Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 44 (10.11.1911)
- Date
- 1911-11-10
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite Id. frankfurter ZsraÄitWes ZawNienbkaÜ. ' Nr. 44. den blieben, wie der nachfolgende Brief beweist: „Lieber, verehrter Herr Reichardt! Meinem Stiefsohn, Hans Strakosch, bitte ich, den Religionsunterricht durch den israelitischen Religionslehrer erteilen zn lasse». Wiesbaden, 6. Mai 1892. Dr. Gustav Frehtag. Erailsheim. Hier verschied''nach langem Leiden im Alter von 62 Jahren Leopold Levigard, früher Teilhaber der Firma Brüder Landauer. In dem so früh Verstorbenen hat die hiesige Judenheit einen Mann verloren, aus den sie stolz sein, durfte. Denn er war in seiner jüdischen Lebensführung und in der Gradheit seines Wesens ein Vorbild. Wie hoch er allgemein geachtet wurde, tat sich bei seinem letzten 3Bcge kund; die ersten Honoratioren unserer Stadt hatten es sich nicht nehmen lassen, ihm das letzte Geleite zu geben. Breslau. In Berlin verschied — 84 Jahre alt — Geh. Sanitätsrat Dr. .Michael Wolln c r, früher Vorstandsmitglied der hiesigen jüdischen Gemeinde. In G l e i w i tz wurde Justizrat L u st i g zum Provinziallandtagsabgeordneten gewählt. (L) Posen Die von Rogasen gebürtige und jüngst in Manchester verstorbene Frau Henriette Balint geb. Alexander vermachte der jüdischen Gemeinde Rogasen 1000 M — In Schönlanke haben die Waggonfabriken bereits mit der Arbeit begonnen. Es werden etwa 150 Arbeiter beschäftigt. Stratzbwrg. Die is'aetit Konsistorien wählten Oberrabbiner llry in die Erste Kammer des Landtags von Elsaß-Lothringen. Budapest. An der Bah e des ehemaligen Reichstagsabgeordneten Hosrat Dr. Lazar' Samuel hielt Graf Albert Apponyi einen Nachruf, in dem er diesen edlen Menschen und ' hervorragenden Arzt in..seinem Wirken für den Poliklinischen Verein würdigte. — Im 25. Lebensjahre verschied nach langem Leiden der talentvolle Maler und Kunstschriftstcllcr Leo Popper, einziger Sohn Professors David Popper. — Der katholische Selchmeister Josef Elsässer hinterließ dem „Ungar. Israelit. Handwerk. und Ackerbau-Verein" 500 Kr. Budapest. Zm 51. Lebensjahre ve> schied Schriftsteiler Isidor Barna, Redakteur des „Esti Ujsag." Czeruowitz. Im „Czernowitzer Tagblatt" lesen wir das folgende Inserat: „Wir suchen christliche Ersenhandlung, welche den Verkauf unserer patentierten Kehrichtkübel, die in Czcrnowitz eingeführt werden, übernimmt. Baumaschinen-Bedarfs-Gesellschaft, Wien 65. Odessa. Drei Wochen Haft erhielt der Opernsänger Rvsenthal, weil er in Jalta, wo Juden nicht wohinen dürfen, auf den Namen eines gleichnamigen Christen gewohnt hat. Er entschuldigte sich damit, daß er seine große Familie ernähren müsse. — Russisch-jüdische Tragik! Warschau. In den Konzenen der Philhmmonie ruft das Geigen spiel des 10 jährigen Iosef Chefez, des Sohnes einer bekannten Wilnaer Mnsikersamilie, allgemeine Bewunderung hervor. Philadelphia. Im 56 Lebensjahre verschied hier der Feuilletonist und Dichter David Apothake r. Er war einer der ältesten Jargon-Jonrnalisten Amerikas. BueuoS-Aires. Dr. Daniel Halle, Sohn des israelit., Bezirksältesten Hermann Halle in Hockenheim (Baden), ist zum' C h e f a r z t des d e u t - s ch e n Hospitals ernannt worden. AuS den Vereinen. Frankfrrt a. M., 9. Nov. Die Tatsache, daß der jüdische Kalender in seiner