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Neue jüdische Presse · 1911-12-01 · Heft 47 (1.12.1911) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 47 (1.12.1911)
Date
1911-12-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Nr. 47. Großbritannien. London. Wie bereits mitgeteilt, ist es mit der beschaulichen Ruhe der Gewaltigen des Board os Depnties vorbei, und sie werden so leicht nicht wieder zur Ruhe kommen. Auf der dieswöchentlichen Sitzung des „jüdischen Parlaments", Jote der Board genannt wird, brachte .das Mitglied Rvsenbaum eine Protestresolution gegen den Präsidenten Alexander ein, den er beschuldigt, in der Ehescheidungs-Kommission, beim Sonntagsruhe- und Arbeiterversicherungs - Gesetz, in der Schächtfrage re. eine Haltung eingenommen zu Haben, durch die das Ansehen des Board als Vertretung der Juden Englands herabgesetzt sei. Leopold Rothschild, der Bruder Lord Nathaniel Rothschilds, und Wvokat Henriqnes, die beiden Vizepräsidenten des Board, verteidigten ihren Präsidenten, und die Resolution wurde mit 60 gegen 2 Stimmen abgelehnt. Trotzdem bleibt die Tatsache bestehen, daß die Resolution die Meinung der jüdischen Masse wiedergiebt. Rußland. Petersburg. Mit Rücksicht auf die immer gefährlichere Tonnen annchmende Ritualmord- und Progromhetzc in Kiew und anderen Städten veröffentlichen 813 russische Rabbiner in dem offiziösen Regierungsorgan „Rossija" einen feierlichen Protest gegen.das Ritualmordmärchen. Die Erklärung ist von den Rabbinern David Katzenellenbogen (Petersburg), Salomon Ahronsohn (Kiew) und Dr. M Eisenstadt (Petersburg) unter Mitwirkung der Rechtsanwälte Sliosberg, Grusenberg, Gornnd Krewer entworfen worden. Wilna. Die Verordnung, die den Juden d as Tragen christlicher Vornamen verbietet, hat einen helllosen Durcheinander geschaffen. Ein hiesiger Gynmasialdircktor wandte sich daher an den Krön rab bin er um Erstattunng eines Gutachtens. In dem von dem Kronrabbiner gegebenen Gutachten heißt es: „Die jüdischen Vornamen teilen ein zwei Kategorien, in biblische und solche, sie von den übrigen Völkern übernommen haben. Die jüdische Religion verbietet durchaus nicht, solche Namen anzunehmen. Genau so wie andere Völker von den Jtwen einige Vornamen, wie z. B. Abraham, . Jakob, Moses, Josef, Elijah, David, Jochanan u. a. m. übernahmen, haben auch die Juden ihrerseits noch vor der Zerstörung des ersten Teuchels Vornamen fremder Völker übernommen." Ferner verweist das Gutachten darauf, daß „Michall" ein rein biblischer Name sei, imd daß nach „Lachari" sogar ein ganzes Buch, der 13 kleinen Propheten benannt sei. „Jewsei" ist nichts anderes als die Verbalhornung des gutbiblischen Namens „Jvsua". Der Name „Alexander" wurde von den Juden schon im vierten Jahrhundert vor unserer Zellrechnung zum Andenken an Mexander Mukdan angenommen. Die griechischen Namen Alexei und Phllipp trugen Zwei Tanaiten. Was jedoch die Namen Mkola, Onissim, Arkadi, Wladimll betrisst, so werden sie ebensowenig,ins jüdische übersetzt, wie die übrigen flavischen Namen: Tscharne, Slate, Slawe u. a., welche heute schon als ausschließlich jüdische Namen anerkannt werden. Italien. Rom. Gegen die antisemitischen.Ausdrücke der italienischen Presse in ihrer Polemik gegen die deutsche Presse veröffentlicht „Giornali d'Jtalia" einen Protest römischer Juden, in dem diese u. a. auf die Tatsache Hinweisen, daß unter den Führern Italiens zahlreiche Juden kämpfen. Ei» Opfer des „Fortschritts." Eine galizische Geschichte von S. Hvrowitz, (Schluß.) IV. Einige Wochen waren verstrichen. Auch in der Familie Nagelfein war jeder Sonnenschein gewichen, Frau Lea lag aus dem Krankenbette, nill dem Tode ringend. Herr Phllipp, Robert und Mlljam mnstanden das Krankenlager. Mirjam war auf die erste Kunde von der Erkrankung ihrer zwellen Mutter herbeigeeill und nicht mehr von der Kranken gewichen. Dieser schien die Nähe des jungen Mädchen wohl zu tun, denn innig ruhten ihre'Blicke aus der holden Gestalt. Jetzt trat der alle Isaak ins Zimmer. Die Kranke winkte ihm, daß er näher trete und gab den Umstehenden ein Zeichen, sie mit dem Greise allein zu lassen. