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Neue jüdische Presse · 1911-05-19 · Heft 20 (19.5.1911) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 20 (19.5.1911)
Date
1911-05-19
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Sk. 20 Der im Jahre 1902 ins Leben gerufene „Jüdische Nationalfonds" hat die Aufgabe, für die heimatlosen Juden Grund und Boden in Palästina anzukaufen und ihnen durch Beschäftigung in der Landwirtschaft dauernde Erwerbsmöglichkeiteu zu schaffen. Diese Bestrebungen muß jeder bewußte Jude billigen und unterstützen, weil auf diese Weise aus elenden Menschen kraftvolle freie Bauern werden. Für seinen Zweck hat der Fonts bisher drei Millionen Francs aufgebracht, obwohl er ausschließlich auf freiwillige Mitarbeiter in allen Ländern angewiesen ist. Von diesem Kapital hat er schon einen beträchtlichen Teil zum Erwerb von Land in Palästiim aufgewandt; er besitzt mehrere Ländereien, die mit Oliven- und Orangengärten bepflanzt sind, er hat ferner dem Mustergut Kinereth und der neu errichteten Sicdlungsgenossenschaft in Mcrchawja (Galiläa) den Boden zur Verfügung gestellt. Ferner hat der Jüdische Nationalfonds mehreren jüdischen Ballgesellschaften Kredite zur Errichtung moderner jüdischer Stadtviertel gewährt und namhafte Summen für die Errichtung von Arbeiterhäuscrn in den jüdischen Kolonien aufgewandt. An Len meisten jüdischen gemeinnützigen Unternehmungen in Palästina ist der Jüdische Nationalfonds mit größeren Unterstützungen beteiligt. Zur Erleichterung der Sammlungen benutzt die Nationalfonds-Berwaltung mehrere sehr populäre Sammelmittel, deren Sonderzwccke und Handhabung in dem .Flugblatt ausführlich beschrieben sind. Das Flugblatt ist mit einem künstlerisch ausgeführten Rahmen versehen und in jeder Beziehung. schön und gefällig ausgestattet. Ans der zionistische« Bewegung. Frankfurt a. M. Der Share-Club bittet uns um Aufnahme folgender Mitteilung: An unsere Gesinnungsgenossen und Freunde! Nachdem durch die nunmehr erfolgte Konstituierung der Siedelungs-Genossenschaft die Sammlungen für diesen Fond mehr und mehr in den HiMergrund treten, halten wir cs für. unsere Pflicht, die Aufmerksamkeit der Freunde unserxr Sache wieder auf die Tätigkeit der Palestine Land Development Compauh (P. L. D. C.) zu lenken. Die ,P. L. D. C. befaßt sich mit dem Erwerb, der Verbesserung und Parzellierung des Bodens in Erez Israel; d. H. sic sorgt dafür, daß der nach dem Lande der Väter zurückkehrende Jude dort statt steinigem Brachland fruchtbares Ackerland, ja vollständig eingerichtete Landgüter vorfindet. Was diese Tätigkeit für die Verwirklichung unserer Ziele bedeutet, kann man ermessen, wenn man die große Zahl derer erfährt, die, abgeschreckt durch die für den Einzelnen oft unüberwindlichen ' Schwierigkeiten, das Land unverrichteter Sache wieder verlassen. Da in den ersten Jahren auf große Dividenden nicht zu hisse» ist liegt es in erster Linie an uns organisierten Zionisten, dafür zu sorgen, daß diese Gesellschaft mit den notwendigen Mitteln ansgestaüct wird. Das Kapital der P. L. D. C. beträgt Lstr. 50000 gleich 1020000 JL, eingeteilt in Grundaktien ä 50 Lstr. gleich 1020 JL und Stammaktien ä 1.