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Neue jüdische Presse · 1911-05-19 · Heft 20 (19.5.1911) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 20 (19.5.1911)
Date
1911-05-19
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Ar. 2V Uranksurier UraMischeS UainilienLtaü. Seite 11. Lei aller jüdischen Pflichtstrenge —: über die I Parteiungen erhob iinb ihn in keinem Moment die Bedeutung der Einheit und des Friedens j für das Wohl der Gesamtjndenheit vergessen' ließ; dies ermöglichte ' cs, dass er u. a. gleichzeitig 2. Präsident der Deutsch-Israelit. Gemcindebuttdes und 2. Präsident der Freien Bereinigung des orthod. Judentums ivar, letzteres, weil er glaubte, daß die Freie Bereinigung von selbst über sich hinaus- und in gesamtjndische Tendenzen hincinwachsen werde. Und er, der für die größte Sache zu haben war, behandelte die kleinste mit derselben Liebe nnt> Aufmerksamkeit, gleich so, wie er der kleinsten Mizwvh dieselbe Sorgfalt wie der größten widmete. Wer ihn in der Synagoge beten sah, dem war es sofort klar, daß hier ein Manu stand, der mit jeder Faser seiner Persönlichkeit mit dem Judentum verivachsc» ivar. Es wirkte gradezu Andacht und Stimmung gebend ans jeden, der ihn beten sah. Aber auch in seinem Berufe und in seinem allgemeinen Wissen war er eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Als Scniorchef der Weltfirma Aron Hirsch u. Sohn zeigte er einen genialen kaufmännischen Blick, der jede Konstellation im Augenblick intinitiv erfaßte. Und sein allgemeines Wissen ivar so hervorragend, daß er in einer .Reihe von Fragen bei der Handelskammer und bei dem Eiscnbahnministerinm als Kapazität um Rat gefragt wurde. Besonders war es das Gebiet der Nationalökonomie, das er als Fachmann durch und durch beherrschte. Nehmeir wir noch seine große Herzensgüte, die sich hinter einer gewissen Zurückhaltung verbarg, so haben wir ganz die Person des. Dahingeschiedcncn..und verstehen, welch' einen Mann die deutsche Judenhcit verloren hat. Die letzte Ehrung, die die deutsche Judenheit Benjamin Hirsch erwies, war ein glänzende Manefestation. ' An allen 'Hauptstationen, die der Zug mit des Dahingegangenen sterblichen Neberresten durchlief, hatten sich angesehene jüdische Persönlichkeiten : eingefNnden (in Frankfurt a. Mt. z.. B. waren' es etwa 40 Herren), und in Halberstadt erwarteten den Zng Hunderte. In Karlsruhe hatte bereits Rabb. Dr. Schiffer gesprochen, in Halbe r st a d t sprachen int Hanse der Sohn Dr. ,A b r a h a m H i r s ch, dessen Worte in der Mahnung an die Enkel gipfelten, im jüdischen .Geiste des Großvaters zu leben, und Gottfried Gold.schmidt für die Angestellten des Hauses. In der Synagoge hatten sich u. a. die Staats- und städtischen Behörden und von auswärts die Vertreter der zahlreichen jüdischen Organisationen, in denen der Verstorbene leitend ivirkte, und viele Rabbiner eingefnnden. Hier sprach der Halbcrstadter Rabbiner Dr. Auerbach. Sodann fand die Beisetzung ans dem alten Friedhof statt, wo Rabbiner Nobel namens der Klansstiftung, der er fn der Erkenntnis, daß die Zukunft der Halberstädter Gemeinde von dem. Thorastndinm abhänge, ein besonders warmherziger Förderer war, und. namens des Lcmann.Zkon sprach. Weitere Reden wurde dem Wunsche des Entschlafenen gemäß auf dem Fried- Hofe nicht gehalten. Am nächsten Morgen hielt noch Rabbiner Dr. Nobel, der Vertreter ( der Frankfurter Gemeinde, im Tranerhduse.