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Neue jüdische Presse · 1912-01-19 · Heft 3 (19.1.1912) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 3 (19.1.1912)
Date
1912-01-19
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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beite 2. den. Ml einem anderen Orr wäre es vielleicht fiir. manchen leichter, aber es fehlt ihnen dazfu an Mut. So leben sie denn unter dein Druck dumpf dahin, und wenn cs fo weiter geht, ist bald eine flroßc 2cmoraIiiation £cfurditciu (Schmß folgt.) A«s -e» Ereigniffe« des Tages. Der letzte Schritt des D. I. «. B- 7 Bon Fehlern, die mau einmal begangen hat, macht man sich nur sehr schwer frei. Dies ist eine traurige Wahrheit, die man oft im Leben. zu beobachten hie Gelegenheit hat, und die die Haltung des Ausschusses des Deutsch-Israelitischen Gemein- Lebundes von neuem bestätigt. Wir haben in unserer vorwöchcntlichcn Nummer ein Eingesandt zum Abdruck gebracht, das von ernem vertraulichen Rrmdschrciben berichtet, das der D. I. G. B. an seine Vertrauensmänner gerichtet, hat, und nwrin er ihnen von der baldigen Einberufung eines außerordentlichen Gcmcindetagcs Mitteilung macht und sie ersucht, dem Ausschuß möglichst viele Blanlomandate zu verschaffen. Wie man daraus ersieht, hat der T. I. G. B. den zweimal unternommenen und mißlungenen Versuch, durch Aendcrung des Organisationsentwurfcs die Leitung und das Schicksal des Bundes einigen Großgenieiii- .den anzuvertraucn, durchaus nicht ausgegeben, sondern arbeitet mit verstärkter Energie auf sein Ziel hip. Und da es mit offenen Waffen nicht gelingen lvill,, greift er zu heimlichen und beginnt mit geheimen Rundschreiben uitd politischen Methoden zu .operieren. Er bereitet die Einberufuilg eines anßcrordeittlichen jGcmcindetages vor, wahrend er der jüdischen.Presse nichts von dieser Absicht mitteilt; er arbeitet im geheimen auf die Erlangung von Plankoumndatcn hin, während die nichtsahnenden Gegner nichts unternehmen tonnen. Wenn cs noch eines Beweises dafür bÄmrft hätte, das; die geplante .Aendcrung des Organisationsstatuts eine Vcrgcwal tigmtg. der Kleingcineindcn enthält, das; seine Ur- Wer Hintergedanken daiilit verfolgen, dann hätte iHr. dieses geheime Rundschreiben erbracht. . sind was erreicht denn der D. I. G. B. mit solchen Mitteln?. Das; sie ans Licht der Oeffcntlichkeit stets kommen, das dürste er doch aus seiner bisherigen ,Erfahrung bereits gelernt haben, und sind sie einmal bekannt, daun tragen sie - mit Recht — zur Verstärkung des Mißtrauens »och bei, .stärken die Opposition und erweitern die Kluft. Schon vernimmt man, das; hie und da Kleingemesuden aus dem D. I. G. B. ausschciden wollen, .und Ivcnn dies jetzt auch poch verhindert werden Jkmit, üiftnu der D. I. G. B. seine Taktik beibe- Mlt, wird sich diese Folge kaum vermeiden lassen; .wahrlich, die Leiter des D. I. G. Bkönnen nicht besser den-.Vertretern der Trennungsprinzipien in ..die Hände arbeiten, als indem sie sich aus Maßregeln und Methoden verlegen wie die, die sie jetzt .an wenden. Es wäre doch -wirklich Zeit, daß der D. I- G. B. einsähe, daß Heute innerhalb der deutschen Jndenheit nicht mehr der Wille einzelner lveniger No tadeln entscheidend ist, daß man keinen Entwurf ditrchsetzen kann, dem sich ein großer Teil, wenn nicht' die Majorität der deutschen Jndenheit, mit aller Energie widersetzt. Und daraus sollte er eben die neue Lehre ziehen, daß cs besser, vernünftiger uich im Interesse des Judentums gelegen ist, nach- Mgebcn, Koinpromisse zu schließen, Frieden herzustellen als den Zank ewig fortznführcn und seinen Willen, wenn cs mit offenen Waffen nicht gchst, jinit heimlichen, unschönen