— Lstr. gleich 20.50 JL Zur Zeit sind ungefähr 30»/o des Aktienkapitals cinbezahtt. Der unter der Kontrvlle des Vorstandes der hiesigen Zionistischen Ortsgruppe stehende Share- Club vermittelt' den Kauf von Mtien der P. L. D. C. zu Original-Bedingungen. Um es jedem zu ermöglichen, sich in den Besitzvon einer Aktie zu setzen, nimmt der Share-Club auch regelmäßige Teilzahlungen an, von wöchentlich mindestens 0,50 JL Die Kassastunden finden jeden Dienstag Abend von S'/s bis 11 Uhr im Cafe Bauer, Zionistischer Stammtisch, statt. Ebenso ist der Kassier der hiesigen Zionistischen Ortsgruppe, Herr Josef L. Oppenheimer, Hanauer Landstraße Nr. 2, Postscheck-Konto 3029 bereit, Zahlungen für uns entgegen zu nehmen. - Der Share-Club. Berlin. Die Zion. Ortsgruppe hat ihren ersten Schekelabend veranstaltet, und zwar mit glanzendem Erfolge. Es sprachen Lazarus Barth Dr. Grone mann und Rechtsanw. Dr. Klee. Offenvach. Samstag, den 20.Mai, abends 9Vi Uhr, wird auf Veranlassung der hiesigen zion. Ortsgruppe in der Turnhalle Goethestraße eine Ü&tfMg W»MtWs öffentliche Versammlung stattfinden. Tagesordnung: Wesen und Ziele des Zionismus. Referent: Dr. med. I. Moses-Mannheim. Köln. Der Naiionalsonds erhielt ca. 10 000 Ma rk als Universalerbe der Frau Ziwa Modouo sow a-Petersbur g. Elberfeld. Lange Jahre hindurch har man den Weste» Deutschlands für einen steinigen Boden ansehen müssen, der der Pflanze Zionisnius keine Lcbensästc zuzuführen vermochte. Alle von zionistischer Seite mit noch so viel Fleiß und Liebe unternommenen Kulturvcrsuche mußten nach mehr oder weniger langer Zeit als nur wenig aussichtsreich ivieder aufgegedcn werden. Aber jetzt endlich scheint unser Bezirk aus seinem Dornröschenschlaf zu erwache» und rege Zionsarbcit au allen Orten zu erblühe», so daß; wenn nicht alles täuscht, man die Hoffniiiig habe» darf: Die alte Scharte wird ausgewetzt werde»; die Söhne der jüdischen Rcuaissaucczcit ivcrdc» gut mache», w a s d i e B ä t e r aus derEmaiizipativnscp oche — vielleicht menschlich begreiflich — gefehlt" haben. Ucbcrall regt sichs im Rheinlande: Hier bildet sich eine kleine Gruppe von Schckelzahlcr», dort reckt sogar kühn eine Ortsgruppe ihr junges Haupt empor, und dort kommt in die Glieder einer Gruppe alter Streiter neues Leben hinein, neue Streitkräfte gesellen sich zu den alten, und alle, alle stellen sich mit frohem Akut hinein in den Kumpf gegen unbegründete Vorurteile, gegen sttipende Unkenntnis und charakterloses AssimUantentum. Wie sehr dieses Stimmungsbild den tatsächlichen Verhältnissen entspricht, dafür war auch ein deutlicher Beweis, wenn es eines solchen von mißcnher überhaupt noch bednrst hätte, die Tatsache, daß die hiesige Ortsgruppe der Bereinigung für das liberale Judentum ihren lautesten Rufer im Streit entbot, um die Gefahr, die der Zionismus nach Ansicht dieser Leute für das Judentum darstellt, lebhaft zu schildern und bei dieser Gelegenheit dem Zionismus, ivenn's ging, den Garaus zu. machen. Mit großen Erwartungen sahen Freund und Feind dem Bortrage Rabbiners Dr. Caesar Seligmann-Frankfnrt a. M. über das Thema „Ter religiöse Liberalismus und seine Gegner" entgegen. Seligmann war in der wenig behaglichen Situation, eine innerlich so schlecht fundierte Sache, wie sic der religiöse Liberalismus darstellt, begründen zu müssen und er tat es so schlecht und so recht, wie