Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1911)
- Date
- 1911-05-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Jlu 18 die von ihnen vorher benannten deutschen Kandidaten von ims' auf die -Liste gesetzt zu schien wünschen. Noch immer gaben wir die Versuche, uns mit Paris zu verständigen, nicht auf und sprachen, da jetzt mir noch eine Verschiebung des Wahltcrmins am ersten eine Verständigung über eine gemeinsame Kandidatenliste. ermöglichen konnte, am 2. April die Bitte' onsj zu diesem Zweck den Termin evtl, auf Oktober dieses Jahres zu verlegen. Auch diese Bitte wurde rundweg telegraphisch am 0,. April ab ge lehnt. . Somit blieb uns nichts anderes übrig, als unsere Kandidaten, die die Zustimmung der D. C. -G. erhalten hatten, dem C.-C. in Paris' zu benennen mrd ihm unsere Liste zu übermitteln, ivas auch am 12. April geschah. Auf dieses Schreiben ist bis heute eine Antwort nicht cingelaufen. Dagegen wurde in Paris' s ch l c u n i g st c i n e austerordcntliche Sitzung des C.-C. zum 15. April einberufen, ohne daß wir Mitglieder der D.' C.-Ghiervon in Kenntnis gesetzt wurden, geschweige denn daß wir etwa zu dieser Sitzung eine Einladung erhalten hätten. In dieser Sitzung wurde nicht etwa über das dem Central- Cvmite von uns aus, offiziellem Wege zugestellte «rwähnte Schreiben vom 12. April nebst Kandidatenliste verhandelt, sondern über unser Schreiben vom 9. April, das zunächst nur für die Mitglieder der D. C.-G. und des Berliner Lo ka l-C o m i t e s bestimmt und. an diese gerichtet war, und das zu dc n He rrcn iu P a r i S auf einem uns u n b c k a n n t e n 25 c g c gelangt sein mußte. Das Resultat jener Sitzung wurde am darauf folgenden Tage in einem vom Herrn Präsidenten und Herrn Sekretär unterschriebenen Brief nicdergelegt. Dieser Brief wurde wiederum mit Umgehung unseres Präsidiums an Mitglieder der D. C.-G. gerichtet, mit der Aufforderung, nach Paris zu berichten, ob sie sich den Anschauungen der Pariser anschließen. In diesem Fall sollten sie dem Präsidium der D. C. - G. in unzweideutiger Weise zur Kenntnis' bringen, daß sie nicht mit ihm einverstanden seien! Ich bin überzeugt, daß Sie alle mit mir darin übereinstimmen ivcrdcn, daß diese von. Paris gewählte Taktik nicht sehr viel zur Hebung des Ansehens der D. C.-G. beitragen kann. Außerdem liegt in dem von den Parisern für gut gehaltenen Verkehrsmodus mit den Mitgliedern der D. C. - G. - eine offen wiederholt geübte Verletzung der D. C. - G. selbst, was schon von meinen Vorgängern hervorgehoben worden ist. Sie werden gewiß ferner zugcben, daß ll nstimmigkeiten und Mißverständnisse kaum zu vermeiden sind, wenn sich die Centrallcitun g in Paris m it Um - gehung unseres Präsidiums in Fragen von s o c m i n e n t c r W i ch t i g k c i t m i t Mitgliedern der D. C.-G. einzeln in Verbindung setzt, und dazu noch in der Absicht, die vom Präsidium unternommenen Schritte zu kontrekarriercn. Auch werde» Sie zugeben, daß es andererseits für die Leitung der D. C.-G. nur . nachteilig sein kann, wenn einzelne Mitglieder unserer Organisation sich ihrerseits in solchen Fragen unter Umgehung unseres Präsidiums mit der Leitung in Paris zu verständigen suchen. Das Präsidium der D. C.-G. hat .unbedingten Anspruck darauf, daß ihm sowohl von seiten des C. - C. in Paris als auch von den Mitgliedern der D. C.-G. die Loyalität und das Vertrauen entgcgengcbracht werden, auf das jedes zu Recht bestehende Präsidium Anspruch erheben must Gewiß sind die D. (S- - G.