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Neue jüdische Presse · 1912-01-05 · Heft 1 (5.1.1912) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 1 (5.1.1912)
Date
1912-01-05
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2. Kongreß der ungarischen Ortl/odoxic hat nun Stellung genommen, und das Resultat seiner lingen ist eine kategorische Ablehnung der -ngsvorschläge. Ja, es fand eigentlich gar Beratung statt: nicht eine namhafte tme erhob sich für die Einigung, i: schon vor der Eröffnung des Kongresses so lic entschieden, daß, die Orthodoxie die ge- Fricdenshand schroff zurückweisen werde, hat sie aber zum mindesten die gleiche — wenn nicht gar den größeren Teil — zc Ncologic an den Verhältnissen innerhalb sgarischen Judcnheit aus sich geladen. Sie hat 1 daß ihr bei allem Eifer für die orthodoxe bei aller Pflege des Talmudstudiums doch in für die jüdische Gesamtheit fehlt. Der auch sonst har der Kongreß viele bcdcnkitreiflichter aus die Verhältnisse der ungari- ^rthodoxie' geworfen. or allem, was dey äußeren Verlauf des Konbtztritft. Es herrschte eine Unordnung, cs sich cirr Mangel aller Disziplin und Systems in der Leitung des Kongresses und Haltung seiner Teilnehmer, der wahrhaft kend ist. Von Tagesordnung , von ^nschaftsbericht, von Kritik keine Der Kongreß, begann unter großenr Lärm hloß unter, noch größerem Lärm; die Mitschrien und riefeir durcheinander, und die hatte keine Kraft, Ruhr zu schaffen. Wahrungarische Orthodoxie ist noch lange nicht Standpunkte S. R. Hirsch's angelangt, oklamicrt hat: „Tauroh im derech-erez as aber noch viel beschämender ist, das ist und Weise gewesen, wie die Leitung Minorität dergcwaltigtc. Die Haler Leitung -zeugt von einer rücksichtslosen und von einem scharfen Fanatismus, agercn Rabbiner, die die Opposition bilde-- man fast garnicht zu Worte kommen, und 'es ihnen einmal, zu sprechen, so wurde sicht die geringste Beachtung gewidmet. Bei hlen besonders wandte man alle Maßregeln die gewünschte Liste durchzusetzrn. Und dann »sammenstellung dieser Liste. Ehrwürdige bedeutende Persönlichkeiten wurden kurz- Erichen, weil sie — man höre — sich nicht zur hnung des Cherems gegen — den Zionisrgeben wollten. Wer nur irgeirdwie im Verpar, nicht etwa selbst Zionist zu sein, fanden Zionismus ein günstiges Auge zu ourdc — mochte er sonst die hervorragendenschasten besitzen — nicht gewählt, war denn das Ergebnis des Kongresses allen Kennern der Verhältnisse erwartete: igungsvorschlägc kategorisch abgelehnt, die rung wicdergewählt und alles wie gewesen, besonders trauriges Ergebnis, wenn man, daß diese ungarische Orthodoxie Menge großer und wertvoller in sich hat, die, in die richtigen Bahnen ^Großes und Ersprießliches für das Judenstcn könnten. Noch herrscht in ihr heiße jld reges Interesse für alles Jüdische, noch f fic mit vollem Eifer das Studium von rd Talmud und der altjüdischen Literatur, -mit einem Worte, in ihr der starke, leben- {Ic zum Judentum unverfälscht vorhanden.? ihr Blick eingeengt, ihre Geistesrichtung " ocndet, dieser Wille in falsche Bahnen gelange aber dieser Wille nur da ist, ist Öffnung auf Besserung vorhanden. Eine anserc Erziehung, das ist.es, was der ungakrthödoxic nottut, Und schon mehren sich § ihr selbst die Männer, die es erkennen. Inten, die cs fordern. Und