es in der Natur der Sache liegt. Wer' mich die Bekämpfung des Zionismus war von Grund aus verfehlt. Das Hauptargnment mußte nämlich der olle ehrliche Nationaljudc protestantischer Konfession, diese Spottgcbnrt eines liberalen Theologengchirncs, abgebcn. Es ist doch in der Tat ein bezeichnendes Merkmal einer geradezit erstaunlichen Schwäche unserer Gegner, wenn man sieht,'ein wie jämmerlich kleines Millelchen ihnen dazu hcrhaltcn muß, wenn sie de» Zionismus bekämpfen wollen. Andererseits ist es wiederimi menschliche sehr gut zu verstehen, daß die Goldmann, Seligmann usiiz., wenn ihnen große Mittel fehlen, zu den kleinen greifen. Und diese Herren, die es s o n st m i t d e in persönlichen Gottcsglaube n. gar nicht so besonders stark halten, legen plötzlich — in antizionistischen Versammlungen wohlgemerkt —; dem persönlichen Gotte Aussprüche in den Attmd, die die antizionistische Auffassung des Weltcnschöpfers dartun sollen. Es ist wahrlich schwer, keine Sathre zu jchreiben.- Uebcrhaupt, mit dem persönlichen Gottcsglauben. Als nämlich ein Zionist Herrn Dr. Seligmann fragte, ob sich der- Hauptidcengehalt des religiösen Liberalismus nicht, vielmehr mit der Umwertung des Gottcsbegriffes befasse, als mit den stets in den Vordergrund geschobenen Formalien -des Gottesdienstes, ob nicht vielmehr von den liberale» .Rabbinern an die Stelle des biblischem, persönlichen Gottcsbegriffes ein umschreibender, unklarer Pantheismus gesetzt iverde, da tat Herr-Dr. Seligmann das klügste, das er angesichts dieser heiklen Frage tim konnte, er schwieg sich in eingeheustcr Weise a u s. - Dx. Seligmanns Vortrag ivar eine unfreiwillige zionisttsche Propaganda, denn cs trat am gleichen Wend der zion. Ortsgruppe eine Anzahl »euer Mitglieder bei, Wien. Soeben hat das Palästina-Informationsbüro (IX, Türkenstt. 9) zwn Preise von 1 Kr. einen „Kle incn Reiseführer durch Palästina" erscheinen lassen. Inhalt: 1. Allgemeine Informationen (Reiseverhältuisse, Hotels usw.), 2. Touren ln Palästina. (Jaffa, judäische Kolonien, Südpalästina, Jerusalem, Samaria, Haifa, Galiläa.) Kartenskizze der' jüdischen Kolonien.' Persovalien u. Klewe Mitteilunge«. Berlin. Die von dem Präsidium der Deutschen Konf'erenzgemeinschast der Alliance Israelit« ausgestellte Kandidatcnlistc enthält die folgendeu Name» von 19 Mttgliedcrn außerhalb von Paris: B. E. Usch er-Amsterdam (Wiederwahl), Rechtsanwalt Dr. Wolf Apfe l - Köln a. Rh., Armand Bern he im-Mülhausen i. Elf., Professor Dr. Hermann Cohen-Marburg, Rabbiner Dr. Fe ilchen seid-Posen (Wiederwahl), Justizrat Max Fuchs, Notar in Berlin (Wiederwahl), Hermann G n m p e r tz - Hamburg (Wiederwahl), Stadtrat Leop. Guttmanii- Bcuthen (Wiederwahl),- Ritter D. von Gnttm an n-Wien (Wiederwahl), B. H. H ar tagen - s i s - Baltimore (Wiederwahl), Geh. Medizinalrat Dr. Leop. Landau-Berlin (Wiederwahl), Jsaae L c v y - Bordeaux (Wiederivahl), D. E. L i o n i - Amsterdam (Wiederwahl), Kommandant L i P P - m a ii n - Versailles, Rabbiner Dr. Nobel- Frankfurt a. M., Heinrich O s ch i n s k y - Breslau, Rabbiner Dr. Ro senthal-Breslau (Wiederwahl), Herrn. Löb Stern- Mannheim, Herrn. W i t t u e r - Leipzig. Berlin. Aus dem Judentum traten hier im April n. a. aus: Rechtsanwalt Dr. Siegfr. Rvsenfcl d, Rechtsanw. Dr. Rich ard