-Mitglieder zugleich Mstglieder des C.-C., und die Pariser könnten den Standpunkt einnehmen, daß sie sich wohl mit den. einzelnen Mitgliedern der D. C.-Ä. direkt in Verbindung setzen können, in gleicher Weise wie mit de» C.-C.-Mitgliedcrn in anderen Ländern. Allein dieser Standpunkt ist nicht mehr haltbar, nachdem das Ccntral-Coinite die D. C.-G. von neuem anerkannt hat und die Mitglieder der D. C.-G. in dem von ihnen gewählten Präsidium ihre allein berufene Vertretung sehen müssen. Unter keinen Umständen aber durfte die Centrallcitung das' Präsidium umgehen, selbst wenn'cs sich auch an die einzelnen deutschen C.-C.-Mitglicdcr gewandt hat. Und in unserem Fall hat die Centrallcitung die Pflicht gegen mich nicht b l o ß i n m einer Eigenschaft als jetziger Präsident der D. C.-G. verletzt, sondern auch in in einer Eigenschaft als Mitglied des C.-C. Denn jenes Schreiben über die Sitzung vom 15. April hätte auch mir ex officcio ohne weiteres gleich allen übrigen Mitgliedern der D. C.-G. zugcschickt wcrden müssen! Aus dem Vorhergehend:» ersehen Sic, das; das Central-Comitö in Paris trotz des Friedensschlusses und trotz des größten Entgegenkommens unsererseits fortgesetzt mit allen Mitteln bemüht ist, die D. C.-G., und damit die von ihr vertretene deutsche Mitgliedschaft der Alliancce, aus der ordentlichen Leitung unserer großzügig gedachten internationalen jüdischen Vereinigung a u s z us ch a l t e u. Dieser Standpunkt aber ist ein Anachronismus und ist weder mit den demokratischen Grundsätzen der Verfassung der A. I. U., noch mit den fortgeschrittenen Verhältnissen der Juden in Deutschland vereinbar: Wir wehren uns gegen jegliche separatistischnationale Bestrebungen in unserer Vereinigung. Unsere Vereinigung darf weder ausschließlich französisch noch ausschließlich deutsch oder englisch, und ich möchte auch sagen, noch ausschließlich zionistisch sein. Die Größe und die ganze Bedeutung unserer Organisation bestehen darin, daß alle Juden, ganz gleich, welchen nationalen Standpunkt sic einnehmen, in ihr Platz finden können, in ihr Platz gesunden haben! Wer würde cs nun zu behaupten wagen, daß unseren Wahlsorderungcn etwa separatistische Motive zuginnde lägen? Wir sind nach unseren Statuten «ine auf allgemeinem, direktem Stimmrecht beruhende demokratische Bereinigung. Und es kann nicht scharf genug getadeltwerden', daß dic Wahlcn seit 1905 trotz wiederholter' Aufforderung seitens der D. C.-G. unterlassen worden sind, und daß jetzt, da es zu den Wahlen kommen soll, in einer so rücksichtslosen Weise v v r g c g a ii g c n wird, daß es säst unmöglich sein wird, sich mit den Wählern aus e in and e r zus ctzen. Dieses Vorgelen kann seine Erklärung nur darin finden, daß eine solche Auseinandersetzung inst den Wählern den Pariser Herren nicht erforderlich, jedenfalls nicht wünschenswert scheint. In autokratischer Weise wird — gerade wie unter dem Regime absoluter Herrscher — gegen den Wunsch einer großen Anzahl von Mitgliedern einfach eine Kandidatenliste ausgestellt und bloß um der Form zu genügen, den- Wählern zngcstcllt. Paris darf diktieren, die anderen sollen gehorchen! Und wir sind so wenig unterrichtet über alles das, was in Paris beschlossen und abgelchnt wird! Wer weiß überhaupt, wieviele Mitglieder des' C.- C. in allen den letzten wichtigen Sitzungen teilgenommcn haben, ob alle unsere französischen Kollegen über die wirklichen Vorgänge richtig aufgeklärt sind? Denn die Art und Weise, wie die Ceiitralleitnng die C.