wir zweifeln im Läufe der Zeit, unter den: Einflüsse ^belebenden Geistes, der ganz Israel durchch die ungarische Orthodoxie aus sich, nötigen Kräfte finden wird, um diese zu bewerkstelligen. Erst dann aber wird; vollen Kräfte entfalten können, wird sic Rolle, die sie im jüdischen Volksleben berufen ist, auch wirklich spielen können. ^Dte Reichstagswahlen und die Juden. Me Woche werden im ganzen Deutschen re Wahlen zum Rvichstag stattfiuholitisches Ereignis allerersten Ranges nicht Frankfurter Israelitisches Familienblait: nur für Deutschland selbst, sondern auch für ganz Europa. Denn ctz ist klar, daß eine starke Verschiebung der iPartcivcrtzältnisse im Deutschen Reichstag oder gar. eine Wandlung in den Majoritätsverhältnissen von großer Bedeutung wäre für die glanze europäische internationale Politik. Auch für uns Juden sind die Wahlen von Bedeutung. Nur soll man diese nicht allzusehr überschätzen, wie cs so häufig in jüdischen greisen geschieht, soll nicht in den Wahlen ein Ereignis von unendlicher Tragweite für unser jüdisches Leben erblicken. Dazu haben die Resultate der Wahlen viel zu wenig Einfluß auf das innere jüdische Leben, dazu werden auch ihre Folgen für unsere politische Stellung im Reiche zu geringfügig sein. Immerhin — wie gesagt — haben die Wahlen auch für uns Juden eine gewisse Bedeutung. Denn es wird zum guten Teil von ihnen abhängen, ob wir deutschen Juden in der .nächsten Zeit unsere politische Gleichsterechtigung auch in facto erringen werden, oder ob diese nach wie vor nur auf dem Papier stehen wird. Natürlich darf man auch hier nicht allzuviel erhoffen. Selbst im günstigsten Falle, wenn die Majorität von Konservativen und Zentrum gestürzt wird, auch dann werden Juden nicht sofort Offiziere und Richter und Staatsbeamten werden können. Die antisemitischen Instinkte wurzeln viel zu tief, als daß ihr völliges Verschwinden vom Ausfall der Wahlen abhängen könnte. Aber ein bedeutsamer Schritt zur völligen Gleichberechtigung wäre doch getan, wenn der schwarz-blaue Block fiele. Dieses 'eine Moment, dein man noch viele airdere hinzuzählen könnte, .deutet schon auf die Stellungnähme von uns Juden hin; es ist auch heute noch so, daß die Juden nur liberal-demokratisch wählen können und wählen dürfen. Die Tatsache, daß die antisemitischen Jufliiikte vorwiegend bei den rechten Parteien zum Ausdruck kommen, daß die Konservativen noch inimer die antisemitische Parole in ihrem Programm haben, sowie das für uns Juden selbstverständliche .Eintreten für Recht und Freiheit, all dies macht unsere Parteinahme für die Liberalen fast selbstverständlich. Und hoch ist es eigentlich nicht immer so selbstverständliichj. Denn es hat auch in der letzten Legislaturperiode manche Fragen von Bedeutung für uns gegeben, in denen die rechtsstehenden Parteien mehr Verständnis für unsere Ansprüche gezeigt haben als die Parteien der Linken. Wir erinnern nur an die S ch echitahfragc, in der sich ja gerade das Zentrum mit der größten Energie für unsere Forderungen eingesetzt hat. Dies gilt nicht nur in Einzclsiagcn, sondern in gewisser Hinsicht auch ganz allgemein. Die Konservativen als die Verfechter von Nationalismus und Patriotismus und das Zentrum als Vertreterin der religiösen Sonderinteressen haben überhaupt mehr Verständnis für unsere jüdischen