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Neue jüdische Presse · 1911-10-20 · Heft 41 (20.10.1911) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 41 (20.10.1911)
Date
1911-10-20
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Jude wurde getötet, «mehrere andere und deren! eingeborene Verteidiger erlitten Verletzungen. Kiew. Für „Kol-Ntdrei"-Ab end hatten die schwwrzen Hundert eine große Versammlung einberuscn. U. «, hielt der Bischof Paul Probiaschenski eine flammende Hetzrede gegen die Juden. Als er mit donnernder Stimme hie nach tausenden zählende Versammlung aufforderte, den „Tag der großen Wrechnung" nicht länger aufzuschieben, stürzte er tot zu Boden. Der Vorfall hat auf die hiesige Bevölkerung einen tiefe» Eindruck gemacht. Diesen Eindruck gibt .das Eingesandt einer hiesigen Zeitung wieder, das da meint; es sei doch« sehr unklug gewesen, gerade an dem Abend, an dem die Juden zu ihrem „Vater und König" beten, daß er ihre „Feinde und Ankläger vernichte", die Versammlung abzuhalten. Personalien «. Kleine Witteilnngen. Stuttgart. Am 14. Oktober feierte der hervorragende Geigenkünstler Professor Edmund Singer seinen. 80. Geburtstag. Stuttgart. Adolf Eßliuger erhielt die Karl-Olga-Medaille in Silber. Bocholt. Der kurz vor Jomkippur im 85. Lebensjahre verstorbene Aron Berla vermachte sein bedeutendes Vermögen guten Zwecken. U. a. erhält die jüdische Gemeinde, deren Vorsteher er während vier Jahrzehnte war, und für deren traditionelle Leitung er sorgte, 50000 Jk Mainz. Frau Schreib er-- M e her Wwe. hinterließ für den Bau des jüdischen Krankenhauses 50000 Jk und für den Synagogen - neubau 45 000 Jk (L) Oftrowo. Das sechzigjährige Ehejubiläum feierte das früher in Posen wohnhafte D. B. Cohn'sche Ehepaar. Köln 0. Rh. Mit dem im Sv. Lebensjahre verschiedenen Zahnarzte Dr. med. Leop. Rubinsohn hat die Judenheit einen schweren Verlust erlitten.- Hervorragendes allgemeines und jüdisches Wissen, vonehmer Charakter, jüdisches Herz und jüdische Lebensbetätigung und warme Liebe zum jüdischen Bolle nuuDen ihn zu einem der besten seines Volkes. In diesem Sinne würdigten ihn auch an der Bahre Rabbiner Dr. Carle buch und David Wolsfsohn. Stratzburg. Gerichtsaffeffor Dr. Levh wurde zum Amtsrichter in Weißenburg ernannt. — Der dieser Tage in Reichs Hosen verstorbene Süßmann Longini erreichte ein Mter vou 94 Jahren. Den letzten Jomkippur hatte er noch den ganzen ToZ .in der Shoc^oge verbracht - und bis zum Schüch gefastet. Saga». Anläßlich seines Ausscheidens aus dem Amte eines unbesoldeten Stadtrates wurde dem Stadtrate Rosenthal das Ehrenbürgerrecht verliehen.. — Der Breslau-Liegnitzer Gemeindeverband hatte diesmal zu den hohen Feiertagen einigen kleinen Gemeinden, die kein Minjan haben, Miujauleute gesandt. Die Leute erhielten freie Fahrt, Verpflegung und 20 Jk In Breslau verschied Mau Johanna Menken, die. verdienstvolle Leiterin der Haushaltungs- und Kochschule für israelit. Mädchen. (l.) Pose». Anläßlich der Posen« Ausstellung erhielten Rud. Petersdorfs den Kronenorden 4. Klasse und Kommerzienrat Louis Grünfeld-Beuthen den Rvten-Adlerorden 4. Klasse. WieSloch lBaden). Letzten Jomkippur betete Herr Leopold Bodenheimer trotz seiner 88 Jahre das Reilahgebet in unserer Synagoge vor. Budapest. Dr