-C.-Mitglieder iii Deutschland behandelt, die Art und Weise, lvie die französischen Kollegen über die wirklichen Forderungen der D. C.-G. im Herbst irrcgeführt worden sind, läßt nicht gerade darauf schließen, daß die Central-Leitun g in Paris b cst r e b t ist, unsere französischen Kollegen über die wirklichen Motive n nserer Forderungen a u f z u k l ä r e n. Was ist nun bei dieser Sachlage zu tun? Sollen wir tatenlos zusehen, wie die jetzige Leitung sich auf die Dauer und durch die von ihr diktierten Wahlen nunmehr wenigstens der Form nach legaler Weife weiter befestigt? Sollen wir uns auch das Recht, unsre Kandidaten für Deutschland vorzuschlagcn, nehmen lassen? Nein! W ir m ü s - s e n unsere eigene Kandidatenliste du rchz u setzc ii suchen, auch gegen den Wunsch der Pariser L'c i t u n g, weil wir auf die Mitwirkung von Männern unter keinen Umständen verzichten dürfen, von denen wir die Ueberzeugung haben, daß sic getreu. unseren Statuten die Ziele und Bestrebungen der Alliancce im Auge haben und uns in Paris durch ihre persönliche Anwesenheit vertreten werden. Die von uns ausgestellten Kandidaten haben sich bereit erklärt, zu den wichtigen Sitzungen der C.-C. nach Paris zu fahren, und das ist von der größten Bedeutung für uns und die ganze Alliancce, und es ist zu hoffen und zu erwarten, daß die Opscrwilligkeit der deutschen Kandidaten auch in anderen Ländern Nachahmung finden wird. Wir haben cs bisher aus weitestem Entgegenkommen unterlassen, außer einer Persönlichkeit, der der Leitung einer jüdischen Vereinigung wie der unsrigen nicht anvcrtraut werden kann, andere Personen in Paris in unsere Kritik hineinzuziehen und hoffen noch immer, das, wenn auch nicht jetzt vor den Wahlen, so doch später, eine Verständigung mit iliiscrcn französischen Kollegen möglich fein wird. Dabei möchten wir nicht unerwähnt lassen, daß wir in dieser Beziehung gerade auf die Mitwirkung unseres hochverehrten Präsidenten Leven rechnen, zu dem >vir nach wie vor das Vertrauen haben, daß .er dem Geist und den Bestrebungen unserer Vereinigung, zu deren Begründern auch er gehörte, mit ganzem Herzen treu geblieben ist. * Die auf der 1«. ordentl. Tagung gefaßten Beschlüße. Die von Rabbiner.Dr. Werner beantragte Resolution: „Die zu Berlin am 25. tzlpril zu einer ordentlichen Tagung vereinigte Deutsche Konferenzgemeinschaft billigt nach Kenntnisjualstne des gesamten in der Wahlan gelegenhe.it zwischen Paris und Berlin gepflogenen Briefwechsels das Vorgehen ihres Präsidenten und spricht ihm ihr volles Vertrauen aus'." wurde von alten Mitgliedern — ausgenommen eines einzigen, das nur teilweise seine Zustimmung gab — angenommen. Es 'wurde einhellig der Wunsch ausgesprochen, „das Zentralkomitee möchte, da die Deutsche Konscrenzgemcinschaft aus den inzwischen in Paris bekannt bekannt gewordenen Gründen Herrn S a l o m o n R e i n a ch als Kandidaten für die Wahl z n m Z c n t r a l k o m i t e e z u no mini e r e n ablehnt, einen anderen in Paris domizilierenden Kandidaten uns benennen." Mit der Uebermittlung dieses Wunsches nach Paris, ivnrde der Vorsitzende beauftragt. Einstimmig angenommen Ivnrde ferner ein von Dr. Apfel eingebrachter Antrag „dem Präsidium die weitere Wahlarbeit und die Feststellung der definitiven Liste zu überlassen." _ Fein st ein- Königsberg, der in Vertretung Rabbiners Dr. Vogelstein der Tagung beiwohnt, gab die dankenswerte Anregung, die mit allgcnieincr Zustkniimmg angenommen wurde, „daß cs den Vorsitzenden des Lokalk o m i t e e s zur Pflicht zn machen sei, vorher sich für unsere L iste zu interessieren und schriftlich und p e r s ö n l i ch d a f.