dnrchzusctzc». . Die kleinen Gemeinden aber müssen ans diesem neuesten.Schritt des Ausschusses des D. I. G. B. lernen, doppelt und dreifach auf der Hut zu sein und sich durch keine Vorspiegelungen und Betcueruttgen verleiten lassen, dem Ausschuß und seinen Vertrauensleuten Blankoinandatc zu erteilen. Warten sic vielmehr ab, was nun folgen wird, welche Maßregeln der Bund und welche die Opposition unternehmen wird. Btögen die Kleingemcinden nicht vergessen, daß hier all ihre Bedeutung und ihr ganzer Einfluß auf dem Spiele steht; daß, im Falle dieMenderung des Orgänisationsstatuts durchgesetzt wird, sie zur Bedeutungslosigkeit verurteilt sind. Aeußerste Vorsicht, rnwermirtderte Energie, rurbeirrter Widerstand, das ist; es, was den Kleingemeinden und alt. denen, die sich den Absichten Frankfurter 'Israelitisches Familienblatt. der Leiter des T. I. G. B. widersetzen, jetzt inehr als je nöttut. Nur so -kann-es gelingen, den Maßnahmen und Schritten des Ausschusses standzuhalten und seine Pläne zu vereiteln. Und nur wenn die Opposition und die Kleingemcinden fest und unverzagt auf ihrem Standpunkt verharren, ist zu hoffen, daß früher oder später der T. I. G. B. cinsehen wird, daß er der Opposition Rechnung tragen muß und sich so zu Konzessionen verstehen wird. Ausdauer und llubeirrtheit, dies ist für jetzt das nichtigste im Interesse der Kleingemeinden, im Interesse des T. IG. B. selbst und. im Interesse der gesamten deutschen Jndenheit. . . Die Kintstgewerbeschrrle „Bezalel" in Jerusalem. Es erweist sich immer mehr, daß die Bezalclschule eine Kulturinstitution voll hervorragender Bedeutung für die patüstilieilsischc Jndenheit ist. Ein Einblick in den dieser Tage erscheinenden Jahresbericht beiveist dies zur Genüge. Denn während 1908 nur etwa 100 Personen an der Schule beschäftigt lvurdeu, lvar deren Zahl 1911 bereits auf 457 Persolien gestiegen. Und wie vielseitig sind bereits die Ausbildungsmöglichkeiten! Nicht lvenigcr als zehn Ateliers stehen im Dienste der Schule. Das sind je ein Atelier für Teppiche, Seidenteppiche, Filigran arbeiten, K upferarbeiten, Holzbearbeitun g, Mctalltreibarbeitcn, Batilgcgenstände, Elfenbeinschnitzerei, Korbflechterei und Spitzen. Bezeichnend für das kultur-schöpferische Wirten der Anstalt sind auch die Zahlen.über den Wert der hcrgestellten Erzeugnisse und über den hieraus erzielten Gewinn. 1908 wurden für 20,000 Frs., 1909 für 95,000 Frs., 1910 für 90,000 Frs. und 1911 für 193,000 Frs. Waren erzeugt. An diesen Waren wurde in btn ersten zwei Jahren nichts, 1910 1500 Frs. und 1911-29,000 Frs. verdient. Die Ansstellinig der Bezalcl-Erzcugnissc in Warschau hatte einen solchen Erfolg, daß dort eine Bczalel-Vertricbsgesellschast mit einem Kapital von 50,000 Rubel in Bildung begriffen ist. Es ist klar, daß gerade in dieser Periode des Aufblühens die Zuwendung größerer Spenden*) .für die Zukunft des Bezalel von segensreichster Bedcutiilig sein muß. Möchten daher diese Zeilen dem Bezalel neue Freunde zusühren. Aus aller Mett. Deutsches Reich. Berlin. Aus einem Vorträge Prokessois Dr. Carl W a tz i n g e r - Gießen in der Deutschen Grient» gcsc11s ch a f t über deutsche Fors ch nngcii i n P a f ä st i li a sei folgendes wicdergcgcben: Die systematische Erforschung des Landes durch Ansgrabiiiiggeii hat bereits wertvolle Früchte getragen. Deir Engländern solgten die dimer ikaner und ihnen, mit nicht geringen Erfolgen, die Deutschen. In den Jahren 19Ö1—1903 hat Professor Sellin im Norden, des Landes int Kisontale — von dem das Deborahlied zn erzählen tveis; — sehr ergebnisreiche Grabungen angestcllt nnd n. a. in dem heutigen Teil Ta'annck die. Stätte des alten Thaana'ch entdeckt; ihm schlos; sich 1903—05 