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Neue jüdische Presse · 1911-05-12 · Heft 19 (12.5.1911) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 19 (12.5.1911)
Date
1911-05-12
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 1Ö. Nr. 19. FMlktWeS KaMhRvlÄk. Wirtsvölkcr sich unsere' N a t i o » a I i - tat mit Recht nicht ansreden lassen, so bedienen sie sich dieser törichten Verheimlichung der jüdischen Natinalität und stellen das Judentum als Kvntrcbandc, als etwas Verwerfliches hin— und entziehen a»fGrund dessen den Juden die Rechte. Was den Wert solcher Protestkundgebungen betrifft, so halten wir sie für s e h r oportum, auch wenn es nachweislich ist, das; damit, nichts erreicht wird; das Stillschweigen der Juden gegenüber Entrechtungen — welcher Urt sie auch seien — bedeutet im gewissen Sinne eine Akzeptierung derselben. Die Rcdakt. Palästina-Reise-Gesellschaft, e. B. in Hamburg. Palästina-Reisen sind schon wiederholt von zionistischen und nichtzionistischcn Gesellschaften unternommen worden und werden auch noch ivcitcr beabsichtigt. Die Teilnahme an einer solchen ist jedoch mit sehr erheblichen.Kosten verbunden, und nicht jedem, der gern, tcilnehmen möchte, ist cs möglich, allein den dazu nötigen Betrag auszubringcn. Um diesem Ücbelstand abzuhelsen und wenigstens einem Teile dieser Palästinafrcundc die Mittel zu einer Palästiuarcise zur Verfügung stellen zu können, ist nun auf der Grundlage gegenseitiger Hülfe die .Palästina-Rcise-Gesellschast in Hamburg begründet worden, deren Ziele und Organisation im Folgenden kurz dargclcgt werden sollen. Der Verein, welcher mit dem Sipe in Hamburg gegründet und —; um die Rechte einer juristischen Person zu erlangen und für die Verwaltung größerer Geldmittel eine Gewähr bieten zu können i— in das Vereinsregister des dortigen Amtsgerichts eingetragen worden ist, bezweckt, unter seinen Mitgliedern die Kenntnis Palästinas Lurch die Ermöglichung eines Besuches des Landes zu vermitteln. Eine wirtschaftliche Betätigung des Vereins als Erwerbsgcscllschaft oder dergl. ist jedoch ausgeschlossen. Der Zweck des Vereins soll durch Veranstaltung 'von Reisen nach Palästina unter den Vcrcinsmitglicdcrn crrcick,t werden. Für diese Reisen soll das jeweils nach Abzug der Verwaltungskosten, die, da sämtliche Funktionäre im Ehrcnainte angcstcllt werden, äußerst gering sein werden, vorhandene Verciirsvermögen verwendet werden. Die R e i s c t e i l n a h m c wird durch das Los bestimmt, und zwar werden die Rcisebci Hilfen in Anteilen von je 500 Jk unter die Mitglieder' verlost. Dasjenige Mitglied, welches durch das Los das Recht aus die Reiscbeihilfc erworben hat, ist verpflichtet, die Reise innerhalb zweier Jahre nach der Verlosung zu unternehmen. ' Die Beihilfe ist auf 500 Jk festgesetzt worden, weil erwartet wird, das; der Gewinner, Im er bis zur Ausführung der Reise zwei Jahre Zeit hat, den etwa noch erforderlichen Rest durch Unterlassen seiner gewöhnlichen Sommerreisc und durch Sparsamkeit im übrigen leicht aufbringen kann; auch wird dadurch eine größere Anzahl von' gleisenden das Ziel erreichen können. Ist cs dem Gewinner nicht möglich, innerhalb der vorgcschricbcnen Zeit die Reise zu unternehmen, so erlMlt er nicht etwa die Beihilfe zu freier Verfügung, sodas; der Zweck des Vereins also imr auf eine gewöhnliche Geldlotterie herauskäme, sondern er kann sein Recht auf die Beihilfe auf eine .andere Person, die aber schon zur Zeit der Verlosung Mitglied des Vereins