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Neue jüdische Presse · 1912-03-01 · Heft 9 (1.3.1912) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 9 (1.3.1912)
Date
1912-03-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. heimer, EscherSheimerlmrdstr. 56; 18. Juli Ehefrau des Direktors Karl Moritz Neufeld, Mckria geb. Dondorf. Schumannstr. 47; 11. August Kaufmann Emil Benjamin genannt Colmar, Mittelweg 37; 19. August Ehefrau des Musikers Franz Engert, Elsa geb. Benjamin, Mittelweg 39; 19. Sept. Kaufmann L. Rabinowicz, Beethovenstraße. 3b; 23. Sept. Ehefrau Flora Rabinowicz geb. Billig heimer, Beethovenstraße 3b; 26. Sept. Privatier Dr. Alfred Somborn und Ehefrau Olga geb. Cohn, Wiesenhüttenstraße 18; 25. Okt. Medizinalpraktikantin Margarete Goldstrom, Stadt. Krankenhaus; 30. Okt. Theäterbeamter Siegmund Fricdjung, Zeil 66; 24. Nov. Ehefrau des Kaufmanns Josef Adler, Johanna geb. Küps, Barkhausstr. 16; 4. Dez. Ehefrau des Kaufmanns Ludwig Gerngroß, Emma aeb. Bello, Zeppclinallee 39; 12. Dez. Ingenieur Ernst Besag, Kaiserhofstr. 8; 21. Dez. Kaufmann Alfred Kaufmann, Westendstr. 27; Kaufmann Robert Ludwig Albert HochjWter, Savignystr. 73;' Kaufmann Robert Julius Bergmann, Westendstraße 29. Die Fra« im Dienste der Wohltätigkeit. Auf keinem Gebiete hat sich die Frau eine unumschränktere Anerkennung erworben, ja ihren Vorzug gegenüber dem Manne stärker bewiesen —- als auf dem der sozialen Fürsorge. Noch vor einem Jahrzehnte war das Interesse der Frau über das private Wohltun hinaus eine Seltenheit, — und heute ist es die Regel. Mm kann sogar sagen, daß der zu aufreibender Schärfe gewachsene Kampf ums Dasein die Frau im richtigen Moment einer Tätigkeit zugeführt $ii, in. der mehr dem weiblichen Gefühl als dem rechen männlichen Sinn die Vorherrschaft zusteht. Denn der heutige Kampf ums Dasein macht die soziale Fürsorge unendlich nötig, läßt aber den männlichen Mitgliedern der unabhängigen sozialen Schichten keine Zeit, ihr das erforderliche Interesse zuzuwenden. Da ist nun die Frau in die Bresche getreten. Welche imponierende Arbeit Frauen leisten, hierüber möge der Bericht über das zehnte Jahr des Frankfurter Vereins „Weibliche Fürsorge" Antwort geben. Diese vielgestaltige Tätigkeit kann selbstredend nur durch Bildung einer Reihe besonderer Kommissionen bewältigt werden, und es gilt einen Gang durch all' die Kommissionen, um dann zusammenfassend das gewaltige Gesamtbild zu erhalten. Die allgemeine Fürsorgekommission hielt jede Woche eine Sitzung ab. Sie widmete sich! ca. 150 Fällen. Auf ihre Initiative ist nunmehr in Isenburg ein Kinderhaus errichtet worden, das 13 Zöglinge im Aller von 2—6 Jahren ausgenommen hat und infolge seiner beschränkten Räume gezwungen war, viele abzuweisen. Die Säuglingsfürsorge hatte 126 Pfleglinge, von denen 105 kürzere oder längere Zell — nur 38 länger als ein halbes Jahr —; von ihren Müttern gestillt wurden. Die Säuglings milch küche wurde für 263 Kinder in Anspruch genommen. Für 143 Kinder wurde die Milch voll bezahlt. Die Kinderschutzkommission beaufsichtigte 83 Pflegekinder. Der Stellennachweis wurde von 1477 Arbeitgebern (1246 Hauspersonal, 231 Geschäftspersonal) und 1086 Arbeitnehmern (874 Hauspersonal, 212 Geschäfts- Personal) in Anspruch genommen. Mll dieser Abtellung ist ein Zimmernachweis verbunden. Der israel. Handwerkerverein hat nunmehr den Lehrmädchen die gleichen Bedingungen wie den Lehrlingen