nationalen und religiösen Forderungen und Interessen wie die kosmopolitisch und freireligiös angehauchten Liberalen. Und cs wäre aus diesem Grunde der Gedanke nicht von von vornherein abzuweisen, daß es vielleicht einmal die Zeit geben wird, wo viele Juden mit den Konservativen gehen werden, wie es denn überhaupt ein nicht ganz gesunder Zustand ist, daß wir Juden uns stets in der Opposition befinden. Aber dies alles sind nur Gedanken für eine etwaige Zukunft. Für jetzt ist, wie gesagt, die' Lage so, daß wir Juden mit den Liberalen gehen müssen, ebensowohl aus allgemein vaterländischen wie aus speziell jüdischen Motiven. Allerdings — und dies ist die Lehre, die wir aus dem oben Gesagten schon jetzt zu ziehen haben —, müssen wir uns bei jedem liberalen Kandidaten, dem wir unsere Stimme geben wollen, erst vergewissern, welche S t e l 1 ung er zu unseren spezifisch jüdischen Fragen cinnimmt. Erst wenn er auch da wahrhaft liberal ist und uns unsere vollen Sonderintcrcssen zugcsteht, können wir ihm unsere Stimme geben. Liberale, die uns nur Rechte geben wollen auf die Bedingung hin, daß wir unsere Sonderheiten aufgeben und uns völlig assimilieren, haben wir als unsere. Gegner zu betrachten, und mögen sic sonst noch so demookratisch sein. Diese Forderungen neben der felbstverständ lichen, da ftymSIW ]iA fl Stad--.0.^ Uniy.-Eibl. Frankfurt am Moin s entschiedener Gc Nr. 1 ner des Antisemitismus erklärt, sind die einzigen, die )vir stellen können und müssen. Unsere relativ geringe Zähl in Deutschland gestattet uns nicht, eigene Vertreter zu entsenden. Suchen wir darum /wenigstens dies wenige zu tun, was wir tun können, um das, was wir als Juden erkämpfen können, zu erkämpfen. Und es ist keine Frage, daß bei einem mannhaften Auftreten der jüdischen Wähler die erwähnten Forderungen sich mühelos durchsetzen werden. Sic aber durchzusetzen, ist unsere Pflicht ebensowohl als Menschen wie auch als Deutsche und als Juden. Auf unsere Rechte zu verzichten, hieße in diesenr Falle eine.dreifache Sunde begehen. Begehen wir keine, und erringen wir unsere Rechte. Sitzung -es Central-Komitees der zionist. Föderation „Misrachi". Anwesend: vom Zentralbureau: Dr. Frank, Rechtsanwalt David und Referendar Möller; rom Zentralkomitee: Redakteur Berlin-Berlin, Rüben Cohn-Antwerpen, Albert E l l c r u - Nürnberg, S. I ur o v i cz-Berlin, Dr. Wilhelm L e w y - Charlottenburg, Zahnarzt Rothschild - Lübeck, M o r i tz S. Wolfs- Haniburg und Magnus als Sekretär. Bon Dr. Jeremias-Posen, Hermann Struck-Berlin, S. Wolfs-Antwerpen, Rabbiner Reines-Lida und Rabbiner Fischmann-Ilngcni waren schriftliche Meinungsäußerungen zu den einzelnen Punkten der Tagesordnung eingetrofsen, die zur .Kenntnis des Zentralkomitees gebracht wurden. Bo» Rabbiner Schmelkes-Przemysl, H. Farbstein-Warschau lagen telegraphische Begrüßungen vor. Z u Punkt 1 der Tagesordnung berichtete der Vorsitzende über die bisyerigcTätigkeitdes Z e n t r a l b u r e a u s. Das Zentralburcau hat seine Tätigkeit nach der Berliner Konferenz vom 10. September 1011 aufgenommen und sich sofort mit sämtlichen zionistischen Justitntioucn in Verbindung gesetzt. Gemäß dem .Beschlüsse der Konferenz ist das Zentralbureau mit dem Engeren Aktionskomitee in Verhandlungen über die zur Sicherung des Punktes II der Kultur-Resolution des X. Kongresses zu trcssendcn Maßnahmen getreten. Die vorläufigen Abmachungen wurden dann von der Sitzung des G. A.