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Neue jüdische Presse · 1911-04-21 · Heft 16 (21.4.1911) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 16 (21.4.1911)
Date
1911-04-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Nr 16. \ Sette 4. ^«mkfttrter UmMiArS FcmiNen8!ck8. Doch es sollte nicht dazu kommen. Lili erhielt am folgenden Tage ein Schreiben von ihrem Bruder, in dem er sic in den herzlichsten Worten bat, an dein ersten der Mitteltage des Festes ihre Reise nach Newyork anzutretcn, wo er für unbestimmte Zeit sich aufzuhaltcn gedenke. Auch sein Freund Jakobson werde sich länger dort aufhaltcn, da er seine zahnärztlichen Studien dort zu beenden beabsichtige. Er werde daher eine bescheidene gemeinschaftliche Wohnung für sich und seine Schwester und seinen Freund zu mieten suchen, und Lili solle ihren gemeinschaftlichen Haushalt leiten. Das junge Mädchen war überglücklich, mm war ihrer Ansicht nach alles gut, nun war, wie sie's für sich nannte, das natürliche Verhältnis wieder hergestellt. Jubelnd lief sic zur Schwester jmb zeigte ihr Egons Brief niid begann sofort, ihre Vorbereitungen zur Reise zu treffen, ohne sich durch Emmis Bitten zurückhälten zu lassen oder sich durch den Hinblick auf den bevorstehenden Besuch des Vaters, bewegen zu lassen, ihre Abreise auch nur zu verschieben. Sie schrieb ihm irnd bankte ihm in innigsten Worten für das hohe Vertrauen, durch das er sie durch seinen Antrag beehrt habe uicki für alles, was er an ihr getan habe, sie versicherte, das; sie sich kein größeres Glück denken, könne, als' Ahm alle seine Wohltaten zu vergelten, und darum schmerze cs sie doppelt, ihm nicht die Antnwrt geben zu können, die er erwaret habe. In heiterster Stimmung verbrachte sie die ersten Tagen des Hüttenfestcs bei ihren Geschwistern, dann trat sie ihre Reise an. Ihr Schlvagcr begleitete sie bis' zunr Hascnplatz ruck) war bei ihrer Einschiffung gegenwärtig. Glücklich legte sie die große Tour zurück, ihr Bruder und sein Freund erwarteten sie am Landungsplatz. Lili hatte sich bereits vollständig erholt; die beiden jungen Leute glaubten sic nie schöner gesehen zu haben, ihnen beiden sah man noch stark an, was sie in dem verflossenen Jahre durchgemacht hatten, sie hatten keine solch elastische Natur lote das junge Mädchen. Und ob Egon sich nicht doch zu viel zugemutet, als er sie aufgefordert hatte, zu ihm zu kommen? — Mit unverhohlener Bewunderung hastete sein Blick an ihrem lieblichen Angesicht, nach dessen Anblick er sich so lange gesehnt, aber er hatte ihr nur ganz flüchtig die Hand gereicht, und während er sich jetzt nach ihren Effekten mnsah, hatte Jakobson ihr' den Arm geboten. Und nun begann ein überaus trauliches Leben zu dritt. Lili glaubte, sich nie so glücklich gefühlt zu haben; sie lebte nur für ihre beiden Gefährten, für sie zu sorgen, cs ihnen behaglich zu machen, ihnen hin und ivieder ein Lächeln zu entlocken, das war ihr ganzes Streben. Und schon nach wenigen Monaten herrschte nicht nur ein trauliches, sondern auch ein heiteres Leben in den freundlichen Räumen. Lili's berückende Schönheit entfaltete sich immer mehr, Jakobson hatte seine frühere Frische beinahe vollstä>ldig wieder erlangt, und auch Egon schien heiter, beteiligte sich willig an den harmlosen Scherzen der beiden andern; nur bas' Lachen hatte er verlernt, und sein Aussehen wollte sich nicht bessern. Lili schüttelte