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Neue jüdische Presse · 1911-04-12 · Heft 15 (12.4.1911) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 15 (12.4.1911)
Date
1911-04-12
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Berlin. Der auf den II. Juni einberufene Deutsch-Israelit. Gemeindetag hat vorläufig folgende Tagesordnung: 1. Konstituierung, 2. Bericht, 3. Der Entwurf eines Reichs- - versichernngsgesetzcs für Angestellte, -t. Satzungsänderung. Berlin. Das Dcutiche Bureauder „Alli ince Jsraälite Universelle" teilt folgendes mit: Nach Mitteilungen des Leiters der Allianccschule in Cairo nimnlt die h c m c n i t i s ch c E i n w a n d e r n n g i n Egypten, >vcnn auch in kleinerem Maszstab, jhrei, Fortgang. Bom 25. Januar 1910 bis zum 31. März dieses Jahres hat das Komitee von Suez 153 Einwanderer empfangen. Man hat geglaubt, das; der tiirkisch-yemenitische Krieg einen Masscnanszug unserer Glaubensgenossen aus dem Uemen verursachen würde. Das ist glücklicherweise nicht der Fall. Die Letztangekommenen erzählen, das; die Kriegführenden den Israeliten kein Leid zufügen. Diese leben in relativer Sicherheit. Man ist der Meinung, daß die Türkei den Aufruhr unterdrücken und das Land beruhigen wird. Das Ccntral-Äoniitcc der Alliance Israelitc Universelle hat durch Vermittlung des italienischen Konsuls in Hodeida der israelitischen Bevölkerung in Sanaa Hilfsfonds zugchen lassen. Oesterreich-Uugaru. Wie«. Am 5. April hat hier eine Konferenz der provisorischen galizischen Laudeskommission stattgefunden, welche auf Initiative der I. C. A. zur Verbesserung der kulturellen und materiellen Lage der galizischen Juden gebildet wurde. Der Konferenz lag ein Projekt vor, wonach in Galizien ein Verein mit dein Nanicn „Selb st hi l f e", Landesverband für die kulturelle und wirtschaftliche Hebung der jüdischen Bevölkerung in Galizien gegründet iverdcn soll. Der Verein soll die Hausindustrie fördern, Einkaufs- und Verkaiifsgenossciischaften für Handwerker und .Krämer gründen. Ebenso sollen Handwerker- und Kausmaniisgeiwssenschaften geschaffen, sowie Vorschußkasten für Kleinhändler gegründet oder, wenn sic schon bestehen, unterstützt werden. ^Auch die Jugenderziehung soll durch Schaffung von Kindergärten und Fröbelinstituten gefördert werden. Für die allgemeine Volksbildung sollen Lesehallen und Bibliotheken errichtet werden. Es steht zu erwarten, das; auch die Vertreter anderer jüdischer Körperschaften sich dieser großzügigen Aktion anschlietzen werden. Rußland. | ^Petersburg. lieber 300 Personen aus den vornehmsten Kreisen der Petersburger jüdischen Gesellschaft. hatten sich zu der von der jüdischen Gemeinde zu Ehren Dr. H a r k a r h s veranstalteten I u b i l ä u m s f e i c r cingefiulden. Außerdem waren zahlreiche Vertreter auswärtiger jüdischer Gemeinden und Organisationen erschienen, um dem berühnite» Gelehrten ihre Huldigung darzubringc». — Wie der „Rjetsch" berichtet, w ü u s ch t. d.i e j a p a n i s ch e Regierung die A n s i e d l u n g von Juden. Die überaus günstigen Ersahrnngen, die die Regierung mit denjenigen Jude» gemacht hat, die nach dem russisch-japanische» Kriege in Japan zurückgeblieben waren, hat sic beivoge», der Ansiedlnng von Juden ihr besonderes.Augenmerk znznwenden. Moskau. Der