Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 41 (20.10.1911)
- Date
- 1911-10-20
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Safed 2× ep/1046078
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M« Seite 2. ihren christlichen Tisch. Bon der Hirnextirpation bis zum antiseptischen Kaiserschnitt, vonr 6orpas juris bis zur Quadratur des Zickels ist alles rein christlich. Der Profcfsorenkörper wird nach der Konfession organisch ausgebaut; Semitismus wird als Qualifikationsinangel betrachtet. Dre alma water behandelt die 2800 jüdischen Hochschüler Budapests mehr als rabenmütterlich. Waren nicht die paar hundert jüdischen Stipendien, unsere Studenten müßten buchstäbliche auf der Gasse verenden. Dorr den wohltätigen Institutionen und Benefizien der Hochschule sind sie mit brutaler Selbstve rstän dl ichkeitaüs geschlossen. Barkoczy steht nun schon lange genug an der Spitze des Unterrichtswesens; der Boden ist zur Genüge vorbereitet für die wildeste Gistsaat, die ein literarisches Unternehmen mit der Uebersetzung der Talmudfälschungen int Geiste der berüchtigten Blödlinge und Rohlinge streuen will. Alfons Szenteny, ein katholischer Pfarrer, hat sich mit einem Trucker associert, um gemeinsam aus dem Talmud Kapital zu schlagen. Unter der Firma „Kreuz" hat die famose Kompagnie ein auf sichere Prozente arbeitendes Geschäft gegründet. „Kaufet unser Werk! Ihr werdet wonnigen Schauer durchleben, denn es gibt kein pornographisches Buch, bas mehr Obscönität als dieses enthielte" . . . Und unsere Liberalen — beten. Am Rauschhäschonoh in Budapest allein an 75 öffentlichen Plätzen. Anstatt großes Organisationen zu schaffen, die die zersplitterten Krastatomc prismatisch einsammeln, um sie in den Dienst des gefährdeten Judcirtums zu stellen, werden die vorhandenen Elemente immer mehr und mehr zerstückt und vom Judentum hinweg in das Danaidenfaß der Toleranz gestopft. Bon den 6 0000 Kronen, die an den hohen Feiertagen in den Kultustempeln der Neologie „geschnoöert" wurden, geht ein großer Teil für uns in Len Kassen der interkonfessionellen Institutionen verloren. Ja selbst, wo die jüdischen „Westendianer" Budapests glauben, als rein selbstloseste Förderer der Kunst sich unverwelkliche Lorbeerkränze zu sichern, erfahren wir die bitterste Enttäuschung. Die Budapester Königliche Oper, ein Institut, das zumeist durch den Opfermut der Mischen Großfinanz getragen wird, hat int letzten Jahre den Weg zur Judeirreinheit beschritten. Die jüdischen Hcldentenöre, Primadonnen und Ballerinen werden gekündigt. Nicht die Stiunne, die Musik und Las Kunstkönnen sind beim Engagement maßgebend, sondern die 'geregelte Konfession. Nicht nur von der „Else" auch von der „Jüdin" wurde der Taufschein verlangt. Hätte nun die Mische Leopoldstadt Buoapests, wo unsere obersten 400 wohnen, nicht mit Dem1 Boykott gedroht, der dem Krach glerchkommt, die Budapests Oper wäre cynisch genug, judenrein zu sein. Zioni. Brief aus Palästina. Die Regierung und die Juden. — Das Aufblühen des Landes. Das Verhältnis der Mohammedaner zu uns Juden ist zu allen Zetten und überall ein anderes gewesen wie das der Christen. Das, was man in den Ländern der Christenheit Antisemttismus nennt, hat es in den Ländern der Mohammedaner nie gegeben. Einige Ereignisse aus den letzten Tagen illustrieren deutlich diesen Unterschieo, ja sie können den assimilationslüsterncn Juden der „zivilisierten" Länder als Lehre dienen, wie wenig chr verächtliches Achselzucken für das. „Land der jüdischen Zukunft" berechtigt ist. ' Man erinnert sich der großen Katastrophe, die das Einstürzen eines Daches gelegentlich der Lagbeomcr-Feier am Grabe Simon ben Jochais. zur Folge hatte, und wie rührend hilfteich der Kaimakam von Safed