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Neue jüdische Presse · 1912-01-19 · Heft 3 (19.1.1912) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 3 (19.1.1912)
Date
1912-01-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 3 Ilichenkonsistarium die Popen im Gouvernement IKiew angewiesen,- sich überallan die -Spitze der rFilialen des pogromlüfternen Verbandes sdcs russischen Volkes zu stellen! Odessa. Anläßlich des Eiicheinens des' 1-D. Heftes Idcr hebräischen Zeitschrift „Haschiloäch," veranstalteten |bic hebräischen Schriftsteller -Odessas ein Festessen, IdaS einen überaus erhebenden Verlauf Iiahni. In be- I geisterten Tischreden feierten dieses literarische Jubiläum |u. a. die Schriftsteller und Gelehrten'CH. N. Bialik, david K a h a n e, Dr. R a b'i >r, Moses K l e i n in a n n, iLladimir Jabotinsky, ferner M. Ussischkin, CH. iGrünberg und schließlich der Redakteur des „Haschi- ^loach", Dr. Josef Klausner. Odessa. Die 8 Generalversammlung des .Odessaer Palästinakomitees Isiudet, wie bereits gemeldet, vom 14.—18. Februar statt. »Zur Beratting stehen die verschiedenste» wirtschaftlichen lunb kulturellen Fragen der Palästinaarbeit. Die Tagesordnung umfaßt folgende Punkte: Eröffnungsrede, des Vorsitzenden M. Ussischkin. — »Debatte über den Tätigkeitsbericht des Komitees. — Jn- Istitlit für Agrarkredit in Palästina (Dr. I. Buchmil). — I Gesellschaften und Institute für Bodenkauf in Palästina I(B. Goldberg). — Gartenstädte (Agronom A. Snßmann). I— Grundzüge der Kultur- und Erziehungsarbeit in Palü- Istina (Dr. Josef Klausner und M. Scheinkin). — Orga- Iiiisation des Informationsdienstes (Dr. M. Glücksohn). — IOrganisation der Propagandatätigkeit (CH. Grünberg). — »Diskussion. — Die Kolonisationstätigkeit in der. Türkei, ■ tu Syrien und Palästina und die politischen und biirger- Ilichcn Rechte der Ansiedler. Referent Vorbehalten. — I Beschlußfassung über die vorgcschlagenen Resolutionen und | 3!culüal)I. - Odessa. Sosnowsky, der neue Stadthauptmann, lhat sich sgeweigcrt, eine jüdische Deputation zu empfangen, Idic mit ihm wegen einiger jüdischer Angelegenheiten iNücksprache nehmen wollte. Sosnowsky >var den Juden lcrst freundlich gegenübergctrctcn, er erhielt aber von »Petersburg einen Wink, daß man damit nicht zn- Ijricdcn sei.' Italien- Florenz. In drr zweiten Tagung des IB u » d e s der jüdischen Gemeinden Italiens I wurde eine Protestresolution gegen die antisemitischen »Blätter, die fortgesetzt gegen die Juden Hetzen, angenommen. »Gleichzeitig jedoch beschloß der Bund, die jüdisch-natiolualen Bestrebungen der geeinten Jungjuden Italiens, die lauf deren jüngst stattgefundeuen Konferenz zu Tage ge- I treten sind, auf das kräftigste zu unterstützen. Auch lmtrbc der Beschluß gefaßt, demnächst einen Kongreß der italienischen Rabbiner behufs Einigung der beiden Rabbiner- Isemiuare einzubcrufeu. Palästina. Jaffa. Im neuen Arbeiterklub-Gebäude zu PethachlTikwnh fand unter "Anwesenheit von 25 Delegierten »der ^Dcleg iertent ag der Organisation landwirtschaftlicher A r b e i't e r I n d ä a s Istatt. Die Tagung befaßte sich mit der Ausgestaltung Ider' Orgänisation und zeigte die fortschreitende Kousoli- »dierung der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse Ider jüdischen Arbeiter Palästinas. — P e th a ch- T ikw a h hat diesmal für 75 000 Francs Orangen lauf den Markt gebracht, ein außerordentlich günstiges IErgebnis. Recht .erfreulich ist auch die Tatsache, daß »beim Pflücken, Verpacken und Verladen der Früchte leine weit größere A n z a h l ' j ü d i s ch c r A r- Ibcitskräftc beschäftigt worden sind als in früheren I Jahren. — In I e r n s a l e m ist zum Andenken an den im »Vorjahr verschiedenen Oberrabbiner Samuel Salant leine sVorschußkasse für jüdische Gewerbetreibende und Kleinkauslento Igegründct worden. 