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Neue jüdische Presse · 1911-12-01 · Heft 47 (1.12.1911) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 47 (1.12.1911)
Date
1911-12-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 47. und Frau L. 'Malul als Lehrerin für Arabisch an. Das hebräische Gymnasium in Jerusalem entwickelt sich gleichfalls sichtlich. Tie Anstalt besteht aus drei Bor- und sechs Gyiunasialklassen. Das Odessaer Komitee hat ihm in seiner letzten Sitzung eine Jahressubvention von 1000 Frcs. bewilligt. Eine originelle Idee hat sich die „Konrmission zum Bau einer Gemcindesynagoge in Haifa" ausgedacht. Sie gibt Lose a 20 Frcs. aus, von diesen Losen gewinnt eines, und der G e w i n n e r erhält nicht etwa Geld, — sondern er wird als Stister des Bauplatzes aus einer 'Tafel an d er O stw and der zukünftigen Synagoge verewigt. Uebrigens kann .man den 3000 Juden- Haifas eine allgemeine, unter eigenem Dache befindliche Synagoge von Herzen wünschen, denn bis jetzt wird in einer großen Anzahl kleiner Minjoninr gebetet. Die jüdischen Handwerker Berlins und die Gemeindeverwattnng. Die jüdischen Handwerler Berlins hatten sich über eine besondere Begünstigung durch die Gcmeindeverwaltnng nie zu beklagen. Schon im Jahre 1805 wurde seitens jüdischer Handwerker eine Petition an die Gemeindeverwaltung gerichtet, man möge bei der Vergebung von Lieferungen die jüdischen Handwerker mehr als cs bis dahin geschehen mitberücksichtigen.; Auch in neuerer Zeit sind mehrfach Klagen gleichen Inhalts von den zuständigen Kreisen erhoben worden. Anläßlich der letzten Wahl zur Repräsentanz der Jüdischen Gemeinde wurden diese Klagen mit besonderem Nachdruck erhoben. Als eine Nachwirkung dieses Wahlkampfes kann man die Versammlung ansehen, die, von dem „Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens" cinbernfcn, in Drnsels Festsälen tagte. Der erste Vorsitzende, Herr Wolf, legte in einem markigen und vorbildlich klaren Referate dar, was der Verein neuerdings an Beschwerden gegenüber der Verwaltung der Jüd. Gemeinde vorznhringen habe. Im Mai 1911 hatte er ersucht, man möge bei Vergebung von Banarbeiten auch die inr „Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens" organisierten Fachleute berücksichtigen. Auf diese Eingabe ist eine Antwort nicht eiugeg an gen. Dagegen wurde im Schoße der Gemeindeverwaltung ein Beschluß gefaßt, der sachlich den Gegenstand der Petition betras. Es wurde eine Kommission für die Bau-Angelegenheit der Jüdischen Gemeinde geschaffen, mit dem Rechte der Kooptation von 2 Mitgliedern aus der Zahl der Gemeinde-Angehörigen. Nunmehr richtete der Verein eine neuerliche Eingabe an die Gemeindeverwaltung, in der er bat, daß diese beiden Mitglieder der Kommission ans dem Kreise des Vereins genommen werden möchten. A u ch auf diese Eingabe ist kein Bescheid z u g e g a n g e n. Als zweiter Referent sprach Baumeister Jakob o w i tz. Er wies n. a. darauf hin, daß einem jüdischen Unternehmer, der sich um Berücksichtigung bei Vergebung von Lieferungen seitens einer Kirchen- Gemeinde beworben hatte, bedeutet wurde, daß in diesem Falle nur Unternehmer christlicher Religion berücksichtigt werden können. Die Darlegungen der beiden Referenten machten auf die auch aus Nichthandwerker-Krcisen gut besuchte Versammlung ersichtlich Eindruck, und der erste Diskussionsredner, Herr Caspars, zugleich Mitglied des Handtverkcrvereins und der Gemeinde- Verwaltung, hatte sich keine leichte Ausgabe gestellt, wenn er die Beschwerden der beiden Referenten als unbegründet zu erweisen und die Nichtbeäntwortung der beiden Eingaben auf ein Versehen des Bureaus der Jüdischen Gemeinde zurückzuführen suchte. Wertvoller war, was er über die Wirkung des letzten Wahlkampfes anzuführen wußte; alles, was in der Wahlbewegung zum Ausdruck gekommen sei, sei bald darauf von den Genicinde-Behördcn ausgeführt worden. Gch.