Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1912)
- Date
- 1912-01-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 1.' tionalsoudS gepflogenen Verhandlungen zur Begründung einer Gartenbau-Kolonie in der Nähe von Jerusalem. Es wurde beschlossen, daß das Zentralbnrean in Verbindung mit einigen vorn Zentralkomitee gewählten Herren die Angelegenheit weiterbearbeiten und möglichst beschleunigen solle. Zn Punkt 6 der Tages-Ordnnn g wurde über die von Dr. Jeremias-Posen schriftlich niedergelegten Grundsätze bezügl. der Stellungnahme des M i s r a ch i z n den übrigen g e) e c 3 11 e n e n Organisationen eiiigehend gesprochen. Zn Punkt 7 der Tagesordnung referierte Rabbiner Dr. L e w y - Charlottenbnrg über die Tätig; ke-it der Agitation-Zentrale. Es wurde beschlossen, daß die Agitations-Zentrale Herrn Kantor Blitz als Agitations-Redner für Deutschland zu gewinnen suchen sollte; es'wurden hierfür zunächst sür (4 Jahr die notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt. Alsdann referierte Dr. Franck über die mit einem bestehenden Organ gepflogenen Verhandlungen zur Gründung einer offiziellen misrachistischen Zeitung. Es wurde beschlossen, vorläufig diese Verhandlungen ans sich beruhen zu lassen und versuchsweise die Herausgabe einer 14tägig erscheinenden Misrachi-Korrespoud e n o ins Leben zu rnsen. Das Zentralbnrean wurde mit den Vorarbeiten hierfür beauftragt. Bezüglich der Organisation und Propaganda wurden die von Rabb. Dr.. Lewy gestellten Anträge einstimmig angenommen. Zn Punkt 8 der Tages-Ordnnng wurden Dr. F r a n ck und Dr. Jeremias zu. Delegierten des Mssrachi in das Z i o n i st i s ch e Zentralkomitee gewählt. Zn Punkt S) der Tagesordnung wurde eingehend über die dem Zentralbnrean zur Verfügung zu stellenden Geldmittel gesprochen. Es wurde konstatiert, daß über die Richtlinien der zu leitenden Arbeit volle Einigkeit herrsche. Aus aller Welt. Deutsches Reich. Hannover. Das Sekretariat^der Simou'schen Stiftung wendet sich gegen die Bemerkung im Jahresbericht des Vereins zur Förderung der Bodenkultur unter den Inden Deutschlands, daß die zur! Landwirtschaft ansgebildeten Zog inge. kaum eine Stellung bekomm, n. Dass Sekretariat schreibt diesbezüglich n. a.: „Die Simon'sche Stiftung zu Hannover ist gern bereit, fachlich tüchtigen israelitischen Landwirten und' Gärtnern Stellungen zu vermitteln.. In ihrer umfangreichen Tätigkeit auf diesem Gebiet hat die Simon'sche Stiftung bisher stets die Erfahrung gemacht, daß ihr mehr offene Stellen zur. Verfügung standen als geeignete Bewerber. Das war mit ein Grund zur Schaffung des Lehrgutes Steinhorst. In Steinhorst machen die jungen Leute eine dreijährige praktische Lehrzeit durch, die sich auf alle wichtigen Zweige des Betriebes erstreckt, die praktische Tätigkeit wird durch fachlichen Fortbildungs- Unterricht ergänzt. So wird Steinhorst bald in der Lage sein, alljährlich eine hübsche Zahl fertig ansgebildeter jüdischer Landwirte entlassen zu können. Ter beste Beweis, wie gern die Steinhorster jungen. Leute von christlichen Landwirten angestellt werden, ist z. B. dies, daß schon verschiedentlich versucht wurde, diese jungen Leute „weg zu engagieren." Es gehört nur einiges Umsehen in der Praxis dazu, um die leider noch recht geringe Zahl jüdischer Landwirte stets befriedigend „unterzubringen." Handelt es sich um Erleichterung der Seßhastmachung tüchtiger jüdischer Landwirte, so dürsten die dazu notwendigen Voraussetzungen und Mittel nicht allzu schwer von der Simon'schen Stiftung zu beschaffen sein." Die Sorge wegen der Unterbringung geschulter