darüber oft sorgend den Kopf, doch er spottete ihrer Besorgnis, er wäre gesund, auf's Aussehen käme es nicht an, das würde sich vermutlich erst bessern, wenn er sich mehr an das amerikanische Klima gewöhnt haben würde. Mehr' als ein Jahr war verstrichen, seitdem unsere Freunde in der westlichen Hemisphäre lebten, Egons geschäftliche Unternehmungen glückten in nie geahntem Maße, Jakobson hatte seine Studien beendet, und seine Eltern, Herr und Frau Doktor Blau, hatten schon wiederholt an seine Heimkehr gemahnt. Er hatte wiederholt um Aufschub gebeten, noch ein paar Wochen und abermals ein paar Wochen, — und da er angedeutet hatte, er hoffe, ihnen demnächst ein freudiges Ereignis mitteilen zu können, so hatten sie ihn nicht gedrängt, der Doktor hatte die Vermutung ausgesprochen, er hätte vielleicht eine Erfindung gcnracht, deren Wert geprüft werden müsse, oder sonst derartiges. — Aber der junge Mann hatte setzt ganz anderes iin Kopf, als Erfindungen zu machen. Es war die liebreizende Schwester seines Freundes, von der sich nicht trennen zu können vermeinte, und die Hoffnung, ihre Hand zu erringe», tvar das den Eltern in Aussicht gestellte glückliche Ereignis. Doch noch hätte er keinen Schritt getan und kein Wort gesprochen, das diese Hoffnung hätte verwirklichen können. Bis er endlich die Unmöglichkeit erkannte, die Eltern durch leere Worte länger hinzuhalten, und nun fand er auch endlich den- Milt, mit dem Freunde offen zu sprechen und ihn um die Hand seiner Schtvester zu bitten. Egon wechselte die Farbe, d. h. sein fahles Gesicht warb noch fahler, eiiren Moment preßte er die Zähne aufeinander, dann aber sprach er in seinein gewöhnlichen ruhigen Ton, er habe längst erwartet, daß der Freund um feine Schwester auhalten werde, und wen» sie einverstanden wäre, würde er sie kcinenr lieber geben als ihm. Und Lili war ciiiverstauden, denn sie liebte den Freund ihres Bruders, aber cs erschien ihr schrecklich, diesen allein zu lassen in dem frenidcu Lande, von dem sie so tveit entfernt sein sollte. Egon suchte sie zu trösten, ob sie sich denn nicht erinnere, daß er ihrer sterbenden Mutter versprochen habe, er werde sie glücklich machen, nim wolle er sein Versprechen halten, denn er lvissc, daß sic mit seinem Freunde glücklich sein werde. Aber Jakobson lvußte sie in Wirklichkeit zu trösten, indem er die Ueberzcugung aussprach, daß ihr Bruder, wenn er sic glücklich wüßte, in ihrer Abwesenheit eher sein früheres' Aussehen wieder erlangen tvürde als in ihrer Anwesenheit. Die Trauung ward in Newyork vollzogen; dann begleitete Egon die Neuvermählten auf den Dampfer, der sie der Heimat wieder zuführcn sollte. Bevor das Schiff die mächtigen Schaufelräder in Bewegung setzte, warf Lili sich laut weinend au des Bruders Brust und umklammerte ihn mit ihren Armen, als ivolle sie ihn nicht fortlassen. Er erwiderte die Umarmung nicht, aber seine Tränen fielen auf ihr Angesicht. Dann machte er sich hastig von ihr los, umarmte den Schwager, dann schwang er .sich über Bord in einen Nachen, der ihn zurück zur Landungsbrücke bringen sollte; aber jetzt lag er noch ruhig, bis das majestätische Fahrzeug sich in Bewegung setzte und brausend und schäumend auf die glitzernde See dahin glitt. Mit überströmenden Angen stand Egon im Nachen und ließ sein weißes Tuch im Winde flattern den beiden hciinrcifendcn ihm teuersten Menschen zu, und vom Schiffe aus