Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 44 (10.11.1911)
- Date
- 1911-11-10
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 Frankfurter Israelitisches FannlienblaÜ. Nr. 44. engen, dunklen Wohnungen der Hara (Ghetto) etwa 13 000 jüdische Seelen. Die meisten leben als Handwerker, Händler, kleine Beamte in dürftigen Verhältnissen. . Jedoch liegt fast der ganze Handel von Tripolis in jüdischen Händen. Bon einem Ucbergang der Stadt in italienischen Besitz dürften die Inden nichts Gutes zu erwarten haben. Denn die klerikale Banco di Roma, die eng niit dem gegenwärtigen Krieg verknüpft ist, dürste ihnen gar bald ihre klerikale, antisemitische Gc'innuiig fühlbar werden lassen. Kunst und Literatur. Bilderbuch 'von Adele Sandler. Frankfurt a. M., Jüdischer Bolksschriften-Berlag, G. m. b. H. Das Judentum unserer Zeit steht im Zeichen der Energie und der Aktivität. Die Lethargie und Passivität sind gesch-mmden. Daß an dieser Umwandlung zum Besseren der neuerwachte Nationalismus mit seinen aggressiven, aufrüttelnden Tendenzen ein gut Teil schuld ist, braucht nicht näher bemerkt zu werden. Der nationale Warnungsrus hat sein Echo gefunden auf orthodoxer wie auf liberaler Seite. Gegenüber gegenseitigem Bekämpfen ist heute praktisches Bestreben vorherrschend geworden. So ist man sich des Wertes der Jugenderziehung in hohem Maße bewußt geworden. Auf diesem Gebiete ist neben großzügigen Bestr-.buugen auch! die liebevolle ebenso wichtige Kleinarbeit nicht vergessen worden. Ein Zeichen hierfür bildet n. ä. eine sensationelle Neuerscheinung auf dem jüdischen Büchcr-Markte in Gestalt — eines Bilderbuches. Natürlich Philister werden, wie über altes, auch darüber lachen; aber sie haben unrecht. Der Wert eines jüdischen Bilderbuches kann nicht hoch genug «ungeschützt werden. Was den Kleinen in der Kinderstube in naiver Form ins Herz geflüstert wird., das wird später im Lebenskampf eine Waffe sein. So begrüßen wir freudig jene Neuerscheinung. Ist sie auch die erste in ihrer Art, so ist sie doch wohl gelungen. Hübsche Bilderchen mit leichten glatten Versen wechseln ab und mit ihnen Allgemeines und spezifisch Jüdisches. Natürlich alles in naiver Bilderbuchform. Neben volkstümlichen Bibelgestalten und den besonders juiitkindlichen Gemüte sprechenden Festen, wie Purim, Chanuka, Gesetzessreude hört das Kind auch von allgemeinem, wie Jahreszeiten nsw., sogar von Zeppelin. In jeder Weise können wir das Bilderbuch empfehlen, in Form wie in Inhalt. Hoffen ivlr, daß es ansteckend wirkt. „Vivant scquentes!" F. W. Adolf Fi sch Hof, das Lebensbild eines öst erreich! sch eil Politikers, von Richard Charmatz. 462 Seiten. 0 Mark. Stuttgart und Berlin, I. G. Cotta'sche Buchhandlung Nchfg. Der Mann,' der auf die Umwandlung des feudalen Oesterreichs in das konstitutionelle Oesterreich einen bestimmenden Einfluß ausübte, war ein einfacher jüdischer Sckundärarzt namens Adolf Fischhof. Der 13. Atärz 1848 hob ihn aus der Unbekanntheit des einen von vielen in das Licht der Oefscntlichkeit als einen der Auserlesenen der wenigen. In jenen bewegten Tagen ward er der Präsident des Sicherheitsausschusscs der Stadt Wien, bald darauf. Abgeordneter des ersten Reichstages und kurze Zeit später Mitglied der Regierung als Ministerialrat. Doch als sich der 13. März zum ersten Male jährte, saß Fischhof als Gefangener der siegreichen Reaktion in Untersuchungshaft. 