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Neue jüdische Presse · 1911-11-10 · Heft 44 (10.11.1911) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 44 (10.11.1911)
Date
1911-11-10
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Kr. 44. Seite 11 Grundlage des Zionismus gestreift hatte, seine kulturelle Grundlage. Seit 1800 Jahren hat das jüdische Volk anfgehört, der Menschheitskultur originelle Werte zu geben. Die jüdische Kultur des Ghettos befand sich in einer Abwärtsentwickelung. Die hervorstechenden Tendenzen der allen jüdischen Kultur/ die ihre Eigenart und Größe ausmachen, die Tendenz zur logischen Weltbetrachtuug einerseits, zur ethischen andererseits, wurden im Ghetto übertrieben und degenerierten, die jüdische Kultur ivurdc rationalistisch und Moralist i s ch. Das gesamte Schaffen des jüdischen Volkes im Ghetto bewegte sich innerhalb der Grenzen des Religiös-Moralischen. Das Sinnbild dieser Kultur ist Raschi, der große Kommentator. So sei es kein Wunder, daß die jüdische Kultur keine originellen Werte mehr geschaffen hat, die Bcdentung des jüdischen Volkes für die Knltur beruhte in dieser ganzen Zeit in seiner Eigenschaft als Zwischenh ä n d l,e r. Hier setzt der Zionismus ein. Indem er dem jüdischen Volke sein Land wiedergeben will, will er der jüdischen Kultur ihren alten Glanz und ihre Originalität miedervcrleihen. Der Redner ging sodann zur Behandlung der psychologischen Grundlage des Zionismus über. Diese sek in der Tragik der modernen Judenseele zu suchen. Der moderne Jude will sich assimilieren und kann cs nicht. Daher seine Zerrissenheit, die bet banalen Naturen zu innerer Haltlosigkeit (Frau Wertheim) bei tiefer veranlagten zu Zynismus (Heinrich Heine) und geistiger Perversität - (Otto Werningcr) führe. Der Zionismus will den Juden wieder auf sich selbst besinnen lassen und ihm so die Fähigkeit zur Persönlichkeit wiedergeben. Damit aber leistet er ethische Arbeit. , Die ethische Grundlage des Zionismus besteht in der ethischen Mission der R a ch e, die er zu vollführen hat, der Rache, die darin besteht, daß er die jüdische Kultur wieder neu regenerieren und so den Verfolgern des jüdischen Volkes zeigen will, uni wieviel höher dieses als seine Verfolger steht. Mit der Besprechung der gefühlsmäßigen Grundlagen des Zionismus, der heißen Liebe und Sehnsucht des jüdischen Volkes nach Zion, ein Gefühl, das in der ganzen jüdischen Literatur des Goluth im Mittelpunkt steht, schloß der Redner sein Referat. Nach einer kurzen Diskussion schloß der Vorsitzende die Versammlung. Paris. In einer großen zionistischen Versammlung erstatteten Dr. Nord au, Dr. Marmore! und Fräulein Professor S ch a ch Bericht über den 10, Kongreß. Dr. Marmorek, der Präsident der französ. zion. Föderation, ergriff als erster das Wort. Er sei diesmal in der heimlichen Furcht, Zank und Streit lodern zu sehen, nach dem Kongreß gefahren; aber diese Furcht habe sich in Freude und Stolz verwandelt, als er sah, welche Ruhe und Würde alle Verhandlungen beherrschten. Das Zusammenströmen von Juden zu dem Kongresse sei mit dem der Griechen zu den olympischen Spielen zu vergleichen; wie die Griechen einst trotz der vielen Gefahren herbeieilten, um griechischen Geist einzuatmen -und in die fferne Heimat mitzichringen>so tun es auch, heute Frankfurter Israelitisches Zamilienblatk. die zionistischen Inden, die. von dem Zionistenkongreß Vertiefung ihres jüdischen Geistes mit nach. Hanse nehmen wollen. Redner zollte Wolfssohn, der den Gegnern, trotzdem er hoffen konnte, auf dem Kongreß die Majorität zu gewinnen, die Leitung übergab, seine Bewunderung und schloß mit hem Wunsche, daß die jetzigen Oberhäupter des Zionismus, die nicht Sieger/sondern nur Nachfolger Wolsssohns seien, ihr Amt erfolgreich verwalten mögen. Frt, Professor Schach beklagte, daß bisher so wenig Frauen teil an der zionistischen Arbeit nähmen, rühmte deshalb umsomehr den Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina, der trotz seines kurzen Bestehens schon gezeigt habe, daß er imstande sei, etwas zu leisten und richtete einen warmen Appell an die jüdischen Frauen, mit Hand an dem großen Werke zu legen und ihre Kinder zu jüdischen, hebräischen Zionisten heranzubildeu.? Unter stürmische» Beifallskundgebungen betrat nunmehr Dr. Max N o r d a u die Rednertribüne. Er bedauerte, daß es ihm als dem Präsidenten des Kongresses nicht möglich war, teil an dem Kampfe der Debatten zu nehmen, was seinem Temperament viel mehr zugesagt hätte. Dafür könne er aber als Zuschauer unparteiischer urteilen. Wie man wisse, war der Kongreß in 2 Lager geteilt: in politische und sogenannte praktische Zionisten. Was praktische Zionisten sind, wisse xr zwar noch immer nicht, denn mau könne doch nichts Praktisches erreichen wenn man nicht „Politik" treibe. Wolffsohn müsse für sein Zurücktreteu das höchste Lob gespendet tverden. Mau dürfe mit