jüdischer Landwirte dürfte vorläufig wirklich nicht schwer sein. Anders aber steht es mit der Sorge um. bie Frage, wie die jungen Leute bei christlichen Gutsbesitzern und in einer nur christlichen Umgebung — dieser Fall wird häufig Vorkommen — als Juden leben und Juden bleiben sollen. Hamburg. Unter Anwesenheit eines überaus zahlreichen - Publikums fand hier der Delegierten tag des Verbandes der Sabbatfreunde statt. Eli Lazarus-Berlin, der 2. Vorsitzende, eröffuete die Versammlung mit einer Ansprache. -Oberrabbiner Dr. Spitzer-Hamburg, Hermann Gumpertz- Hamburg, Oberrabbiner Dr. Lern er-Altona, Rabbiner Dr. Bamberger-Wandsbek, Wolfs Möller-Altona, A. C a r l e b a ch - Lübeck, I. R o s e n h e i m - Frankfurt und I. Pels-Emden hielten Begrüßungsansprachen. Zu Vorsitzenden wurden Dr. B i b e r f eld-Berlin, Elj Lazarus-Berlin und M. I akob sen-Hamburg gewählt. » Der Geschäftsbericht konstatierte, daß der Verband 139 Ortsgruppen mit 4612 Mitgliedern und 477 Einzelmitglieder zählt. Die mit dem Verbände eng liierten Peah-Jnstitntionen beschäftigten durchschnittlich 33 Arbeiter; sie haben im abgelaufenen Jahre au Löhnen und Gehältern 42 000 Jk ansgegeben. Die geplante Darlehenskasse konnte immer noch nicht verwirklicht werden, da das. erforderliche Kapital von 200 000 ,lk noch nicht aufgebracht ist. Der Verband gab wieder eine. Anzahl Schriften im Interesse der Sabbatsördernng heraus. Die dem Berichte folgenden Verhandlungen beschäftigten sich hauptsächlich mit Fragen der Agitation sür den Verband — es wird da mehr Tatkraft gewünscht — und der Stellenvermittlung. Besondere Erwähnung verdient der Beschluß, zur Schaffung eines Fonds zur Unterstützung junger Kanslente während ihrer Ausbildung, vor- Frankfurter Israelitisches Fannlienblatk. nehinlich irn Engros- und Exportgeschäft, einen freiwilligen Mindestbeitrag von 1 Jk von jedem Atitgliede zu erheben. Stratzburg. Vor einem großen Publikum — darunter zwanzig Präsidenten der israelit. Gemeinden des Bezirks — berichtete Herr Aron Durlach über seine Tätigkeit im Konsistorium. Nach einer dreistündigen Rede des Referenten nahm die Bersamiuluug ein st i »r m i g die folgende R e sol u t i o n an: „Die heute am 31. Dezember ,19 tl im Saale des Restaurants Blum, 'Nußbaumgasse dahier, ans allen Teilen des Bezirks beschickte, öffentliche Versammlung erklärt sich nach dem Referate des Herrn 'Aron Durlach, Mitglied des israelit. Konsistoriums des Bezirks Unter-Elsaß, mit dessen Ausführungen voll und ganz einverstanden, begrüßt es mit Freuden, daß er allein von >j,ä mt l i ch e u M i t,g l i e d e r n des 51 o u s i st o r i u m s der b reiten O effentl ich keit gegenüber über seine Tätigkeit Bericht erstattet hat. In Anbetracht, daß Herr Durlach sein den Wählern gegebenes Versprechen in-dieser,'sowie auch in allen anderen Beziehungen eingehalten .hat, spricht sie ihm ihr volles Vertrauen einmütig ans. Die Versammlung erklärt ferner, mit aller Macht Herrn Durlach auch in Zukunft zu einem Mandat für das Konsistorium zu verhelfen, da nur auf diese Weise durch ihn die allgemeinen Interessen gewahrt werden können. Ferner spricht die. Versammlung ihr tiefstes Bedauern darüber aus, daß sämtliche anderen Mitglieder des Konsistoriums vor ihren Wählern noch keine Rechenschaft abgelegt haben; daß in. Zukunft nur diejenigen ihre Unterstützung finden sollen, welche sich perpflichten, wie es Herr Durlach ohne Aufforderung getan hat, vor der breiten Oessentlichkeit Rechenschaft über ihre Tätigkeit abzulegen." Erwähnt seien hier auch die Worte des Herrn Karl Hammel, der das Präsidium