Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1911)
- Date
- 1911-04-12
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. ß Seite^ll. Feailkfärter AraEMes Kamilienölatk. Jahren v e rs ä) ie b c.ji. Er war int jüdischen und int allgemeinen Wissen hervorragend nnd als Mensch eine.Zierde des Rabbinerstaitdes. Philadelphia. Nach dem Beispiele der orthodoxen Rabbiner Englands wollen sich nunmehr auch die gese he Streuen Rabbiner der nord-< a.m e r i k a n i s ch e n Union organisieren. Anfang Juli ivcrdeit sich zahlreiche Rabbiner der traditionellen Richtung in St- Paul (Mimi.) versammeln, um über aktuelle Fragen des religiösen Lebens in Amerika zu vcrhaudelit und eine Rabbincrorganisation ins Lebctt zu rufen. G #eui((etoa. 0 Der katholische Geistliche. Bon A. Reife n. Ans dein Jüdischen von I. M. S. Jedeit Sabbat nach Minchah, ivenit der Ruhetag dem Städtchen Lldicn zu sageil schien nnd die Leute ans ihren Häusern hcranskameu, um ihm auf scincin Wege das Geleit zu geben, begannen die Glocken der beiden Kirchen des Städtchens zu läuten. Die eine Kirche war russisch, die andere polnisch, nnd sie wetteiferten miteinander, die Ankunft des „Tags des Herrn" so laut als möglich zir verkünden. ... Das Lünten pflegte die Juden des Städtchens ans ährer träumerische» Sabbatruhe zu wecken und erinnerte sie, dag morgen Sonntag sei, also der Markttag, für dcit sie vorbereitet sein müssen. Die älteren Leute blickten zum Himmel auf, beit sie wie erfahrene Astronome sorgfältig untersuchten ltnd prophezeiten, ob morgen das Wetter schön seiit wird oder tiicht, d. h. ob' der „Markt" gut aussällcn wird oder nicht. Der „Markt" ivar der Judenhoit des Städtchens alles. War er doch die hauptsächliche Quelle ihrer wöchentlichen Einnahmen. Schneider, Schuster tcitd sonstige Handwerker, geschweige schon Händler ttnd Krämer konnteit dett „Markt" ebensowenig tvie Luft entbehren. „Was ist denn an den Wochentagen ztt verdienen, wo man blos auf Jadeit angewiesen ist?" ' pflegten die Leute zit sagen. Die Markte des Städtchens warcil weit und breit bekannt uitd gut besucht. War das Wetter schön, so kamen die Bauern ans den entlegensten Winkeln nach dem Städtchen, nnd das Geschäft war recht flott. Aber auch bei schlechtem Wetter fehlte es nicht au Bauern, die ihre Einkäufe für die ganze Woche machten uitd ihre Erzeugnisse absctzten. Zwar mußten die Lädeit bis Mittagsstunde geschlossen bleiben, damit tticht die Andacht itt den Kirchen gestört toerde, aber man nahm es niemals so genau. Der Polizist des Städtchens erklärte zwar unzählige Male seilten jüdischen llntertanen, dag bis zwölf Uhr keine Geschäfte getrieben werden dürsten, aber war ttie so brutal, die Leute zu bestrafe», die das Gesetz fast regelmäßig übertraten. Nicht daß der Polizist es nicht ernst gemeint hätte mit der Religion, aber der Herr war ein starker Raucher ttnd Trinker ttnd drückte eilt Auge zu aus Rücksicht für diese seine Schwächen. ... Ein Glas Schttaps ist etwas, was im Leben eines russischen Würdenträgers ebeitso wenig zu unterschätzen ist, wie die „Parnossvh" im Leben eincs russischen Inden.' . . Die Juden waren zusriedeit mit ihrem Polizisten und dankten Gott für beit Sonntag und dafür, dag er die Christett in griechisch - katholische und römisch-katholische teilte, die ihre besondere Kirchen haben und ihnen geboteit hat, jeden Sonntag nach der Stadt zu gehen, um ztt beten intd ztt trinken tind Einkäufe ztt machen. Eincs Samstags tcach Minchah, als die Juden vor ihren Häusern wie immer itt Gruppen standen, und die älteren Lcttte beit Himmel untersuchten und eineit großen Markt voraussagten, bemerkte plötzlich einer aus ihrer Mitte, Chajim der Krämer, mit einem Lächeln: „Wie ich bin ein Jude, Brüder, die Glocken in der polnischen Kirche sind stumm geivorden." Die Leute horchten eine Weile auf uitd erlviderten: „Ja, Chajim hat recht; itt der katholischen Kirche ist eS still >»ie, lehawdil, zur stillen Schtnone-esreh." . Die Luft wurde von ein«» Läuten dnrchzittert, das' vom Ende des Marktplatzes kam, wo! hie russische Kirche stand. Das Läuten klang diesmal so mächtig und stolz, als ob die Glocken froh kvären, daß ihr Kling-Klang sich nicht mit dent der katholischen Kirche vermenge, das sie nie leiden mochten. . . . „Das' ist kein gutes Zeichen," bemerkte Berel der Schanktvirt, „ich möchte gern in die Kirche gehett und ersahreu, was das bedeuten soll." „Wozu?" erwiderte Chajim, „da geht Janek, der ein Katholik ist, so tverdeit wir ihn fragen." „Aber sei vernünftig," warf einer atts der Mittee ein, „man muß