte. Minutenlanger Beifall zeigte, daß der Samen auf fruchtbaren Boden fiel) und wenn sich der Erfolg auch nicht sofort zeigte, so hörte man doch von einer großen Zahl Besucher beim Fortgehen die Worte, daß es wichtig scheine, sich mit unserer Frage zu beschäftigen. Wenn sich der Jude mit ganzein Herzen erst einmal veranlaßt sieht, dem Jndenproblem seine Ausmerksamkeit zuzuwenden, dann ist er auch schon größtenteils für unsre Ideen gewonnen. Hier gibt es nur „entweder — oder", und da ist, das „oder" leicht gesprochen. Galatz iRumänien). Dreißig Jahre sind jetzt vergangen, selldem hier der erste Palästina-Verein Rumäniens gegründet wurde. Dieses Ereignis ist in den zion. Vereinen Rumäniens dieser Tage festlich begangen worden. Die zion. Zentralleitung in Berlin hatte ihr Mitglied N ah um S oko low nach hier gesandt. Sokolow traf am 23. ds. Mts. in F o c s an i ein. Wo Rabbiner Dr. N a cht Freitag abend und Samstag früh Festgottesdienst veranstaltete und unter Beteiligung der Gemeinde ünb der Löge Bnei- Brith eine große öffentliche Versammlung und ein Festessen stattsanden. 2Im 25. ds. Alls, folgte eine große Feier hier in Galatz, dem Sitze des zion. Zentrabkomitees, und es werden noch in andren Städten Feiern folgen. Aus de» Vereine«. Frankfurt a. M. „Moria".Ortsgruppe Hamburg - A l t o n a. — Zu unserem Bericht über die Versammlung dieser Ortsgruppe teilt uns das Komitee der Moria mit, daß man nicht die Absicht hatte, gegen Misrachi und Agudas Jisroel Stellung zu nehmen. Das Komitee schreibt uns: „Die Leitung erllärte: Es ist eine der Geschichte ungehörige, unumstößliche Tatsache, daß 95»/» der orthodoxen Jehudim aller Länder sich dem Allsrachi nicht angeschlossen haben. Sötten alle diese nun die Hände in den Schoß legen und für Erez Jisroel nichts tim. wo doch diese Arbeit gerade für die Orthodoxie so nötig ist? Nein, und abermals nein! Für diese ist die Moria eine Notwendigkeit. Und die Moria, welche sich auf dem Boden von Tauro wejiroh stellt, kann die Plattform und soll die Plattform werden, auf der alle guten Jehudim „Schäumrei Schabbos wenauhagim kedaS jehudis" sich für praktische Palästinaarbeit vereinigen. Für dieses große Ziel kommt die sonstige jüdisch-politische Ansicht der Alltglieder nicht in Betracht. Jeder, der die Tauro temimoh lebt, gehört zu uns. Das ist keine S e k t e n b i l d u n g, keine E igenbr ö d ele i. Die Moria ist in die Oessentlichkeit getreten, als das Agudas Jisroel-Projekt nur noch wenigen Personen bekannt war. Die Schwierigkeit des Projektes ergibt sich daraus, daß auch heute nach 2Vs Jahren die Agudas Jisroel noch nicht über das Projektstadium herausgekommen ist. - Sollte die Agudas Jisroel aber in die Wirklichkeit treten, so wird die Moria in einer Form, die sich unserem guten Willen noch ergeben wird, einträchtig mit ihr zusammen arbeiten. Freuen sollten sich alle, die es gut meinen mit Erez Jisroel und der Tauro, daß in der Moria der Rahmen gefunden istj, in dem Millionen guter Jehudim Zusammenarbeiten können." Hamburg Der Israelit. Frauenverein für Krankenpflege (Äors.: Frau F. Salomon) verausgabte ini abgelaufenen Jahre 2047 J& für Mittagessen nebst Wein an mittellose weibliche Rekonvaleszenten. Diese Mittagessen werden unter vollständiger Diskretion ins Haus geschickt. Bonybad (Ungarn). Der besuchsweise hier weilende Bezirksrabbiner Moses Deutsch aus Lemes hielt auf Einladung unserer Gemeinde in der Synagoge eine Rede. Am Schluß seiner glänzenden Ausführungen behandelte er die Bedeutung der Moria-Organisation und forderte zum Anschluß an diese' auf. Aus -er Lehrerwell. Emden. Die Brieskastennotiz in Nr. 8, betr. die erledigte L'andrabbinerstelle in Emden, bedarf der Berichtigung. Auf die Dreizahl wurde von 31 Bewerbern die Herren Rabbiner Dr. D. Königs berge r- Pleschen, Ne u h ans- Ostrowo und Hoffmann- Randegg (nicht Dr. Freund-Hannover, der sich überhaupt nicht gemeldet hat) gesetzt. Dr. Königsberger hielt bereits am 17. d. M. in Eniden und am 18. in Osnabrück eine Probepredigt. Am 9. März folgt Dr. Neuhäus und am 16. Dr. Hoffmann. Die Wiederbesetzung des nunmehr seit neun Monaten verwaisten Landrabbinats Emden, dürfte kaum vor Juli d. I. erfolgen. Der Landrabbiner Dr. Lewinsky- Hildesheim ist mit der kommissarischen Verwaltung des Bezirkes Aurich - Osnabrück betraut worden, während die ostsriesischen israel. Volksschulen dem königlichen Kreisschulinspektor in Wilhelmshaven