Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 41 (20.10.1911)
- Date
- 1911-10-20
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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WiEC RL. 41. Urankfurier UrarlitischÄ KaMienblatk. Leite 11. hinzugekommen, die tvenigstens kleinen antochthonen Jndengruppen freigestellt wurden. Dann wurde der Hauptansiedlnngsrayon wesentlich eingeschränkt, indem die Negierung die Dörfer versperrte. Deshalb kann man nicht mehr von einem einheitlichen Territorium, das den Juden freistehe, sprechen: in Wirklichkeit sind es nur die Städte des W e st - nnd Südwestgebietes, in denen die russischen Inden zusammengepfercht sind.- Im Laufe der Zeit sind, jedoch auch einige wichtige Städte — Rostow, Taganrog, Jalta — aus diesem Territorium herausgerissen und der jüdischen Freizügigkeit entzogen worden, , während für ein paar andere (darunter für Kiew) fast von Anbeginn an die gleiche Praxis bestanden hatte. Nun gibt es seit der liberalen Aera Alexanders II. privilegierte Inden — wie Kaufleute erster Gilde, Diplomierte, ausgediente Soldaten —, die das Wohnrecht im ganzen Reiche erhalten haben, oder halbprivilegierte, wie die Handwerker, denen wenigstens, das Aufenthaltsrecht im ganzen Lande zugestanden wird, solange sie in ihrem Beruse tätig seien. Allein auch dieses Privileg ist wesentlich .eingeschränkt worden. Denn unter ausgedienten Soldaten will die russische Regierung seit Beginn der antisemitischen Aera naiverweise nur solche verstehen, die unter Nikolaus I. oder bis zum Jahre .1874 (!) ihrer Militärpflicht nachgekommen feien, Handwerkern sind ganze Teile des Reiches nachträglich wieder entzogen worden usw. So gibt es alles in allem völlig rechtlose, halb privilegierte und ganz privilegierte Juden, ein großes Ansiedlungsgebiet mit Ausschluß der Dörfer und mehrere kleine Ansiedlungsrayone und außerhalb des Ansiedlungsrayons noch besonders verbotene Gebiete, in die auch privilegierte Juden keinen Zutritt haben. Wenn man aber das Territorium zusammenrechnet, das ohne jede Beschränkung dein russischen Juden frejsteht, d. h. die Bodenslächen der Städte im Westen und Südwesten des Reiches,. so macht cs kaum mehr als den 2000. Tei,l Ruß. l a n d s aus. . Daher die völlige Unmöglichkeit, die Wohngesetze in aller Strenge dnrchzusühren, daher die ständigen Konflikte zwischen Obrigkeit und Juden, die von den Vertretern der Polizei als bequemstes Erpressungsobjekt ausgebeutet werden. Leo Tolstoi über die pädagogische Bedeutung der Bibel. Eine Berner Dissertation von Go ldaPlswsner beschäftigt sich. n. a. mit Tolstois Ansichten über den Wert des Unterrichtes in den biblischen Geschichten. Die Verfasserin führt folgendes aus: ,Leine Erzählung aus der russischen Geschichte, keine Begebenheit aus dem Neuen Testament macht nach den Erfahrungen Tolstois einen so nachhaltigen und innerlichen Eindruck wie das Mte Testament. Ans Grund dieser Erfahrung stellt Tolstoi den Satz aus, daß die Bibel das einzige Buch ist, durch welches in. der an Kenntnissen und Erfahrungen noch so armen Seele des Kiirdes diejenige Liebe zu. den Kenntnissen erweckt werden kann, in der er die Vorbedingung alles Lernens und. Erlernens erblickt. und daß sie -vie kein anderes Buch geeignet ist die jungen Individuen in die ihnen noch unbekannten Welt- und Lebensverhältnisse einzuführen. Dabei erhebt sich für ihn zunächst die Frage nach dem Grund dieser einzigartigen erzieherischen Wirksamkeit, den er sowohl in der Fdrm, wie dem Inhalt der Bibel zu finden glaubt. „Ich kenne kein Werk", sagt er, „das wie dieses alle Seiten der Menschenidee in gleich knappernnd poetischer Form darstellt." Das Kind ist nicht fähig, die Vielgestaltigkeit der modernen Knlturverhältnisse mit seinem Geiste zu umspannen. In der Bibel aber sind eben dieselben Verhältnisse in ihren einfachsten Grundformen erkennbar, und das Kind lernt hier alle. Beziehungen der Menschen untereinander zum ersten Male begreifen. Was Homer für die Griechen war, das, meint er, ist die B.tbel für unsere moderne Gesellschaft; „sie ist ein für die Entwickelung des menschlichen Geistes unentbehrliches! Hilssmittel." Aber auch der emotionale Faktor wird für die pädagogische Wirksamkeit der Bibel namhaft gemacht. ' „Zum ersten Male tritt hier die Weisheit