-Rat L a n d s b e r g, der Vorsitzende der Baukommission, teilte mit, daß die zweite Eingabe des jüdischen Handwerkcrvereins berücksichtigt worden sei, daß.man also die beiden zu kooptierenden Mitglieder ans denk Kreise de's Handwerkervereins nehmen werde Rechtsanwalt Dr. Klee wandte sich gegen Herrn Caspari und forderte, daß die Verwaltung der Jüdischen Gemeinde aus sich heraus das arg bedrängte jüdische Handwerk Berlins fördere und entwickle. -Stadtr erordneter Baumeister K n tz n i tz k i, gleichfalls Mitglied der Baukommission, suchte die Verwaltung von dem Borwurf mangelnder Toleranz gegenüber den jüdischen Handwerkern Berlins zu reinigen. Frankfurter Israelitisches Familienblatk. Der wahrhaft erfrischende Eindruck, den besonders das Referat des ersten Vorsitzenden gemacht hatte, wurde noch verstärkt durch die ebenso klaren wie zwingenden Ausführungen des Herrn Markus, Mitglied des Handwerkervereins, der folgende Forderungen stellte: 1. Dessen tlrche Ausschreibung der Submissionen im Gegensatz zu dem bisher üblichen Verfahren einer Vergebung unter der Hand bezw. in beschränkter Submission, -2. Aufhebung des tatsächlichen Monopols gewisser Unternehmer bei der Jüdischen Gemeinde und Heranziehung eines größeren Kreises und 3. keine Millionen - Lieferungen an einzelne Unternehmer, sondern Teilung großer Aufträge in mehrere Lose. Es wird kauni einen sozial empfindenden Juden geben, der nicht diese Forderungen zu den seinigen macht. So stand denn auch die Versammlung ganz unter dem Eindruck dieser zwingender: Darlegungen, und Herr Felix Pinkus, Repräsentant der Jüdischen Gemeinde, konnte gegen diese Forderungen kaum ein ausschlaggebendes Bedenken Vorbringen. Er betonte, man dürfe nicht ausschließlich jüdische Unternehmen berücksichtigen (was in Wirklichkeit der Handwerkerverein nie gefordert hat), weil dadurch die judenfcindliche Bewegung nur gestärkt würde. Wenn man aber schöpferische Tätigkeit von seiten der Gemeindeverwaltung verlange, müsse er sagen, daß dazu die bestehende Organisation der Jüdischen Gemeindeverwaltung nicht ausreicht; sieben Vorstandsmitglieder seien nicht iin Stande, diese ganze Fülle der Aufgaben zu bewältigen. Der Grundsatz, den Zuschlag denr Mindestfordernden zu erteilen, sei richtig. Auf letztere Behauptung hin konnte Herr Hopp, gleichfalls Mitglied des Handwerkcrvereins, auf Grund einer Broschüre des bekannten Nationalökonomcn Bürgermeisters Dr. Ebeling, die Herren von der Gemeindeverlvaltung darauf Hinweisen, daß man das von ihnen verteidigte Prinzip heute als sozial rückständig verwerfe. Einen durchaus konzilianten Standpunkt nahm Dr. Ginsberg von der Repräsentanz der Jüdischen Genieinde ein. Er nannte das Verfahren, wie es dem Handwerrerverein gegenüber befolgt worden sei, eine kleine Bummelei, für die er als Milderuugsgrund nur den einen Umstand in Anspruch nahm, daß derartige Bummeleien im Gemeindebnreau Prinzip seien. Dr. - Ginsberg billigte die Forderung einer grundsätzlichen Aend erring des V e r w a l t u n g s s y st e m §, weil