zugestanden. Die Wohnungsfürsorgekommission besichtigte etwa 100 Wohnungen und stellte deren Mängel ab. Sie hat einen schwierigen Stand, denn von den meist aus drei Zimmern bestehenden Wohnungen smd in der Regel zwei Zimmer au Astermieter abgegeben. Die auswärtige. Tätigkeit der Weiblichen Fürsorge ist Galizien zugewendet. Mehrere Kindergärtnerinnen und Krankenschwestern sowie Wanderbibliotheken haben hier die Aufgabe, sozial und kulturell zu wirken. Auch ist hier die Fürsorge im Interesse der Bekämpfung des Mädchenhandels energisch tätig. Der Weibl. Fürsorge ungegliedert ist das Heim des „Jüd. Frauenbundes" in Isenburg, eine Institution, die ihre Liebe gefährdeten Kindern - des Schicksals zuwendet. Das Jseichurger Heim ist die einzige jüdische Anstall dieser Art, die das unreife Kind, das Heranwachsende Mädchen uick> in besonders schwierig liegenden Fälle die werdende Mutter in chren Schutz nimmt. Frankfurter Berichte. Das neue Heim des „Montefiore"-Vereins. — Von Jahr zu Jahr ist der vor 15 Jahren gegrimdete „Montefiore"-Verein gewachsen, und längst war ihm sein Gewand —. wir meinen: die Räume seines Wirkens — zu eng geworden. An 1600 Mitglieder zähll heute der „Mmtefiore," diese stattliche Zahl wlll einen entsprechenden Ausdruck nach! außen finden, und in dem neuen Heim, dessen feierliche Eröffnung letzten Sonntag vor einem geladenen Publikum vorgenommen wurde, findet die heutige Größe des „Montefiore" ihr greifbares äußeres Gepräge. Moderne, geschmackvoll ausgestattete Lese-, Schreib- Spiel- und Restaurationszimmer, lassen die ortsfremden jungen Leute den Mangel des Familienlebens vergessen und entziehen sie dem Kaffeehaus. Von dem Saal für Vorträge führt eine 'Freitreppe in den wundervollen Garten. Die Bibliothekräume liegen im Souterrain. Das Bereinsbüro, dessen Zimmer sich gleich! am Eingang befindet, vermütell den Verkehr zwischen den Mitgliäern und der Verwaltung. Frankfurter Israelitisches AamUienblatk. Diese Räume nun Iwurden Sonntag mit einem Festakte chrer Bestimmung Abergeben. Iw Mittelpunkt dieses Aktes stand die Rede des Vorsitzenden, Dr. med. G. Löffler, ihr ofing ein Jnstrumentalkonzert und Gesang voraus, und ihr folgten die Ansprache des Herrn Felix Meyer als Vertreter des Verbandes der jüdischen Jugendvereine, Gesang und Konzert. In seiner groß angelegten Rede, legte der Vorsitzende das Hauptgewicht auf die Bestimmung des „Montefiore," über alle in der Judenhell bestehenden Trennungsmomente hinweg das Einigende zu betonen und zum Besten der jüdischen Gesamtinteressen, zum Besten des Judentums mit Macht zu fördern. Dies war das große Lebensstreben Moses Montefiores s. A., nach! dem der Verein genannt, und Rabbiners ^Dr. Marcus Horovih s. A., durch den der Verein gegründet wurde. Gumpertz'sches Siecheuyaus. —> Soeben ist der 19. Rechenschaftsbericht des Vereins „Gumpertz'sches Siechenhaus" und der Verwaltung der „Minka v. Goldschmidt-Rothschild-Stistung" erschienen. Die Anstatt hatte 53 Insassen und verausgabte für Haushaltung, Aerzte, Apotheken, Löhne usw. 80000 Mark. Leider muß auch diese so unendlich! segensreiche und notwendige Institution, die dazu eine Musteranstalt auf ihrem Gebiete ist, unter den geringen Beiträgen und Spenden leiden, die gleich dem Zunchmen der Mischehen und dem Rückgänge der Geburtenziffern in der deutschen Judenhcit schon eine typische Erscheinung ans dem gesamten philanthropischen Gebiete