Baurat Schumacher an, der. in dein Tclcl-nnttesellim das biblische M e g i d d o erkannte: reiche Einzelfundc wurden dabei an beiden Stellen zutage gefördert. In kaum geringercnl Grade gilt dies von den Forschungen, die der Vortragende 1905 mit Kohl, »nd Hölscher in de» S y » a g o g e n r n i n e n Galiläas vorgcnoinnrcn hat. Auf neun verschiedene antike Orte haben sich ^dic Arbeiten erstreckt; ihr wichtigstes Ergebnis ist die Freilegung eines nvch in seinen Trümmern großartigen Shiiagogenbancs im alten Kapernaum (Kephar Nachm», heute unter dein Name» Tell-Huin ein großes Ruinenfeld). Schon der Grundriß des Tempels von Kapernaum läßt uns als seine Eiitstehiingszcit das erste oder zweite nachchristliche Jahrhundert erkennen. Wesentlich denselben Typus zeigen mich die untersuchte» Snnagogcnrestc an den anderen Orten. Eine weitere Iliitersilchnng ergab, daß alle Synagogen jener Zeit zweistöckig, d. h. oben mit Empören versehen waren, ans denen die Frauen Platz nahmen. Ueberaus interessant sind die, wenn auch spärlichen Reste eines künstlerisch durchaus unverächtlichen Skulpturenschmucks. Auch die Pickte für den Thoravörleser, die vielfach die Form eines muschelförniigcn Baldachins zeigen, ebenso wie die Schränke, die der Aufbewahrung der Thorarollen dienten, trugen Arabeskenschinnck und lassen die Absicht künstlerischer Gestaltung erkennen. Wüßten wir cs nicht ans anderen Quellen, so könnten diese Syiiagogeiibauten, in denen sich israelitische und römische Stilsormen reizvoll mischen, es uns in charakteristischer Weise-deutlich machen, wie die Städte *) Adresse für Geldsendungen.: Bertrand Hamburg, Berlin \V\ 15, Bleibtrensir. 34/35. Nr. 3 Galiläas in jener verhältnismäßig . glücklichen Menschheertscpochc unter dem.Antoiimns-Szeptcr, vielleicht/sogar unter der materiellen Beihilfe eines Antoniinrs Pius nnd Alexander Severus Sitze einer blühenden. Kicktnr tuarcii. Zum Schluß gab der-Vortragende noch ein znsmniiicnfasscndcs Bild von den dl »s grab nn gc n in Icrich o. Er zeigte die vierfache Schicht, die wir in de» erhaltenen baulichen Reste», namentlich der grandiosen, zum Teil wahrhaft zt)klopischen Mauer zu unterscheiden haben, nird die vierfache Ansiedelung — in kanaanitischer, frühisraclitischer, israelitischer Königs- und zuletzt in btizantinischor Zeit. Weitaus die wichtigste nnd umfangreichste von diesen war die der Königszeit. Die Großartigkeit der ans jener Zeit stainnrenden Banrestc, namentlich der Mauer, die eine Doppelmauer war nnd als fortifikatvrischc Anlage noch heute unsere Bewunderung 'verdient, wußte der Vortragende im Bilde anschaulich zu machen. Auch die bedeutenden Reste eines großen Wohnhanscs, in dem dcr Bortragende den Palast des Chiel, des Rengründers von Jericho im 9. vorchristlichen Jahrhundert, wiederentdcckt zu haben glaubt, wurden eingehend geschildert.. - Berlin. Wie aus Baris gemeldet wild, hat das Z e » t r a l k o m i t e c de r dl l l i a u c e Israslite 11 n i v c r s e l l e beschlossen, die D e n t s ch c K o n f e r e n z g e m c i n s ch. a f t nicht in c h r als Bertrctung der deutschen Alliance- Mitglieder a n z n e r k e n n tu. Die d e u t s che u L o k a l k v in i t c c s svlleii in Zukunft direkt in i t dem Pariser Z c n t r a l k o m i t e e korrespondieren nnd die Beiträge nach Paris nbliefern.. Diese Maßregel.bildet eine neue Phase in dem Kampf, der nun schon' seit Monaten in der Alliance tobt. Bekanntlich hatte das Zentralkomitee beschlossen, die Wahlen abznschaffcu und durch das Shstem der Kooptation zu ersetzen. Die Deutsche Konscrcnzgemeinschaft hatte einen erbitterten Kampf gegen diese Rcncrüng geführt, ihr Widerstand war jedoch vergeblich. Nuninehr will das