Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 16 (21.4.1911)
- Date
- 1911-04-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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jmnwrassa ml vw r..;. :iiic wie iitfc gen |lid} rem diginrii che» heit ictc, gigc H«t Nr. 16 hat. aufrichtig schätzen u»b verehren. Nach tote vor werde ich ihre philantropischen nird sozialen Bemühungen voir Herzen unterstützen und jede Bekämpfung derselben, soviel in meiner Wacht steht, verurteilen und verhindern. Deshalb hosse ich noch immer, bah ihre Verwaltung sich auf den Geist zurückbesinnen wird, der die großen Stifter der Alliance beseelte, den Geist, der seinen Ausdruck in ihrer weitherzigen Devise fand. Da das' Organ Ihrer holländischen Mteilnng die bisher zwischen mt3 gewechselten Briefe publiziert hat, halte ich tnich, um einer ungerechten Beurteilung unserer Bewegung vorznbeugen, nunmehr für verpflichtet, meinerseits unsere vollständige Korrespondenz der Oessentlichkeit zu tibergeben. Sie werden uns' im übrigen stets zum Frieden geneigt finden. Mit vorzüglicher Hochachtung! Für das Präsidium der Zionistischen Organisation: gez.: David Wolffsohn. Aus aller Wellt. Qeutfdieä ReiL. Wofeit. Unsere Svnagogen-Gemeinde hat W"b'- fahrtseitirtchtungen, die mustergültig sind. Aber die Geineinbürgschaft der Inden verlangt mehr. Wir dürfen unser Gewissen nicht beschwichtigen und unsere Hand nicht schließe», solange noch unsere Stadt jährlich den Durchgangspunkt von Hunderten und Tausenden bildet, die als' Opfer schwerster Verfolgung ans dem Wege von der alten Wohnstätte und ausblickend nach einer netten Heimat an unsere Türen pochen, um bei ttns vorübergehend Unterkunft Rat und Teilnahme zu finden. Darum haben edeldenkende Männer innerhalb unserer Gemeinde den Plan gefaßt, hier eine Stätte zu schaffen, in der die Wandernden rasten können. Ein kleiner Grundstock zu dem' Kapital, das' diesenr edlen Zwecke dienen soll, ist aufgebracht. Aber das große Werk der Mildtätigkeit und echt jüdischen Nächstenliebe verlangt mehr und Muß — soll eS gelingen — die Unterstützung aller Juden finden. Daher ergeht die dringende Bitte an alle, die sich eines gesicherten Wohnsitzes, einer eignen Häuslichkeit erfreuen, den Aecmsteii auf der Flucht, den ruhelos' Wandernden eine gastliche Stätte, eine kurze Erholung und Erfrischung in den Zeiten bitterster Not zu bereiten. Ein Komitee für die Gründung einer I ü d i s ch e tt U n t e r kun f t sstä t t e hat sich bereits gebildet, welches Spenden ttnd Jahresbeiträg in Empfang nimmt!. Rußland. Petersburg. In der Abcndkitzung vom 12. Avril der ReichsduNia wurde eine dringliche Interpellation, betreffend die M i n isteri alv e rfü gu n g über Anwendung der Pr o z e u tu o rin au ch bei den Exteruprüfung'en, einnebracht. Fried m a u u begründete die Interpellation: er wie§ darauf hin, daß die Vecfüauna den jüdischen junaen Lettteu sogar die Möglichkeit nimmt, ausländische Universitäten zu besuchen. Die Duma lehnte die Dringlichkeit der Interpellation ab. _ Palästina. „Dr. Blochs 'Wochenschrift" in Wien bringt über den Krach in Jerusalem! einen instruktiven Artikel, der die Hanpthelden dieses KrackeS Frumkin, den Herausgeber des ..Habareleth," Ben Tauwim. Pinet und Winograd scharr