geworden sind. Gumpertz'sches SiecheuhauS. Aufenthaltsräume und Liegehallen. M 5S—■■■■■■■■ Doch wir wollen diesen Bericht mit etwas Freudigem schließen und geben deshalb zum Schluß die Namen derjenigen, die die Insassen im Laufe des Jahres mit künstlerischen oder wissenschaftlichen Darbietungen erfreuten. Es sind dies die Damen Dr. Richard Merzbach, Dr. Brüll, Prof. Dr. Kunz, .Trude Hirsch, Frieda Kaufmann, Johanna Seligmann, Frieda Gochsheimer, Alma Jacobi, Tessi Kaufmann, Geschwister Reinach! und die Herren Leopold Seligmann und Leopold Faller. Der „Moutefiore"-Verein benutzte die 100. Wiederkehr des Geburtstages Berthold Auerbachs, um seinen Mllgliedern durch Herrn I. B. Levy ein Bild des Lebens, Schaffens und Wesens Auerbachs zu bieten. An der Hand verschiedener autobiographischen Stellen aus des Dichters Schriften entwarf der Redner eine anschauliche Schilderung des Lebens und Werdeganges des großen Schriftstellers. Er schloß daran eine eingehende Würdigung des großen jüd. Romans Auerbachs: Spinoza, "dessen Epilog er vortrug, sprach! über des Dichters Aufenthalt in Frankfurt und las dessen Schilderung: „Ein Abend bei Mendelssohn" wirkungsvoll vor. Die „Dorfgeschichten" streifte der Referent nur kurz, da cs ihm vor, allem ankam, den Zuhörern die jüd. Schriften Auerbachs nahe zu bringen. Zum Schlüsse gab er eine Charakteristik Auerbachs, den er als Urblld des treffenden, vertrauenden Menschen und Juden darstellte. Der inhaltsreiche Vortrag fand den lebhaften Beifall der zahlreichen Zuhörer. Ueber die Wahlverwandtschaft des jüdischen und deutschen Geistes spracht hier am Dienstag Prof. Dr. Julius Goldstein-Darmstadt. Redner verfolgte dabei den bestimmten Zweck, die verbreitete Ansicht von der Gegensätzlichkeit des jüdischen und. des deutschen Geistes zu widerlegen. Nicht die Rasse, nicht die Abstammung würden die Gemeinsamkeit Nr. 9. einer Ration bestimmen, denn jene seien nur Zufall: das eigentliche Wesen einer Nation bestimme die Kulturgemeinschaft chrer Mitglieder. Mithin hat die Wahlverwandtschaft des jüdischen und des deutsche,: Geistes von vornherein bestanden, da das gesamte Geistesleben der Deutschen in allen seinen Epochen vom 16. bis in das 19. Jahrhundert hinein von der Bibel beherrscht wird. Amh ist Kants Ethik stark von der jüd. beleinflußt, und sogar die Musik eines SBad)1 ist von jüdischen Motiven und jüdischem Geist getragen. Die deutsche Philosophie vermochte nicht, sich von den Lehren Spinozas zu entziehen, so daß!sie in hohem Grade von ihnen beeinflußt ist. Aber auch die Juden, die wie kein anderes Volk sich auf die Anpaßungskunst verstehen, haben die spezifische deutsche Art, die Wissenschaft zu betreiben, von den Deutschen übernommen. Männer, wie Traube, Lazarus, Steinschneider, Oppert u. dgl. m. legen beredtes Zeugnis dafür ab. Redner versucht am Schluß seiner Ausführungen der Meinung entgegenzutreten, daß die Juden destruktive Tendenzen verfolgen, er beweist, daß grade die Zersetzung des positiven Christentums von Männern wie Schopenhauer und Büchner, dem Begründer des Materialismus, Vogt usw. äusging. Auch Mangel an Ehrfurcht kann man den Juden nicht vorwerfen, da gerade sie cs waren, die, wie z. B. Auerbach, Bamberger usw., für deutsche Geistesgröße eintratcn. Diese Ausführungen zu Ende gedacht, ergeben, daß — wenn also Geburt und Mstammung nichts sind — die Juden Deutschlands hie eigcnüichen Germanen und die Deutschen