Zentralkomitee den lästigen Einfluß der Deutschen Kvnfcreiizgeiucinschast völlig abschütteln. Die Deutsche Kouscreuzgemeiuschaft darf weiter bestehen bleibest, aber sie hat keine Funktionen mehr. Ihre wesentliche Aufgabe, die Bcrtrctnng der deutschen Alliance- Mitglieder, wird ihr entzogen und damit jeder-Widerstand seitens deutscher Alliancckreisc gegen ettvaige Pariser Beschlüsse unmöglich gemacht. Denn die deutschen dllliauccinitgliedcr haben nun keine eigene Vertretung mehr, sie sind in Lokalkomitecs zersplittert. und über ihnen steht nur eine Behörde: das Pariser 'Zentralkomitee, das sich ans eigener Machtvollkommenheit durch Kvoptativn ergänzt. Die D e ii t s ch e K v n s e r e n z g e in e i n s ch a f t hat gegen den Beschluß des Zentralkoni itccs unter Bernning ans das Statut P rote st. x ingelegt. R«ßla«d. Petersburg. Die Prozentnorm ist ja das Geiicralinittel, mit dessen Hilfe die russische Regierung die Juden ans allen Bildungszweigcn zu verdrängen sucht. Bei der Anfnahine in die mittlere »nd höhere Schule kommt dieses Prinzip bekanntlich zum ersten Male, bei der Aufnahme in die Hochschule zum zweiten Male zur Anwendung, nnd immer spielen sich dabei richtige Tragödien ab. Jetzt soll diese Praxis auch für die . R c ch t s a n w a l t s g e h i l f e n cingeführt werden. Borläusig hat sich in diescin Sinne zwar nnr ein Kiciver Gerichtshof entschieden, aber diese Entscheidung ist prinzipieller Natur. Was heute in Kiew statthaft ist, dürfte demnächst an anderen Orten nachgeahint werden. Die S i t n a t i v n der jüdischen Advokaten wird i in in er j ä in m c r v o l l c r. Wenn ein Jude in Rußland Jura absolviert hatte, durfte er wenigstens Rechtsanwaltsgehilfc werden, und erst das Jnstiziiiinisterium hatte darüber zu entscheiden, wann der Betressende wirklicher Rechtsanwalt werden sollte. Fünfzehn Jahre hindurch wurde aus Grund dieser Berorönnng kein Jude zum rltechtsaiiwalt befördert, und es gab bald zahlreiche jüdische Juristen, die fast zwei Dezennien hindurch Rechtsanwaltsgehilfen blieben. Darin loar vor einigen Jahren eine gewisse Milderung cingetreten. Seit den Triumphen der Reaktion warten aber schon' von neuem die jüdischen Rechtsanwaltsgehilfen vergeblich -ans ihre „Beförderung." Der Kiew er Gerichtshof kvill nnmneh'r eine neue unerhörte Beschränkung eiiifühxen, indem er dm R e ch t s a n io a l t s g c lj i l f e n. die länger als sieben Jahre „nnbcfördert" 'geblieben sind, , einfach ans der Ad-vokatiir zn st r e i ch e n beabsichtigt. .: : Kiew. Der die Untersuchung in Angelegenheit der Ermordung des Knaben Justschiiiskli führende Unter» suchnngsrichter F c n c n k o bemüht sich unausgesetzt, dem Mord das _/ Gepräge einer r i t ue llen Tak zn verleihen. Er hält nicht nur den Juden Beilis, dessen Unschuld erwiesen ist, w'ocheickang iw Gefängnis, er stellt sogar eine Enquete darüber an, in welche Kategorien die Kicwcr Siinagogen zerfallen, wieviel sogenannte Chassidim, wieviel Misnagdim unter den Juden sind, er kümmert sich um die verschiedenen Differenzierungen unter den Rabbinern ichv. Alles offiziell! Jeder dieser Schritte hat natürlich nnr den Zweck, die Phantasie der aufgeregten Bolksmassen init mifreizendcii Schrcckbildern zu nähren. In der „Nöwoje Wremja" hatte dazu ein anonymer „Professor" eine spezielle Ideologie ausgeklügelt, wonach cS nicht Ritual-, sondern geheimnisvolle Nachemorde mit 49 Blntabzapfungen gebe, ivelche die jüdische Rasse in den verschiedenen- Jahrhunderten am Stifter der christlichen Religion ausübe. Gerade mitten in dieser immer mehr sich -verdichtenden Pogroiiiftiininiiiig hat soeben das Ki ew c r G e i st-

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