Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1912)
- Date
- 1912-02-02
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2692297-2692768-2692773--06729-2701763- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 5. „Eine ganze Unzahl von Großkausleuten Fabrikanten, jZrojessoren und Politikern hat dieses Preßvurgcr Ghetto ier Menschheit itnij der — Kirche geliefert; das Judcnum ist' leer ansgegangcn. Den Verfasser selbst hat nur ne Rücksicht auf die Eltern von der Taufe zurückgchalten.?r mußte, so erzählt er, schleunigst ans der llnivcrsitätstadt in die Heimat flüchten, sonst hätte auch er der tzerjnchnng nicht widerstehen können und sich taufen lassen. Er beteuert beständig, daß er ganz entjudct ist. Sift die antisemitische Bewegung bringt dem schon beahrten Manne die „unangenehme Tatsache," daß ermüde ist, in Erinnerung. Und nun widmet er sich der jüdischen Gesellschaft. Tritt allen möglichen israelitischen Lereinrn bei, der Union, dem galizischcn Hilssverein usw. folgt keinem inneren Triebe, nur der Umstand, daß jeine Gesellschaft und Politik Schiffbruch erlitten haben, Drängt den GreiS, der die Tätigkeit im öffentlichen heben nicht missen kann, zu dieser Beschäftigung, l Man kann sich nun leicht vorstelle», wie diese pcschästignng anssieht. Eine kleinliche Geschäftigkeit, deren Hauptinhalt Klagen und Proteste gegen antisemitische drovinzredakteure, Veranstaltungen von Konferenzen und stiiqneten, die nie ein Resultat zutage gefördert haben, bilden. Und der greise selbstgefällige Herr, der gewissermaßen in seinen alten Tagen znm Juden gepreßt Kurde, mißt sich als gnädigem Schuyherren der österreichischen Judenschaft eine ganze unerhörte Bedeutung bei. Mit der Zunge und der Feder ist er auch ganz bei der Sache, aber das Herz, welches in Judensrcindhcit Mt und starr geworden ist, bleibt völlig außer Spiel. [ So repräsentiert Mayer, der Jilde, den weit verbreiteten Typus des offiziellen Kultnsjnden, des Mannes, welcher sein Schäfchen im Trockenen hat und mangels Anderweitiger Beschäftigung Ehrenstetten in jüdischen Korporationen annimmt und .Herz- und geistlos verwaltet." I Kunst und Literatur. Stendhal-Henry Behle: Reise in Italien, llcbersetzt von F. v. Oppelar Bronikowski. Jena. Eugen Diederichs, 1911. 443 .S. l Das Buch bildet einen Teil der vom trefflichen Jcnenscr Verlag veranstalteten Gesamtausgabe der Werke Stcudbals. Es ist interessant rcnd wichtig in doppelter Hinsicht: man lernt einmal die eigenartige Natur des großen Stendhal und durch ihn die Schönheiten Italiens rennen. Der Reiz des Werkes erhöht sich dadurch um ein vielfaches. Es ist besonders interessant zu verfolgen, tvie Me eigenartige "Psyche Stendhals ans die Einflüsse des klassischen Italiens reagiert und noch interessanter, dieses Italien durch das Auge eines so feinen Kenners zu vudieren. I Die Ausstattung des Buches, das mit vielen pracht- »ollcn Jllristrationen versehen ist, ist vornehm rcnd würdig, »ie Uebertragnng durch den bekannten Uebersetzer, sowie leine detaillierte Einleitung vortrcfflicks. »arin Michaelis: Rachel, ein Ghcttoroman, Con- I cordia, Deutsche Verlags-Anstalt, Berlin. 