Isidor Baumgarten wurde zum Senatspräsidenten an der König!. Kurie «mannt. ' Rom. Der jüngst verstorbene Isaak Sinigaglia hinterlietz 150000 Fr. zu Gunsten des Bürgerspitals in Ancona mit der Bedingung, daß in diesem Krankenhause eine jüdische Ab - teilung mit ritueller Verpflegung eingerichtet werde. Mailand. Hier verschied im 73. Lebensjahre Professor Giacokbe Rava. Vor einigen Jahren war er Rektor der Universität. Paris. Der hier im 68. Lebensjahre verstorbene Professor August Michel-Levy, Mitglied'der Akademie der Wissenschaften und Genercuiuspektor der staatlichen Minen, war lange Jahre Mitglied des israelit. Konsistoriums. London. Hier verschied — 62' Jahre alt — der "Rentier George Sonnenthäl, der als Deutscher den deutsch-französischen Krieg mitmachtc, sich in der Schlacht bei Welßenbnrg so auszeichnete, daß ihm der nachmalige Kaiser Friedrich das Eiserne Krcill^anheftetc. Hadov. Charlotte Barnato hat 30000 Pfund für jüdische und allgemeine Wohltätigkeitszwecke hinterlassen. Clüro (Aegypten). Moses Batany bey und Leo Heller, Präsident und Vizepräsident des tzscmtzoMk N«eWWs. FcWMeMüS. Nr. 41. Oesterr.-Ungar. Hilfsvereins, erhielten den ungarischen Adel. Jaffa. Achad-Haam, der bekannte hebräische Schriftsteller, weilt seit einigen Tagen hier. Ans -er Lehrerwett. Nördlingen. Elias Godlowsky ist an die Bürgerschule in Fürth berufen worden. Saarnntov. Rabbiner Guggenhe im hat seine Pensionierung beantragt. Hannover. Die Srmon'sche Stiftung errichtet in Peine eine Lehrerbildungsanstalt zur Weiterbildung insbesondere israelitischer Lehrer. Die Besucher der Anstalt sollen instand gesetzt werden: 1. Unterricht im Schulgarten und in Handfertigkeiten zu erteilen, 2. praktische Schülerübungen, vor allem in naturwissenschaftlichen Fächern, zu leiten, 3. für derartige Uebungen die notwendigen Lehrmittel selbst herzustellen. Das Unternehmen erfreut sich des Wohlwollens der preußischen Regierung, die ihr Interesse bereits dadurch bewiesen hat, daß sie ein 50 Morgen großes Gelände für den Bau der Anstalt gab. Leipzig. RabvtnerDr.Carlebach erhielt von der Regierung die Erlaubnis zur Errichtung einer jüdischen Realschule. . (L.) Posen. Im 'Sitzungssaal« der Synagogen- Gemeinde hielt die „Vereinigung von Rabbi nernderProvinzPosenzur Wahrung des überlieferten Judentums" ihre Quartalsversammlung ab. Den Vorsitz führte Rabbiner Dr. Wreschner-Samter. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Mitteilungen hielt Rabbiner Dr. W e Y l - Czarnikan einen halachischen Vortrag, der das Korreferat zu dem bereits von Oberrabbiner Dr. W. Feilchenfeld-Posen behandelten Thema bildete. Diesem schloß sich, das Referat Rabbiners Dr. S ilberber g-Schrimm: „Inwieweit berücksichtigt der jüdische Religionsunterricht modern-wissenschaftliche Anskbauuuaen?" an. Bayreuth. Rabbiner Dr. Kusnitzky geht nach '30 jähriger Tätigkeit in Pension und zieht nach' Breslau. Wie», Oberkantor, kaiserl. Rat Josef Singer feierte am 15. Oktober seinen 70. Geburtstag. Singer wurde 1881 als Nachfolger Salomon Sulzers von Nürnberg nach Wien berufen und hat sich als würdiger Erbe dieses Meisbers gezeigt. Sokal lGalizien). Hier verschied Oberrabvmer Sam! Rokasch, der älteste Sohn des berühmten Beizer Zaddiks, im 64. Lebensjahre. New-Bork. Dr. A