Stadtbaupliiiami hat den hiesigen . S ä n a t o ri c » verboten, I ndeu a ns z un e h in e ii, die nicht eine spezielle Erlaubnis haben, ivährend ihrer Kur in Moskau zu wohnen. Schweiz. ° Bern. Hier fand eine Konscrenz jüdischer Studentenvereinc statt, aus der die Vereine „Israel" (Lausanne), „Cheruth" (Genf), „Akademischer Studeutenvercin" (Bern), „Jüdischer Stndenlcnklub" und „Makkabäa" (Zürich) vertreten waren. Es wurde, im Interesse des Rechtsschutzes, der tulturcllen Hebung und der wirtschaftlichen Förderung der jüdischen Studentenschaft an den schweizerische» Hochschulen ein . jüdischer t n d e n l e n - V c r b a n d begründet und in das Zentralbnrean gewählt die Herren cand. mcd. I.' Schwarz (Vorsitzender), cand. jur. I. Kaplan und cand. ined. M. Chidckcl (Kassierer). Die neue Organisation wird in politischer Hinsicht ganz neutral sein. Palästina. Jerusalem. In Pethach-Dkwah hat sich vor kurzem eine Genossenschaft jüdische r Ar a n r c r und Bauleute ' gebildet, die sich die Aufgabe gestellt hat, dahin zu wirken, daß künftig bei Vergebung von Bauarbeiten seitens jüdischer Körperschaften und Einzelpersonen ausschließlich jüdische Arbeitskrästc beschäftigt werden sollen. Der neuen Arbeiterorganisation Wcmkfsrter FssEtiiMFarnMeMaS. : ’ - Nr. 15. ist der Bau der Arbeiterhäuser in Pethäch-Tikwah übertragen worden. — Der vor kurzem verstorbene Militärarzt Dr. Sachs in K a l u g a (Rußland) hat dem Odessaer Komitee der Chowewe-Zion 5500 Rubel für das Heb rät s ch c G h in n a - sium in Jaffa lctztwilljg hintcrlasseii. Personalien u. Kleine Mitteilungen. Frankfurt a. M. Herr S. Heim ann iGaußstraße 24) feiert sein 25 jähriges Jubiläum als Küfernieister bei der Firma Herniann Frank Sohn. Berlin. Dr. Richard Freund, Direktor der Landesversicherungsanstalt, erhielt den Titel Lande s r a t, Justizrat Leonhard F r i cd m a n n wurde in die Kommission für das neue Strafgesetzbuch berufen. Berlin. Der H i l« s v ere i n für jüdische Studierende stellt für jüdische Studenten Berliner Hochschulen folgende Preisanfgabcn: 1. lieber die verschiedenen in neuerer Zeit zur Anwendung gebrachten Anästhesierungsnicthoden und ihren praktischen Wert, 2. Die klinische Diagnose der engen Aorta. — Erster Preis 500 JL — Anfragen an Prof. Dr. F. Lieberinaiin, Bendlerstr. 10. Breslau. RegieiUngs- und Baur.t Epstein ist in die E i s c n b a h n d i r c k t i v n versetzt worden. Stuttgart. Hier verschied im Alter von 67 Jahren einer der Führer der Sozialdemokratie in Württemberg, der Schriftsteller Jakob Stern. Er war seit Jahren leidend. Jakob Stern war früher Rabbiner in Buttcnhausen und hat auch verschiedene jüdische Werke heransgegcbcn, besonders Predigten. Zuletzt wirkte er als Prediger des Freidcnkervereins und war Verfasser von Flugschriften im Marxschen Sinne. -t. Aachen. Dr. med. Richard Schuft er wurde zum korrespondierende u Mitglied dcrSociete sranyaise de derniatologie et syphiligraphie ernannt. Uffenhelm (Baye n>. SamuelZucker feierte am 3. April seinen 90. Geburtstag. Vor vier Jahren beging er die goldene Hochzeit. Crernowit; (Bukowina). Hunde« skam "errat Moritz Picker erhielt den Titel eines kaiserlichen Rates. -Petersburg. Der Seiut entschied, das; die Juden kein Recht haben, russische Vornamen a n z n n e h in c n. Der Kaiser