erst in zlveiter Reihe Germanen sind. Dieses Endresultat zeigt das Unrichtige in des Redners Anschauungen. Auf Einladung des „Vereins für jüd. Geschichte und Llleratur", sprach Montag, den 26. Februar, Herr Robb. Dr. Eschclbacher-Äerlin über: „Judentum und Weltreligionen." Zu Beginn seines inhaltsreichen Referates ging der Redner auf das Wesen des Judentums ein, um dann auf die Werbung desselben bei modernen Denkern zu sprechen zu kommen. Er besprach die verschiedenen Versuche, dem Judentum seine Originalität abzusprechen' (Delitzsch; Rassentheoretiker) und widerlegte sie. An Hand der Einrichtungen des Christentums zeigte er, wie das Wesentliche in ihm jüdisch sei. Er wandte sich dann gegen die Anschauung, haß das Judentum nach der Enstehung des Christentums seine Mission beendet habe. Aber die starke Verbreitung des Judentums unter den Heiden hätte das Christentum nicht entstehen lassen können. Das Judentum hat aber auch seine Kraft gezeigt durch seine Erhaltung. Es hat sich im Talmud weiterentwickett. Redner zeigte dann die Bedeutung des Judentums für die Entstehung des Islam, schilderte seinen Einfluß auf die moderne Kultur, zeigte, daß es auch heute noch nicht veraltet sei und schloß mit dem Hinweis auf die Zukunftsbilder der Propheten, die für alle Ewigkeit ihren Wert behalten. Verein für jüdische Geschichte und Literatur und „Montefiore"-Verein. Im neuen Heim des Montefiore-Vereins, Bleichstraße 70. erösfnete Dr. B. May am Dienstag Abend einen Vortrags-Zyklus über die Geschichte der Juden im 19. Jahrhundert. Der Inhalt, des überaus fesselnden ersten Vortrages., läßt sich! in dem uns zur Verfügung stehenden Rahmen nicht wiedergeben; es soll nur gesagt sein, daß es mit großer Befriedigung ausgenommen wurde, die neuere Geschichte der Juden endlich einmal in einem Zyllus behandelt zu sehen. Die Art imb Weise, wie es der Referent versteht, den Bortrag formvollendet und lebendig zu gestalten, vermochte die Hörer bis zum Schluffe zu fesseln und zu angeregter Diskussion zu veranlassen. Die verschiedenen am gleichen Mend stattgefundenen Veranstaltungen jüdischer Vereine, ließen den Zuhörerkreis weniger zahlreich erscheinen, als es wohl sonst der Fall gewesen wäre. Es wäre zu wünschen, daß die in Betracht kommenden Vereine mehr Fühlung mit einander nähmen, um solche „Duplizität" der Ereignisse im Interesse der Gesamtzeit zu vermeiden. Der zweite Vortrag findet am kommenden Dienstag, abends 9 Uhr, ebenfalls im neuen Heim des Montefiore-Vereins statt. Die Teilnahme ist für die Mitglieder und Angehörige oben genannter Vereine unentgeltlich. . Dienstag, den 27. Februar, referierte in der „Zionistischen Jugend gruppe", Herr Oberlehrer Tachauer über „Palästinensische Erlebnisse." Der Redner, der lange Zeit im Lande geweilt hat, entwarf ein lebendiges Bild von dem dortigen neuaufblühenden jüd. Leben, von der Natur des Landes, von dem Leben in den Kolonien und von den Verhältnissen in den Städten. Seine Schilderungen wurden durch eine große Zahl interessanter Lichtbilder, die der Jüd. Natioualfonds hat anfnehmen lassen, wirksam illustriert. Vom Festkomitee der Purim feier desBereins „Nachlaß Zwi", geht uns folgende Mitteilung zu: Wir machen darauf aufmerksam, daß die reservierten Tische bis auf eine kleine Anzahl vergriffen smd. Vorbestellungen auf Einzelkarten werden noch bis Montag, den 4. c. erbeten.

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