das bestehende heute veraltet sei. * Die Kundgebung des jüdischen Handwerkervereins ist in mehrfacher Hinsicht bedeutsam. DaS Prinzip der Ocffentlichkeit, auch in Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde, hat sich drrrchgcsetzt. Die Airwesenheit von hochangesehenen Mitgliedern der jüdischen Gemeindeverwaltung in dieser Versammlung ist eine freudig zu begrüßende Erscheinung, die bisher nicht alltäglich war. Als das bedeutsamste Ergebnis trat aber durch diese Versammlung die Tatsache zu Tage, daß die vom Neuen Jüdischen Geme-indeverein im letzten Wahlkampfe erhobenen Forderungen nicht sämtlich fruchtlos gewesen sind. Es seht sich in der Gemeind cstub e die Erkenntnis durch, daß man an den Fordern n g e n der großen jüdischen Oeffentl i ch k c i t nicht achtlos v o r ü b e r g e h e n dürfe. 8. Aus aUer Wett. Deutsches Reich. Berlin. Die Deutsche Konferenz-Gemeinschaft der A. I. U. hat sich mit ihrem Nachgeben den Pariser Herren gegenüber, welches Nachgeben nur durch ein Abweichen von den Grrrndsätzcn der Demokratie möglich war, umsonst gedcmütigt. Die Pariser Herren, die die Macht irr der Hand und die französische Regierung hinter sich haben, wollen die Alliance als französische Kulturinstitution sicher stellen urrd deshalb den ausländischen — besonders den deutschen — Einfluß unmöglich machen. Zur Erreichung dieses Zieles ist den Herren jedes Mittel recht und der Preis selbst mit der Vernichtung der Alliance als Alliance Jsraelite Universelle nicht zu teuer ertauft. Das ist das vorausgesagte Resultat der Zentralkomitee-Sitzung vom 22. November, bei der von deutscher Seite Stadtrat Gimkiewicz und Justizrat Dzialoszynski anwesend waren. Die Pariser Herren — d. h. die große Mehrheit des Zentralkomitees — gingen über den auf dem deutschen Alliancetag gefaßten Protest glatt zur Tagesordnung über, lehnten sämtliche Anträge der deutschen Mitglieder des Zentralkomitees, einschließlich der Bermittlungsvorschläge Justizrats Dr. Blau-Frankfurt a. M., kurzerhand ab. Dagegen wurde das. System der Seite 3. Kooptation an Stelle der Wahlen beschlossen und dieses autokratische System noch insofern gesteigert, als beschlossen wurde, daß die französischen Mitglieder des Zentralkomitees nur durch Beschluß der Pariser Mitglieder kooptiert werden. Die demnächst irr Paris ßattsindende Generalversammlung dürfte diesen Beschlüssen des Zentralkomitees das Plazet geben. Das sind die Folgen davon, daß man das Schicksal der Alliance in die Hand eines Mannes von den bekannten antijüdischen Tendenzen Reinachs gelegt hat! Berlin. Zu den Aufgaben der „Deutschen Zentralstelle für jüdische Wauderarmensürsorge" gehört die schnelle Heimbesörderung der Rückwanderer. Ein großer Teil dieser Leute kommt über belgische ' und holländische Häsen in Europa an. Es lag nahe, daß die Mittellosen ihre Durchreise durch Borsprechen bei den Fremdenkassen sich ermöglichten, was zur Folge hat, daß die Heimreise sich unnötig verzögert. Deshalb hat es der Hilssverein der Deutschen Juden, dem diese Klasse von Unglücklichen besonders anr Herzen liegt, seinerzeit lebhaft begrüßt, daß die „Deutsche Zentralstelle" eine Durchführung der Rückwanderer aus weitere Strecken eingerichtet hat. Die Rückwanderer erhalten beim Ikeberschreiten der Westgrcnze, also meistens in Aachen, eine durchgehende Fahrkarte 1. Klasse bis Berlin nebst denr üblichen Zehrgeld. Von hier aus werden sie weiter ans möglichst weiten Strecken nach den Grenzbüros