d o l f B ü ch l e r, Direktor des Londoner Rabbinerseminars, kommt im Laufe des Winter nach hier, um am Drvpsie College Vorlesungen zu halten. . Obberrabbiner Dr. Türmer-Amsterdam. Mit Oberrabbiner Dr. Joseph Hirsch Dünner, der gestern im 79. Lebensjahre von der Stätte seines irdischen Wirkens abberufen wurde, verlieren wir einen der wenigen der Gegenwart, die in den tausenden verschlungenen Pfaden beider Talmude heimisch sind. Der Dahingeschiebene verband überdies mit seiner ungewöhnlich großen Gelehrsamkeit, eine Größe als jüdischer Mensch. Reinheit der Gesinnung, Treue in der Ausübung des jüdischen Gesetzes und warme Liebe zum jüdischen Volk (er war Zionist) gaben seiner Persönlichkeit das Gepräge und machten ihn zum Führer seiner Gemeinden. Der Dahingeschiedene wurde im Januar 1833 in Krakau geboren, studierte in Bonn und Heidelberg und folgte 1862 einem Rufe des hiesigen Niederländischen Israelitischen Seminars, welches Amt er bis 1874 bekleidete, wo er zum Oberrabbiner von Amsterdam und der Provinz Nordholland gewählt wurde . Von seinen Werken nennen wir: „Die Theorien über Wesen und Ursprung der Tosephta, kritisch dargestellt (Amsterdam 1874)"; „Glossen z. Babyl. und Palästin. Talmud (Frankfurt 1896—1903)"; »Kritische und erläuternde Anmerkungen zu Baderschi's Chotham Tochnit (Amsterdam 1865)" und „Leeredenen (1897—1901)". Arr-dei«: Vereinen. Sraakfnrt «fc* M I In dem gewohnten Rahmen vollzog sich auch' dies mal der Eröffnungs-Abend der Wintersarson. Der vornehme Saal der Frankfurt-Loge, ein festlich gestimmtes Publikum, Ansprachen des Vorsitzenden (Dr. med. G. Löffler) und Rabbiners Dr. I. Horovitz, Musik-, Gesangs- und MezitationsdaÄietungen geschulter Kräfte (Kapellmeister Artur Holde vom Neuen Theater, Siegfried Bauer, Fräulein Paula Levi, Richard Steinberger. Besonders lebhaft wurde, als er am Rednerpult erschien Rabbiner Hr. Horovitz begrüßt. Seine Ausführungen sollten deml neuen Zeitabschnitt im Schafften des „Montefiorc" die Weihe geben und die Ideale des „Mvntefiore" seinen Mitgliedern erneut zum Bewußtsein bringen. Redner faßte dieses ideale Wirken dahin zusammen, daß der „Mvntefiore" den inneren Ertrag der ernstsrohen Mste, die wir in den letzten Wochen begingen, znsammenhalten wolle. Er behandelte dann das materielle Ziel des „Mvntefiore", das in der Errichtung.eines eigenen Heimes gipfelt jtnb zog dabei humorvoll den Ausspruch unserer alten Weisen „Mit 18 Jahren zur Ehe, zum eigenen Heim" heran. Zum Schluß würdigte Redner die soziale Seite des „Montefiorc". Die Tatsache, daß die Bibel in der Schöpfungsgeschichte die Bezeichnung: „Und Gott sah, daß es gut -ist" nach der Schilderung der Trennung zwischen „Oben" und „Unten" wegläßt, dagegen gleich darauf bei der Schilderung der Sammlung bringt, tzab die Grundlage für diesen letzten Teil der Rede. Frankfurt a. M. Verein „Nachalath Zwi." Wie die Leitung mitteilt, beginnt die regelmäßige Tätigkeit Donnerstag, de» 2. November. Zu den Vorträgen wird eine jeweilige Ankündigung erfolgen. Frankfurt a. M. Verein „Tis er es Bachnrim". — Die außer» rd en tl. Hau.pt- Versammlung wählte für die ausgetretenen Herren Sänger und Jeidel cand. phil. Willy Müller und Isaak Weil in den Vorstand. Wie der Vorsitzende, Wilhelmj Rosen, mitteilte, sind mehrere Akademiker für Vorträge gewonnen worden, auch werden Rabbiners Dr. . I. Horovitz' Vorlesungen über Hiob fortgesetzt. Frankfurt a. M. Jüdische Frauenvereinigung — Jeden Samstag Morgen 10% Mr findet in der Wohnung der Frau Adelheid Meyer, Hanauerlandstr. 