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Neue jüdische Presse · 1911-05-26 · Heft 21 (26.5.1911) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 21 (26.5.1911)
Date
1911-05-26
Page
Seite 10 (sequence 6)
Language
German
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Seite 10. \ TkmUtzWWM Nr. 21. Schlaft das Gewissen der Westjude«? von^P.- Frankfurt a. M. In einer der jüngsten Sitzungen der russischen Rcichsdnma rühmten die Purischkewitsch und Genossen folgende Anfrage an Len Justizminister: 1. Ist es dem Herrn JNstizminister bekannt, Laß sich unter den Inden Rußlands eine verbrecherische Sekte befindet, die christliches Blut für einige Zeremonien Lebraucht und deren- Mitglieder im März 1311 den Knaben Jnschtschinsky in Kiew ermordeten? 2. Welche Maßnahincn gedenkt der Herr Jnstizministcr vorzunchmen, um diese Sekte zu vernichten und insbesondere jene Mitglieder, die den Knaben Jnschtschinsky zu Tode marterten? Darauf hielt Purischkewitsch eine Rede, in welcher er anschaulich de» russisch-nationalen Wert der Pogrome schilderte, dann sein würdiger Genosse Mar ko v II., der einen solch nützlichen Pogronr in baldige Aussicht stellte Was hals Nisselowitschs und Friedmanns scharfes Auftreten, Roditschews, des Kadettenführers, Rede oder des Sozialisten Gcnctschkvri, der die Purischkewitsch und Genossen eine Bmide von Mnbern und Mördern' nannte? Ja selbst des Oktobristen Schnbinski Worte werden »»gehört verhallen. Das Volk soll Blut riechen. Es fragt nicht, obs ein Unsinn ist, daß, das heilige Priestervolk sich, als Ersatz für den versagten Genuß, von Schweinefleisch ausgerechnet an den Schützlingen der Markow und Purischkewitsch gütlich tun werde. Die schwarze Presse tut ihr Möglichstes, um täglich eine neue Wunde am Körper der armen Knaben zu entdecken. Sogar A. Stvlypin der Bruder des Premiers, tritt in der „Nowoje Wremja" für diesen alten Schwindel ein. So weit ists gekommen, daß im 20. Jahrhundert das idiotische Blutmordmärchen auf der Parlamentstribüne eines Staates in Europa erscheinen kann! Was sagt das „europäische" Gewissen Unserer Westjuden dazu, Pardon! was tun die Vertreter der jüdischen „Glaubcnsgeincinschastl' dagegen? Keiner Sekte, nicht den Kannibalen, wagt man so ins Gesicht zu schlagen wie unserem bedrängten Judentum, das der Welt die Bibel, die ethische Kultur. gebracht hat. Aber da streiten sich die verschiedcucu Parteien herum, ob das Judentum eine Nation oder eine Glaubensgemeinschaft ist und .gründen aus leichte Weise „Gegenaktionen" gegen die Bewegung, die sich die Lösung der JNdcnfrage in großem Stile zur Aufgabe machte. - Wo sind jetzt die Männer,' die nur ihre, soziale Stellung zu Führern in Israel gemacht hat, wo unsere Rabbiner, um endlich einmal die Judenfragc aus eigener Kraft einer Lösung entgegenzuführen? Sic halten noch am Streite über die „Glaubensgemeinschaft." Inzwischen trifft Schlag auf Schlag unseren gebeugten Rücken und wir. beginnen langsam zu verbluten. Sollen denn die Pogrome ewig dauern? - Diejenigen aber, die keinen Ersatz zu schaffen vermögen für die Bewegung, die sie mit allen Mitteln bekämpfen, sollen sich nicht wundern, wenn eine stolze, jüdische Jugend, des ewigen Judenleids müde, sich der zionistischen Organisation weiht, die einzig in selbstbewußter Weise das Problein der Judennot zu lösen versucht. Aus de« Vereiueu. Frankfurt a. M. Die Turnabteilung, die von der zionistischen Jugendgrnppe eingerichtet wurde, turnt wie folgt: Herren- Riege: Sonntag-Vormittag 8—9 Uhr, Da in c n r i eg c: Sonntag-Vormittag 9—10 Uhr in der Turnhalle des Frankfurter Turn- und Fechtklubs, Weberstr. 