gewesen sein muß, übertragen. Andernfalls fällt der Anteil an den Verein zwecks Vornahme einer 'neuen Verlosung zurück. Mitglieder, die mit Hilfe des Vereins eine Palästinareise unternommen haben, sollen gehalten sein, in einer Vcrcinsvcrsammlung mündlichen oder schriftlichen Bericht über die Reise zu erstatten. Diese Berichte sollen evtl, auch in geeigneten Zeitschriften zur Veröffentlichung gelangen, damit auch die übrigen Mitglieder und weitere Kreise von den in demselben etiva gebrachten Anregungen und Mitteilungen Richen ziehen können. Der Jahresbeitrag beträgt 10.— Jk; cs steht jedoch den Mitgliedern frei, ein Vielfaches des Jahresbeitrages zu zahlen, wodurch sic das Recht zur mehrfachen Teilnahme an den Verlosungen erwerben. Geleitet wird der Verein von einem aus drei Mitgliedern bestehenden Vorstand, der .absichtlich so klein gewählt ist, um die Verwaltung nicht zu .kompliziert nick» kostspielig zn machen. Die Kasscnsührmig ivird außerdem ,durch zwei Revisoren beaufsichtigt. Augenblicklich besteht, der Borstand aus folgenden Personen: Vorsitzender ist Rechtsanwalt Dr. Tannenwald, Schriftführer Dr. C Hw olles und Kassenwart Leopold Landau, zu Revisoren sind Neustadt und Dr. Weigert bestellt. Die Generalversammlung und die Verlosungen finden alljährlich in den Halbfeicrtagen des Pesachfestes statt. Der Verein soll sich nicht auf Hamburg beschranken, sondern der Vorstand beabsichtigt, möglichst viele Mitglieder auch außerhalb, sowohl in deutschen als auch in außerdcutschen Ländern zu gewinnen. Es'werden daher die Leser, die Interesse für die Veranstaltung von Palästinareisen habe», gebeten, sich umgehend bei dem Schriftführer, Herrn Dr. C h w o l l c s , Altona- Bahrcnfeld, Mozartstr. 7, als Bereinsmitglieder zn melden und auch ihre Bekannten und Freunde zur Anmeldung zn veranlassen. Erst wenn der Verein 1000 Mitglieder hat, sodas; jährlich mindestens zwanzig Personen, vielleicht sogar als selbständige Reisegesellschaft, in das Land uncrcr Sehnsucht geschickt werden können, lvird der Vorstand .mit dem Erfolge seiner' Bemühungen znriedcn sein. Da auf 50—55 Mitglieder jährlich ein Gewinn entfällt, so wird beabsichtigt, evtl. Ortsgruppen des Vereins zu gründen, und unter deren Mitglieder die auf ihre Anzahl entfallenden Gewinnanteile separat zu verlosen. Personalien u. Kleine Mitteilungen. Berlin. ZurAufstellung des Grab- 'teines für M. A. Klausner hätten sich etwa 150 Personen, meist Mitglieder der Alliance, eingcfnndcn. Gedenkreden hielten Rabb. Dr. Eschelbachcr-Bcrlin und Rabb. Dr. Vogclst e i n-Königsberg. .— In der Universitätsklinik wurde der von Iran Jda Sinion, Gattin des Geh. Koinmcrziciirats Eduard Simon, gestiftete Pavillon für unbemittelte leidende Franc» besserer Stände eröffnet. Die Kaiserin war durch Graf Mirb ach vertreten. Berlin. Kommerzienrat Philipp Freudenberg, Seniorchef der Firma Herrmann Gerson, erhielt den Titel Geh. Kommerzienrat. Posen. Hier v erschie d im Alter von 40 Jahren der königl. Obcrapothekcr d. 8k. a. D. M a x Reinste in. « Stettin. Seinen 90. Geburtstag feiciic W. Reihen st ein, langjähriger Repräsentant der jüd. Gemeinde. Breslau. Vermächtnis. Dem Jsratlitischen Wa i sc n hau sc - ist eine große Erbschaft durch ein Jkybniker Kind, Ferdinand Schlesinger- Bcrlin, zngefallcn. Herr Schlesinger hat ihm einen Betrag von 45 000 Jk vermacht. Auch die hiesige Synagogcn-Gcmcinde ist in dem Testament bedacht Ivordc», ihr sind 5000 Jk zngcfallen. Darmstaüt. Die hiesige Israelit. Religionsgc