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Neue jüdische Presse · 1912-02-16 · Heft 7 (16.2.1912) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 7 (16.2.1912)
Date
1912-02-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Bette 2. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 7 gesehen hat und so in letzter" Stunde seine Demission^ zurückuHmen wird. Er will scheinbar die Sitzung des Mcdschliß llmami (der Nationalversamnilung, abwarten, bevor er sich definitiv entscheidet. Wird dieser dem Beschlüsse des Medschliß dschismani znstimmen, — wgs sehr wahrscheinlich ist — so wird allem Anscheine nach Haim-Nahuni seine Demission zurncknchmen uird gute Miene zum bösen Spiel machen müssen. Sicheres ist jedoch, — tute gesagt —, nicht voranszusagen. Es bleibt nichts übrig, als den Lauf der Ereignisse abzuwarten und die Entscheidung herankommcn zu lassen. Und diese wird ja jetzt nicht mehr allzulange aus sich warten lassen. 2. Das LV jöhrige Jublläum der Chowewe-Zion. Dieser Tage wird in Odessa die K o n s e r e n z der Chowewe-Zion stattfinden, die zugleich den Charakter einer Jubelfeier tragen wird: In diesen, Jahre werden es 30 Jahre, seitdem die Organisation der Chowewe-Zion ihre Tätigkeit begonnen hat. Es würde über den Rahmen dieser Begrüßungswortc hinausgehen, wollten wir versuchen, die Tätigkeit der Chowewe-Zion in diesen .80 Jahren, ihre Erfolge und Leistungen, auch nur in annähernder Vollständigkeit zu skizzieren. Es wird dazu mr Hmtd des anläßlich dieses Jubiläums erschienenen detaillierten Rechenschaftsberichts der Leitung der Organisation noch Gelegenheft sein. Heute genügt es, an zweierlei zn criitnern, um die ganze historische Bedeutung der Chowewe- Zion' zu erkennen: einmal, sie bildeten die erste P algsti n a o rg a n isa t i o n des modernen Judentums, und ferner: ein großer, integrierender Bestandteil des heutigen Zionismus — was seine theoretischen Grundlagen und seine praktischen Arbeitsmethoden anbetrifft — ist den Chowewe-Zion zu verdanken. Sie waren die erste Palästinaorganisation des modernen Judentums. Die Befreiung des Judcnvolkes . und die Lösung der Judcnfrage wird von der Begründung dieser Chewcwe-Zioiwrganisation zu datieren sein. Aus ihr sind die eigentlichen Begründer und Vorkämpfer der nationalen Idee hervvrgegmtgcn. Der beste Teil des heutigen russischen Zionismus setzt sich aus diesen Chowewe- Zion zusammen. Bon ihnen ist die Begeisterung für die Wiedergewinnung Palästinas in die Massen getragen worden, und wenn Herzl bei seincnt A,lftreten mit einem Male die vielen Tausende in Rußland gewann, so war die vornehmste Ursache dafür neben der magischen Wirkung seiner genialen Persönlichkeit in der vorbereitenden Arbeit der Chowcwe-Zion zu suchen. Mit einem Opfermut sondergleichen, mit einer heroischen Begeisterung und Ueberzeugungstreuc, mit der größten Tatkraft und Eitergie hüben sie den nationalen Gedanken propagiert und verbreitet, haben sic die praktische Re ali sie run g dieses Gedankens in die Wege geleitet. Tic praktische, reale Palästinaarbeit sieht in ihnen ihre Väter. Die praktische Palästinaarbeit' Wie oft sind diese Chowewe-Zion dieses Teiles ihres Programms wegen angegriffen und kritisiert, bespöttelt und ironisiert worden! Wieviel Unrecht, ist ihnen in den Blütesahren des „politischen", diplomatischen Zionismus zugefügt worden! Wie oft sind sie als Keine, enge Geister, unfähig für weite Gesichtspunkte, als Kleinkrämer und Philister verschrien worden! Sic aber ließen sich nicht irre machen und gingen ruhig, unbeirrt ihres Weges; sie waren von der Richtigkeit ihrer Ziele überzeugt. Heute, bei ihrem 30sährigen Jubiläum, dürfe» sie triumpHeren! Sic