Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1912-02-02 · Heft 5 (2.2.1912) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 5 (2.2.1912)
Date
1912-02-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2692297-2692768-2692773--06728-2701758
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sette 4. wöchentlich im Restaurant Stamm eine Zusammenkunft zu veranstalten, in welcher jeweils ein Mitglied einen Bortrag halten soll. Aus der Lehrerwett. Hannover. Anläßlich des 150 jährigen Jubiläums des Wohltätigkeitsvereins der Synagogcngemeinde Hannover, erhielt Landrabbiner Dr. G r o n c m a n u den Roten Adlerorden 4. Klasse. Rybnik. Dr. Braunschweiger-Kattowitz ist zum Rabbiner des hiesige», neu gebildeten Rabbinatsbczirks berufen. Pose«. Am 14. Januar tagte hier die Bereinigung der orthod. Rabbiner der Provinz Posen. Dr. L e w i n - Dreschen referierte über den „Penta- 1 euch unterricht bei Mädchen," Dr. Dünncr- Rogascn hielt einen halcichischcn Vortrag über „Rituelle Badeeiurichtuu gcn", und Dr. Cohn-Rawitsch besprach die Frage der „Ve rs iche run g s ka s s e." Bernburg. Hier wurde Dr Kanrorowskh, ein Schüler des Breslauer Seminars, zum Rabbiner gewählt. vudavett. Rabb. I. N. Körnitz er wurde zum zweiten Rabbiner der Ungarischen Gemeinde in Antwerpen und Rabb. Joses'Elimelech Kohn-Heruadzsadany zum Rabbiner in Bilke gewählt. — Der Monorer Rabb. Dr. Michael Kohn wurde, als er hier gegen das Verbot des Schaffners noch in den bereits abführenden Zug steigen wollte, totgefahren. St. Gallen (Schweiz). An die von dem Zionistenverein „Ahavath Zion" begründete jüdische Schule wurde Dr. phil. L. Gottselig berufen. 0 lenideton. © AkU»a. Historische Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung!. Der Winter neigte sich seinem! Ende zu, als Kalba Sabna den Seinen eines Tages mitteilte, daß er es an der Zeit halte, sich! nach einem tüchtigen Garten- Pfleger umzusehen. Früh am Morgen war Kalba Sabna sortgesahren; einige Stunden später suchte einer seiner Leute seine Herrin auf und teilte ihr mit, daß ihr früherer Gärtner sie zu sprechen wünsche. Sie befahl, ihn hereinßuführen, und gleich darauf trat Atiba in diS Zimmer. „Du bist's, Akibal — Ich dachte, es wäre einer Deiner Nachfolger, der Mich, zu sprechen wünschte. Doch sei willkommen! Setze Dich und sage mir, womit ich Dir gefällig sein, könnte." „Bor allem muß ich um Entschuldigung bitten, dass/ ich es wage, Dich zu belästigen-" „Du belästigst mich nicht; Du weißt, ich war Dir immer wohlgesinnt, jetzt aber bin ich! es noch mehr, seiürem ich gehört habe, daß Du zu den fleißigsten Schülern der Gesetzeslehrer gehörst." „Dami darf ich Wohl auch hoffen, daß Dü meinen Wunsch erfüllen und mich mit Deiner Tochter sprechen lassen wirst." „Das wäre mir nicht angenehm!" „Warum nicht, Herrin? — Siehe, ich weiß, daß Dein Gatte heute nicht zu Hause ist und weiß, daß Rahel sich im Garten befindet, — ich hätte daher ohne Dein Wissen sic auffuchen können. Aber ich zog es vor, nur in Gegenwart ihrer Mutter mft ihr zu sprechen." „Du bist ein Ehrenmann, Akiba, das habe ich längst gttvußt, und Dein heutiges Vorgehen bestäügt es." Sie ging zum Fenster, das zum Garten hinausging und rief Rahel. Es währte kaum einige Minuten, da trat das junge 'Mädchen in das Gemach, frisch und rosig wie der junge Tag. Ein Freucenlaut entrang sich ihren Lippen, als sie des "Anwesenden ansichttg ward. „Akiba!" jauchzte sie, indem sie den Arm um die Mutter schlang, „wie schön, daß Du Dich auch einmal sehen läßt!" Akiba schien im Anblick Rahels alles vergessen zu haben, denn seitdem er sie nicht gesehen hatte, hatte sich ihr Liebreiz noch beträchttich gesteigert. Lächelnd gewahrte die Mutter die Befangenheft des Mannes. „Nun, Akiba, ich habe Deinen Wunsch erfüllt, Du kannst jetzt mit Rahel sprechen." Akiba fuhr sich mit der Hand über die Sttru und atmete tief auf. „Dank Dir, Herrin, und Dank vor allem Dir, Tu liebe, Leine Herrin, für das Große, das Du mir getan hast." - Rahels Anllitz strahlte. „Also Du