10 000 Francs —. meist beige- I steuert von in Amerika lebenden Verehrern Rabbi »Salants — sind bereits' vorhanden. Die Entwicklung »des Kleinhandels' und des kleineren Gewerbes war in »Jerusalem ' bisher durch die schtvierige Geldbeschaffung »gehemmt; man darf sich daher von dem neuen Institute Iviel Gutes versprechen. -Jaffa. Der B>richt der Bibliothek „Schaarei 13ion" ist ein sprechendes Dokunient für das große g e i st i g e Interesse unserer Juden, »denn es wurden im Berichtsjahre 6658 B ü ch e r entliehen, lstasfa zählt an 3000 jüdische Familien. . Rtkchon-Lezion. Als eine Abordnung des Winzerlsyndikats jüngst in Paris bei Baron Edmund Rothschild vorsprach, um ihm 400 000 Fr. als erste Teil- Izahlung eines seinerzeit gewährten Darlehens von J2 Millionen Franken zu üverbringen, sagte Baron Rothschild den »Mitgliedern der Deputation: i .. „Ich bitte Sie, meinen Brüdern meine herzlichsten IGrüße zu übermitteln. Mögen die jüdischen Kolonisten Idem palästinensischen Boden Liebe und.Treue bewahren, »und mögen sie ihrer Pflichten gegen das ottomanische »Reich stets eingedenk sein. Wenn die Bestrebungen der lKolonisten zur Erlangung wirtschaftlicher Unabhängigkeit »sich auch weiterhin, loie ich hoffe, als erfolgreich erweisen l werden, will , auch ich mich der Förderung rationeller »kolonisatorischer ^Tätigkeit in Palästina , ... nicht entziehen,-. meisten freut es mich, daß die Kolonisten allmählich Frankfurter Israelitisches FamMenblatk. den. jüdisch-deutschen Jargon, die Sprache des Golus, gegen die hebräische Sprache unserer Väter vertauschen." Baron Rothschild traf schließlich mit den Vertretern der Winzergenossenschast ein Arrangement, wonach diese den Restbetrag der obenerwähnten Schuld im Laufe von 110 Jahren, d. h. in Jahresraten von ca. 15 000 Fr., zu amortisieren hat. : Kanada. Montreal. Dem neuen Gene'-algouverneur, Herzog von Connäught, sandten die jüdischen Ackerbauer Kanadas eine - Huldignngsadresse ans -einem Weizcnkorn. In hebräischer Sprache und Schrift befinden sich auf dem Weizenkorn 300 durch ein Mikroskop leicht lesbare Buchstaben. Das Kunstwerk vollbrachte der Bauer Abraham Schächter. lenillefon. «ttba. Historische Erzählung von Friedrich Rott. iFortsetzung». „Ich übertreibe nicht, ich kenne Akiba, Tn wirst es sehen, er wird Großes vollbringen. — Und weil ich das weiß, darum bin ich solange in ihn gedrungen, bis er mir endlich versprochen hat, fortan alle Tage seines Lebens dem Studium des Gottesgcsetzes zu'widmen und >uir in einigen wenigen Stunden das Notivendigste zum Leben zu erringen." ,',Tu, Du hast ihn dazu gebracht!" — Staunend betrachtete die Mutter die Tochter, - die ihr .plötzlich -in - einem ganz anderen Lichte erschien. „Mer — -—" „Rur kein aber, Mutterlieb, ichbitte Dich! — Akiba hat mir -das feste Persprechen gegeben, daß er es -keinem Menschen sagen wird, daß ich ihn zu seinem Entschlüsse gedrängt