sind die Sieger geblieben! Nicht in allen einzelnen Punkten, wohl aber in der Hauptsache, im Prinzipe, in der Grundlage. Die heutige Palästinaarbeit des Zionismus' bewegt sich vornchmlich in den Bahnen, die die Chowewe- Zion eingeschlagen haben, nur daß sie mit größcxm Mitteln und strafferer Einheit gclcftet wird. Der moderne Zionismus hat sich in seiner Grundlage zum Chowewc-Zionismus zurück- und h'erausentwickelt. Dies bedeutet für den Zionismus keine Schande, für die Chowewe-Zion aber einen Ruhm! Sv dürfen sie denn ihr 30jähriges Jubiläimi . mit Recht feiern. Ihre Verdienste sind so groß, daß sie ruhig aus ihren Lorbeeren sich eine Weile ausrichen Wimen. Die ersten Begründer und Heroen der nationalen Idee dürfen heute, da diese von Tag zu Tag immer mehr um sich greift, mit Stolz aus ihr Werk zurückblickcn; auf ihr Werk, das nicht nur diese geistigen Erfolge, sondern auch viele wichtige Leistungen konkreter Natur umfaßt. Währe Feiern haben einen doppelten Wert. Sie erinnern an die Vergangenheit und stärken dadurch für die Zukunft. In der Stärkung für die Zukunft ruht ihr tiefster und größter Wert. Wir hoffen, daß die Feier des 30jährigen Jubiläums auch für die Chowewe-Zion diese Bedeutung haben wird: sie wird ihnen zn immer intensiverem Schaffen für die Zukunft die Kraft verleihen. Die Bewegung der Chowewe-Zion hat bereits eine ruhmvolle Tradition. Im Sinne dieser Tradition weiter zu wirken, sie zu mehren und zn steigern, dies ist die Mahnung, die ihr 30jähriges Jubiläum ihnen erteilt; dies ist der Begrüßungsruf, den wir ihnen zu ihrer stolzen Feier ans innerstem Herzen hinüberscnden. Aus aller Well. Deutsches Reich. Frankfurt a. M. Auf Einladung des Lokal-Komitee der Alliance yatten sich Vertreter Südn»d Westdeutscher Lokal-Komitees am '11. Februar zu einer Besprechung in Frankfurt a. M. versammelt. I» der Sitzung, welcher Direktor Dr. Adler präsidierte, waren eine Reihe von Lokal-Komitees — darunter Cassels Cöln, Fraiiksnrt am Main, Mannheim, München, Nürnberg — vertrete». In de» mehrstündigen Debatten gelangte vv» allen Seiten der Wunsch zum Ausdruck, eine Einigung aller deutschen Lokal-Komitees herbcizusiihrcn und zu einem Einvernchiiien. mit dem Zcntral-Kvinitce zu gelange», damit cnbltd) wieder die Alliance ungestört durch innere Kämpfe ihrer Arbeit nachgehen könne. Am Schluß der Tagung wurde ei» Antrag dahingehend, dasdie Süd- und Westdeutschen Lokal-Komitees Mitglieder zn der am 28. Januar i» Berlin bestellten Kommission delegieren sollte», um im Verein mit denselben über die Grundlagen für das zu schassende Deutsche Landes-Komitce zn berate», sowie ein weiterer Antrag, es solle eine Kommission von fünf Personen bestellt werden, um mit der in Berlin bestellten Kommission gemeinsam über die weitere Ausgestaltung der deutschen Organisation der Allianccmitgliedcr' zu verhandeln, gegen die Stimmen der Lokal-Koinitces München, Erlangen, Kitzingen, Schweinsnrt und Wilhemsdors abgelchnt. Dagegen sand folgender von Jnstizrat Dr. B l a »-Franksnrt a. M. und Jnstizrat H eld- Nnrnbcrg gestellter Antrag. gegen die Stimmen der oben gciianntcn fünf Komitees Annahme: „Das Frankfurter Lokal-Komitee wird als Vorort eines zu bildenden ' Süd-, Südwest- und Westdeutschen Bezirks-Komitees der A. I. kl. beauftragt, sowohl mit cinein zn bildenden Nordwcstdeutschcn Bczirks- Koniitee als auch mit- Berlin zu verhandeln, nni einerseits eine Einigung sämfticher Deutscher Lokal- Komitees herbeizusühren und andererseits den Frieden mit dem Zentral-Komitec in Paris herznstellen. Die Vorsitzenden der also vereinigten Tcilorganisationen, welche somit die sämtlichen Lokal-Komitees der A. I. 1k. in Deutschland umfassen sollen, bilden alsdann die Leitung und Vertretung der deutschen Mitglieder der A. I. U. gemäs; deren Satzungen und haben den Anstrag, die Einigungsbedingnngen mit dem Zentral-Komitec in Paris herbeizusühren." Die Vertreter von Mannheim und Ludwigshafcn hatten sich der -Abstimmung enthalten, während der Vertreter des Lokal-Koinitces Frciburg erklärte, daß es bereits seinen Anschluß an das Berliner Laiides-Koniitee vollzogen habe.