Markwald, Kunstmaler Hans Michael so n und Kunstverlcgcr Georg Eugen Caspari. Berlin. Den Roten Adlerorden 4. Klasse erhielten Justizrat Rudolf Schindler-Franksiirt a. O., Baurat Karl Aronsohn-Beuthen und Prediger Tr. Isaak Mansbach-Minister. Breslau. Adolf Josefstal, Schriftführer des Vereins „Austria," erhielt das Ritterkreuz des sächsischen AlbrcchtsordeuS. Der Dekorierte ist ein Sohn des Talmudgelchrtcii P. Josefsthal - Wien. '— , Der .jüngst verstorbene Smiitätsrat Dr. M a n uh e i m e r - Beuthcn hat der Stadt Benthe n, deren Ehrenbürger er war, 10000 JL vermacht. Nach den Bestinimuilgcn des Testators sollen 1500 JL der städtischen Obcrrealschulc zufallen und die Zinsen der übrigen 8500 JL zu gleichen Teilen der Suppciianstalt und dem israelitischen Altersheim. — In Kem pe n verschied der Stadtälteste I! s a a c Bloch, Ehrenbürger der Stadt, int Alter von 81 Jahren. (L.) Posen. Wl oxHj Kantorowicz in Tions wurde anläßlich. seines 70. Geburtstages zum Stadtältesten ernannt. Bern ha r d Schwerseuz in Hohensalza erhielt den Titel Kommissionsrat. Wien. Die Zahl der Juden Wiens ist in der Zeit vont 31. Dezember 1900 bis 31. Dezember 1910 von 146 926 auf 175 318 gestiegen. } In Czcrnowitz verschied Major a. D. Wolf Bar dach Edler von Chlumberg, Besitzer der große» goldene» Tapferkeitsmedaillc, des Osfiziersdienstzeichcns _ 1. Klasse und des preußischen Kronenordens 3. Klasse. Budapest. Die 19jährige Kamilla Rudo erhielt den großen Preis der medizinischen Fakultät. Tie Mitteilung dieser Auszeichnung erreichte sie einen Tag nach ihrem Selbstmorde. Zioni. Czcrnowitz. In dem neuen Landtag der Bukowina werden folgende Inden sitzen: Großgrundbesitzer Fan kn Fischer, Großgrundbesitzer Josef Blnm, Staatseisenbahnrat Jakob Hecht, Kommerzienrat S a l o mv n R nd ich> Dr. Benno Strauchcr, Jnspekt. Dr. Neumann Wender. Advokat Dr. M a x F o k s ch a n e r, Vizebürgermeister Tr. Weißclberger, Universitätsprofessor Dr., Leon Kellner und Bürgermeister Dr. Katz, letztere sechs jüdischnationalcr Gesinnung. Kabold (Ungarn). Der seltene Fall, daß ein Ehepaar nach sechzigjähriger Ehe fast zur gleichen Zeit sttrbt, ereignete sich, hier bei dem Ehepaare Samuel Schwartz. Basel. In den Großen Rat wurde von Juden nur Dr. Fr ie d mann-Naher (Sozialdemokrat) gewählt. Konstantinopel. Dr. Elias bei) Modiano, Direktor des Uldiz -Hospitals, wurde znin Sanitäts-Inspektor des 3. Armeekorps ernannt. — I. Assael, Dragomaii des deutschen Konsulats in Saloniki, erhielt den preußischen Kro ii en o rbeit. Benjamin Hirsch. Geniale Fähigkeiten und glänzende Chäraktereigenschasten, entwickelt und geläutert aus dein Borne reinen Judentums, gaben Kommerzieiirat Benjamin Hirsch, der vorigen' Donnerstag auf einer Geschäftsreise in Karlsruhe im Hause seiner Schwester plötzlich, verschied, das Gepräge seiner Persönlichkeit. Auf der Jeschiwah in Menstadt hatte er sich zu Füßen seines Onkels Rabbiners Dr. .Esriel Hildesheimer s. A. eine klassische Auffassung vom Judentum erworben und durch eigene .Studien bis zuletzt lernte er täglich vor dem Morgengottesdienst einen Schiur —> sein jüdisches Wisse» ständig vertieft. So hatte er denn, der Wissende, eine selbständige jüdische Auffassung,' die ihn —

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