habe." „Wenn-Du cs nur nicht dereinst bereuen wirst!" , Aber, "Mutter, — indem Gottcsgesetz zu forschen, ist doch 'die Pflicht jedes Inden, und einen Menschen dazu gebracht zu haben, seine Pflicht zu erfüllen, wie sollte .man das jemals zu bereuen haben?" ' Die Mutter erwiderte 'nichts. Rahel legte 'wieder den'Arm'um ihren Hals. „Mutterlieb, ich bitte Dich, mache kein so sorgenvolles Gesicht. Sieh', ich bin so froh, so glücklich, daß mir dieses gelungen ist." Tic Mutter blickte ihr liebevoll in das erregte Grsichtchen und streichelte ihrdie rosigen Wangen. „Im Grunde hast Tn' recht, Grund zur Sorge ist nicht 'vorhanden, und wenn ich auch' Deine hochfliegensen Hoffnungen 'nicht ' hege, so freue ich michdoch, daß Akiba sich 'nun auch iu*it dem beschäftigen wird, womit 'er sich längst hatke 'beschäftigen sollen." „So ist's recht, Mutterlieb!" jubelte Rahel, „und nun habe ich eine Bitte an Dich,' eine große, große .Bitte —" „Wenn ich sie erfüllen kann —" „Sich', Mütterchen, früher ist es mir sehr leicht vorgekommen, daß Akiba in zwei bis drei Stunden täglich oder nächtlich seinen Unterhalt erwerben könnte. Ten'n Dü weißt doch, er ist sehr stark und sehr geschickt, und es ist ihm ganz einerlei, was er ißt. Wie oft habe ich gesehen, daß er den größten Teil seines Mittagessens arnicn Leuten gegeben hat. Und 'wenn' der' Pater 'nicht so unbeugsam wäre, so würde Akiba den Garten in ivenigen nächtlichen Stunden ebenso in Ordnung halten wie jetzt. — Mer da läßt sich nichts machen, was der 'Väter nicht will, das gibt er nicht zu." „Wüßte ich das nicht zu gut, dann hätte ich mich vorhin nicht so kurz von ihm abweisen lassen." „Akiba hat es auch int voraus gesagt, daß oer Pater nicht darauf eingehen wird. — Ich habe cs aber doch geglaubt. — Uns nun, wenn der Arme nicht bald Arbeit finden und hungern würde, — dann — dann hätte ich die Schuld —" „Darüber brauchst Du Dir keine Gedanken zu machen, Kind. Das hat Akiba sicherlich überlegt, bevor er mit dem Vater gesprochen hat." „Vielleicht aber braucht er in der ersten Zeit Geld,' und ich habe doch jetzt Geld; nur weiß ich nicht, auf welche Weise ich es ihm geben kann. Wenn Tu mir dazu helfen solltest — Mutterlieb!" .Die Mütter antwortete nicht sofort, sie hatte die Lippen aufeinandergepreßt und blickte sorgend auf das erregte junge Mädchen, das sie jetzt vollständig durchschaute. Sie atmete schwer auf. Was sollte daraus werden? Sie kannte den unbeugsamen Sinn des Gatten, .kannte auch die Pläne, die er für die Tochter hegte, und hielt sich daher überzeugt, daß er auf Rahels phantastische Voraussagung um keinen Preis sich ein- Eeite 8 laffen würde. Sie hielt es trotzdem für richtiger, es das junge Mädchen nicht ahnen zu lassen, wie wenig sie ihre Hoffnung teilte. „Also, Mutterlieb, was meinst. Du?" „Ich begreife nicht, daß Dir das so schwer erscheint. Gib ihm das Geld, so wird er eS nehmen." Rahel schüttelte den Kopf. „Das ist nicht so einfach, er ist furchtbar stolz, — wenn er auch immer sagt, daß er nur ein Bedienter ist, ein armer Kerl —" „Und dennoch mußt Du es ihm geben." „Aber wenn er es nicht nehmen will?" „Dann mußt Du seine Gründe anhören und Mußt sie zu widerlegen suchen." „Dazu wirst Du mir helfen, Mutterlieb," sagte Rahel, indenr sie bittend zu der Mutter emporschante, die deni Liebreiz des schönen Kindes nicht länger widerstehen konnte. „Run denn