36 ll, ein Lesez irkel für j un g c Mädchen statt. Frankfurt a. M. Bon dem Verzeichnis der Frankfurter jüdischen Vereine, Stiftungen und Wo.hltätigkeitsanstalten. ist soeben die zweite Auslage erschienen. Das Verzeichnis wird von einem Komitee, dessen Vorsitzender Raphael M. Kirchheim ist, herausgegeben. Fravkfnrt a. M. Talmud-Thora-Berein. Die Freitag-Abend-Vorträge beginnen am 27. Oktober. Den ersten Vortrag wird Rabbiner Dr. Nobel halten. Die Tefillim-Vorträge des Herrn Rabbiner beginnen Sonntag, den 5. November, abends 6 Uhr. Letztere Vorträge finden, da sich im vorigen Winter der Hörsaal zu klein erwies, in der Synagoge statt. München: Bereinigung Jüdischer Akademiker. Die Bepoinstatig«it -var «im vergangenen Semester eine sehr rege. Es wurde gelernt: Talmud (Rabb. Dr. Ehrentreu), Mi schnah (Lernen der Mitglieder). Der Fuxenunterricht unterwies die jüngeren Mit, glieder in den wichtigsten Fragen der jüdischen Weltanschauung, deren Stellung zu den Angriffen von seiten der modernen Naturwissenschaften und behandelte des öfter«: Zeitereignisse. Ferner wurden folgende Vorträge gehaltene Die Festgebete (Pijutim) und ihre Verfasser (Rabb. Dr. Ehrentreu). — Die verschiedenen Anschauungen auf dem Gebiete der Speise- und Reinheitsgesetze (cand. med. O. Dzialowski). — Geschichtlicher Abriß altjiid. sozialer Fürsorge (cand. med. S. Adler). —; Religion und Kultur des jüdischen Volkes im Spiegel der heutigen Zeit (sind. jur. M. Koppe). Der jüdische Staat der Vergangenheit und dev jüdische Staat der Zukunft (stud. jur. S. jGoldschmidt). — Die Apokryphen (cand. jur. I. Mayer). — Die mündliche Ueberlieferung (sind. .mach. S! Jeidel). — Fast jede Woche fanden A usf lüge in die nähere und weitere Umgebung statt. Gemütliche Abende förderten die Geselligkeit. Vereinsadresse: S. Levi, Lehramtskandidat, München, Münzstr. 8. Bunte Chronik. Was ist der jüdische AusiedlnngSrahon in Rußland t Der Ansiedlungsrayon ist ein Ungetüm, - einzig in seiner Art. Bureaukratischer Geist hat daran ein Jahrhundert gearbeitet, und alle' Instanzen der russischen Gesetzgebung und Rechtsprechung haben einen wesentlichen Teil ihrer Kraft der Aufgabe gewidmet, die jüdischen Wohnrechtsbeschränkungen weiterauszubilden. Daraus ist ein Labyrinth entstachAn, in dem nur der Jude und der zur schönen Aufgabe deS Prellens anderer berusene Beamte sich zurechtfinden. Wäre der Ansiedlungsrahon in seiner ■ ursprünglichen Unantastbarkeit verblieben, so -könnte man ihn noch leicht kapieren. Denn zu Anfang bedeutete es, daß die Juden Rußlands.nur auf einem bestimmten Territorium, nämlich im Weichselgebiet und in 15 weiteren Gouvernements': (Beßarabien, Cherson, Taurien, Jekaterinvslaw, Tschernigow, Poltawa, Kiew, Podolien, Wolhynien, Minsk, Mohüew, Wftebsk, Grohno/'Wilna, Kowno) — das Wohnrecht besitzen sollten. Ncuh und nach sind aber noch drei, vjer^ kleinere Ansiedlungsrayone, in Sb» land und Livland, im Kaukasus, und Turkestan^

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