bereust cs nicht, meinem Wunsche entsprochen zu haben?" Frankfurter AsrvelltisiW Faunlienblatk. „Nie werde ich es Dir danken können! Jetzt erst ist mir eine Ahnung« von dem wahren Leben geworden. Sei versichert, Rahel, wenn Gott mir weiter beistcht, werde ich Deine Voraussage wahr Machen." Langsam stahlen sich Tränen über Rahels rosige Wangen, aber sic lächelte noch immer, und wie verllärt blickte sic zu ihn» hinüber. „Nicht wahr?" sprach sic, „es ist so, wie ich cs vorausgesagt habe; das Studium, das Du um meinetwillen begonnen hast, jetzt betreibst Du es lim seiner selbst willen?" Er neigte zustinimcnd das Haupt. „Dir diese Mitteilung zu machen, war der Hauptzweck meines Kommens. — Doch noch ein Grund führte mich zu Dir. Du weißt, daß ich mich lange gesträubt habe. Deinen Wunsch zu erfüllen. Erst als Du in der Absicht, mich dadurch Deinem Wunsche gefügig zu machen, mir erzähltest, daß Deine Freundin Milka, die Tochter des reichen Efrajim, sich mit einem armen jungen Manne verloben werde, nur weil der junge Mann es in der Gesetzcslehre sehr weit gebracht hat, — da erst ergriff ich Deinen Vorschlag mit Feuereifer, weil ich dadurch Dich zu erringen hoffte. — Du weißt es, einzig und allein aus diesem Grunde hahe ich das Studium begonnen, aber Du weißt auch, daß ich es um seiner selbst willen fortsetzen werde. Und nun siehe, schon heute wäre mau nicht mehr berechtigt, mich einen Amhaarez zu neunen, — aber Jahre und Jahre werden noch vergehen, bevor ich cs wagen könnte, bei Deinem Vater um Dich zu werben." „Das schadet nichts," flüsterte Rahel, „ich werde warten." „Das nicht als Deine Pflicht zu betrachten, darum wollte ich Dich gebeten haben." Sie blickte verständnislos zu ihm hinüber. „Um was wolltest Du mich gebeten haben?" „Dich nicht für verpflichtet zu halten, die Hoffnung zu verwirllichen, die Du in reinster, edelster Absicht Mir gemacht hast." „Akiba!" schrie sie auf. „Mißverstehe mich nicht, liebe, teure Herrin, cs wäre doch für mich das höchste irdische Glück, wenn ich Dich dereinst heimsühren könnte. — Aber ich wiederhole, Jahre und Jahre müssen vergehen, bevor ich daran denken könnte." „Und ich wiüerhole, ich werde warten." „Liebe, teure Herrin, ich glaube, ich darf Dir nicht sagen, wie sehr Deine Worte mich beglücken, — und dennoch, ich sollte sie eigentlich nicht gehört haben, — denn ich darf das in ihnen ausgesprochene Gelöbnis nicht annehmen. Siehe, es ist bei unserem Volke nicht üblich, daß man die Töchter als Mädchen viel älter werden läßt als Du bist, darum wird Dein Vater Dich voraussichtlich sehr bald verheiraten wollen — —" „Nie werde ich meine Hand einem anderen Manne reichen!" „Rahel! liebe Rahel!" Sie winkte ihn» abwehrend. „Laß mich ausreden! Unter keiner Bedingung werde ich je einen anderen Mann heiraten; doch deshalb brauchst Du mit dem Heiraten nicht so lange zu warten. Vielleicht findet sich in nicht allzufcrner Zeit unter den Angesehenen Jerusalems ein anderer, der Dich zum Schwiegersohn haben möchte, — Du darfst dann nicht glauben, daß Du das um meinetwillen ablehncn müßtest." Die letzten Worte waren ihr kaum hörbar entschlüpft; dann schmiegte sie sich fester an die Mutter und brach in heftiges Schluchzen aus. Tieferschüttert blickte Atiba auf das weinende Mädchen. „Rahel, das könntest Du von mir glauben!" Dje Mutter winkte ihm zu schweigen. „Nicht weiter! — Ihr seid einander wert, und ich wäre glücklich, wenn ich einem Manne wie Dir, Akiba, meine Tochter anvertrauen' könnte. Doch mein Gatte wird schwerlich zustimmen, und darum halte ich es für richtig, diese Unterredung jetzt zu beenden. Daß Du dieselbe herbeigeführt hast, dafür danke ich Dir, Akiba, wisset Ihr doch jetzt beide, daß Ihr ’iitdjt gebunden seid." Akiba verneigte sich tief und verließ wortlos das Zimmer, die Geliebte in ihrem Schmerze zurücklasscnd. . * Rahel hatte nun bereits ihr fünfzehntes Jahr vollendet. Allgemein wunderte map sich, daß ihr Vater sie noch nicht verheiratet hatte. Er selbst wunderte sich auch darüber und