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Neue jüdische Presse · 1911-05-05 · Heft 18 (5.5.1911) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 18 (5.5.1911)
Date
1911-05-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr 18 Frankfurter Israelitisches Famklienblaü. Seite 3. ganzen Persönlichkeit ciutritt, ener- Ki s ch z n b et ä in p s'en.". ' , Der Antrag wurde von der Versammlung dem Präsidium als Material zur eventuellen Berivendiing überwiesen. Tagung -es Zionistischen Aktionskomitees. Donnerstag, 27. Avril. Präsident Wolffsohn eröffnet lOtys llhr die Titzung. und gibt einen Ueberblick über die zu verhandelnden Gegenstände. Nach stundenlangen Beratungen über die Lage in der Türkei wurde ' folgende Resolution angenommen: ...Das Aktionskomitee hat sich eingehend mit der Lage des Zionismus in der Türkei und mit den Berichten, die es von dort erhalten hat. beschäftigt. Es ist dabei zur Ue'berzeugnng gelangt, das; die in der legten Zeit gegen den Zioiiisittus erhobenen Anklagen nur ans einer mangelhaften Kenntnis des wahren Charakters des Zionismus lind ctiifeiner unrichtigen Anfassung seiner Bestrebungen und seiner Ziele beruhen. — Das A.-K. ist fest überzeugt, das; die zionistischen Bestrebungen in vollem Einklang mit deii Interessen des ottom a n i s ch cu Reiches stehen und betrachtet es als seine Aufgabe, seine Bemühungen in der Türkei dahin zu richten, das? der wahre Inhalt nnd die Ziele der zionistischen Bewegung richtig ersaßt n-erdeii." Sodann gelangteeine Interpellation D r. I. F e u ch t wa n g c r- Frankfurt a. M. zur Verhandlung; der im Namen der Föderation Misrachi gegen die seitens des <5. A. - K. erfolgte Bewilligung von 1000 Frs. für das h e - b rä i sch e G ym n a s iu m in Ieru sale in aus den Mitteln des Kulturfonds P r o t e st cinlegte Präsident Wolffsohn legte die Gründe dar, die das E. A.-K. zu seinem Beschluß veranlaßt hatten, erkannte jedoch den Einspruch des Misrachi als berechtigt an und erklärte, daß man dafür Sorge tragen werde, dem Kulturfonds die 1000 Francs -aus Privatmittcln zu ersetzen. Rach einer längeren Debatte nmrdc folgender Beschluß angenommen: „Das A.-K. nimmt die Erklärung dcS E. A. - K. betreffs der dem Hebräischen Gymnasium zu Jerusalem bewilligten Subvention von 1000 Frs. zur Kenntnis und erklärt die Angelegenheit für erledigt." Freitag, 28. April. Die Sitzung wird um 12 tlhr eröffnet, da vorher die Gencraivcrsammlnng des Jüd. Nationalfouds stattfand. Dr. B o d c n h c i m e r nimmt zum Punkte O r - g a » i s a t i o n s st a t u t das Wort: er beantragt die eii bloc Annahine des Entwurfes mit Ausnahme der Paragraphen über die Leitung, über die eine Diskussion stattfindcn möge. Ein A n t r a g Grone m a u n auf Eröffnung einer Generaldebatte wird a b - g e l e h n t. Das A.-K. tritt in die B c r a t u n g der einzelnen Paragraphen ein, von denen eine große Reihe unverändert angenommen werden. Die zu anderen Paragraphen gemachten Vorschläge, lverden der Kommission als Anregungen überwiesen. Es wird beschlossen, daß die Mitglieder des A.-K. ansgcfordert lverden sollen, lveitcre Bedenken zu den einzelnen Paragraphen der Kommission, welche den Entwurf dem Kongreß vorlegen wird, innerhalb einer bestimmten Frist schriftlich cinzusendcn. Präsident 'Wolffsohn berichtet .