führte. Er sagte folgendes: Das Erscheinen der großen Anzahl Präsidenten der Landgemeinden beweise, daß nun endlich die Teilnahmlosigkeit in jüdischen Sachen stark im Abn e h in e n begriffen sei. Seit 1808 bestehe die Konsistorialversassung bezw. die Konsistorien; aber in diesen 103 Jahren hätte cs kein Ko ns istorialmitglie d für nötig gefunden, sich der Mühe zu unterziehen, vor seinen Wählern zu erscheinen. Oesterreich-Uugaru. Lemberg. Am Samstag vor Weihnachten gab es im jüdischen Viertel ein eigenartiges Bild. Zwei jüdische Fischhändler hatten sich mit ihren 'Waren auf den Platz gestellt, weil das voraussichtliche gute Geschäft an einem Tage vor drei christlichen Ruhetagen sie reizte. Einige Chassidim, die vorübergingen, schlugen wegen der Sabbatentweihung Lärm. Bald hatte sich ein Publikum von 500 Jliden angesammelt und ein Rebbe sich auf den einen Fischbottich gestellt und eine Rede sür die Heiligung des Sabbats begonnen. Das 'Ende war, daß die Fischhändler ihre Ware beschämt nach Hanse trugen. Rußland. Odessa. Nach vier lJähren ist zum ersten Male wieder eine - Versammlung in der'jüdischen Gemeindestnbe gewesen. Solange der Antisemit Tolmatschow am Ruder war, mußte der Vorstand die vielgestaltigen Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde allein erledigen; jetzt hat er zum ersten Male wieder zusammen mit den Vorstehern der Wohltatigkeits- und Bildungs-Institutionen getagt. 'An 200 Personen hatten sich eingefunden, und eine feierliche Stimmung lag auf allen. Die Hauptfrage betraf die Verwendung des Karobka- Geldes (Fleisch- Steuer), welches jährlich fast eiiie halbe Million Rubel bringt. Eine interessante Debatte entstand bei dem 'Antrag, die etwa 100 Chedorim Odessas mit ihren 7000 Kindern mit i. Sa. 30 000 Rubel zu subventionieren — bisher, erhielten nur 19 Chedorim «Subventionen —. welchen Antrag besonders tvarm die Zionisten unterstützten. Schließlich wurden 15 000 Rubel als Subventionen bestimmt. Odessa. Die 8. Generalversammlung des O d e s s a e r P a l ü st i n a k o m i t e e s (Chowewe-Zion) wird hier vom 14.—18. Februar tagen. Nach den bisherigen Erfahrungen — die Generalversammlung findet alle drei Jahre statt — ist eine sehr große Beteiligung zu erwarten. Palästina. Jernsalem. Die jüdische Bevölkerung unserer Stadt .befindet sich in großer Aufregung. Die berühmte Westm au er des Tempels, die einzige historische Stätte Palästinas, zu .der uns Inden der freie, ungehinderte Zutritt geblieben ist, steht in Gefahr, diesem freien Zutritt entzogen zu werden. Die Häuser vor der Tempelmaner sind Vakns-Land, d.. h., sie sind eine mohammedanische Wohltätigkeitsstiftung. In den Häusern wohnen arme Mohamedaner. Der Rat der Geistlichen hat bereits die Bänke und Stühle vor der Mauer wegnehmen lassen nnb beabsichtigt, wie verlautet, Yen Platz zu' umzänmen, sodaß man ihn nur gegen Entgelt wird betreten können. Die Stadtverwaltung, in der ja auch David Jellin und C.hajim Misrachi sitzen, wird sich demnächst mit der ganzen Angelegenheit beschäftigen. Auch sind noch die Regierung von Palästina und die Zentralregiernng in Konstantinopel Instanzen. Wir Jerusalemer Inden werden, unser Recht mit aller Macht verfechten. Freilich, — wenn wir ein für alle Mal l<$ Seite NM uns sichern wollen, wäre der beste Weg. die Hä in unseren Besitz zu bekommen. Bei energischem Wob ließe sich sehr wohl ein Tausch dieser Däuser gea andere erreichen. Jerusalem. Die festliches Veranstaltung des Tnr Vereins „Makkabi", anläßlich der Chanukatage. staltete sich zu eineni Ereignis für die Jntelftg« unserer Stadt und