2!ach neun Monaten wurde er endlich freigesprochen. Nun kamen lange hinziehende, kummerreiche Jahre; doch er brachte in ihnen den Beweis, daß ihm nicht allein des blinden Zufalles Gunst zur Eintagsbcrühmtheit verholfen hatte, sondern daß er genug inneren Wert, hinreichendes politisches. Temperament und die seltene Gabe des staatsmännischen Blickes besaß, .um sich dauernd im Vordergründe zu halten. Fischhof konnte warten, bis seine Zeit kam, und sie kam: Graf Pvtocki bot ihm 1870 ein Ministerporteseuille an, Fischhos aber lehnte ab. Diese kurzen Striche aus Fischhoss Biographie dürften genügen, kund zu tun, daß die Biographie dieses Mannes eng verknüpft ist mit der inneren Entwicklung seines Vaterlandes und dessen innerpolitische und kulturelle Geschichte während der Jahrzehnte seines Wirkens enthüllt. Wir Juden dürfen stolz sein, auf diese» wahrhaft großen Menschen. Als eine kleine Charakteristik seiner Größe sei hier nur eines angeführt: in einer Zeit der bedrängtesten materiellen Lage wies er das Honorar einer Wiener Zeitung zurück, er diene der Menschheit, aber ihr Lohndiener sei er nicht. Vom Judentmn hatte Fischhof jedoch, wie oamals leider bei einem Manne seines Lebenslaufes selbstverständlich, keine Kenntnis. Trotzdem sehen wir ihn auch einmal mit einem großzügigen Plane für seine.Brüder beschäftigt. Im Sommer 1851 cntwars er ein Mu ste r st a t u t für einen Israelit. Ackcrb au v erein in Galizien, angeregt durch eine amtliche Studienreise dilrch Galizien während seiner Zeit als Atinisterialrat. Er wollte mit einer Musterkolonie von 30 Familien beginnen. Die Kolonisten sollten nur jüdische Knechte nehmen dürfen, welch' letztere nach mindestens dreijähriger Dienstzeit dann zu Kolonisten gemacht werden sollten. Leider gelangte der Plan, wahrscheinlich durch den Widerstand der politischen Statthalterei, nicht zur Ausführung; wäre er zur Ausführung gelaugt, die galizische Judenheit würde sich heute nicht in einer so entsetzlichen wirtschaftlichen Lage befinden. Bibliothek der Kirchenväter. Aureliusschc Bibliothek der Kirchenväter. Augustinus ausgewählte Schriften. Bd. I. Eiul. von Prof. Espenberger. Gottcsstaat 'Buch I bis VIII. Kempten und München 1011. Verlag der Jos. Koselschen Buchhandlung. Der bekannte katholische Verlag in Kempten beginnt mit einer Neuausgabe der wichtigsten Werke der ch r i st l i ch e n K i r ch e u v ä t e r. Der vorliegende Band bringt den ersteir Teil des Augustinischcn Hauptwerkes: Der Gottesstaat, Abgesehen vom allgemeinen kulturellen Interesse, das jeder Gebildete bei allem Gegensatz zu der Ideenwelt des Augustinus an diesen! bedeutendsten aller Kirchenväter im allgemeinen und an seinem Gottesstaat als einem der wichtigsten Grundwerkc der christlichen Kirche im besonderen nehmen muß, ist uns als Juden dieses Werk doppelt interessant. Denn vielleicht an keinem klassischen Werke der früheren christlichen Literatur kann inan die unüberbrückbaren Gegensätze,- die sich im Laufe der Zeit mit Naturnotwendigkeit zwischen Judentum