kaufte das - Bild „Im fernen Norden" des jungen jüdischen Malers MoseS Schulzeit, dessen Bilder ans der Frühjahrs- Ausstellung Aussehen erregen. London. In der Börse wurde unter Anwesenheit des Lord-Mayors ein Wandgemälde „Heinrich VI. Die Schlacht bei Barnett 1471" enthüllt. Das künstlerisch hervorragende Bild, ein Geschenk der Firma Eduard Arthur Franklin, ist von cineni jungen, ans Rußland eingewanderten, jüdischen Maler L. H. A m s ch e w i t z ch gemalt worden. New-Nörk. Der Council of Jew'sh women veranstaltet kinemato graphische Vorstellungen aus der Bibel, die sich streng an die Ucbcrlicfcrung halten, um ans diese Weise unter der Jugend Bibclwisscn zu verbreiten. ArrS den Vereinen. Frankfurt a. M. Die Zurücksetzung der Juden in der Armee, die in der zweiten Lesung des Militäretats tut Reichstage von allen Parteien eingehend erörtert worden ist, ivird den Gegenstand einer V c r s a ui m l u n g bilden, die der „Verband der Deutschen Juden" und der „Centralvcrein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" gegen Ende April in Frankfurt a. M. veranstalten. Berti«. Voll Benirdigun» kann die Verein i g n n g"J ü d. A k a d e in i t e r (V. I. A.) auf das Winter-Semester zurückblickcn. Die in diesem Semester besonders große Zahl von Mitgliedern (unter 49 Mitgliedern 35 Studenten), beweist, daß die Vereinigung ihrem Zwecke, den Zusammenschluß gleichgesinnter jüdischer' Akademiker zu fördern, voll und ganz gerecht geworden ist. Der Größe der Vereinigung entsprach auch eine rege Tätigkeit. Die jüngeren Mitglieder wurden im obligatorischen Fnxeiinntcrricht eingcjührt. in die jüdische Geschichte und Literatur und in die Zcitfragen, besonders die, die den gcsetzestrcncn Akademiker angehen. Dem Eindringen in die jüdische Wissenschaft diente zunächst ein Schinr zur Einführung in die Geniarah unter Leitung des Bbr. cand. phil. A. Michalski. Die in der Talmud; kciintnis schon weiter Fortgeschrittenen vcrsanimcltcn sich zweimal wöchentlich zu einem Gemarahschinr unter der Leitung des Bbr. Dr. E. M n n k. Dem praktisch-jüdischen Leben diente ein Mitglicderschinr über „Diiiiin". Bei den allwöchentlich stattfindcii» den Vereinsabenden wurden in wissenschastlichen Vorträgen und den sich daran .anschließenden regen Diskussionen die Grundlagen der jüdischen Welt- und Lebensanschauung behandelt und vertieft Und' allgemein wissenschaftliche Fragen, soweit sic mit dem Judentum i« Berührung kommen, erörtert. Neben der wissenschaftlichen VereinSarbeit wurde auch die Geselligkeit durch Veranstaltungen von Kneipen, Ausflügen und Kegeln gepflegt. Der für das kommende Semester gewählte Vorstand setzt sich zusammen aus den Herren: cand. Phil. Sani. B r o n c (Vors.), Rabb. Dr. E. Ai unk (stellv. Vors.), sind, jur. Max O P p c n hei in c r, stud. med. dent. Rudolf Stein und cand. med. Moses Strauß. Auskünfte: stnd. med. dent. Rudolf Stein, Berlin N. 24, Hamburgerstr. 