Zeitrechnung von Erschaffung der Welt in diesem Jahre sein 400 jähriges Jubiläum feiert, gab Dr. Lutz- Mannheim Vermilassung, ihn zum Gegenstand seines gestrigen Vortrages im „M o n t e f i o r c" - B e r e i n zn wählen. Ans dem lehrreichen Vorträge sei hier folgendes wiedergegebcn: Im Gegensatz zu anderen Kalendarien bereitet die Aufstellung des jüdischen Kalenders viele Schwierigkeiten. Ein Jahr kann 353, 354 und 355, 383, 384 und 385 Tage haben. Ferner ist darauf zu. sehen, daß z. B. Jomkippur nicht auf Freitag oder Sonntag, Haschano-rabbo und Purim nicht auf Samstag fallen dürfen. Die Thora, die sonst alle füx unser Jndcntmn maßgebenden Aivmente enthält, sagt mcrklvArdigcr Weise kein Wort über unseren Kalender. Wir können nur aus ihr entnehmen, daß der Tag mit dem Abend anfängt („Und es war Wend, und es war Morgen"), daß der' Atonal mit 30 Tagen gerechnet wurde (Kap. 7 des 1. Buches bis Berechnung der Dauer der Sintflut), und daß das Jahr mit Nissan ansängt. Die Jahresberechnungen des jüdischen Kalenders hat verschiedene Stadien durchgemacht. Anfangs rechnete man nach dem Regierungsantritt der Könige und derglch., von 312 vor der nhl. Zeitrechnung bis zum Jahre 1000 nach der griechischen Aera, rund erst 1511 lvurde unsere lheutige Zeitrechnung fest angenommen. Redner schilderte zum Schluß die Külenderfestsetzung des Sanhedrius. Bertm. Am Montag, den 30. Oktober, hielt Dr. Zollschan den ersten seiner angekündigtcn Vorträge Wer das jüdische Rasseprvblem. Ein zahlreiches Publikum .hatte das Thema und hie Person des Verfassers angelockt, und es folgte den anfänglich etwas schwer verständlichen Ausführungen des Vortragenden mit angestrengter Aufmerksamkeit. Dr. Zollschan führte aus, daß in der heutigen Wissenschaft eine arische Rasse nicht mehr anerkennt werde; denn man habe längst erkannt, daß man auf Grund sprachlicher Verwanotschaft eine Rasseneinteilung nicht vornehmen könne, die Ariertheorie stütze sich aber hauptsächlich auf das Moment der Sprachverwandtschaft. Auch die Rasseneinteilung, die man auf Grund des Schädelindex vorgenommen habe, wäre nicht stichhaltig. Es habe sich nämlich erwiesen, daß alle primitiven Völker Langschädel waren, aber im Laufe langer Zeiten zum Knrzschädel hinncigten, der eine Folge äußerer Umstände, besonders ausschließlicher Gehirntätigkeit wäre. — Eine Rasseneinteilung, die allen wissenschaftlichen Anforderungen nachkäme, wäre die von Stratz ausgestellte. Stratz nimmt eine Urrasse an, aus der infolge der vorhandenen Variabilitätsbreite durch Selektion und Inzucht, sowie durch geographisch« Trennung drei Hauptrassen entstanden seien, nämlich Neger (Melanoderne), Mongolen (Hanthoderne) und Kaukasier (Leukoderne). Letztere Rasse scheidet sich in zwei Untergruppen: Hanthochrve (Hellfarbene) und Melanochrve (Brünette). Zu den Melauochrven zählen neben den Indern, Griechen und Römern auch die Juden, Dr. Zollschan schließt seinen Vortrag mit dem Hinweis, daß aus den Juden viel Blut hinaus, aber nur unbeträchtlich wenig in sie hinein gegangen wäre, daß man also die heutigen Juden als reine Nachkommen von vor wenigstens 2000 Jahren ansehen könne. — In seinem zweiten Vortrag beleuchtet Dr.. Zollschan die Bedeutung des Rassenfaktors für die. Kulturgeschichte. Er wägt die Rassentheorie, die den verschiedenen Charakter der einzelnen Völker