erwiderten sic seinen letzten Gruß, und .schluchzend flüsterte er den Priestersegen ihnen nach. Und nun ivar er ganz allein — Allwöchentlich wechfelte er zlvar die herzlichsten Briefe, sowohl mit seinen Pflcgeltcrn als mit seinen Geschwistern. Mer so oft und so dringend sie ihn auch baten, heimzukommen, wenn auch nur auf kurze Zeit, dazu konnte er sich nicht so bald entschließen. Erst nach nahezu zehn Jahren hat er .ihre Bitte erfüllt, aber da hat keiner ihn erkannt, Iveder seine Geschwister, noch die Eltern, noch die Freunde. Das Haar des kauin fünfunddreißigjährigen schiinniertc mehr silbern als golden, sein Helles, volles rosiges Gesicht tvar bräunlich, Häger und faltig geworden. Farbe und Forni der Augen waren zwar wie früher, aber der Blick war ein anderer, und unverbrüchlicher Ernst lag auf seinen edlen Zügen. Seit jenem Unglückstagc hat ihn kein Mensch wieder lachen gehört. Nur wenn er mit Armen oder Uirglücklichen spricht, dann zuckt wohl hin und wieder ein freundlich teilnehmendes Lächeln um seine Lippen. Daß er in seinen Unternehmungen viel s. .g. Glück gehabt hat, ist bereits' erwähnt, aber das wirkliche Glück wohnt nicht in seiner Brust. Sein kolossales Einkommen verwendet er zilm weitaus größten Teil für wohltätige oder gemeinnützige Zwecke; die fremden Waisenkinder bilden sein Hauptaugenmerk, er sucht sie auf und forscht nach ihrer Herkunft, und wen» darüber nicht vollständige Klarheit herrscht, sucht er solche zu schaffen! Ob auch ihm' noch dereinst bas' wirkliche Glück lächeln wird? Kunst und Literatur. Gutzkows Werke. Auswahl iu 12 Teile». Hcraus'gegeben mit Lebensbild, Einleitungen und Anmerkungen versehen von R. Gensel. Deutsches Verlagshäus Bong & Co. Berlin. 4 Bände. Preis 2.— JL pro Band. Jetzt, da man den 100. Geburtstag dieses tapferen Vorkämpfers für Recht und Freiheit gefeiert hat, wird eine Auswahl aus seinen Werken gewiß sehr willkommen sein. Aus Gutzkows Schriften eine Auswahl zu treffen, ist keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, wie vielseitig seine schriftstellerische Tätigkeit ivar. Man wird dem Herausgeber zuerkeunen müssen, daß er diese Auswahl mit Geschmack und Sachkenntnis getroffen hat, so daß sie ein getreues Bild von Gutzkoivs reichen Natur bietet. Ein knappes, aber erschöpfendes Bild, sowie Einleitungen zu den einzelnen Bänden vermitteln dem Leser die Kenntnis der Lebcnsvcrhältnisse und Zeitumstände; und auch das ausführliche Namenregister am Schluß der Ausgabe, wird in Anbetracht der zahlreiche» Anspielungen ° und Zeitbcziehnngcn in Gutzkows Schriften höchst willkoinmen sein. Die Ausstattung ist die in der Goldenen Klassiker-Bibliothek übliche gediegene und geschmackvolle. Arbeitsnachweis der Frank fort-Loge und des Israel, Hülfsvereins. Sitzung: Montag und Donnerstag morgens 10—12, Langestrasse 30, I. Telephon 3728. Wir bitten herzlich, uns Vakanzen und jede Art von Arbeitsgelegenheit mitzuteilen, nm arbeitswillige Glaubensgenossen vor Not zu bewahren. ■___Arbeitsnachweis-Ausschuss. Caf6 Constabler 8tr“8d8Ä“en' 9L .W Gesohäftsleitung: Cafetier Willi Leafeu. D fleaiser Friedrich Quelle -— UffenbacU a. JH. ■ Gegen Gicht und Rheumatismus bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfurt a. M., Stallburgstr. 