*) Berlin. Anläßlich der Känipfe im Deutsch. Israelit. Gemeinde-Bund ist die Aufmerksamkeit auch wieder auf das bunte Mosaikbild der Wahlrechte in den jüdischen Gemeinden Deutschlands hingelenkt worden. Es hat sich gezeigt, daß man im allgemeinen von einer fortschrittlichen, wirklich modernen Arm des Wahlrechts säst durchgängig weit entfernt ist, ganz abgesehen davon, daß eine Reihe von Gemeinden noch völlig reaktionäre Wahlrechte ihr Eigen nennt. Der Berliner „Nene Indische Gcnieindeverein" hat nun schon anläßlich des Berliner Repräsentanten - Wahlkampfes die Forderung des P r o p o r t i o n a l - W a h l r e ch t c s erhoben und wird, wie in einer der letzten Versainmlungeii der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Klee, mitteiltc, jetzt wicderiun in eine s y stc in at isch e Propaganda für diesen Gedanken eintreten. Es ist eine Ungeheuerlichkeit, daß in Berlin, wo für eine Liste %, für die andere Liste -[$ der Gesamtstimmen abgegeben worden sind, die letztere Liste und damit das historisch gerichtete Element keine Vertretung erhalten hat. Auch in anderen Orten rührt man sich in diesem Sinne. In München hat Kommerzienrat Frankel eine vorzügliche Broschüre geschrieben, die sich mit dem Proportional-Wahlrecht in den jüdischen Geiiieiiiden besaßt. In Posen hat Rechtsanwalt Dr. Kol len scher in diesem Sinne gewirkt; es ist ihm aber von liberaler *) Wie wir von zuständiger Seite erfahren, hat sich in den letzten Stunden die Situation so zugespitzt, daß trotz der Frankfurter Konferenz eine Einigung ausgeschlossen erscheint. Die Redakt. Seite cntgegengehalten worden, - daß das Proportional- Wahlrvcht eine viel zu ungeklärte Materie sei, als das, die jüdischen Gemeinden damit den Anfang' machen könnten. Dieser Behauptung gegenüber sei ans eine Zusammenstellnng hingewiesen, die wir Dr. med. Z l o c i st i, Berlin, verdanken. Danach ist der Proporz bereits in einer Reihe von Schweizer Kantonen eingcführt und findet in Belgien, Finnland, Schweden, Dänemark und Norwegen Anwendung. Für die französische Kammer stehr seine Einführung in Aussicht. In Deutschland besteht das proportionale Wahlrecht bereits fakultativ sür die Wahlen zu den Gewerbegerichten, obligatorisch sür dir Kaufniannsgcrichtc. Württemberg wählt 23 von seinen 93 Abgeordneten nach dem Proporz; Hamburg, das übrigens ein besonderes reaktionäres jüdisches Gemeinde- Wahlrecht hat, wählt den größten Teil seiner Bürgerschaftsmitgliedcr nach dein Verhältniswahlrecht. Für Kommiiiialwahlen besteht der Proporz bereits in Oldeuburg, Württemberg, Baden, Bayern. Es kann demnach süglich von einem Sprung ins Dunkle nicht mehr gesprochen Iverdcii, und es scheint ja in der Tat, als ob die Stimmung für die Einführung ettvas günstiger wird. Anläßlich der Neuberatung der Statuten für den Deutsch-Israelit. Gemcindebund hat der Syndikus der Berliner jüdischen Gemeinde, Jnstizrat Lilicnthal — wenn auch unverbindlich, und nur für seine Person — sich sehr warm für das Proportional- Wahlrccht als Genieiiidcwahlrccht ausgesprochen, und aus Antrag des Repräsentanten W. Löwenthal ist von der Berliner Repräsentanz eine Kommission eingesetzt worden, die diese Fragen prüfen soll. B. Berlin. Das Präsidium