und Christentum haben herausentwickeln müssen, in solcher Deutlichkeit wahrnehmen, wie in diesem Werke.. Nicht nur dies, die ganze entgegengesetzte. Entwicklung, die das Christentum den Lehren seines Stifters gegenüber 'schon im Laufe der ersten Jahrhunderte genommen hat, tritt hier in ihrem konsequentesten Ausdruck zu Tage. Wer aus den ersten Blick hin den Unterschied zwischen lüd. und christlichem Geist gewissermaßen herausfühlcn will, "braucht nur ein Ivcing in Augustinus Gottcsstaat zu lesen. Die diametralen Gegensätze zwischen Judentum und Christentunr zu erkennen, ist aber für uns Inden nicht nur interessant, sondern geboten. Einnial kann man durch dieses Stadium das Große und Fruchtbare im Judentum viel deutlicher erkennen, ferner aber wird man erst da einsehcn, daß die Entwicklung der inodernen Kultur, weg vom Christentum und zurück zum Judentum führt. Der Geist, der den Gottesstaat des Augustinus beherrscht, konnte nur eine Kultur wie die des Mittelalters erzeugen. Die Devise der. Neuzeit ist: Zurück zum jüdischen Geist. Insofern hat der Gottesstaat des Augustinus für uns doppeltes Interesse. Die Ausgabe ist sehr gediegen und preiswert; die Ucbersetznng musterhaft und die Einleitung erschöpfend. Die neuen Bayerischen Steuergesetze. Inhalt: a) Einkommensteuergesetz, b) Kapitalrentensteuergcsetz, c) Gcwcrbsteiiergesetz nebst Einführungsgefetz. Gcsetzverlag L. Schwarz u. Comp., Berlin 8. 14, Dresdenerstr. 801>. Preis JL 0,75. Taschenformat. Kaiser Friedrich Quelle —- Ottenbach a. JL —.. Gegen bucht and Bheunathmu bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfurt a. M., Stallburgstr. 9. Tel. 259 n. 714. Vereins-Kalender. Freitag. „Mo n t c f i o r c"- B c r c i n, 0 Uhr, Seilcrstr. 22: Gesellige Zusammenkunft. — V e r e i n „Mekor Chajiin" nach Schluß des Abcndgottcsdicnstcs im Hörsaal: Mikrovortrag (Joseph Sänger); 814 Uhr, Langestraße 18: Gesellige Zusammenkunft. — „T al »1 ud Th 0 ra" - Verei 11, nach Schluß des Abendgottesdienstes im Hörsaal Börncplatz: Bortrag (Dr. B. May). Samstag. Verein „Bi ekor C h a j im", 12 Uhr, Hörsaal Friedberger Anlage: Vorlesung aus Seser Schemuel (Prof. A. Weyl). ~ , Sonntag. „Talmud T h 0 r a"-V e r e i n, 6 Uhr, Synagoge Börneplatz: Thillim-Bortrag (Rabb. Dr. Nobel). - .Montag. Franks. .Zion. Vereinigung, 8l/» Uhr, Kursaal Milani: Der Zionismus nach dem X. Kongreß. — I ü d. F r a u e n Vereinigung, 83/i Uhr, ehemaliger Kaufmann. Verein, Langestraße: Ansgcwahlte Kapitel aus der jüdischen Geschichte (Prof. Dr. I. H. Bonbi). Mittwoch. „M0 iitefio re"-Vere in, 9 Uhr, Seilerstr. 22: Nahrungsmittcl und Nahrungsmittel- Fälschüng (Dr. Julius Rothschild). Donnerstag. Verein „Nachlaß Zwi", 8-Yi Uhr, Langestr. 18: Betrachtung zum Wochenabschnitt (Leitung: Isaak Snlzbach). Carl Qrebenan, Zeil 71, Juwelen.Uhren.Gold-u.Silberwaren. Telephon 6069. Auswahlsendüngen gerne zu Diensten. Tel 5786 jnh. Lernte Himmler w. 5736 Frankfurt a. 91. Hochstr. 2, am Esciienheimer Turm ——. Spezial-Haus für Beleuchtungskörper in Gas. Hältge-Gas Elektrisch und kombiniert. ^Umänderung vorhandener Gas- und KeizenlQster für elektrisch Licht oder kombinierte Beleuchtung. 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