der Enttvicklung der Dinge sehr znfrieden sein, denn „unterliegen die jetzigen Männer der Leitung, dann haben wir nicht Nur freies Feld, sondern auch die stete Kritik, die wir ihrerseits erfuhren, wird ein für alle Mal ein Ende haben." Sabina S t o u r d z e. Kiew. Eine von Hillel Slatovotski präsidierte Versammlung beschloß, 50 Personen zu vereinigen, von denen jede 5000 Rubel gibt und mit diesem Gelbe Land für 50 Kiewer Familien in Palästina zu kaufen. Es sind bereits 60000 Rubel eingegangen. Aus der Lehrerwelt. Frankfurt a. M. Für die städtischen Volksschulen ist die Stelle eines weiteren Lehrers jüdischer Religion ausgeschrieben worden, wasals eine unter den bestehenden Verhältnissen erfreuliche Tatsache hier verzeichnet sei.' Die Be- -werbungen sind bis zum 19. Novbr. an die städtische Schuldeputation zu richten. Berlin. Die Bersicherungskommission des D.-J. G.-B. hielt Sonntag ihre zweite Sitzung ab. Wegen der besonders bedeutsamen Fragen, die für diese Sitzung zur Entscheidung standen, waren auch noch Vertreter der Rabbinen und der Kultusbeamten und ein hervorragender Versicherungsmathematiker zur Beratung zugezogen worden. Die Kommission stellte zunächst den Wortlaut der vom D.-J. G.-B. an den Reichstag abzusendenden Petition in Sachen des Angestellten-Versicherungsgesetzes fest. Es wurde beschlossen, sür die Rabbiner, Religionslehrer nno Kultusbeamten die Einbczichrmg in das Gesetz zu erbitten. Die Petition soll sofort durch den Verband der Deutschen Juden dem Reichstage eingereicht werden. Außerdem werden einflußreiche Mitglieder der Bersicherungskommission des Reichstages persönlich für die Sache interessiert werden. Es wurde danach in die Beratung der wichtigen Frage betreffend Gründung einer Ersatzkasse für die jüdischen Ge mein bebe amten eingetreten. Die Kommission beschloß einstimmig, den . Plan der Gründung einer solchen Kasse, die für die jüdischen Beamten und Gemeinde» bedeutende Vorteilegegenüber der Reichsversicherungskasse verspricht, mit Eifer und möglichster Beschleunigung zu betreiben. Da nach Auskunft von kompetenter Stelle die Schaffung einer Ersatzkasse nur auf dem Wege des Zusammenschlusses aller bestehenden H i l f s - und Pensio nskassen, Stiftungen usw. 'zu einem K a s seu v e r b a n d e möglich erscheint, soll der Plan in dieser Art zur Ausführung gebracht werden. Ein Entwurf der Kassenverbandsorganisation, die den Hilfskassen ihre volle Selbstständigkeit wahren soll, wird demnächst veröffentlicht und zur allgemeinen Diskussion gestellt und über den ganzen Plan dann von einer B e r - treterversammluug der Hilfskassen, Stiftungen und der großen jüdischen Verbände entschieden werden. Zur weiteren Förderung der Vorarbeiten wurde ein engerer Ausschuß aus einem Vertreter des D.-J. G.-B., dem Versicherungsmathematiker und einem Vertreter der jüdischen Beaniten eingesetzt. Der Arbeitsausschuß hat seine Tätigkeit sofort begonnen. Es wird von der prompten Erledigung der von den jüdischen Gemeinden und Beamten geforderten Auskünfte und Erklärungen abhängen, ob das hochbedeutsame Werk noch rechtzeitig zustandekommt. Fürth. Sigmund Mosbach er, seit 35 Jahren Lehrer an der israelitischen Waisenanstalt, feierte seinen 70. Geburtstag. Bunte Chronik. Die Jude« i» Tripolis. Seit wann Juden in Tripolis wohnen, ist unbekannt. Der um das Jahr 1200 lebende berühmte jüdische Reisende Benjamin von Tudela erwähnt nichts von Juden in Tripolis. 1192 wohnten dort Juden, denn Tripolis war damals spanischer Besitz, und das Berbannungsdekret der Juden aus Spanien wurde auch auf die Juden von Tripolis ausgedehnt. Als 1551 Tripolis in den Besitz des Sultans Suleiman des Herrlichen gelangte, siedelten sich wieder Juden an. 1850 befanden sich in der Stadt Tripolis 1000 jüdische Familien mit 8 Synagogen, 4 Rabbinern und einigen Talmudschulen. Heute wohnen in den ms grösstes Damen wi iiMtioi Beständiger Lagerbestand vonmebr als 40,000 Piecen neuester DAMENu. KINDER- CONFECTION. Grösste Leistungsfähigkeit . bezüglich greise — Auswahl u- Geschmack W. Fuhrländer Nachf., Frankfurt a. M. Detail Fahrjtasae 89—91—93. Fahrgasse 85—95—106 Engros. Conditorei Seligmann Inh. Max Frolmark unter Aufsicht der Israel. Behgionsgesellschaft. ' * "rt/ ...V-j ■ - . t-f ' ' . -. Telephon 340. Frankfurt ä. M., Baumweg 1, Ecke Sandweg. Spezialität:?taltaees. — Wiesbadener Ananasiotien. — Slaves. Die Herstellung von^\2?D Palmin. (Pflanzenfett) und Patmona (Pflanzen»Butter»Margarine) gefchieht unter ständiger Rabbinatsaufßcbt. Beide Produkte ßnd ganz, lieh frei von tierischen Fetten, können daher gemäß kittest für Milch» und Fleischspeisen ver» ' wendet werden. RUeinige Produzenten^ H. Sdilinck & Cie. A.-G., Hamburg-Mannheim. General »Vertrieb für Südweftdeutfchland: . David Bauer, Frankfurt a. M., Femfprecber Nr. 1540 A^4/$:^:.+.../.^/++4$$+..:/A

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