ü r e in zn treten." Dr. Brau n sprach sich in dem folgenden Antrag dafür ans, „seinerzeit zu der i n P a r is st a t t zu finde n d e n W a h l p r ü f u n g eine V e r tr r t n n g der .A l l i a n c e in i t g l i e d e r i n D e n-t s ch - land nach Paris zu delegieren, um in den Fällen mitzuwirkcn, bei denen die Gültigkeit der Wahl evtl, in Zweifel gezogen würde." Der Antrag wurde aiigenommeii. Lvnis R o s e n b a n in-Berlin unterbreitete mit Rücksicht darauf, daß das Zentralkomitee in seiner Sitzung vom - 15. April trotz des e i n st i m m t g c n B e s ch l n s s e s desBerliner Lo kälkoni itecs .und der D. K.-G. beschlossen hat, die Kandidatur.des Herrn S a l o m o n Reinach a u f r c ch t z u e r h alten, folgenden Antrag: Die D. K. -G. richtet an bi c auswartige »Mitglieder d e s Z e n tr a l ko in i tc c s der Alliance und auch an die französischen Kollegen im Zentralkomitee, denen die heilige Sache der j ü d i schc'n Religion und ihrer Erhaltung, sowie die Förderung aller i m I u d e n t n in b c g r ü n d e t c n human itärcn Bestrebungen der Alliance am Herzen liegen, einen Appell dahingehend, daß auch sic ihrerseits in bezug auf die Kandidatur d e s ' sie l l ve rtrctenden Vorsitzenden der Alliance, Herrn S. Re in a ch, den von bet 2). K.-G. u ii t c t n o m mene» Schritt unter st ü tz e n. Die D. K.-G. ist weit davon entfernt, Meinungen und Ueberzeugungcn von Privatpersonen aus religiösem oder auf 'irgendeinem anderen Gebiete zn kritisieren ober gar zu verfolgen, so lange ihnen keine weitgehendere Bedeutung zugemesscn werden kann als anderen Aeußerungen von privatem Charakter. Nachdem 'aber Herr Reinach es selbst im „F-rankfurter Israelitisch:» Familienblatt" vom 19. August 1910 als seine Pslicht bezeichnetc, für das von ihm vertretene Judentum zu ' kämpfen, das aber in Wahrheit von keinem Inden als Judentum angesehen werden kann; ferner in seinem Schreiben an das „Echo Sioniste" vom 20. Dezember 1903 ausdrücklich betont, daß er mit Freuden eine Kampagne gegen die jüdischen Speiscgesctze und andere Archaismen im Judentum, worunter er auch den Sabbat meinte, unternehme; endlich daß er sehr gerne bereit sei, diesen Kampf auch bei anderer Gelegen!,>eit sortzuführeu und dieses Versprechen durch die in seinem nencsten Werk „Orpheus", Seite 192, enthaltene Aeußerung, die folgendermaßen lautet, auch gehalten hat, noch heute bleibt der größte Teil der c l f M i l l i v n c ii I u d c n w c i t g e g e nüber den Christen zurück, da sic mit unglaublicher Strenge den-Sabbat und die a b s u r den Spcisegcbote beachten, ist die D. K.-G. der Meinung, daß Herr Reinach nicht im Komitee einer In st i tu - tion, das von Juden aller Ländcr gewählt wird, bleiben darf, einer Just i t u t i v n, d c r 160 S ck u l c n mit mehr als 40 000 j ü d. Kindern a n v e r t r a u t sind und deren Devise ist, daß alle Juden für einander verantwortlich seien. Ganz besonders richtet die D. K.-G. diesen Appell an die fr an z ö s i scheu R a b b in e r. die Mitglieder des Zentralkomitees sind und a l s geistige Führer der französischen Fndenheit verpflichtet sind, Anschauungen, für dieHcrr Reinach mit seiner