^. einen ' Hesped. in das von hem Verein im vorigen Jahre errichtete Heim zu berücksichtigen. Mitglicdsbeiträge ilud -Zeichnungen für den BanfondS nimmt A. Bär- Ahrweiler entgegen. Ans der Lehrerwett. Berlin. Rabb- Dr. Grünthal -Pinne hat die Leitung des Jaffa'schcn Waisen-Erziehungsheims übernommen. Budapest. Der Landesverband der isracl. G c m c i n d e b c a in t e n, der nach 24 Jahren endlich die behördliche Anerkennung erreicht hat, wird am 14. Jnni seine konstituierende Versammlung abhalten. Zioni. Szeged {Ungarn). Anläßlich des hundertsten Geburtstages (22. Mai) des berühmten Szcgcder Oberrabbiners Leopold Löw s.. A. beschloß die Stadtrchiräsentanz, eilte Straße Leopold Lölv- Straße zu benennen. Am 4. Juni findet eine Gedenkfeier statt, bei der tlnivcrsitätsprof. Dr. M o r i z K a r m ä n. Bürgermeister Dr. Georg L ü z ä r und Obcrrabbiner Dr.' Immanuel Löw, ei» >^vhn des Verstorbenen, Festreden halten werden. Lundenburg (üllähren). Rabb. Dr. Heinr. S ch w e n g e r - Nenhaus wurde znm Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt. Aus de« Vereinen. Frankfurt a. M. Der Verein Israelit. Kinderheilstätte in Bad Nauheim verpflegte im vergangene» Jahre 269 Kinder. Er vereinnahmte an Jahresbeiträgen, Geschenken (darunter 10 000 Jk' von Baronin Rothschild), Zinsen, Berpflegungskosten - Beiträgen 24 800 Jk.; außerdem erhielt er für eine Rosa Weiller-Stiftnng und für eine Wolf- und Esther Stern geb. Bender- Stiftung je 5000 Jk und für eine Jos. Mayer Offenbach-Stiftung -1300 Jk Frankfurt a. M. Der Borstand des„Montefiore"-^Äerein teilt uns mit, daß der erste gemeinsame Ausflug am Sonntag, den 28. Mai, stattfindet und zwar ist folgende Tour geplant: Cronberg — Falkenstein — Königstein — Soden. Abfahrt: Hauptbahnhof 2,25 Ilhr (Rundreisekarte Cronberg — Soden; Fahrpreis Jk 1.—). Näheres ist im Vercinslokal zu erfahren. Frankfurt a. M. Der Verein „Linas Hazedel" vereinnahmte in seinem abgelaufenen Bereinsjahre 831 Jk und gewährte 370 Jk an Unterstützungen. Der ueugewählte Vorstand besteht ans den ferren: Ch. Klausner, (£h. Keller., I. lausner, Adolf Jakobsohn, S. Ball. M. Schreiber und I. Belgrad, welche Anmeldungen gerne entgegenuehmen. A. Köln. Unter Vorsitz des Kommerzienrats Wahl- Barmen fand hier eine Sitzung des Vereins „Jsraclit. Kraukenheim in Bad Neuenahr" statt.. Es wurde beschlossen, in. der dies jährigen Sommersaison 60 Gesuche uni Ausnahme Kirnst und Literatur. G r o ß c M ä it u c r von Wilhelm O st tu a l d. Leipzig. Akademische Berlagsgesellschaft 1909. 424 Seiten. Preis 14 Mark. Dieses Werk des berühmten Leipziger Chemikers und Philosophen stellt sich ein Problem zur -Aufgabe, das ebenso für den Einzelnen interessant wie für die Gesamtheit wichtig ist, das Problem: große Männer. Worin besteht ihre Eigenart? woran erkennt man sie? welches ist ihr gewöhnlicher Entwicklungsgang? und — die Hauptfrage wie mutz unser gesellschaftliches Leben sein, damit es der Heranbildung großer Männer förderlich sei. All diese Fragen sucht Ostwald zu beantworten und zwar —. wie es einem Naturforscher ansteht — nicht ctlva durch toertlose Spekulationen und sinnlose a priori Sätze sondern durch empirische Fortsetzung. Zu diesem Zwecke untersucht er das Leben sechs großer Männer, die er naturgemäß