über die Finanzlage und beantragt die 10»» i g e Besteuerung aller Fin anz iustitute und a l l e r S a m m l u n g c n inuc r halb der zionistischen O r g a u i s a t i v n. Nachlängerer Debatte gelangt schließlich folgender Antrag D r. B o d c n h c i m e r s zur Annahme: ' „Das A. - K. erklärt es für Pflicht jedes ' 8 i o lt i ft c ii, a u ß e r dem Schekel einen Jahresbeitrag an' die Organisation zu entrichten und macht den Landesorganisätionen zur Pflicht, die Sammlungen hierfür sofort einzulcitcn." Die russischen Mitglieder des A.-K. berichten nttuinehr über die L a g e i n R u st l a n d. Bezüglich des nächsten Punktes der Tagesordnung (Palästina) schlägt der Präsident vor. den Bericht Dr. Ruppins den Mitgliedern des A.-K. schriftlich zu unterbreiten und das Referat über Palüstinasammluiigen mit Rücksicht. daraus, daß Professor Warburg verhindert ist, an der Sitzung teilzunchinen, von der Tagesordnung abzusetzen. Das A.-K. erklärt sich, mit diesen Vorschlägen ejuverstanden. .— Präsident Wolf.sso hn: Wir kommen zum nächsten Punkt (X. Kongreß). Das E. A.-K. macht Ihnen folgende Vorschläge bezüglich der Tagesordnung des Kongresses: l. Die. ersten beiden Tage, Mittwoch und Donnerstag, sollen den gewöhnlichen Arbeiten unserer Kongresse gewidmet sein, und zwar in der Weise, daß ain Mittwoch Vormittag nach der Eröffnung die Begrüßungen und Bureauwahlen stattsindcn, am Nachmittag der Bericht des E. A.-K. erstattet wird und die Generaldebatte beginnt. Diese soll dann Donnerstag Vormittag fortgesetzt werden, während wir für Donnerstag Nachmittag den Bericht des Jüd. Nationalfonds, die Berichte der Banken und dieanschließende Debatte in Aussicht genoinmen haben. -j- 2. Der ganze Freitag soll der Beratung über das Organisationsstatut reserviert bleiben. —. 3. Für Sonntag haben wir die Erstattung von Referaten z. B. über Palästina, sowie über kulturelle Fragen mit anschließenden Debatten in Aussicht genommen. — 4. Am Montag sollen keine Kongreßverhändlungen stattfinden, dieser Tag soll vielmehr für Sitzungen der Landsmannschaften, des Permanenzaus'schüsses, der Bank und der Kommissionen frei bleiben. — 5. Dienstag Vormittag sollen die Wahlen vorgenommen und der Kongreß geschlossen werden, am Nachmittag sollen Sitzungen der neugeivähltcu Körperschaften stattfinden. — In der anschließenden Debatte regte Dr. M a r m o r e k an, die Wahlen diesmal schon früher als sonst, etwa am 3. Kongreßtage, vorzunehmen. Dr. K a tz e u e l s o h n wies daraus hin, daß es wünschenswert wäre, die Generalversammlung Des Jüd. Nationalfonds so' anzusetzen, daß sie dem Bericht über die Banken und der Debatte im Kongreß voraufgeht. N. S o k o l o w regt an. daß die Eröffnungsrede eingehend die heutige Lage des jüdischen Volkes behandeln solle und im besonderen .auf die Frage der Naturalisation der Juden in der Türkei eingehe. Er verlangt ferner, daß zur Erstattung der Referate Männer von Ruf aufgefordert werden, nnd begrüßt den Vorschlag, einen Tag für die Besprechung kultureller Fragen zu reservieren. B. Goldberg bittet, ein Referat „Fünfzehn Jahre politischer Zionismus" auf die Tagesordnung zu setzen, in dem auch die Begründung der zionistischen Idee gegeben werden soll. Dr. Zweig unterstützt diesen Vorschlag Goldbergs. Es wird beschlossen, die vom E. A. - K. in ihren Grundlinien v o r g e s ch l a g c n e Tageso r d n u n g für den Kongreß z n genehmigen und die genaue Ausarbeitung derselben dem E. . A. - K. zu überlassen. Präsident Wolffsohn berichtet sodann über die geplante P a l ä st i n a - A u s st e l l u n g anläßlich des Kongresses. Betreffs der Errichtung eines Ehre n g e - r i ch t e s beschließt das A. - K. auf