in kindlich schlichter Form vor den Geist des jugendlichen Jndivioiunms und ergreift es ganz und gar." „Wer hat noch nicht geweint über die Geschichte Josess und seiner Begegnung mit den Brüdern? Wer hat nicht mit bebendem Herzen die Geschichte von Simsen gehört, der nntergeht, indem er seinen Feinden . .." Und unter dem Zauber dieser vor ihm hinaufleuchtenden Welt beginnt der Schüler an seiner eigenen Vervollkommnung zu arbeiten, wie es seine Aufgabe ist" Weil die Bibel für Tolstoi ein Werk von unantastbarer Vollkommenheit ist, gestattet er auch nicht, daß Abkürzungen irgend weicher Art mit ihrem Text vorgenommen werden. Alles Umschreiben, Kürzen, Präparieren erscheint ihm als der Ausfluß einer falsch verstandenen Sittlichkeit, als ein iFrevel an der Heiligkeit und der poetischen Schönheit dieses Merkes. „Ich glaube," so schließt er, „das Buch der Kindheit des Menschengeschlechtes wird stets das Hefte Buch für die Kindheit des einzelnen Menschen sein; dieses Buch zu ersetzen ist unmöglich. Es gibt zwar Pädagogen, die da sagen, die Bibelhabe sich überlebt und sei überhaupt kein Lehrbuch; wenn diese Leute mir ein Buch vorlegen, mit denr sie gleiche pädagogische Erfolge erzielt haben, wie ich, mit der Bibel, so werde ich mich mit ihnen einverstanden erklären, eher nicht." Briefkasten. X. Auch uns ist es ausgefallen, daß der Kongreß der Nervenärzte ausgerechnet am Jomkippur stattfinden mußte. Daß die jüdischen Mitglieder des Präsidiums keinen anderen Tag vcranlaßten, muß besonders wundernehmen. 8. LI. Alle bisherigen Nachrichten über die evtl. Besetzung des Oberrabbinats von England sind bedeutungslos. Spenden. Beim Jsr. Familienblatt gingen ein für den Nationalfonds: Durch Herrn Gerlich von den Herren Neumann, Rappaport, Leibler u. Kronberg T—JL Jsaksohn, aus Büchse 9,65 „ Jsr. Familienblatt, aus Büchse 3,35 „ Dr. Siegfried Schwarzschild als Mathnath-Jad io,— ,, Bei I. Wodowski, Offenbach, gingen für den Nationalsonds ein: Sammlung bei Verlobung von Fräulein Silberfaden mit Herrn Streitmann: I. Streitinann 1,— JL E. Silberfaden l,— „ Steinbock l,— „ Gebr. Schindler 2,— „ Mendelsohn l,— „ I. Zwetschkensticl, Frankfurt a. M 1,— „ Schliwatzki 1.— „ I, M) i — Beer, Frankfurt a. M. l'— " Nußbaum 0,50 „ S. Streitmann 0,50 ,, Sally Streitmann 0,50 „ Roschwerk 0,50 „ Miodowski 0,50 „ Futtermann 0,50 >, I. Knapeis 0,75 „ Klerck 0,50 „ Gelbaum 0,30 „ Baumann 0,30 „ Sammlung I. Erbesfeld 3,— „ ' „ S. Oppenheim 3,— „ 20,85 JL Vereins-Kalender. Freitag. „M ontefiore" - Berein, 9 Uhr, Seilerstr. 22: Gesellige Zusammenkunft. — Verei-n „Mekor Chajim", nach Schluß des Abendgottesdienstes im Hörsaal: Mikro-Vortrag (Emil Gottlieb); 8*/° Uhr, Langestr. 18: Gesellige Zusammenkunft. Samstag. Verein selbst, isr. Handwerker, 8i/» Uhr, Frankfurt-Loge: Stiftungsfest. Sonntag. Verein „Mekor Chajim", 6 Uhr, Langestr. 18: Vorlesung aus Seser Jirmijohu (Dr. Jos. Breuer). — Verein „Tiferes Bachnrim", 9 Uhr, Hermesweg 27: Raschi (Lehrer Salkind-London). Montag. „Montefiore"-Berein, 9 Uhr, Seilerstr. 22: Außerordentliche Mitgliederversammlung. Mittwoch. >,M 0 n t e f i 0 r e" - B e r e i n, 9 Uhr, Seilerstr. 22: Die Geistesstörung bei den Juden (Dr. med. M. Sichel). Täglich humoristische Konzerte von nachmittags 4 Uhr mm his 2 Uhr nachts. ■■ Kirohhoffer tk Zeutxschel. — Beste Be25u.gsc1u.elle für ->V2 Kolonialwaren und Delikatessen 8. Rosentlial’s Jfdifg., Gustav Sichel, Frankfurt a» M«, Zoll 13m ■ Bitte verlangen Sie Rabattmarken. Fettgänse pro Pfd. 60 Pfg. Enten 70 »ii.,.- Hi. v liefert ab hier J. Epstein, Kultusbeam]terl,,Hey^etrirg r(Ostpr;)' Schlachtstunde wird genau angegeben. Schlachtgeld and Verpackung frei! 'Referenz: Sr. Hochehrwürden Herr Rabbiner Dr. Stein, Memel. Messer & Voigtländer ©eiitralheizungen, Franken- A-lle& ^i' Telephon 3427. *T'ii Die Hetftellung von “IsIO Patinin (Pflanzenfett) und Palmona (Pflänzen-Butter-Margarine) gefcbiebt unter ftändigerRabbinatsaufficbt.• Beide Produkte find ganz* lick frei von tierifcben Fetten, können daher gemäß Hiteft für Mild)* und Fleifdtfpeifen verwendet werden. Alleinige Produzenten: H. Schlinck L Cie. A.-G., Hamburg-Mannheim. öeneral-Vertrieb für Südweftdeutfchland: David Bauer, Frankfurt a. M., Fernfprecher Nr. 1540 01000200000189000101010001020200020053140000 5029456^997931