unter die Lupe nimmt. Es sei hier aus den Ausführungen die folgende Stelle wiedergegeben: „Jluu mehren sich weitere böse Enthüllungen Wie nämlich Ihr Korrespondent aus'' Anlaß der Verhaftung Frumkins von Herrn Hotelier Silier Lasinskh in Jerusalemerfahren hat und Ivie es ein von biefem Herrn verfaßter und von einer An-all russischer jüdischer Einwanderer mitunterzeichueter, dein Korrespondenten im gedruckten Tert voroeleoter Artikel in Nummer GG der hchräisck'en Zeitschrift „Hamelith" vom 7. September 1883 beweist, hat Herr Frumkin mit seinen Komplizen in dem genannte« Jahre eine ganze Anzahl aus Anlaß der ersten russischen Pogrome in die Türkei und nach Palästina geflüchteter und geretteter Juden der türkischen Regierung als politisch verdächtig und gefährlich denunziert und ihre Festnahme und Cinsperrung an dem Orte veranlaßt, wo jetzt Herr Frumkin selbst hinter Schloß und Riegel sitzt, bis sich —> man höre und staune — der russische Konsul ins Mittel legte und die unschuldigen Opfer wieder in Freiheit setzte und ihren armen verlassenen und dem Hungertode geweihten Familien wieder den Ernährer zttriickgab. Die Gründe seines damaligen Vorgehens hängen sehr enge mit den Tatsachen zusammen» die jetzt zu dein allgemeinen Zusammenbruche in Jerusalem und der strafrechtlichen Verfolgung geführt haben. Frumkin und „Minsorten" verteilten nämlich außer B FranMrker ZffvüeMWs FamMeMaK. Seite 3. Hardegg, Oberstuhlrichter v. Machovies — befanden. Interessant war auch die Rede der Frau Prof. Marmorek. Sie vermißt die konsequente Durchführung des Prinzipes bei den Zionisten. Sind diese bestrebt ihr Haus zionistisch zu gestalten? Bei der Wahl der Lebensgefährtin spricht das zionistische Prinzip nicht mit. „Diese Inkonsequenz ist eine tätliche." Pharao habe die Juden ohne Frauen und Kinder ziehen lassen ivollen. Eine Freiheitsbestrebung ohne solche sei ohne Bedeutung. den Summen, ioelche sie für ihre verschiedenen »Wohltätigkeitsanstalten" zusammenschnorrten, auch stets die Eingänge der Chalukah unter sich, und sie suchten durch ihre Verdächtigungen bei der türkischen Regierung der jüdischen Einwanderung in.Palästina auf alle nur denkbare Weise den Weg zu verlegen. A u f G r n n d des äugeführten, vor nunmehr bald 30 Jahren erschienenen Artikels im „H amelith" steht es f e st, daß d i e Iud e n den viel besprochenen und viel kritisierten, als eine öffentliche, rechtlose religiöse und nationale Beschimpfung empfundenen „roten Zettel", welcher u i ch t bloß den russischen, sondern allen Inden die Landung und den Aufenthalt in Palästina in so lästiger und persönlich herabwürdigender Weise erschwert, niemand anderem zu d an keil haben, als gerade diesem Herrn F r u m k i n. Herr Frumkin und Genossen waren auch, lute die hebräische Jerusalemer Zeitung „Hacheruth" in einem längeren Artikel unter dem Datum des 29. März nachweist, gerade diejenigen, welche den neueren jüdischen Kolonisationsunternehmungen und Kultnrbestrebnngen unter stetiaer Vorschützung religiöser Bedenken den größten Widerstand entaeaengesetzt und die schwersten Hindernisse bereitet haben, wie sie denn auch im' verflossenen „Schmittah- J'ahr" durch den ans die landwirtschaftlichen Produkte der 'jüdischen palästinensischen Kolonien gelegten Ehe r em den dadurch hart betroffenen Kolonisten die empfindlichsten finanziellen Schädigungen zngefügt haben." Perioiralien u Kleine Mitteilungen. Berlin. D'e„Jüd. Lekeballe u. Bibliothek' lOranienburaerstr. 