A n t r.a g Grone iii a n u: „Das E. A. -K. soll für die Zeit bis zum 10. Kongreß ein Ehrengericht nach eigenem Ermessen ernennen, das .in dieser Zeit nach einer von ihm selbst zu beschließenden Geschäftsordnung verhandeln soll." Präsident Wo l ff s o hu: Ich habe Ihnen noch einige Mitteilungen zu machen. Auf dem im Juli stattfindenden Rasfenkongrcß in London toird unsere -Organisation durch eine Deputation, bestehend ans den Herren Dr. Gaster, Sir Francis M o n t e f i o r e und Dr. Z o l l s ch a n, vertreten sein) Es liegt noch der Antrag unseres Kollegen Scheinkin vor: „Das' A.-K. möge jährlich 800 Francs zur Verfügung stellen, damit ein palästinesisches Mitglied des A. - K. die Möglichkeit habe, wenigstens einmal im Jahre an einer Sitzung des A.-K. teilzunehmen." Meine Herren, obgleich iicher manches für diesen Antrag spricht, bitte ich Sie doch, von einer Beschlußfassung Abstand nehmen zu wollen, da wir ja vor dem Kongreß keine A.-K.-Sitzung mehr haben lverden und die Sache durch die Neuregelung in der Organisation unserer obersten Behörden sich anders gestalten kann. - Das A.-K. erklärt sich mit diesem Vorschläge einverstanden, nnd die Tagung wird unter den üblichen Formalitäten geschlossen. Ans den Ereignissen des Tages. Jeder Mensch hat zuweilen Momente, in denen ihm' das ganze Leben als ein tolles Spiel erscheint, das ohne Sinn und ohne Zweck dahinrollt. Diese trüben Momente stellen sich doppelt oft und mit doppelter Gewalt für denjenigen ein, der ini Getriebe des öffentlichen Lebens steht, dreifach oft und dreifach, stark für jenen, der sich im öffentlichen jüdischen Leben betätigt. Ja, hier werden die Momente gar leicht zu stunden und zu Tagen, und es gehört eine starke Dosis Optimismus und Lebensfreude für den Juden, der trotz aller-Hindernisse von allen Seiten, von innen wie von außen, doch noch die ungetrübte Hoffnung auf eine Besserung, auf eine Regenierung sich bewahrt. Und auch dann noch würde er seinen -Optimismus mit der Zeit verlieren, wenn es nicht im. Gegensatz. zu jenen trüben Momenten — auch Augenblicke gäbe, die seinem Optimismus Recht geben, die den Mut stärken, die Hoffnung neu beleben und neue Kraft zu neuer Arbeit verleihen. Einen solchen Moment, der uns daS Recht zu unserem Optimismus gibt, haben wir durchlebt, und diejenigen, denen wir ihn verdanken, sind die Mitglieder des Zentralkomitees der „Deutschen Konfercn z geme inschaft." Wie rmfere Leser ans unserem Berichte über die Tagung des Zentralkomitees entnehmen können, hat dieses einstimmig beschlossen, unter allen Umständen die Wahl S a l o m o n R e i n a ch s in das Zentralkomitee der Alliancce zu verhindern. Wir dürfen uns über diese Tat —: denn eine Tat ist es zu nennen — der deutschen Mitglieder der Alliancce besonders freuen, waren wir es doch gewesen, die mit den Anstoß zu jener Strömung gegeben haben, die zu diesem Resultat geführt, hat, zu einem Resultate, das — wozu es verschweigen — unsere Hoffnungen weit übertrosfen hat. Als wir an dieser Stelle unseren Angriff gegen Salomon Reiuach veröffentlichten, wagten wir es nicht, uns der Hoffnung hinzugeben, daß die deutschen Mitglieder des Zentralkomitees nun geschlossen gegen diesen Todfeind des Judentums' austreten würden. Wir wagten es nicht zu hoffen, trotzdem die elementare Logik und das mindeste jüdische Selbstbewußtsein eine solche Stellungnahme seitens der deutschen Mitglieder erforderte; wir wagten es nicht, weil allzutrübe Erfahrungen lehrten, daß elementare