9. Tel. 259 u. 714. s Deutsches Beobachtungen pr. St. 1 Mk. Ermit- PlPPfiw. telangen, Recherchen h. Auskünfte v. 5 Mk. an. Gewissenhafte Ausinstitnt führung II. strengste Diskretion als mehrjähriger Polizeiu. Kriminalbeamte gesichert. Frankfurt a. M. Zell 53 L — Tel. 11391;- SCHMIDT&SCHIEFER Telephon 13430. Im Trutz 38. Telephon 13430. Gas-, Wasser- und Heizungs-Anlagen. — Moderne Bäder und Closets. "Reparaturen prompt bei zivilen Preisen. Für den dchulbedarf. Reisszeuge, Reissbretter, Reißschienen, Winkel, Linear - Zeichenblocks, Plastilin, Farbkasten, Pastelle etc. Jm EmmeI & Sohn, Schillerstrasse 26 Wocheu-Kalender. (Zeitangaben nach dem Lunch ) Samstag, den 22. April >— 24 Nissan Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr — Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 8 Uhr 20 Min., in Berlin 8 Uhr — Min. Wochenabschnitt: S che mini.—.Einleitend von dem Weiheopfer, das Ahron am achten Tage der Einweihnngsfeierlichkeit darzubringen halte. Ahron sollte sich dadurch — gleichsam offiziell — als von Gott eingesetzter Hoherpriester einführen, stlm Ende der Opserhandlungen hebt Ahron die Hände gegen das Volk hin und segnet es. Auch Moses tut dies. Als Zeichen göttlichen Wohlgefallens verzehrt Feuer das Opfer auf dem Altäre. — Die Freude des Tages wird getrübt durch den plötzlichen Tod der zwei Söhne Ährons, Nadab und Abihu. Es ivar die Strafe dafür, daß sie „gemeines Feuer" ins Heiligtum gebracht. Ahron zeigt beimmdernswerte Standhaftigkeit, er schweigt beim Heimgang seiner Söhne. — Wein und berauschendes Getränk wird opfernden Priestern zum Genuß verboten. Verschiedene Opserteile iverden fixiert, zum Genüsse sür die Priester bestiiniut. — Es folgen mm die sogenannten „Speisegesetze." Von den Säugetieren sind diejenigen mit Wiederkäuuilg und gespaltenen Klauen zum Essen gestattet. (Ein Merkmal allein genügt nicht.) Fische mit Schuppen und ^Flossen dürfen wir ebenfalls geniesten. Bon den Vögeln sind — ohne Angabe von Merkmalen —; nur 24 verbotene Arten genannt, deren Namen wir indes nicht mit Bestimmtheit augeben können, weshalb wir nur die wenigen uns aus der Ueberlieserüng als erlaubt bekannten Arten genieße». —. 8 Kriechtiere iverden aufgezählt, deren Berührung unrein (,,tvme") macht. Auch irdene und hölzerne Geräte, Gewänder aus Stoff oder Leder, Ofen und Herd können „tome" werden. Es gelten für all dies ganz genau spezifizierte Vorschriften. — Bemerkung: die „Speisegesetze" gehören zu den sogenannten „Chukkim", Satzungen, von denen wir keinen Grund wissen, ihn nur vermuten können. Bei den Speisegesetzen ist nur angedeutet, daß ihre Beachtung von Einjluß aus die „Heiligung unserer Seele" ist. N a u s ch - C h a u d e s ch - B e n s ch e n (Rausch- Chaudesch Freitag und Samstag). „Zu Geschenken eignen sich meine Operngläser, Feldstecher,Lorgnons, Barometer. Thermometer, Brillen, Pineenez; Spezialwerkstätte für Optik, Mechanik, Elektrotechnik. Physikalische Lehrmittel." „I. W. Albert. Inh. Paul Wanderey, Hans Neptun, Ecke Neue Mainzerstr. und Weißftauenstr. 11. Tel. 7254, Amt L" _ Taschentücher Grösste und reichste Auswahl in allen Preislagen. F. 0. Strubberg & Co. 25 Neue Mainzerstrasse 25. Offenfcacber Drudtlult »Anlage Telefon 123. Qffonbach a. H. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste TapplChr*Inl0Ung» Gustav Schwarz 14 Gutleutstrasse 14 nächst dem Schauspielhaus. Kein Laden. Tel. 13479. Familie«uachrichte«. Gebürte». Eine Tochter, Herr» Carl Baltin (Bloch), Pforzheim. {

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