sich der von dem. Unglück Betroffenen annahm. Dieser Tage hat imn die Frankfurter Israelitisches Familienblatk. Regierung in Konstantinopel jeder der 19 Witwen und Waisen 250 Piaster zugehen lassen, eine durchaus freiwillige Leistung und daher ein Zeugnis für die Stellung der mohammedanischen Regierung gegenüber jüdischen Untertanen. Noch treffender aber charakterisieren das Verhalten unserer Regierung deren Maßnahmen auf die Beschwerden des Chachambaschi wegen räuberischer Uebergriffe der Araber, die sich gerade in den letzten Monaten häufiger zeigten. Sie genehmigte ohne weiteres das Ersuchen, an verschiedenen Punkten Palästinas Militärposten anzulegen, lehnte es aber dankend ab, daß die jüdischen Kolonien und' Gemeinden die nötigen Bauten auf ihre Kosten Herstellen, denn es sei Pflicht des Staates, für die Sicherheit seiner Bürger zu sorgen. Erfreulich sind auch die inneren Fortschritte unseres Landes. Nach jahrzehntelangen mühsaincn Anfängen hat jetzt die Periode der iwrmalen, fortgesetzt. wachsenden Eittwicklung eingesetzt. Soeben ist in Hebron eine städtische Wasserleitung fcrtiggestellt worden, da kommt bereits die Nachricht, daß auch Safed beschlossen hat, eine Wasserleitung zu bauen. Was gerade in Palästina Wasserleftungen bedeuten, darüber bedarf cs keiner erläuternden Worte. In der Kolonie Jem nt a ist der Neubau einer Schule beendet. Die Kolonien M e s h a und Milhamid errichten gegenwärtig gleichfalls Schulgebäude. Bon dem Aufblühen des Landes legt auch der soeben erschienene Jahresbericht der Jerusalemer Kunstgewerbeschule Bezalel Zeugnis ab. Ist doch — um nur eines herauszugreifcn — die Zahl der an der Schule beschäftigten Arbeiter ' und Arbeiterinnen von 270 auf über 400 gestiegen! Daß das gcistige Leben dort, wo Juden sind', frisch pulsiert, wenn cs nicht durch die Ungunst äußerer Verhältnisse gewaltsam unterbunden wird, ist selbstverständlich. Das ausgebrettetc jüdische Schulwesen Palästinas ist in Europa zur Genüge bekannt. Weniger bekannt dürste jäoch das Bestehen mehrerer politischer hebräischer Wochenblätter und Monatsschriften sein. Unter dieser Rubrik sei auch erwähnt, daß soeben in dem Jaffaer Berlage „La-Am" eine hebräische Uebersetzung des Werkes „Betträge zur Kenntnis der Landesnatur und . Landwirtschaft Syriens" aus der Feder des hervorragenden deutschen Gelehrten Hubert Auhagen erschienen ist. Aus -e» Ereignissen -es Tages. 1. Ein neuer Gewaltstreich des Pariser Zentralkomitees der Alliance JsraelUe. Die Sommerzeit, die Periode der Ruhe und des Stillstandes im öffentlichen Leben, ist vorbei, und Man tritt wieder in die Zett der aktiven Vereins- und öffentlichen Tättgkeit. Und damit ist auch der Waffenstillstand, der iM Sommer nach den Wahlen in der Alliance zwischen den beiden streitenden Parteien geschlossen worden ist, abgelaufen; denn der scheinbare Friede war nur ein Waffenstillstand; und wenn die Herren des Pariser Zentralkomitees geglaubt haben, mü Beendigung der Wahlen sei alles wieder wie gewesen, so werden sie jetzt erkennen, daß sie sich bitter getäuscht haben. Denn einmal kann sich die jüdische Oeffentlichkcit durchaus nicht Mit dem Resultat des Wahllampfes zufrieden geben, denn noch hat das Zentralkomitee keine befriedigende Erklärung über die unlauteren Manipulationen, die es ° bei den Wahlen angewandt hat, gegeben. Ferner aber kann, selbst tvcnn die Wahlen richtig verlaufen sein sollten, der Kampf nicht eher eingestellt werden, solange man nicht in Paris den ehrlichen Willen bekundet habenwird, für die Zukunftneue Bahnen einzuschlagen und jüdisch zu wirken. Denn der Kampf dichte sich wirklich nicht um die Person Salomon Reinachs, sondern um das ganze faule System, das in Paris Platz gegriffen hat. Rr. 41 Und