246 S. I Bon Karin Michaelis hat man ja in letzter Zeit lur Genüge gehört; man hat sie kennen gelernt rcnd kann Frankfurter Israelitisches Familienblatt. nicht gerade sagen, daß ihre literarische Persönlichkeit anzieht. Der schlechte Eindruck, den ihr „Gefährliches Alter" ans alle feiner Empfindenden gemacht hat, wird durch diesen ihren „Ghettorvmau" noch verstärkt. Eine seltsamschanerliche Geschichte, sensationell, aufregend, so recht geeignet, „moderne" Leser anznziehcn, ohne irgendwelchen tieferen Gehalt, mit viel Technik und ohne alle Kunst geschrieben, wird da erzählt. Das würde uns nicht weiter kümmern. Literarisch tvertlose Ware wird genug fabriziert. Was znm Protest herausrnft, ist der Name: Ghettorom an, der nicht die geringste Berechtigung har. Zufällig läßt die Verfasserin Rachel, die Heldin, in ihrer Kindheit im Ghetto ausgewachsen sein und nimmt sich nun daraus das Recht, ihr Elaborat „Ghettoroman" zu nennen. Gegen diese Ausnutzung des Ghettos als sensationelles Reklamcschild sollten sich alle besseren Leser, vor allem die jüdischen, energisch wende». S u s i a n a. Ein persisches Heldenepos von Ben Jair (M. Golde-Frankfurt a. M.). Verlag A. I. Hofmann. Preis 1,50 ,tk " Es ist im allgemeinen kein Vorteil, wenn man 100 Seiten dnrchgelesen, zwischendurch herzlich gelacht, mitnnrer auch den Kopf geschüttelt hat, den pCiitor zu apostrophieren: „Bester, was hast Du eigentlich mit denr Ganzen bezweckt. Du gibst uns «in Epos. Schön! Es ist also Dein gutes Recht, soweit abzuschweifen, wie cs Dir beliebt. Du kannst vom Hundertsten ins Tausendste kommen, und der feinfühligste Kritikus mit seiner dicksten Poetik in der Hand, vermag Dir dieserhalb nichts anzuhaben. Denn Du Schlankops betitelst das Büchlein nicht dem Stoffe nach — es müßte sonst Esther oder dcrgl. heißen, sondern nach dem Orte, und in Susa (lies nach Bedarf Berlin, Frankfurt usw.) wird noch mehr als all das vorgekoinmen sein." — Hier aber ist's doch etwas anderes. Hier wird sehr wenig mit Witz und sehr viel mit Humor gearbeitet. Aber wie nahe hätte es gelegen, gewisse Probleme hineinznzerren, die sich keiner der „Hnmoristen" von Namen entgehen läßt. Hier zeigt sich der Jude. Ben Jair bleibt dezent. Einem Humoristen von seinem Schlage, der alles und alle mit lachenden Augen betrachtet, kann es gleichgültig sein, ob gewisse, leider nicht allznwenige Leserkreise sein Werkchen deshalb nicht kaufen. Manchmal aber auch lachen die Augen, obwohl sie lieber weinen möchten. Ben Jair spricht stets direkt zum Leser. Er braucht seinen Gestalten deshalb keine Gegenwartszüge zu verleihe». Er zieht ihnen nur Gegenwartskleider an, dein, er kristalisicrt nicht die Mensche», sondern die Menschheit aus dem Stoff heraus. Es mag dahingestellt bleiben, ob ein Teil des Bandes überhaupt derart behandelt tverden dürfe. Diese Frage geht die Literatur nichts an. lind zur Literatur zählt das Büchlein ebensosehr wohl, wie sonndsovicle andere Humoristen" nicht. Dann nochmals: Es steckt jüdischer, echt jüdischer Humor darin. Die Freiheiten, die sich Ben Jair mit der Sprache leistet — es kommt ihm nicht darauf an, falsche Jmperfekte zu bilden: „Der König meinte nur — aha, das Hab' ich mir doch gleich gedenkt," Interjektionen zu steigern: „Pfui, pfnier, am pfuisten!"; Redensarten zu bilden wie: ich maß mich schändlich, im deutbar größten Flächenmaße usw. nsf. —, gerade darin liegt ein Teil der humoristischen Wirkung. Seite 5. Das ist keine künstlerische Unzulänglichkeit, denn Ben Jair ist ein Künstler des Reims. Man vergleiche S. -16, 20, 30. 