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Eine feierliche Stille trat ein, nur unterbrochen von dem schweren Atmen der Leidenden. Sie ergriff seine Hand. In den Augen des Greises perlte eine Träne? „Reb Isaak," begann sie mit kaum vernehmbarer, abgebrochener Stimme, „meine letzte Stunde naht; bald werde ich zu meinen stammen Eltern eingehen. Ich will meinem Manne nicht Böses mit ins Grab nachtragen, ein böser Dämon hat ihn ersaßt; gebe Gott, daß er seine Verblendung einsehe und den unheilvollen Pfad verlasse. — Aber über die Zukunft meines Kindes will ich beruhigt sein, will mein Kind gegen die ihm drohenden Gefahren geborgen wissen. — Reb Isaak, das, was mein Mann seiner gesunden Frau verweigerte, wird er der sterbenden nicht versagen, noch dazu, wenn Sie ihm mit Ihren beredten Worten die Sache ans Herz legen werden. Und so bitte ich Sie, opfern Sic einer Sterbenden Ihren Stolz und bitten Sie meinen Mann im Namen seiner sterbenden Frau uni die Hand seines, meines Sohnes für Ihre Enkelin. Reb Isaak, zögern Sie nicht, meine Mnuten sind gezählt, — und ich möchte noch die Hände der Kinder ineinander legen." Schweigend und feierlich begab sich Reb Isaak in das anstoßende Gemach, um sich seines Austtages zu entledigen. Philipp war jetzt in einer Gemütsstimmung, welche an Verzweiflung grenzte. Er mußte sich in seinem Innern cingestehen, daß sein Betragen seine Frau aufs Krankenlager geworfen hatte; sah er doch, wie sie immer mehr dahinsiechtc, wie die Gcwissenspein ihr das Leben vergällte und ihr die Ruhe raubte. Jetzt, da es bereits zu spät war, machte sich die Reue geltend. Er führte nicht seine hohlen Phrasen im Munde und merllich erblaßte der vermeintliche „Fortschritt". Er fühlte eine unaussprechliche Leere in seinem Herzen und wußte nicht, womit die Lücke auszufüllen. Sein ganzes Wesen .befand sich in einer moralischen Revolution und fand nirgends einen Stützpunkt. Als die hohe, imponierende Gestalt Reb Isaaks auf der Türschwelle erschien, erhob er sich unwillkürlich; doch, wie von einer bangen Scheu ergriffen, wagte er nicht, dem Greise ins Gesicht zu schauen. Reb Isaaks ganze Haltung hatte etwas Feierliches, Ehrfnrchtgebietendes und .seine Worte kamen langsanr über seine Lippen: „Herr Nagelfein, nach langer Zeit stehen wir uns wieder in einer schweren Stunde gegenüber; eine traurige Veranlassung hat mich in Ihr Haus geführt. — Unter welch veränderten Verhältnissen sehen wir uns wieder! Sie, von Ihrem Gelbe geblendet und von einem Wahne befangen, haben Ihre Vergangenheit verleugnet und dadurch Ihrer Frau das Herz gebrochen. — Aber ich will nicht mll Ihnen rechten, denn nicht dazu stehe ich hier. Ich komme im Aufträge Ihrer Frau, der nur Gott noch helfen kann. Sie wissen, daß es von jeher ihr Wunsch war, unsere Kinder vereint zu sehen, daß sie dies meiner verstorbenen Tochter versprochen hat, und wenn ich dieses Thema scll Jahren nicht berührte, so geschah cs nur infolge Ihrer veränderten Verhältnisse. 'Aber nun bittet Sie Ihre sterbende Frau, ihr das Scheiden von dieser Welt zu erleichtern und ihren sehnlichsten Wunsch zu erfüllen. Werden Sic Ihrer Frau diese letzte Bitte versagen?" Herr Phllipp stand gebeugt, keines Wortes mächtig da. Er drückte schweigend die Hand des Greises und schritt ihm ins Krankenzimmer voran. Robert und Mirjam umstanden das Lager, und Frau Lea schien bereits den Flügelschlag des Todesengels zu verspüren. Philipp legte die Hände der jungen Leute ineinander, und sein flehender Blick schien die Sterbende um Verzeihung zu bitten. Wie ein überirdischer Strahl zuckte es auf in ihrem Gesichte, ihre halbgebrochenen .Augen belebten sich fiir einen Moment, ruhten mll mütterlicher Liebe auf der jungen Gruppe, sie bewegte den Arm wie segnend, ihr Blick streifte versöhnend ihren Mann und blieb auf Reb Isaaks Gestalt hasten. Und tiefe, feierliche Sttlle trat ein. — Philipp wandte sein Gesicht ab, sein gepreßtes Herz machte sich in einem Tränensttome Luft, zerknirscht schlug er sich reuevoll an die Brust. Immer schwächer wurden ihre Atemzüge, noch ein letztes Aufflackern, noch ein letzter Blick, und ihr entseelter Körper fiel zurück in den Pfühl. flDTIK J.