Logik und jüdisches Selbstbewutztsein nicht immer die ausschlaggebenden Faktoren im Leben der deutschen Judcnheit seien. Es kam besser, als wir es gehofft hatten, und das Zentralkomitee der „Deutschen Konferenzgemeinschaft" hat sich jüdischer, mannhafter nnd besser erwiesen, als es viele dachten. — Nun aber ist es Pflicht — und noch mehr als Pflicht, denn ein gegenteiliges Verhalten wäre gradezn Verrat — der einzelnen deutschen Mitglieder der Mliance, diesem schönen Beispiel ihres Zentralkomitees zu folgen und geschlossen gegen Reinach anfziitretcn. Es ist dies umsomehr Pflicht, als sich das Pariser Zentralkomitee der D. K.-G. gegenüber in einer Weise benonimen hat, wie sie sich rücksichtsloser, ja — sagen's wir — unanständiger nicht gut denken läßt. Es würde unter diesen Umständen geradezu einer Zustimmung zu dieser beleidigenden Behandlung der D. K.-G. seitens der Pariser Zentrale bedeuten, würden die deutschen Mitglieder der Parole ihrer Leiter nicht folgen; wahrlich, jedes deutsche Mitglied der Alliance, das am 4. Juni seine Stimme für Salomon Reinach abgibt, verdient keine bessere Behandlung, wie sie ihm von Paris aus zuteil geworden ist. Wenn die deutschen Mitglieder nur einen Funken von Ehrgefühl besitzen, dann müssen sie wie ein Mann gegen das Verhakter der Pariser Zentrale protestieren; protestieren eben durch ein geschlossenes Eintreten gegen den spiritus recctor des Pariser Komitees, gegen salomon Reinach. Es würde dann eine Leichtigkeit sein, dem unheilvollen Einfluß dieser für das Judentum gefährlichen Persönlichkeit auf das jüdische Leben endgültig ein Ende zu machen. Sollte dies aber der Erfolg der Wahlen anr 4. Juni sein, dann wird dies nicht nur für uns und alle, die im jüdischen öffentlicheu Leben tätig sind, ein zweiter, noch erfreulicherer Monieut sein, ein solcher Erfolg würde zugleich ein Ruhmesblatt bilden in der Geschichte der deutschen Judenheit. * Die Zurücksetzung der Juden in der B e a m t e »l a u f b a h n und i hre voll st ä n d i g e Ausschließung von der Offizierslaufb a h it seitens derjenigen, die ans die Wahrung des Gesetzes, das auch die Gleichberechtigung der Juden verbürgt, ihren Amtseid abgelegt haben, ist ein altes Kapitel. Doch daß wir deutschen Juden gelernt haben, unser Recht vor der deutschen Oeffentlichkeit laut zu fordern, ist erst von heute. Von diesem Gesichtspunkte aus haben die Protestversammlungen, die der Verband der deutschen Juden und der Z e n t r a l v e r e i n deutscher Staatsbürger jüd. Glaube u s gegenwärtig in den Großstädten veranstalten, ihre Bedeutung. Auch wir in Frankfurt hatten dieser Tage eine derartige Versammlung. Mehr als 1500 Juden waren im großen Saal des Kaufmännischen Vereins versammelt und brachen stets in spontanen Beifall ans, wenn ein mannhaftes Wort von der Rednertrchüne siel. Und gar manches mannhafte Wort wurde gesprochen. Ja, von Rechtsanwalt Dr. Löwenthal hörten wir — zum ersten Male in diesem Kreise — die richtige Parole der Selbstachtung und mannhaften Selbsthilfe. Es genügt nicht — so sagte er ungefähr — daß wir unser Recht hinansrufen, wir müssen ihm auch kraft unserer Macht Nachdruck verleihen, — und das können wir, die wir uns in unverhältnismäßig hohem Maße mit unserem Portemonnaie au öffentlichen Angelegenheiten beteiligen, wenn wir unser Portemonnaie einstweilen zuhalt e n. — Von Hallgarten erzählt man, daß er, als er zu einem Beitrag für unsere deutsche Flottx

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