34 fs. Das alles merkt man allerdings erst, wenn man sich die Mühe macht, etwas nachzudenken. Dann bemerkt man aber auch, wie tätlich Ben Jair die halb idiotische, halb schnodderige Mkürzungsmethode: „M. w." für machen wir haßt. Wenn wir uns nicht irren, hat Fritz Müller- Zürich vor kurzem in der Jugend dagegen geschrieben. Hoffentlich hat Ben Jairs Kampf mehr Erfolg, einen Erfolg, dem wir auch hinsichtlich der Verbreitung des hübchen WerkchcnS dem Antor von Herzen wünschen. —ar— Gedenkrede ans Ludwig Philipps»n bei der Bonner Hundertjahrfeier seines Geburtstages (28. Dezember 1911) von Rabbiner Dr. E. Kalischer. Veröffentlicht durch den Vorstand der Synagogengemeinde Bonn. Verlag von Richard Wolffberger, Bonn. Kaiser Friedrich Quelle — ■ Offenbach a. M. — > Gegen Gicht and Bheamatlwnaa bewährt« Alleiniger General -Vertreter: Friedrich Stahl» Frankfurt a. M., Stallburgatr. 9« Tel. 259 n. 714. Wocherr-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem I>ooeb.) Samstag, den 3. Februar (—15. Schwatl: Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr 50 Min. Sabbat-AuSgang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 10 Min. in Berlin 5 Uhr 40 Min. Wochenabschnitt: Beschalach. Pharao hatte Reue, Israel entlassen zn haben, und er jagte chm nach. Auf Umwegen hatte Gott Israel ans Schilfmeer geleitet. Sie sahen nun Pharao hinter sich heraneilen, vor ihnen Wan das Meer. Verzweiflung ergreift sie, weil kein Ausweg sichtbar. Borwürfe gegen Moses; der Wunsch, nach Egypten zurückzukehrcn, wird tant. Moses beruhigt sie; Gott verfünbet den nahen Untergang Mizrajims und ermuntert zum Weiterziehen. Die Wolkensäule tritt zwischen Israeli und die Egypter und deckt Israel im Rücken. Moses hebt seinen Stäb über das Meer. Durch einen starken Ostwind teilt es sich während der Nacht in zwei Hälften. Israeli zieht trockenen Fußes hindurch, die Egypter nach. Das Meer fließt jedoch wieder zusammen, — und die Egypter ertrinken. Moses singt mit den Männern das herrliche Meereslied, Mirjam mit den Frauen. —. In Mara erhält das Volk bittere Wasser; es murrt. Auf Gottes Geheiß wirft Moses ein Holz hinein. Das Wasser wird süß. Das Volk erhält in Mara einige Gesetze, — Elim ist eine Oase mit 12 Wasserquellen und 70 Dattelpalmen. Auf dem weiteren Wege murrt das Volk wieder, spricht von den Fleischtöpfen Egyptens. Gott. sendet als Fleischspeise Wachteln, als Brot das sogen. . „Manna." — In Residim murrt das Volk wegen Wasser mangels. Ans Gottes Befehl schlägt Moses einen Felsen. Es kommt genügend Wasser hervor für die Gemeinde imd. ihr Vieh. — Dort erscheint auch Amalek, der. erste ' Feind nach dem Auszug aus Egypten. Josua schlägt ihn. Moses ist währenddessen auf einem Berge, die Hände ' Ä .vwSh : v: JJ» . 1 *1 Gehr-ock-, Frack-, Smoking-, - Jackett-Anzüge. -»» - Ersatz für Massarbeit bieten unsere nach bewährten Modellen selbstgefertigten Gehrock - Imiige aus Kammgarn, Cheviot, Melton .... Mk. 38— 60 Gehrock-Anzüge aus Ia. Drape, Kammgarn, Cheviot, Melton m. Seidenspiegel.. 48—10O Frack-Anzüge aus Drape.„ 45— 58 Frack-Anzüge aus Drape in vornehmer Ausführung mit Seidenspiegel.„ 55—lOO Smoking-Anzüge aus Drape ..„ 40— 50 Smoking-Anzüge aus Drapd in vornehmer Ausführung mit Seidenshav/1.„ 55— 90 Jackett-Anzüge aus Cheviot, Melton, Kammgarn .... „ 33— 95 Prack-Westen aus Piquö-, Woll- und Seidenstoffen Mk. 4^—16. <5ehrock~Kosen dankeigestreifte Dessins Mk. 12—2« Feste, billige Preise. IL<ie1>fra.iienstra sse 8|IO und Neue Eräme S7. In Hockst a. M.: Konigsteiuerstr. 5