unter den Naturforschern answählt und bemüht sich dann, daraus Schlüsse zu ziehen und Regeln zu gewinnen. Dadurch wird aber das Buch von doppeltem Interesse. Denn nicht minder interessant als die allgemeinen Be trachtnngcn über große Männer sind die' Biographien der sechs Naturforscher: es sind dies H. D a v y, Robert Mayer, Michael F a r a d a y, Justus L i e b i g, Charles Gebhardt und Hermann Helmholtz — wobei Ostwald jedes mal auch in kurzer, verständlicher Form ihre wichtigsten Lehren d'arlegt. So verdient denn das Buch wirklich, recht viel gelesen zu werden, zumal in unserem „sozialen" Zeitalter, wo wir nur allzuleicht geneigt sind, die Bedeutung der großen Männer für die Kultur zugunsten der „Massen und „allgemeinen Gesetze" zu übersehen. Dr. N. .Der Monismus, dargestellt in Beiträgen seiner Vertreter. Band 1, Systematisches. Band 2, Histo risches. Heräusg. von Arthur Drews. Verlag Eugen Diederichs, Jena. Der Monismrrs ist eine jener geistigen Bewegungen unserer - Tage, von denen so ' viel gesprochen wird und die so wenig gekannt sind. Die Ursache davon ist einmal in der Tatsache zu suchen, 'daß das Wort „Monismus" znm Schlagwort geworden ist, das andere Malin den: Mangel einer, wirkliche klaren und verständlichen Darlegung all dessen, was der Monismus lehrt und erstrebt, einer Darlegung, die sich nicht in Beschimpfungen und Verspottungen der Gegner und der Wiederholung von Phrasen erschöpft. Diesen Mangel zu beseitigen, ist der Zweck der vorliegenden 2 Bände. Unter der Leitung Arthur Drews' haben sich hie namhaftesten Vertreter des Monisnms —. wir nennen nur außer dem Herausgeber' noch W. von Schlichen, O. Braun, F. Strudel, B. Wille, Ehr. Schrem.ps — zusammengcfunden, um in verschiedenen Beiträgen ein Bild der Geistesrichtung zu geben, die wir Monisnms nennen. Der erste Band, umfaßt das Systematische, der zweite das Historische. Wenn mm naturgemäß der Wert der verschiedenen Arbciten ungleich, ist, so muß man doch sagen, daß in großenr ganzen die 2 Bände ihre Aufgabe sehr gut erfüllen; man erhält durch ihre Lektüre ein umfassendes Bild von dein Wesen des Monis mus. So kann das Werk jedem, der sich, mit dieser spezifisch modernen Weltanschauung, vertrant tnachen will —- und für uns Juden ist dies von ganz besonderem Interesse'—, als gllter Führer' zu ihrer Erfassung dienen. Dr. N. Judentums. Herausgeber: Dr. M. Braun. 55. Jahrgang, Heft 1 und 2. Breslau, Kvebner'sche Verlagsbuchhandlung. Inhalt: Die Christnsmythe des Prof. A. Drews int Lichte der Wissenschaft (I. Schestelowitz). — Die Männer der großen Versammlung und die Gerichtshöfe im.nachexilischen Judentum (S. Funk). — Das Wasscropser und die danlit verbundenen Zeremonien (D. Feuchtlvang). — .Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter (Simon Eppenstein). — Fragmente von Gabirols Diwan (H. Brody). — Besprechungen usw. Masten ch H a t a l m n d. T a l m n d. E »c h c l o - pädie von Prof. Dr. Michael Gntmann. Band 1. Heft 8. Budapest. Mit dem vorliegenden Hefte ist der erste Band des Riesenwerkes abgeschlossen. Es führt den Artikel Odom zu Ende (er zählt 852 Paragraphe) und enthält an 150 Stetten s. v. odom horischon. Es wäre im Interesse der Sache dringend zu wünschen, daß das Buch möglichst viel Subskribenten fände. Der Preis ist ein sehr geringer; er beträgt für den aus 8 Hefte» bestehenden Band (618 Seiten Lexikonsormat) 12 Kr. Tal ln u d i s ch c A r ch ä o l o g i e voll Dr. S a in. Krauß, Professor der Jsr. theol. Lehranstalt in Wien. Band 2, 722 Seiten, 65 Abbildungen. 