feilsch aft hat für den Blumentag se chshundert Mark gestiftet, da ihre Mitglieder am Sabbat, an dem der Blumentag abgchaltcn wird, kein Geld ansgcbcn. Rom. Wie das Amtsblatt meldet, wurde Senator L n d o v i c o M o r t a r a zum Generalproknrator am Kassationshofe ernannt. Die Blätter schreiben dieser Ernennung eine große Bedeutung für die weitere Entwicklung der Zivilprozeßordnung in Italien zn. Mortara ist nämlichder Verfasser eines Kommentars zur gesamten italienischen Gesetzessammlung und ist der Begründer einer modernen liberalen Richtung auf dem Gebiete der Gerichtsbarkeit. Ans de« Vereine«. Frankfurt a. M. In der Generalversammlung des Vereins für jüd. Geschichte und Literatur erstattete 9kabb. Dr. H o r o - v i tz, der Vorsitzende, de» Jahresbericht. Er konstatierte, das; der Besuch der Vorträge ein sehr befriedigender gewesen und teilte mit, das; für den nächsten Winter ein jüdischer Gcschichtsknrsus in Aussicht gciioinmen sei. Den Kassenbericht Erstattete Julius Sommer. Die Kasse schließt mit einem Guthaben ab, nud die Mitglieder haben Angenommen. Der Verein hat heute etiva 300 Mitglieder. In der Diskussion, die sich mit Anregungen für die Zukunst beschästigte, sprachen Dr. W. Hanauer, Hugo Fräukel, Dr. Hcincmann und der Vorsitzende, und sodann tmtrbc der Vorstand wicdergewählt. Mainz. Gestern wurde in einer Versammlung jüdischer Männer und Frauen hier eine Ortsgruppe des „C e n t r a l v c r c i n s Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" gegründet. Nachdem Rabbiner Dr. Saalfeld die Versammlung eröffnet hatte, schilderte Dr. Mainzer-Frankfurt a. M. die trostlose Lage der deutschen Juden seit dein Entstehen des Antisemitismus. Dr. H o l l a c n d c r - Berlin gab in teinperamentvollcr Weise ein Bild der zersetzenden Wirkung der Judentanfcu und zeigte die Rotivendigkcit der Organisation. Beide 3!edner forderten Stärkung des jüdischen Selbstbeivnßtseins und Organisation. IV. Budapest. Die Chewra Kadischa Hot an Geldnnterstütziingen für Arme 155 000 Kr. Der alte Friedhof wurde aufgelassen, wobei 7000 Gräber geöffnet und 10 alte Rabbonim in Ehrcngräbcr neu bcigclcgt wurden. Mit dem neuen Friedhof, der 31767 Qnadratklaftcr groß ist, besitzt Budapest 'den größten I u d c n f r i e d ho f der Welt. Die Chewra hat im vcrftosscncn Jahr 2620 Tote versorgt. Zioni. Ans der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Z i o n i st i s ch e r S t a m nit i s ch. — Die regelmäßigen Zusammenkünfte im Caf 6 Baner finden bis ans weiteres jeden Dienstag Abend statt. Frankfurt a. M. Die Turnabteilung „M akko b i", die in der letzten Versammlung der Zionistischen Jngeudgruppc eingerichtet wurde, hat mit dem hiesigen Turn- und Fechtklnb einen Vertrag geschlossen, wonach ihr deren'Tnr n h alle (Wcbcrstraße 38) zur Benutzung überlasse» ivird. Ferner wurden die beiden Turnwarte dieses Vereins für die Leitung der Damen- und Herrcnriegen gewonnen. Die Tnrnstirndcn wurden für den Sommer zunächst ans: Sonntags Vormittag von 8—9 Uhr Herrenturnc n, von 9—10 Uhr Damenturnen festtgesctzt. Es hübe» sich bisher 54 Herren, 31 Damen als aktive Mitglieder, ferner 5 unterstützende Mitglieder mit z. T. größeren Jahresbeiträgen angemeldet. Weitere Beitrittserklärungen sind an Frau L. Bambergcr (Friedbergcr Anlage 29) zu richte». Der Beitrag beträgt 75 Pfennig monatlich. lieber die geplanten Turnveranstaltungen, Turnspiele, Tnrnfahrtcn, sowie über die Tnrnkleidnng usw. werden in der erste» T u r u st mibe