«. IM. im. P. Meiey, £ j[ Ecke Neue Mainzeralr. II. Welssfrauensir. 11. Elektr. Kleinbaleuchtung, Taschenlampen. Schlafzimmer-Einrichtungen Jettenfabrikation, Bett-Wäsche. fieorg ‘ ‘. Nachf. _ Bleidenstras.se 10. SCHMIDT & SCHIEFER Telephon 13430. Im Trutz 38. Telephon 13430. Gas-, Wasser- und Heizungs-Anlagen. — Moderne Bäder nnd Closets. 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Jakob dient abermals 7 Jahre nnd bekommt endlich Rachel. Auch zwei Nebenftauen, Silpa imd BUHa, hat er. Seine Frauen erzeugen ihm nacheinander elf Söhne und eine Tochter (Dina). Die meisten Söhne hat Lea (6). Rachelbeneidet sie darum. — Nach den 14 Dienstjahren bekommt Jakob als Hirtenlohn Schafe. Noch 6 Jahre bleibt er bei Laban. Dieser hintergeht ihn oft durch Wortbrüchigkeit und wird zuletzt noch neidisch auf seine Herden, welche sich 'durch Gottes Segen außerordentlich vermehrt hatten. Jakob bespricht sich mit seinen Frauen. Auch erscheint ihm Gott und befiehlt ihm, in die Heimat zurückzukehren. Heimlich entweicht Jakob mit Weib nnd Kind. Laban setzt ihm mit furchtbaren Rachegedanken nach, wird jedoch von Gott an der Ausführung seiner Pläne gehindert. Jakob holt Laban ein nnd macht ihm Vorwürfe. Jakob geißelt in scharfen Worten das ganze Verhalten Labans. Sie schließen hierauf einen Bund und scheiden in Frieden von einander. Ein frisch errichteter Steinhügel ist das äußere Zeichen des Bündnisses. Ottenuacber Druckluft »Jlnlage Telefon 123. Offanbach a. H. Telefon 123. Unühart •'»ff*«® KüwRiirtnqu Ta nulftliFalviliiunQ, Taschentücher empfehlen in grosser Auswahl und allen Preislagen F. 6. Strubberg & Co. 25 Nene Mainzerstrasse 25. Kaust unD Literatur. Volkskultur und Persönlich keitskultnr. Sechs Borträge von Prof. Dr. Paul Natorp. Verlag: Quelle u. Meyer, .Leipzig. 1911. 176 S. 3,60 Jk Der bekannte Marburger Philosoph und Sozialpädagoge hat in diesem Buche sechs Vorträge vereinigt, die er im Herbst 1910 in einer vom Rhein- Mainischen Verband für Volksbildung veranstalleten „Volksakademie" gehalten hat. Sie bieten in populärer Form eine Zusammenfassung der Anschauungen Natorps über diese zwei unsere Zeit so sehr beherrschende Probleme. Eingeleitet werden sie durch eine Behandlung der „sozialen Pädagogik Pestalozzis", dessen Vorkämpfer ja der Marburger Philosoph geworden ist, und behandeln dann „Die Probleme der Erziehung der schulentwachsenen Jugend", der „Bildungsarbeit an den Erwachsenen in intellektueller und technischer Hinsicht" einersells, in „sittlicher, ästhetischer nnd religiöser Hinsicht" andererseits und werden abgeschlossen burch eine tiefgehende, schöne Betrachtung über „Freihell und Persönlichkeit". Der Name Natorp besagt schon von vornherein, daß das Buch nur Gediegenes bietet. Man mag mit allem, Ivas er ausführt und fordert, einverstanden sein oder nicht, jedem wird das Buch Anregung und Förderung geben. Und cs braucht nicht erst gesagt zu werden, welche Bedeutung diese zwei Probleme heutzutage besitzen. Der sittliche, ernste, gedankenticfe Idealismus, von dem alle Worte Natorps getragen sind, machen das Buch nur sympathischer und empfehlenswerter. Die äußere Ausstattung ist gediegen. Frankfurter Famtliermachrichten. Geboren, E. Tochter, F. Rosenberg (Rosenthal), Hansaallce 9. — E. Tochter, Max Ehrlich (Frank), Eiserne Hand 27. — E. Tochter, Albert Kaufmann (Heß), Bürgerstr. 18. — E. Sohn, Ludwig Grünebaum (Kaufmann), Musikantenweg 17. — E. Tochter, G. Mainzer (Löwenstein), Sternstr. 12. — E. Tochter, Bacharach (Israel), Rohrbachstr. 51. — E. Tochter, Dr. Gustav Löffler (Goldberg), Obermainanlage 18. 314

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