in der Tat neigten wir in letzter Zeit schon dem Glauben und der Hoffnung zu, daß das Pariser Zenttalkomitee ein wenig nachgeben und jüdischer werden wird. Wir glaubten, daß die lebhafte Entrüstung, .der die Tättgkeit des Zentralkomitees in dm wettesten Kreisen der jüdischen Oeffentlichkeit begegnet ist, auf dasselbe doch einigen Eindruck gemacht haben wird. Doch wir müssen gestehen: wir haben uns geirrt. Wir haben den hartgesottenen Assimilantensinn und die rücksichtslose Mißachtung des Mischen Bolkswillens, die die Herren des Zentralkomitees beherrscht, unterschätzt. Nicht nur, daß dieses den Willen bekundet, einzulenkcn und nachzugeben, ist es in seinen Plänen noch unverftorcner geworden und beabsichtigt jetzt, zu einem neuen Gewaltstreich zu greifen, der all die bisherigen Mißbräuche und Fehler, die es sich hat zuschulden kommen lassen, an Rücksichtslosigkeit und Willkür weit übertteffen wird. Wie wir hören, beabsichttgt das Zenttalkomitee, den Beschluß zu fassen, daß für die Zukunft überhaupt keine Wahlen Mehr stattfinden sollen, sondern die neuen Mitglieder einfach von ihm selbst kooptiert werden sollen. Wir müssen gestehen, wir waren eure Weile starr, als wir dies vemahmen; eine solche Uüverftorenheit — der Ausdruck ist der denkbar' schwächste für diese Absicht — hätten tvir doch noch nicht erwartet. Damit also würden einfach die Mitglieder der Alliance all ihrer Rechte beraubt werden, und das Wohl und Wehe der Alliance wäre ausschließlich Reinach und Bigart anverttaut. Denn daß diese in Wirklichkeit die Kooptation besorgen werden, ist wohl llar. Wir wissen allerdings nicht, auf welche Weise die Pariser Herren ihre Absicht durchsetzen wollen. Zu einer solchen Statutenäiwerung ist doch ein Beschluß der Mitglieder notwendig. Oder wollen sich die Auwkraten des Zentralkomitees auch darüber hinwegsetzen und einfach diese Aenderung dekretieren? Wenn sie einen solchen Gewaltstreich überhaupt beabsichttgen, ist ihnen ja auch eine solche Ausführung zuzutrauen. Wir sind überzeugt, daß die Leiter der Deutschen Konferenzgemeinschaft, Justizrat Fuchs und Geheimrat Landau, sich diesem Gewaltstreich ' widersetzen iverden. Aber wird dies nützen? Wird Man sich über ihren Widerstand nicht ebenso rücksichtslos hinwcgsetzen wie über den Wlllcn und das Recht der Majorität der Mitglieder? Man braucht jetzt gar nicht Mal so' großer Peffimist zu sein, um zu glauben, daß die Pariser Herren ihren Willen auch durchsetzen werden. Dies aber — darüber soll sich niemand tauschen — wäre gleichbedeutend mit einer Zertrümmerung der Alliance. Sollte Len Mitgliedern das Recht der Wahl genommen werden und' damit alles den wenigen Autokraten der Pariser Zentrale überliefert werden, so hörte damit die Alliance äs kuotio zu existieren auf; dann gehört die Alliance Jfraslite Universelle als die große demokratische, jüdische Organisation nur noch der Geschichte an, und die noch fortbestehende Alliance wird dann nichts anderes mehr als eine Bereinigung voll Salomon Reinach, Jacques Bigart und einigen wenigen würdigen Genossen sein. Dies mögen sich die Herren in Paris' llar Machen. Doch wir glauben, nicht zu irren, wenn wir die Annahme aussprechcn, daß sie sich dessen wühl bewußt sind und trotzdeM oder sogar Deswegen ihren Gewaltstreich ausführen wollen. Wir haben immer die leise Vermutung gehabt, und' sie ist jetzt uns schier zur Gewißheit geworden, daß. den Pariser Herren, d. h. Salowon Reinach und Jacques Bigart, gar nichts an den deutschen Mitgliedern liegt, Laß es ihnen vielleicht sogar nicht unlieb wäre, diese Störenfriede draußen zu haben, uM so in ihrem Tun nicht gestört und gehindert zu werden. In diesem Falle wäre die Vernichtung der Alliance als der großen jüd. Bo lksorganisa-