auf Rasseneigenschaften ' zurückführen will, gegen die Milientheorie, nach der die umgebenden äußeren Verhältnisse den Charakter bestimmen, ab. Dr. Zollschan. geht dabei auf die Frage ein, ob Reinhaltung der Rasse oder Rassenkrenznng für die menschliche Kultur wünschenswert sei und kommt zu dem Resultate, daß Reinhaltung der Rasse unbedingt iocrtvoller sei, da Kreuzung Spaltung der Rassenwcrte zur Folge habe und sich hierdurch erwiesenermaßen die Lebensfähigkeit verringere. — Bon der Rasscnanlage hänge jedoch nur die Begabnngsqnote ab, in welcher Weise sich jedoch die Begabung betätige, das sei von dem. Milien abhängig. In der Begabnngsqnote wäre die Ebenbürdigkcit der jüdischen Rasse erwiesen, die potentielle Begabung könne sich jedoch nur in cineni ihrer Eigenart entsprechenden Milieu äußern. Berlin. Im jüdischen Verein „Nord-Ost" hielt Oberlehrer Dr. Biram einen Vortrag über die Pflege der hebräischen Spräche. Der sehr instruktive Vortrag verbreitete sich namentlich auch über die Organisation zur Verbreitung der Kenntnis des Hebräischen, die sich in Deutschland und speziell in Berlin neuerdings gebildet hat. Der „Nord-Ost" hat sich in kurzer Zeit zu einem Achtung gebietenden Verein von etwa 150 Mitgliedern aus ganz kleineil Anfängen entwickelt und ist zu einem wichtigen Faktor ini Berliner Gcmeindeleben geworden. Berlin. Rach einem einleitenden Bortrag deS Herrn Rechtsanioalt Dr. Klee konstituierte sich am 25. Oktober 1911 eine Orts gruppe „Sch önhanser „Vorstadt" d es neu en Jüdisch en Gemeindevereins unter dem Vorsitze des praktischen Arztes Dr. S. Loevy (Kastanienallee 2). Die Ortsgruppe soll der Zusammenfassung der Freunde einer jüdisch-historisch gerichteten Weltanschauung in der Schönhauser Vorstadt dienen, gesellige Beziehungen fördern und das Wissen von Inden und Judenlllm verbreiten. Berlin. Am 30. Oktober hat sich hier nach längeren Vorarbeiten der Herren Rechtsanwalt HansSteinitz, Rechtsanwalt Fehlowicz und A. Segall rc. eine Bezirksgruppe. des Neuen Jüdischen Gemeindevereins: „Rosenthaler Vorstadt-Gesundbrunnen" gebildet. Für den einleitenden Bortrag war Rechtsanwalt Dr. Klee gewonnen worden, der über die Aufgaben der deutschen Judenheit in der Gegenwart sprach. Der Ortsgruppe traten sofort, nach einer recht lebhaften Diskussion, zu dem Bestände 30 neue Mitglieder bei. BreSla«. Inder Generalversammlung des Vereins für ju!di Geschichte nn,d Literatur wies DÄ Bvann, der - stellvertretende Vorsitzende, auch auf den stetigen Rückgang der Mitghiede-Sziahl hink Bromberg. Es ist ein Verein zur Errichtung eines jüdischen Altersheims gegründet worden. Fabrikbesitzer Aron, der die Kosten für den Bauplatz zur Verfügung gestellt hat, wurde zum Vorsitzenden gewählt. Ans der zionistischen Bewegung. Frankfurt a-M. DieZionistischeJugendgruppe eröffnete Montag, den. 6. November, ihre Winterarbeit mit einer Versammlung, in der terr Nahum G o l dm a n n über die theoretischen rundlagen des Zionismus referierte. In einem groß angelegten Referate behandelte der Redner, nachdem er kurz die ökonomische in hervorragender Passform für Herren und Jünglinge. Auswahl unter Hunderten. ‘ * ^Herren-TTlster ..... M. 30 — 33 — 36 — 38 — 42 — 48 — 55 ..«m»-- besserefii. engl. Qual. .... .• M. 60 — 65 — 70 — 75 — 80 — 85 dis 125 J «Fimglings-Ulster sind entsprechend billiger! >;•