oersteheu, wie man einen Polen anreden soll." ° „Du kannst.Dich auf mich verlassen, Jankel," erwiderte Chajim stolz, —. „ich habe schon in meinem Leben .mit größeren „Srorcs" als Janek zu tun gehabt." Chajim trat ans der 'Bütte iitib näherte sich dem vorbeigehenden Janek, einem militärisch aussehenden Polen mit mächtigem Schurrbart. „Guten Abend, Pani; wie geht's? Herrschaft begeben sich jetzt wohl in die Kirche zum Abendgottcsdicnst?" Janek seufzte laut aus nnd machte eine unwillige Bewegung mit der Hand. „Atcs mit dem Gottesdienst. . . weder Kirche noch Priester," stieg er verstimmt hervor. ,A)ieso .denn?" kam es gleichzeitig aus der Mitte hervor. „Alan 'hat heute unsre Kirche geschlossen und unseren Geistlichen ansgcwiesen," antwortete Janek traurig. „Aber warum denn?" „Begreift Ihr denn nicht? Wir werden ebenso versolgt wie Ihr. Unser Geistlicher hat in unserer Sprache gebetet, was die Russen nicht gestatten wollen. Ein ruchloser Kerl hat ihn denunziert." Die Juden verstichten Janek zu trösten, aber es war vergebens. Als er fortging, bemerkte Chajim kurz: „Ihr wißt, Brüder, daß der Priester uns mehr fehlen wird als ihnen..." ,^IVieso denn?" „Weil die Katholiken nicht mehr hierher kommen lrerdett. Aus mit dett großen Märkten!" ,^Wie ich bin ein Jude, Chajim hat recht," bemerkte einer mtt einer Stimme, die sehr traurig klang. „Was ein „Schaute" kann;" ärgerte sich eilt andrer, „ioozu braucht er polnisch zit beten, wen» das Gesetz cs nicht erlaubt?" „Ihr wißt, Brüder," tröstete ein dritter, „daß wir es schon bald besser haben als sie. . . Uns Aufruf! Die Anforderungen, die in den jüngst verflossenen Jahren an die Tätigkeit unsres Vereins gestellt Ivurden, insbesondere durch die durch denselben eröffnete Augenklinik in Jerusaleni, sind so groß gewesen, daß die Mittel unsres Vereins erschöpft sind und derselbe sich genötigt sieht, eine außerordentliche Sammlung zu veranstalten. Der Verein Lemaan Zion entfaltete seine reiche Tätigkeit hurch Krankenunterstüizuug und Förderung der Arbeit unter der Bevölkerung Jerusalems, sowohl durch fachgemäße Ausbildung, wie auch durch Gewährung zinsloser Darlehen. Außerdem hat derselbe Armenapotheken eingerichtet und unttrhält Kliniken, sowohl für allgemeine Krankheiten wie auch eine Spezialklinik für Angenleidende. . In den letzteren wurden in den jüngsten drei Jahren 66 897 allgemeine und 100974 Augenkrankheitcn behandelt und 429 Operationen mit Erfolg ausgeführt. Es wäre ein unbeschreibliches Unglück für die Bevölkemng Jerusalemswenn der Beteln aus Mangel an Mitteln genötigt wäre, seine reiche Tätigkeit einzuschtänken, und bitten wir unsere Glaubensbrüder um Zuwendung von Mitteln. Geldspenden find an unfern Kassier Herrn Kommerzienrat Louis Feist» Zeit 114 zu richten. Frankfurt a. M.. 1. Nissan 5671. VsrsiQ Lemaan Zion palästinensischer )<ilfsverein. KemnannJeaukSohn, Telefon-Amt I. 5094. Weingrosshandlung. Begründet 1840. Empfehle aus meiner Abteilung für nDS "11273 WßillB bestgepflegte Rheinu> Moselweine, deutsche Rotweine, BordeauxUngm ii. PalSstinaweine, Cognac, Zwetschenwasser etom zu billig. Berechnung. ■ ■— Lieferung frei Ins Hans. ■ ■ —■ — -= Versand nach' Auswärts. — Sortierte Probekistchen Von 6 Flaschen an und in Gebinden von 15 Liter aufwärts. Israelitische RelßiMsschiile. Das Sommersemester beginnt Mittwoch, den 26. April. Anmeldungen nimmt der Letter. Herr Rabbiner Dr. I. Horovitz während der Ferien zwischen 3—4 in seiner Wohnung lCroitbergerstraße 25, II) entgegen, und am Mittwoch, den 26. April im Schulgebäude, Hermesweg 25/27, zwischen 2%—3% „ .. Unte-lindau 23, „ 4—5. Auch für die Anstalt Hermesweg ist die Eröffnung getrennter Kurse sür Schüler und Schülerinnen höherer Schule» geplant. Besonders aufmerksam gemacht sei auf die bestehenden Forlbtldungskurse in Tenach und in den rabbinstchen Disziplinen (Pentateuch und Nascht, Schulchan Antch, Mtschna und Gemara), an denen auch der Schule Entwachlene tettnehmen können, sowie auf den namentlich für schalentlassene junge Mädchen bestimmten Jortbildungskursus. Ein Schulgeld wird nicht erhoben. Zu jeder näheren Auskunft ist der Dirigent geme bereit. Import Südafrikanischer Straussfedern. Detail-Verkauf zu Engrns-Praisen. Verlangen Sie Auswahlsendttng! Gronestr. 42, H Telephon 7238. SV® 3 Feinste Haifische v d lebm Forellen, Rheinsalm, Laohsforellen, Kl lebm liechte, Bambm Spiegelkarpfen, Barben, q Zander, Turbots, Barben, Heilbutt, Soles 2a alle sonstige Fluss- und Seefische nur feinste Ware. *§ Georg Schauer mann Söhne 46 Grosse Bockenheimerstr. 46. Telephon 6 u. 4890.