38. Die Veranstaltungen beginne»: Sonntag, den 28. Mai c., Vormittags 8 Uhr, in der Turnhalle mit einer für beide Riegen gemeinsainen Vorbesprechung, in welcher unter Leitung der beiden Turnwarte R. Braun und W. Schuchardt über die geplanten Veranstaltungen turnerischer und sportlicher Art (Turnfahrten, Spiele, Schwimmen usw.) das Nähere festgesetzt werden soll. Hierzu sind alle Mitglieder, sowie alle Freunde des Turnens unter den Inden eingeladen. Die Turnabteilnng erstrebt lediglich, die Ausbreitung des Turnens unter den Juden zu fördern, ohne irgend welche religiöse und politische Sonderbestrebungen. Es haben sich' bisher fast 100 Mitglieder angemeldet. Frankfurt a. M. Als Ersatz iür die winterlichen Freitag-Abcnd-Znsammenkünfte vereinigt der „M o n t e f i o r e"-B c r c i n seine Mitglieder während der Sommermonate Samstag-Nachmittag 6 Uhr im Vercinslokale bezw. Vercinsgarten zu einem geselligen Beisammensein. Ein kurzer Vortrag über den Wochenabschnitt, Diskussionen über aktuelle jüdische Fragen bilden — bei Erfrischungen — das Programm. Nächsten Samstag tvird über „Organisation und Wirken der großen jüdischen Hilfsorganisationen" debattiert werden. Frankfurt a. M. . Der Centralverein i s r a c l i t. Gemeinde Mitglieder beruft für nächsten Dienstag, abends S3/t Uhr, im Parterrejaale des Kausmännischcn Äcrcinshauses, eine Versammlung ein. Dr. I. He ine mann wird über das sehr aktuelle Thema „Die V e r s ch l c ch t e r u n g des Wahlrechts in d er v o »t Deutsch- Israelit. - Geincindcbunde geplante n Statutenänderung" sprechen. Hamburg. Der Verein „Bikur Chaulim U m ischmanre s" feierte sein 200 jähriges I n b i l ä n in. Aus der Lehrerwett. Frankfurt ä. M. Am verflossenen Montag haben zwei Schülerinnen des mit der Jsr. Rcligionsschule verbundenen Lehrerinnenkurses nach dreijährigem Besuche des Unterrichtes das Examen als Religionslehrcrinnen mit. sehr gutem Erfolge bestanden. Es sind dies Fbl. Berta Adler und Frl. S e l m a Schieratzk y. Hamburg. Die Oberrabbiner Hirsch- Gedächtnisstist un g, die ihren Zweck, die wertvolle Bibliothek des Verstorbenen zu erhalten — sie ist im Sitzungssaal des Synagogcnverbandes ausgestellt worden —, erfüllt hat, veranstaltet am 28. Jjar (25. Mai) eine Gedächtiiisfeier. Heidelberg. Dr. I o n a s Simon erläßt auf Anfrage aus Lehrerkrcisen folgende Erklärung: „Die vor kurzem in Karlsruhe tagende 6. Badische L a n d e s s y n o d e hat außer dem im Voranschlag vorgesehenen 33 000 Jk für Lehrer und Kleingemeinden tveitere 12 000 Jk für denselben Zweck beantragt und durch gesetzt. Die Einstellung dieser 12 000 Jk wurde durch einen viel weiter gehenden Antrag veranlaßt, den ich mit zwei anderen Abgeordneten schon vor der Synode eingebracht hatte, und -der für die Lehrer allein 12 000 Jk verlangte. BSSBaBBaaBa^ BATIST-BLUSEN m. hübschen Valencienneu. Stickereieinsätzen. halsfreie u. gesclil. 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