-Ä. genehmigt. Im übrigen verbreitete sich der Bericht über die Tätigkeit des Zentralbureaus in sämtlichen Ländern. Es wurde mitgeteilt, daß in Berlin eine Agitations-Zentrale (Leitung: Rabb. Dr. Wilh. Lewy), in Rußland ein Landes- Komitce (Leitung: Rabb. Reines in Lida) und in. Jaffa ein Landeskomitce (Leitung: Eliahu Kahano) eingerichtet worden ist, und daß die Zentrale für Galizien sich wie bisher in Stanislau (Leitung: M. Hochmann) befindet. In dem Bericht konnte konstatiert werden, daß in sämtlichen Ländern die Tätigkeit in vollem Umfange ausgenommen ivorden ist, daß auch in Ungarn, wo die bisherige Zentrale sich aufgelöst hat, neue Verbindungen angcknüpft worden sind, und daß in sämtlichen Ländern große Arbeitsfreudigkeit herrsche, sodas; zu erwarten ist, daß die Tätigkeit in-der lausenden Kongreßpcriode befriedigende Resultate erzielen werde. ~ ■ Es wurde sodann mitgeteilt, daß die einzelnen Landes- Komitees, Vertrauensmänner und Ortsgruppen über die durch das von: Kongreß angenonimene Organisations-Statut veränderte Sachlage unterrichtet und insbesondere auf die sofortige Propaganda für die Schekel- und Maß- Eingängc hingewiescn worden seien. Hinsichtlich der übrigen Tätigkeit des Zentralbureaus wurde auf die zu den einzelnen Punkten der Tages- Ordnung zu erstattenden Berichte hingewiesen. Zu Punkt 2 der Tages-Ordnung referierte Redakteur Berlin über die bereits vereinbarte Gründung der M i s r a ch i - K u l t ur - G e s s e l l s chaf t und legte die Grundzügc dieser Gesellschaft dar. Auf Antrag wurde ein Komitee aus 8 Mitgliedern mit dem Sitze in Berlin gewählt, das die Vorarbeiten für die Tätigkeit der Kultur-Gesellschaft zu treffen hat. Zu Punkt 3 der Tages-Ordnung berichteten Al o r i tz S. Wolfs - Haniburg und Referendar M ö l l e r - Altona über ihre in Frankfurt a. M. gepflogenen Verhandlungen mit dem T a ch k cm o n i-S ch u l-Ko mite e, deren Resultate auch bereits veröffentlicht sind. — Zu diesem Punkte >onrden aus der Mitte des Zentralkomitees verschiedene Anträge gestellt, deren Ergebnis im Interesse der Sache vorerst aus Beschluß des Zentralkomitees gehest» gehalten werden soll. Zu P >l n kt -1 der Tages-Ordnung wurden die vom Zentralburcau vorgeschlagcnen Herren in das Zentral-Komitee. kooptiert. Das Zentral-Komitee besteht danach aus folgenden Mitgliedern: Dr. L. Franck, Rechtsanwalt David, Referendar Möller vom Zentral-, Bureau: Rabbiner Aronsohn, Kiew, Rcv. A. M. Ashinsky, Pittsburg, Redakteur M. Berlin, Berlin, Rabbiner S. Blum, Posen, R. Cohn, Antwerpen, M. Duff, Jassy, H. Farbstein, Warschau, Rabbiner Fischmann, Ungeni, Dr. L. Fränkel, Kopenhagen, M. Hochmann, Stanislau, Dr. Jeremias, Posen, S. Jurovicz, Berlin, Kahane, Charkow, Eliahu Kahano, Jaffa, Rabbiner Dr. Wilhelm Lewy, Charlottenburg, S. Mciscl, Jaffa, Dr. Mirkin, Antwerpen, Rabbiner Dr. Nacht, Focsani, Dr. .Pinkhof, Amsterdam, Rabbiner Reines, Lida, Zahnarzt Rothschild, Lübeck, Rev. I. L. Shire, Capetown, Rabbiner Schmclkes, Przemysl, Moritz S. Wolfs, Hamburg, S. Wolsf, Antwerpen. Zu Puukt ö'der Tages-Ordnung referierte Rcserendar Möller über die .mit dem Jüdischen'Na-

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