58) wurde im ersten Vierteljahr dieses Jahres von 7983 Personen besucht. Nürnberg. Moritz Neuburaer Mistete zum Andenken an seine dieser Tage verstorbene Fron Jeanette geb. Neuburger 10000 JL als Grundstock eines Pensionsfouds für die Beamten der „A daß I i s r o e l" -Gemeind c. K-rlsruhe. Der Stad trat bat das G?f” ifi des' Oberrates der Israeliten, bei Einführung der völligen Sonntaasruhe den Samstags geschlossen haltenden Geschäften zu gestatten, Sonnt a g 3 während einiger Stunden ihr Komptoirpersonal zu beschäftigen, abg e l e h' n t. Wiesbaden. Stadtverordneter G»b Sanitätsrat Dr. Hey m a n u ist — 77 Jahre alt — verschied c tt. Er war Badearzt d-s verstorbenen Könios von Dänemark und des Königs Georg von Griechenland. Budapest. Die „Alka I ü d. Rundschau" erscheint nach längerer Unterbrechung wieder. Sie wird nunmehr außer von Leopold Lebowits auch von Dr. Konrad Holländer redigiert. Paris. Anläßlich der R-end'au-a des ganzen Talmud-Kompendiums versammelte fick» ein großer Teil der orthodoxen Judenheit Paris zu einer S i j n m - F e i e r. Rabbiner H. Weißkovf, der verehrte Lehrer des heiligen Gotteswortes, S i m o n Altmann. W. Schwabacher n. a. hielten Reden, teils ' ernster, teils humorvoller Art. Paris. Der dies-r Tone verstorbene Graf I f a <» c d e C a Mo nbo Präsident der Bank von Paris, gehörte dem Zentralkomitee der Alliance Jsrasliie Uiriverselle an. Er war ein bekannter Kunstsanunler und hatte eine Oper verfaßt. Peter«b«ra D>'e..I ü d. bistorilch-etbnoq r a Phi s cke G e sell sch a ft" bat einen Preis von 400 Rubel für die beite ..Geschichte der jüdischen Journalistik inRnßland w ährend der letzten 50 I a h r e" ausgeschrieben. Aus der Ledrerwelt. Berlin. Die Gcneralverlammluna d-r ,.H i l l slasse für Israeli t. Kultusbeamte, deren Witwen und Waisen in Deutschlattd" beschloß, einem Zu-ammenarbeiten mit dem ,.A l l g e ttt. Deut s che n K an t o r env e rb an d" näherzutreten. Budapest. D>e Berwaltuna der Lebrervräparandie wird eine Konto reu sch ule eröffnen. —> In Szombathelv ist Dr. Josef Horow i tz - Karaniebes zn»r Rabbiner gewählt. Budapest. Die Furcht vor dem Apvorpischen Schulgesetz, dessen Tendenz wir seinerzeit beleuchtet haben. war nur zu sehr berechtigt. In diesem J'ab'r 'haben s ch o n 13 j ü d i s ch e S ch n l e n ihre Arbeit ans Mangel an Subsistenzmitteln — der Staat verbietet nämlich das Einheben des Schulgeldes — e i n g e st e l l t. Sapienti sat. «US der zio«M?«beu NewelMUg. Pöstyen lUngarn). Auf Veranlassung des zion. VcreinS sprach der zum Kurgebrauch hier anwesende Professor Dr. Alexander Marmorek vor eitrem zahlreichen Püblikuni, unter dem sich die Spitzen der hiesigen Gesellschaft —so Graf Aus der Zukunft. Don Friedrich Rott. jFortletzung.) So waren die Feiertage herangekonnnen, das Neujahrsfest und der Versöhmmgstag waren bereits vorüber, zwei Tage darauf trat Emmi mit einem Briefe in der Hand in das Zimmer ihrer Schwester. „Ein Brief für Dich, Lili." „Von Egon?" „Nein, von Papa." Auf Lili's Angesicht malte sich sichtlich ihre Enttäuschung, ihre