1911, Leipzig, Gustav Fock. Inhalt: Familienleben, Landwirtschaft, Getverbe, Verkehr und Handel. Dieser mit Subvclltion der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums veröffentlichten Arbeit unverdrossenen Gelehrtenfleißes darf weiteste Beachtung gewünscht werden. Nicht nur der Talnrudkcnncr wird diese systematische Zusammellstellniig des jüdischen Volkslebens ans Grund des Talmuds mit Ätutzen lesen, sondern auch der den Talnrud nicht kennende Akademiker und Forscher wird je nach seinem Fach hier reiches Material finden. Monatsschrift für Geschichte und Wif s e «s chaft d e s I n d e u.t u m s, Organ der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Bunte Chronik. _ Ausgrabungen in Palästina. Professor Dr. Ernst Sellin-Rostock ist von einer Palästinarcisc zurückgekehrt. Seine frühere Vermutung, daß der in der unteren Jordanebene, uninittelbar an der von Jerusalem nach Jericho führenden Straße gelegene Hügel das Schloß Herodes des Großen enthält, hat sich, als wahr erwiesen. Das interessante Bauwerk ist in den Fundamenten noch vollständig erhalten und läßt ich architektonisch anss beste rekonstruieren. Geringe Sterblichkeit Ser Juden. Nach der amtlichen Statistik sterben in Rußland alljährlich von je 1000 Orthodoxen 32 bis 34 Personen, Katholiken 23 bis 25 Personen, Protestanten 20 bis 23 Personen, Mohammedanern 23 bis 26 Personen und Juden 15 bis 17 Personen. Eine schöne altjüdische Sitte. In altjüdischer Zeit war cs in Palästina Sitte, bei der Geburt eines Knaben eine Eeder und bei der Geburt eines Mädchen eine Pinie zu pflanzen. Bor der Hochzeit seines Inhabers oder seiner Inhaberin wurde der Baum gefällt, und aus den Bäumen der Braut und des Bräutigams ward dann das Brautbctt gezimmert. Eine interessante archäologische Entdeckung. In Ober-Aegypten ist, dem „Journal du Caire" zufolge, ein hölzernes Paneel ansgcgraben worden, auf dein eine lateinische Inschrift von 50 Zeilen entdeckt wurde, von pcnen 35 Zeilen leserlich sind. Diese Schrift zeigt, neben den in Pompeji ausgegrabenen Tafeln, eine der schönsten Spezimen der latcinisck)en Sprache. Der Inhalt bezieht sich auf die Belagern n g I ern - salems durch Bespasiau und Tilns. Allgemeine Mitteilungen. Etwas über die Motten. Die Motte (Tineidae) gehört zu der Klasse der Schmetterlinge, too sehr uns sonst der Anblick jener leichtbeschwingten, anmutigen, farbenprächtigen Tierchen entzückt, so erschreckend wirkt das Erscheinen — der Motten — auf die Hausfrau ein. ' lind ‘ nicht mit Unrecht! Denn diese gefürchtete Kleidermotte (Tinea sarcitella L.) legt ihre Eier in großen Mengen in Kleider, Pelze. Plüschmöbel, Teppiche, Stoffe, die den sich aus den Eiern entwickelnden gefräßigen Räupchen reichliche Nahrung abgeben. Durch Imprägnieren der Gewebfaser glaubte man die Stoffe gegen diese Tierchen schützen zu können, was aber bis jetzt deshalb nicht praktisch durchführbar war, weil das Gewebe durch die Imprägnierungsmittel selbst litt. Mau hilft sich-deshalb nach, wie .vor mit Campher, Naphtalin^ Mottenwurzel, tu denen jedoch die Räupchen fidel weiter leben, wenn auch

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