ausführliche Mitteilungen gemacht. Der Beginn wurde auf Sonntag, den 28. Mai Vormittag 8 Uhr angcsetzt. Fulda. In der hiesigen Ortsgruppe sprach L. Perl in n t c r - Frankfurt a. M. über „D i c Juden im 19. und 20. Jahrhundert" und erntete lebhaften Beifall. Es wurde beschlossen, demnächst eine große ösfcntlichc Versammlung mit dem 3kefercntcn als ■ Redner zu veranstalten. Rawitsch. Hier fand eine gut besuchte zionist. Vcrsammlniig statt, die zur Gründung einer Ortsgruppe führte. M a m l o ck - Posen eröffnete die Versammlung namens des Posencr Distriktsburcau und erteilte Bankproknristcn Georg Karcski- Posen das Wort zn einem Vortrage über das Thema „Was un s Jude n not tu t." In seinen Ausführungen entlvickelte der Redner in äußerst interessanter Weise die Tendenz und Bedeutung des Zionismus. An der ,kurzen Diskussion, die darauf folgte, beteiligte sich n. a. Bankier L o e w y - Rawitsch, der im Zionismus die Betonung des religiösen Momentes vermißt. In seinem Schlußworte lvidcrtcgte der 9kcferent die EinlvKnde und berichtete auch über den Stand der bisherigen Arbeiten in der Türkei. Besonders hervorgchoben zn werden verdient die Tatsache, daß bei der ~ Versammlung neben anderen N i ch t j u d e n auch einige höhere V e rw a l t n u g s b c a m t e zugegen waren, die nach Schluß derVersammlung an den 9kedncr herangingcn, ihm für seine Ausführungen dankten und durch Fragen über die zionistische Literatur ihm' ihr Interesse bekundeten. Prag. Recht treffend behandelt die hiesige „Selbstwehr" in ihrer letzten Nummer Ludwig G.eiger. Sie schreibt: „Professor Ludwig Geiger) der die „Allgemeine Zeitung des Fudeiitunls" redigiert, ist ein prachtvoller Kauz. Er rnlstnt sich von Zeit zn Zeit, daß er sich mit der Lektüre der jüdischen Presse nicht befassen könne, da er Besseres zn tun habe; wenn dann alle jüdischen Blätter vier Wochen lang über irgeirdein Ereignis oder eine symptomatische Erscheinung des jüdischen Lebens ihre Leser informiert haben — Geiger hat natürlich diese „Blättchen" nicht gelesen —, druckt dann, irgendeine Tageszeitung ans einem jüdischen Organ eine Notiz ab, imb plötzlich schreibt nun der ahnungslose Geiger in der „Allgemeinen Zeitung": „Wie ich der ,Vofsischen Zeitung' entnehme" — ober: „Die ,Staatsbürgerzeitung' bringt eine Nachricht, die m i ch interessiert —." So erfährt mich Geiger hie und da etwas vom Zionismus. Achnliche Gewissenhaftigkeit atmet in der letzten Mulinier der „Allgeineincn Zeitung des Jiidentnms," solgcndc Sprechsaalnotiz: Unter den mir zugesandten Novitäten befindet sich auch ein von ersten Fachmännern bearbeitetes bornssischcs Sammelwerk mit Heft zur ,Märkischen Religionsgcschichte" nsw. Da wird merkwürdigcrlocisc lvohk „Das Magazin für die Wissenschaft des Judentums" und das Hildesheimer Seminar in der Gipsstraßc, nicht aber Mrahäin Geiger, nicht die „Hochschule" nslv. erwähnt. Dem „Resormjndcntmn" (Anführungszeichen auch l. c.) wird eine ganze Zeile gewidmet, dagegen erhält der „Zionismus" (Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina, wobei auch „Die Welt" zitiert wird) 16 Zeilen. 13 000 Mitglieder und ein Vermögen von V/s Will. Kronen. Sie erhält - ein Siechenhaus und du Rettungshaus. Im vergangenen Jahre steuerte sic > mus,. dieses, bedeutungslose -Produkt jugendlicher dem jüd. Spital 54 000 Kr. bei und verausgabte > Schwiirdlcr und verbohrter Dumniköpfe, wird in Das ist wirklich eine Gemeinheit! Der Zionis-

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