befördert. Jetzt ist ein weiterer wichtiger Fortschritt angebahnt. Es sind Verhandlungen mit Vertretern aus Amsterdam, Antwerpen und Rotterdain gepflogen worden, durch die erreicht werden soll, daß die Durchbeförderung der Rückwanderer schon an diesen Hafenplätzen beginnt, sodaß, wenn gewisse Grenzschwierigkerten überwunden sein werden, schon an der belgischen oder holländischen LandungSstelle durchgehende Fahrkarten nach Berlin ausgcgeben werden könnten. Breslau. Die jüngst verstorbene Frau Maria Oestreicher geb. Petzold, eine Christin, die gemeinsam mit ihrem 1801 verstorbenen jüdischen Gemahl die jüdische Gemeinde zur Erbin ihres großen Vermögens einsetzte, bat kurz vor ihrem Tode darum, ihre Urne auf dem jüdischen Fried Hofe beiznsetzen. Die Gemeinderabbiner genehinigten den Wunsch, und die Beisetzung erfolgte irr aller Stille. Der „Verein zur Förderung der Interessen der Synagogengenreinde Breslau" hat jedoch in seiner jüngsten Bersanrnrlung die folgende Resolution gefaßt: „Die Zulassung der Beisetzung nichtjüdischcr Personen aufden jüdischen Friedhöfen ist geeignet, das Empfinden einer großen Zahl von Gemeindemitgliedcrn aufs tiefste zu verletzen. Wir sind der Meinung, daß der konfessionelle Charakter der jüdischer: Friedhöfe gewahrt bleiben muß, und daß demnach eine prinzipielle Reglung der vorliegenden Frage nur dahin erfolgen kann, daß die Beisetzung nichtjüdischer srauen auf den jüdischen Friedhöfen für unzulässig erklärt wird." Dortmund. Am 22. Nod. fand hier die Generalversammlung des Vereins zur Wahrung der religiösen Interessen desJudentums inWestfalen statt. Die Versammlung war aus allen Teilen Westfalens sehr gut besucht. Auch der Schwesterverein aus dem Rheinlande hatte seinen Rabbiner, Dr. Wolf und das Vorstandsmitglied Kahn als Vertreter gesandt. Ter Bericht des Borstarrdes und des Rabbiners konstatierte mit Befriedigung den weiteren Anschluß einer Reihe von Synagogerrgemeinden und die erfreulichen Fortschritte in der Wirksamkeit des Vereins aus relig. und sozialen Gebieten. In einer Reihe von Gemeinden wurde Religionsunterricht neu eingerichtet, mehrere Mikwaus erbaut, der Verbesserung der Schechitah-Berhältnisse die wärmste Aufmerksamkeit zugewandt und durch Vorträge relig. und literarischer Art versucht, Verständnis für die Tharrro und für die reichen Schätze unserer Vergangenheit in weiteren Kreisen zu erwecken. Jir einem ausführlichen Referat beleuchtete der Vereinsrabbiner Dr. Br ad er die Lage der Kleingemeinden in Westfalen. Die nachher einsetzenda lebhafte Diskussion zog eine Reihe von Gegenwartsproblemen auf den Gebieten des jüd. Gemeindelebcns in ihr Bereich. Erst in später Abendstunde fand die Versammlung ihren Abschluß. HeUbronn. Unsere Gemeinde, die zwestgrößte Württembergs, feierte am 25. November mit einem Festgottesdicnst. ihr 50jähriges Bestehen. Mehrere Jahrhunderte war Heilbronn den Juden verschlossen. Erst um die Hälfte des vorigen Jahrhunderts ließen sich wieder jüdische Familien nieder. Bis 1861, in welchem Jahre sie sich als selbständige Gemeinde organisierten, gehörten diese Familien der Gemeinde Sontheim an. Die Zahl der Juden nahm dann sehr schnell zrr und besteht heute arrs etwa 900 Seelen. Oesterreich-Ungar«. Budapest. Am 5. Dez. cr., 10 Uhr vormittags beginnt im Beratungssaale des alten Landhauses die orthodoxe Landesversammlung, die u. a. die Wahl der Landesrepräsentanz vorzunehmen hat.

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