machte einen tiefen Eindruck auf die jüdischen und mo hamedanischen Teilnehmer. Trotz des hohen Eintrittspreises war der Saal Lämelschule ^überfüllt. Ein Chor von 50 Herren ch Damen erössnete mit den Chanukaliedern die Vera staltung. Es folgte sodann die Festrede Davg I e l l i n s. Nun vernahm man militärischen ' Schrj und in den Saal marschierten in weißen Anzügen blauen Schürzen die Turner, um in dreistündigen NebimÄ selbst die unverhohlene Bewunderung der türkischen Qi ziere — darunter des Kommandeurs von Jerj salem«— einzuheimsen. Disziplin, Geschickliz keit und Kraft zeigten diese jungen Juden gaben damit den Beweis, daß in Palästina jetzt Geschlecht heranwächst, das die Zukunft Palästinas fester Hand zu gestalten wissen wird. Jerusalem. Wie der „Haor" mitteilt, bewirbt sich e englisch-ägyptische Gesellschaft um die Konzession für e| Bahn von Port-Said nach Jaffa. Sie will die Bahn später über Beer-Scheba nach Jef salem weiterführen. Sollte das Projjekt zur 'Ausführung gelangen, würde damit einedirekte Eisenbahnverbindung zwisck Jaffa bzw. Jerusalem und Kairo geschaffen sein. D wäre für die Entwicklung des Handels und Berkeh zwischen Palästina und Aegypten von der allergröß Bedeutung. Amerika. Rew-Aork. A. Ca ins, der Sachverständige der wanoernngSkomm'ission, veröffentlicht einen Bericht über : jüdischen Farmer im Staate Connectient» in dem er betont, daß biefe i| Güter mutter gütig bewirtschaften und in kein Beziehung hinter den nühtjüdischen Landwirtschaften znris stehen. Besonders rühmt er die jüdische Kolonie Alingto deren Bewohner schon in Rußland Landwirtschaft trieb« Akiba. Historische Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung). Er schüttelte noch immer verständnislos den KoH „Möchtest Du nicht deutlicher reden?" Sie ward bald blaß, bald rot. „Das ist schv für mich," Msterte sie, „sehr schwer —" Ihre Erregung steigerte sich und schien auch « ihn überzugreifen; auch er wechselte die Farbe, de eine Ahnung des wahren Sachverhaltes stieg, irr auf. Aber seine Gewissenhaftigkeit verbot ihm, der sich selbst Ringenden zu Hilfe zu kommen. Minuten blickten beide schweigend vor sich nieder. Dg begann Rahel abermals, ohne jedoch den Kopf heben: „Du kennst doch meine Freundin Milka. Gest« hat fie es mir erzählt, — daß sie sich in der nächst^ Woche verloben wird — mit einem jungen Man« aus Jabne — Eltern hat er nicht mehr — ak seine Eltern sind gar nicht angesehen gewesen — waren sogar sehr arm- — aber dev junge Mann sß ein bedeutender Schristgelehrter sein — das gleiH alles aus." „Rahel!" rief Akiba jauchzend, „liebe, ffeü Herrin, jetzt verstehe ich Dich!" Sie barg das erglühende Angesicht in den Hand« ein Zittern durchfuhr ihre zarte Gestalt. Er hatte neben sie ins Gras geworfen, und sich zu ihr nH gend, flüsterte er: „Liebes, liebes, teures Mädchen, Du hast es angemerkt, wie lieb und wie teuer Du mir bist, und weil Du mir auch ein wenig gut bist, daru hast Du mir den Weg zeigen wollen, auf dem Dich erringen kann. Jst's nicht so?" Sie neigte zustimmend den Kopf. „So ist es hauchte sie. Dann aber, sich aufrichtend, fuhr sie sicherer fort: „So ist es nämlich jetzt. Aber bish — ich war Dir ja immer gut, sehr gut, und da hat es mir immer sehr leid getan, daß Du Deinem hellen, klaren Kopf das Gottesgesetz nicht kenn Aber erst seit gestern, feit Milka mit von ihrer bevo stehenden Verlobung erzählt hat, erst seitdem ich, welch übergroßes Glück auch mir werden töim| wenn — wenn Du „Herrin, liebe, kleine Herrin!- wie kann ich T danken?" „Dadurch, daß Du meinen heilsten Wunsth stillst. Wirst Du das?"