unterstellt sind. Nürnberg. Oberlehrer ä. D. Samuel Hammel- Nürnberg und Hauptlehrer Jonas Wetzlar-Floß erhielten das Luitpoldkreuz. Eharlottenburg. Prof. Dr. Burg ist zum Direktor .der vierten stäüt. höheren Mädchenschule bestimmt worden. Es dürste das der erste Fall in Preußen sein, daß ein Jude zum Schuldirektor ernannt wird. Rew-Aork. Nachfolger des vor zwei Jahren znrückgetretenen Dr. Juda L. Magnes am Tempel Emanuel dürste Dr. H. G. Enelow aus Louisville werden. Dr. Enelow wurde 1876 in Rußland gehören, kam aber bereits als kleines Bud nach Amerika. Bunte Chronik. Eine neue jüdische Kolonie in Palästina. Zwischen den Kolonien Petach-Tikwah auf der einen und Chederah auf der andern Seite liegt ein jüdisches Besitztum, das bereits im Talmud erwähnte Dorf Kufr- Saba. Dasselbe wurde Anfang der 90er Jahre von einer Gruppe russischer Juden gekauft, die sich daselbst als Kolonisten niederlassen wollten. Der Plan scheiterte jedoch, und der Boden wurde von Baron Rothschild übernommen, um 10 Jahre später in den Besitz einer Anzahl Kolonisten von Petach-Tikwah überzugehen. Die gezahlten Preise waren sehr minimal, dafür mußten sich die Käufer verpflichten, das erworbene Land sofort zu bearbeiten. In der Tat begann gleich darauf in Kufr-Sabä eine lebhafte kolonisatorische Tätigkeit. Mau baille Getreide, pflanzte viele Tmisende Mandelbäume und bald waren hie ehemaligen Sandwüsten von Kufr-Säba mit ausgedehnten Mandelwäldern bedeckt. Alle diese Arbeiten mußten durch Nichtjüden ausgeführt werden. Arabische Arbeiter haben die Pflanzungen angelegt, von arabischen Wächtern wurden sie bewacht, und arabische —: Diebe waren es auch, welche den größten Teil der Früchte allnächtlich zu ernten pflegten. Die umfangreichen Diebstähle gingen söweit, daß die jüdischen Besitzer aus ihren Plantagen kaum noch die Selbstkosten herauswirtschasten konnten. Aus diesem Grunde ist der Beschluß des Vereins „Esra", in Kufr-Sabä 12 jüdische Taglöhner anzustellen, in ganz Palästina mit Freuden begrüßt Wörden. Der Plan ist in allen Einzelheiten ausgearbeitet Wörden, die Ausführung derselben jedoch von den Behörden, die keine Bauerlanbnis für 12 Häuser erteilen wollte, bis heute vereitelt worden. Alle Anstrengungen der Juden vermochten daran nichts zu ändern. Selbst eine von der Regierung in Konstantinopel erteilte Bauerlaubnis wurde von den halsstarrigen, fanatischen Beamten in Nablus unbeachtet gelassen. Ilm den Widerstand der Behörde zu brechen, mußte schließlich eine well aushölende Aktion eingelellet werden. Es wurde an der südlichen Seite des Besitztums ein 4080 Dmiam gleich 367 Hektar umfassendes Terrain, „Schakallenebene" genannt, von den Kolonisten erworben. Dieselbe liegt im Bezirk Jaffa, dessen Bo» Hörden weniger fanatisch und den Juden nicht unfreundlich gesinnt sind. Die Häuser der neuen Kolonie sollen nunmehr mit Hilfe des Vereins „Esra" auf Jaffaer Gebiet erbaut werden. Die Zahl der jüdischen Ansiedelungen Palästinas dürfte so demnächst um eine, weitere mehr als 1000 Hektar umfassende Kolonie bereichert werden. I. Turoff. Kunst und Literatur. Jüdische Volksbücherei. Bd. 1: Sabbatstimmungew (Arthur Kahn); Bd. 2: Kinderträume (Hermann Schwab); Bd. 3: Ein Tag aus dem Leben eines Juden (Judäus); Bd. 4: Naturwissenschaftliche Hypo-, thesen im Lichte des Judentums (Pros. Dr. Fink); Bd. 5: Skizzen aus Littauen (S. Schachnowitz); Bd. 6 und 7: Daheim und Draußen (Max Speier); B§. 8: Feierstunden; Bd. 9 und 10: Jüdische Helden (Dr. I. Weigl); Bd. 11: Rabbi Akiba Eger (Dr. Wreschma); Bd. 12: Aus Israels Wanderungen (B. Stern); Bd. 13: Rabbi Elia der Gaon von Wilna und seine Zeit. (Dr. I. Munk). Jeder Band 30 Pfg. (geb. 50 Pfg.). Frankfurt a. M., Jüdischer Bolksschriftenverlag. Der herannahcnde Schulschluß legt uns die angenehme Pflicht auf, eine Reihe Büchlein zur Verteilung unter die Jugend zu empfehlen, von denen ein jedes dazu geeignet ist, das Interesse am Judentum zu fördern. Besonders den Vorstehern unserer Gemeinden sei es ans Herz gelegt, eine Verteilung dieser Büchlein zu veranlassen; die minimalen Kosten lassen .sich ja ohne weiteres auf das Konto Religionsunterricht setzen. Für die Kinder von 6 bis 9 Jahren sind die gemütvollen» prächtigen Märchen und Erzählungen 'Hermann Schwads (Bd. 2) und Max Speiers (Bd. 6 und 7) geschrieben, während die anderen Bände sich für die höheren Mters^

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