der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft de r A. I. 11. erläßt folgende Erklärung: „In verschiedenen Blättern erläßt Herr Rabbiner T r Frank-Cöln ein Inserat, wonach seit 1907 in Cöln ein Lokal-Koinitcc der Alliance Jsraelitc Universelle bestehe. Diese Angabe ist unrichtig. Nach Mitteilung in Heji 2 Jahrgang 1907 von Ost und West, Seite 144 hatte sich wohl 1907 in Cöln ein Lokal-Komitee „gel il'oci," welches vorläufig ans 7 dort genannten Herrcu lcstaud, aber dieses Kviiiitcc ist weder für 1907 noch für ein folgendes Jahr von den Mitgliedern der A. I. II. in Cöln gewählt oder bestätigt worden. Nach 15 und 17 der allgemeinen Satzungen der A. I. 11 müssen die Lokal-Komitees von den Mitgliedern am Orte in einer Generalversammlung, und zwar jedes Jahr von neuem, gewählt werden. Es ist aber bereits scstgestellt worden, daß in Cöln seit mehr als 20 Jahren niemals eine Versammlung der Allianrcmitglicdcr stattgcfunden hat oder eiiiberufrn worden ist. Teiiigeniäß hat bisher in Cöln auch kein satzniigsgegcmäßcs, gütiges Lokal-Komitee bestanden. Nachdem die Cölncr Mitglieder in einer Bersammlung am 23. Januar, unter ausdrücklicher Ausschaltung des Herrn Dr. Frank, den Satzungen gemäß ein Lokal- Komitee bestehend ans den Herren Rechtsanwalt Dr. Apfel, Dr. Alb ers h c i in , I. Dülken,' Herrn a n n S t e r n a u, Max G v l d r e i ch gewählt haben, ist nur dieses Komitee als Vertreterin der Cölncr Mitglieder der A. I. U. - anzusehen. Weder Herr Dr. Frank noch das von ihm allein ernannte, nicht mehr im Amt befindliche 1907er Komitee sind berechtigt, sich als Lokal-Komitee Cöln zu bezeichnen, Mitgliederbeiträgc einzuziehen, Bcrsaminliingcn eiiiznberufeii oder sonstige Handlungen sür die Mitglieder der A. I. U. in Cöln. vorzunehmeii. Nur ldic von Herrn Hermann Sterna», Mozartstr. 171., Cöln ausgestellten Beitragsquittniigen sind giltig, und nur diejenigen Mitglieder erhalten die Zeitschrift Ost und West, deren Adressen dem satzungsgeniätz gewählten Lokal-Komitee Cöln bekannt gegeben werden." Vesterreich-Uugaru. Wien. Die hiesige jüdische Presse gibt dann und wann einmal tiefe Einblicke in die i n n c r j ü d i s che n Zustände Oesterreichs. So lesen wir in einem Artikel der „Neuen Narional- Zeitimg": „Im Hause in dem ich wohne, besuchen alle Kinder der anderen Wohnparteien, wiewohl sie von jüdischen Familien stanimen, nicht mehr den jüdischen Religionsunterricht; sie sind entweder evangelisch oder katholisch. Mein kleines Mädchen von sieben Jahren erzählt mir, daß sie in der zlveiten Bolksschulklasse des in der Mehrheit vornehmlich von jüdischen Familien beschickten Lyzeums nur noch mit einem anderen kleinen Jungen, also z n z w e i t, an dem jüdischen Religionsunterrichte teiliiinimt, während der übrige Teil 'der Kinder ihrer Klasse, 26 an der Zahl, den christlichen Unterricht besucht." In der letzten Nummer der „Jiid. Ztg." finden wir folgende Auslassungen: „Im Witkowitzer Eisenwerk der Herren Rothschild und Guttmaun werden bekanntlich keine Juden an ge stellt. Es beliebt den genannten Herren in diesem Riesenetablissement, den antisemitischen, Generaldirektor Schuster so schalten und walten zu' lassen, daß es sür einen jüdischen Techniker tatsächlich leichter geworden ist, bei einer christlichsozialen Unternehmung oder Behörde Arbeit zn finden, als in Witkowitz niiterzukomnieii. Allerdings sind der hochinögende Herr Direktor Schuster und seine untertänigen Gebieter Rothschild und Guttmann keine Rassenantisemiten, und wer sich taufen läßt, findet Gnade. . . . Gcneraldirektorstellvertr. ist der g e t a u f t e I u d e D r. Sonnenschein, welcher zum Gaudium der Ostraner

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