38 II. Aus der Zukunft. Von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Vollständig erschöpft lag der junge Mann jetzt da, der am Morgen in Gesundheit und Lebenssrischc gradczu gestrahlt hatte. — Ob er bewußtlos war oder nur in Folge der Erschöpfung regungslos und mit geschlossenen Augen dalag, das konnte man nicht wissen. „Wie geht es Lili?" fragte der. Doktor, „wie hat sic es ausgenommen?" Herr Meier zuckte die Achseln. „Es hat sie selbstverständlich auch schwer getroffen, und dennoch —i Sie kennen sie doch, ihr erstes Wort war, wir müssen Gott danken." „Sie ist ein seltenes Mädchen", sagte der Doktor „und überdies, ihre Neigung zu ihrem Verlobten war immer mehr schwesterlicher Natur, während Egon seine Braut leidenschaftlich geliebt hat. Er wird die Sache schwer verwinden." „Lili möchte gern zu ihm, er wäre ihr doch der nächste, ihr einziger Blutsverwandter. — Wie denken Sie darüber? würden Sic sie zu ihni lassen?" Der Doktvr schüttelte den Kops. „Vorläufig unter keinen Umständen! —> Ich glaube nicht einmal, daß er sie in nächster Zeit sehen möchte, er könnte ihren Anblick nicht ertragen," „Arme Kinder, sic haben Schweres dnrchzumachcn. I(nd zu denken, daß wir ihnen das alles hätten ersparen können —" „Sie haben recht, das ist ein quälender Gedanke, wir haben unverantwortlich an ihnen gehandelt." Herr Meier saß mit Tochter und Schwiegersohn am Frühstückstisch beim Kaffee. „Sckiläkt Lili noch?" „Nein", erwiderte Emmi, „sie wollte sogar schon aufstcheii, nur auf mein dringendes Bitten ist sic noch liegen geblieben. Minna hat ihr soeben das Frühstück gebracht." „Das ist recht, sie wird ja doch noch angegriffen sein." „Sehr, ungleich mehr als ich gefürchtet habe, und darum möchte ich, bevor Du, lieber Papa, ins Geschäft gehst, mit Dir über sie sprechen." „Also bitte, ich bin ganz Ohr." „Nein, nicht hier, es liegt mir sehr daran, nicht von Lili dabei überrascht zu lvcrdeii, Du Iveißt, wie es uns gestern gegangen ist." „Also koimn' in mein Zimmer." „Wenn es Dir recht ist, gehen wir lieber hinunter in den Garten." Herr Meier war .einverstanden, sie begaben sich hinunter und gingen eine Zeit lang schweigend nebeneinander einher. Dann begann der Vater: „Also, liebes Kind —" „Also, lieber Papa, ich erwähnte bereits, ich finde Lili noch iveit mehr angegriffen, als ich gefürchtet hatte." „Sollten wir vielleicht den Arzt kviniiien lassen?" Sic zuckte die Achseln. „Ich glaube . nicht, daß der Arzt hier helfen köiintc. Sic ist allerdings sehr bleich, sicht ans, als wäre sie moiiatclang krank geivesen —" ' ' „Du mußt bedenken, Kind, cs ist nicht Geringes, was sie seit gestern dnrchgemacht hat." „Das eben wollte ich sagen, was kann ei» Arzt dabei tun? Ich hätte nie geglaubt, daß Lili sich so — so — so haltlos fühlen könnte, als stände sie ganz allein in der Welt." „Das ist doch nicht gar so schwer zu begreifen; bis gestern hat sie sich als meine Tochter betrachtet, als Deine Schwester, als Egons Braut, — und mit ciiiciiimal ist sie nichts von alledem, — und der einzige Egon, dessen Schwester sie ist, zu dem darf sie nicht." „Ja, ja, das ist's, aber wenn sie auch erst gestern den wahren Sachverhalt erfahren, tatsächlich hat sich doch nichts geändert. Du hast bisher als liebevoller .Vater für sie gesorgt und wirst es . weiter tun. Daß sie daran zweifeln kann, ist mir unbegreiflich."' Herr Meier zuckte die Achseln. „Hast Du ihr das nicht vorgestellt?" „Geiviß habe ich ihr das gesagt, habe sic sogar daran erinnert, daß die Leute oft gesagt haben, sic wäre Dein Liebling, Du hättest sie noch lieber als mich. Aber sie behauptet, mir um Mamas

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