begann, sie zu drängen, sie möge ihm sagen, welcher von den Jünglingen ihrer ' ' _ Nr. 5 Bekanntschaft ihr am besten gefalle. Rahel aber schüttelte ihr liebliches Köpfchen und erklärte, keiner von all den Jünglingen, die sie kenne, gefiele ihr auch nur halb so gut wie ihr einziges Vaterle. Kalb.: Sabua lachte; er wußte cs längst, er konnte mit den: Eiscnköpschen nichts durchsetzen; aber er beschloß, ernstlich mit seiner Frau zu reden. In dieser Zeit jedochbegann Rahels Mutte: zu kränkeln. Anfangs legte ihr Gatte keinen besonderen Wert vorauf; bei seinem ziemlich rohen Wesen >var cs ihn: nie in den Sinn gekommen, sich nach ihrem Wohlsein zu erkundigen. Doch als seine Tochter in zärtlicher Besorgnis ihn darauf aufmerksam machte, daß ihre Mutter sichtlich dahinschwinde, da erfaßte jäher Schreck sein Herz, denn trotz seiner Roheit liebte er seine Frau aufrichttg. Diese lag, ohne zu klagen. Tag für Tag auf dem Ruhebette, ihre lilicnblcichen Wangen hoben sich kaum ab von den: feinen, tveißen Linnen, mit dem ihre Kopfpolster überzogen waren. Nur die großen, dunkeln, jetzt innuer fimkclnden Augen verrieten das Leben in ihrem zarten Körper. Es war ein lichter Morgen. Rahel suchte in crztvungener Heiterkeit die Mutter zu unterhalten, die lächelnd ihren Worten lauschte. Jetzt erhob sie sich, ging zur Tür, öffnete sie und blickte hinaus, wie um sich zu vergewissern, daß kein Lauscher in der Nähe sei. Dann ließ sie sich wieder an: Bette nieder, neigte sich über die Kranke und nahm deren schmale, durchsichtige Hand. Die Mutter blickte erlvarttingsvoll zu ihr empor, sagen, was Dich sicherlich sehr freuen wird." Die Mutter blickte erwartungsvoll zu ihr empor. „Denke Dir, Milka hat mir erzählt, wie ihr Moscheh sage, würde Akiba sicherlich ein großer Gcsctzeslehrer werden; die Gesctzeslehrcr hier lassen ihn zwar nicht oft zu Wort kommen, tveil man weiß, daß er erst so spät angcsangen hat, aber Milkas Moscheh behauptet, er, der so spät angcsangen hat, werde noch die überflügeln, die früh angcsangen haben." Die Mutter Machte ein nachdenlliches Gesicht. „Deine Mitteilung hat nrich erfreut, und ich weiß, daß Du Dich noch mehr darüber freust, — aber damit solltest Du cs genug sein lassen." Das junge Mädchen blickte sic verständnislos an. „Was willst Du danfit sagen?" „Nichts anderes, als was Akiba in seiner Weisheit und in seiner Gradhcit Dir bereits vor anderthalb Jahren 'gesagt hat, — «Du bist -nicht gebunden." Rahel wechselte die Farbe. „Das weiß ich," sagte sic gepreßt, „und — Du weißt, ich habe ihm dasselbe gesagt." „Das ist richtig, aber cs handelt sich jetzt nicht um ihn sondern um Dich, und wenn Milkas Moscheh sagt, daß Akiba noch ein großer Gesctzeslehrer werden wird, so glaube ich das, denn Moscheh soll sehr gelehrt sein, und damit, — ich nreine mit dein Bewußtsein, daß dasjenige, was Akiba leisten wird, mit Dein Verdienst ist, solltest Du zufrieden sein. Du solltest daher, wie alle Deine Freundinnen, einen braven jungen Mann heiraten. Dein Vater hat Dich so lieb, daß er Dir keinen aufzwingen Ivill, den Du nicht magst, Du sollst nur sagen, wer" von den Jünglingen Dir am besten gefällt, dann will er sich bemühen, daß Du wiesen bekommst. — Nun sage, wen möchtest Du?" Rahel zog die Hand! der Mutter an ihre Lippen. „Du weißt, Muttcrlicb, wen ich möchte." •_(Fortsetzung folgt.)_~ fl D TIK J- *• iM. IntL P. Wanderey, IT 1 1 flm Ecke N-ue Malnzerstr. u Welssfrauenstr. 11. Elektr. Kleinbeleuchtung. Taschenlampen. PlatlfUSS anderen Pll8880tlMkfrvN verschwinden In unseren pntenlamtl. gesell. =z Augulusstiefel 1 (individuelle infertigungl. Eberhard Hüller 2 Sohne, ““'SÄ*48 Bunte Chronik. Ein jüdischer „Führer". S i g m u u d M a h e r, der langjährige Präsident der Oesterrcich.-Jsraelit. Union, hat seine Memoiren erscheinen lassen. Die Wiener „Jüd. Zeitg." bringt eine eingehende Würdigung dieser Erinnerungen, die da zeigen, wie ein jüdischer „Führer" der Gegenwart als Jude denkt. Sie schreibt u. a.:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.