meinethalben. Aber ich höre den Pater, jetzt von etwas anderem." - * Früh am andern Morgen war Kalba Sabua fortgefahren. um sich bei seinen Bekannten in der Umgegend nach einem tüchtigen Gartenpfleger umzusehen; er. war sehr schlechter Laune, denn er zweifelte woht mit Recht, daß er das finden würde, was er suchte. Er hatte seinen Leuten hinterlasien, daß er bei seiner Heimkunft seinen bisherigen Gärtner nicht mehr in seinem Hanse anzutreffen hoffe. Akba hatte daher bei Zeiten seine geringen Habseligkei en zusammengcrafst, dann, hatte ec sich zu sein.r bisherigen Herrin begeben, um sich! bei ihr -zu verabschieden, und auch nach Rahel sah er sich um, chr Lebewohl' zu sagen, denn er zweifelte nicht, daß er sie fortan nur höchst selten sehen werde. Kalba Sabuas Gattin, die dem langjährigen Diener immer überaus freundlich begegnet war, empfing ihn heute weit kühler als sonst, denn in ihrem Herzen gab sie ihm die Schuld, daß chr unschuldiges Kind ihnr ihre Neigung zugewendet hatte. „Habe Dank für Deine guten Wünsche, aber wenn Dir unser Wohl so sehr ani- Herzen liegt, — warum hast Du uns so schnell verlassen?" „So könntest Du zweifeln, Herrin, daß mir Dein Wohl und das der Deinen am Herzen liegt?" Sie zuckte die Achseln. „Wer uns ohne Grund verläßt, der zeigt, daß unjer Interesse ihm gleichgültig ist." „Aber Herrin, es wäre mir doch nicht eingefallen, ohne Grund meinen Posten bei Euch aufzngeben, und überdies, ich habe ihn doch überhaupt, nicht aufgegeben. Hat denn Kalba Sabua Dir nicht gesagt — —" „Doch, mein Gatte hat mir altes gesagt. Aber wie hätte er denn auf Deinen unüberlegten Vorschlag eingehen können. Man kann nicht zwei Herren dienen." „Das wäre arg. Damit wäre allen dienenden Personen das Urteil gesprochen, denn vor allem müssen' doch alle ihrem Herrn im Himmel dienen und dann ihrem irdischen Herrn." ,-Nun ja," versetzte sie, während eine leise Röte ihr noch immer schönes Antlitz überzog, „dem kann ich selbstverständlich nicht widersprechen. — Aber sage mir, Akiba, glaubst Du denn an den Erfolg Tein's Studiums, das Du in so vorgerücktem Alter beginnst?" Er zuckte die "Achseln. „Du kennst doch den Sch.istsatz: Ihr sollt forschen in der Gotteslehre Tag und Nacht. Bisher habe ich das allerdings versäumt, aber fortan werde ich meine Pflicht tun, der Erfolg steht bei Gott. — Ah, sieh' da, kleine Heerin," wandte er sich an die eben eintretende Rahel, „es fteut mich, auch Dir Lebewohl sagen zu können; ich werde Dein Antlitz sobald nicht wieder sehen. Dein Vater hat mir sein Haus verboten." Rahel erblaßte. „Ich hoffe, der Pater wird sein Verbot zurücknehmen, sobald er Ersatz fiir Dich gefunden hat. Aber ich glaube cs allerdings auch nicht, daß ich Dich in nächster Zeit sehen werde, und darum; möchte ich jetzt gleich! eine Bitte an Dich richten, eine ' große Bitte, die mir sehr am Herzen liegt — —“ „Sprich, Herrin, und je schverer Dein Wunsch zu erfüllen ist, mit um so größerer Freude werde ich ihn zu erfüllen trachten." „Habe Dank für dieses Versprechen. — Du hast gehört, Mutter, was Akiba mir versprochen hat." „Gewiß!" „Mso sieh', Akiba, dieses hat mir mein Vater zu meinem Geburtstag geschenkt, — mache mir die Freude, ich bitte Dich, nimm es!" Akiba wich einen Schritt zurück, während dunkle Glut sein männlichschönes Antlitz überflutete. „Rahel,

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