Hand zitterte merklich, als sie. das Schreiben entgegennahm. „Warum liest Du Papas Brief nicht?" „Ich weiß nicht, — mir ist so angst." „Ach, mache keinen llnsintr. —: Soll ich den Brief zuerst lesen?" Lili schüttelte ablvehrend den Kopf, zerriß die Hülle und entfaltete das Blatt. Sie las: „Meine liebe teure Lili! Hoffentlich hast Du beit heutigen Tag recht gesund verbracht, möge 'an demselben für Dich von dem Spender alles Guten recht viel Gutes bestimmt worden sein, in meinen Gebeten habe ich heute unablässig für Tein Glück gefleht. Nach altjüdischer Sitte beginnt man am Ausgang des Versöhmmgstages mit dem Bau der Laubhütte — ich aber möchte noch an dem heutigen Abend mit dem Wiederaufbau meines Hauses beginnen, das mir mit dem Hknscheiden meiner teuren Gattin eingestürzt ist. —■ Willst Du mir dazu helfen? Mein liebes, liebes teures Kind! ich Iveiß nicht, ob Du mich verstehst. — Mer Du wirst Dich der letzten Worte der teuren Mama erinnern, obgleich Dil dieselben damals wohl nur gehört, doch nicht verstanden haben wirst. — Jetzt wirst Du sie verstehen, und ich frage Dich, meine liebe, liebe Lili. willst Du den letzten Wunsch der teuren Mama erfüllen? willst Du meine über alles geliebte teure Gattin werden? — In der zuversichtlichen Hoffnung auf eine zustimmende Antwort in unwandelbarer Liebe Dein Herrmann. Ein Schauer überrieselte das junge Mädchen, das' Blatt entglitt ihrer Hand. Emmi neigte sich und hob es auf. „Darf ich's le'en?". fragte sie, und ohne die Antwort abzntoarten las sie, ivas sie längst toußte. ..Mas'elto'»!" jubelte sie. „masseltow!" niid wollte die Schwester in ihre Arme ziehen. Lili aber stieß sie beinahe zurück. „Nein!", stammelte sie „nein! — uni Gotteswillen. nein!" „Lili. nm's Himmels willen! Tn hast den Brief nicht ordentlich gelesen, —: der Papa hat Dich lieb, sehr lieb, — und ich weiß doch, daß Tn den Papa auch lieb hast —" .Wie (soott", flüsterte Lili, „genau so wie Eaon — Und wie es mich damals 'kalt überrieselt hat bei dem Gedanke — so überrieselt es mich jetzt —" „Aber Lili!" „Schau mich nicht so verstört an, Emmi. — ich kann nichts dafür, — bei Gott! — ich kann nichts dafür —" »Das wird Papa schlver treffen," sagte Emmi seufzend. „Mich trifft es schwerer, Einmi, das kannst Tu mir glauben. Ich wünschte doch nichts sehnlicher, aks' ihm alles vergelten zu können, —« und nun zu denken, daß ich ihm auch noch Schmerz bereite! —" „Aber das brauchst Du doch nicht! Gib ihm, wie er's erwartet, eine zustimmende Antwort: dann machst Tn ihn glücklich, dann hast Du ihm alles vergolten." „Unmöglich! — mit solch innerm Grauen kann man nicht glücklich machen." Noch lange währte die Unterredung der Schwestern, doch es gelang keiner, die andere zu überzeugen, und beide blickten mit einem heimlichen Angstgefühl in die nächüe Zukunft, namentlick da Herr Meier seinen Besuch in Aussicht gestellt hätte, die letzten Feiertage wollte er bei seinen Kindern verbringen. Wie würde das Znsammensein sich gestalten, wenn Lili bei ihrer Weigerung verharren würde? — Emmi hatte allerdings noch nickt alle Hoffnung aufgeqeben, wußte sie doch, wie Lili stets' an ihrem Väter gehangen. eS erschien ihr nahezu unmöglich, daß Lili seinem persönlichen Werben ihre Hand würde verweigern könne».