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Neue jüdische Presse · 1911-04-07 · Heft 14 (7.4.1911) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 14 (7.4.1911)
Date
1911-04-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 14. Frankfurter Israelitisches Fanrilienblatt. Seite 3. Donaustaatcs für jüdische Interessen keinen Platz in ihren Programmen haben, liegen die politischeil Verhältnisse in Ostgalizien, wo sich doch ocr Schwerpunkt der österreichischen Inden befindet, stark im Argen. Der Pvlcnklnb, der seit dem Bestände des Berfasinngslebens in Oesterreich stets der mächtigste parlamentarische Block gewesen ist, 'Uhu nie Jo zerklüftet, als gerade jetzt. Nicht we- »iger als vier Fraktionen — Allpolcn, Demokraten, Konservative und Volksparteiler — stehen gegeneinander. Erwägt man überdies, das; es in Ostgalizicn lwch zu einend harten Ringen mit den Rüthcnen kommen wird, so ergibt sich, daß lei kluger Ausnutzung der Verhältnisse wohl mit Erfolgen gerechnet werden darf. Unbedingt notwendig wird es aber sesn, mit dem Unfug der Kräftezersplitterung. zu brechen undeinzig und allein den Grundsatz gelten zu lassen, das; allerorts der richtige Mann an den richtigen Platz zu stellen sei. Wertlose Trutz-Kandidaturen und Versuche zur Befriedigung persönlicher Eitelkeit müssen vermieden werden.. In Kreisen des Jüdischen Klubs hält nran die bis zur Stunde in Aussicht genonij- ,neuen zirka 20 ernsthaften jüdischen Kandidaturen in Galizien für mehr als reichlich, ja als zu zahlreich und denkt daran, einen Modus zu finden, der einen gleichzeitigen Kampf gegen Polen und Ruthenen ausschließt, vielmehr, je nach den örtlichen Verhältnissen, gceigncle Kompromisse, die auf dem Prinzip der Gegenleistung beruhen, eingeht. Aus aller Wett. Deutsches Reich. Berlin. Die Re rchs tags v erha n d lu n g vom 3t. März brachte wieder einmal das Thema der unterschiedlichen Be hauüluu g der n ach R n s; l a n d reisenden Juden zur Sprache. Diesmal war cs der Abg. K ü m p s, der die Frage aufrührte. Es bleibt aber, wie die Antwort des Staatssekretärs bewies, auch weiterhin beim alten. Karlsruhe. 4. April. Dieser Tage tagt hier im Liynngssaal der 2. Kammer die L a n d c s s y n o d e der badischen Inden. Gestern vormittag fanden die Eröffnungsfcierlichteitc» (Gottesdienst n. Ansprache des «tadtrabbiners Dr. Appel-Karlsruhe) statt, lliachmittags ivurden Kommissionsbcratnnge» gepflogen. Hente wurde der Synode der Bndgctvoranschtag für die nächst.» 3 Jahre vorgelegt. I» der Generaldebatte hierüber wurde von einer Seite das «System des Oberrats scharf kritisiert. Der Voranschlag wurde mit einigen Zusätzen (». n. Aufbesserung der Rcligionslchrer - Gehälter bctr.) genehmigt. Sodann polemisierte Dr. Jonas 2 i in o n - Heidelberg als Mituntcrzcichner der Jnterpellativn betr. Dispenserteilung vom liberalen Rcligionsiinterricht, gegen die Bcrwaltungsvraxis des Oberrots. Miuöcr orthodoxer Elter» znm liberalen Religionsunterricht zu zivingcn und beantragte eine diesbezügliche Resolution, die morgen ivahrscheiiilich von der überwiegenden Mehrheit der Synode angenommen werden wird. Näherer Bericht in der nächsten Nummer. >. Metz. Die bestehenden Soldaicnheiine trage» ini allgemeinen einen konfessionelle» Charakter: man kann daher die Errichtung eines s ii d i s ch c li S v l d a t e n h e i >» s nur freudig begrüßen. Metz ist die erste Stadt, in der nunmehr ein solches begründet worden ist und zwar dank der Lothringer Loge und des Herrn Th. G o l d s ch m i d t. In den prächtigen Räumen des früheren Wiener Eases am Kaiser Wilhelm-Ring fand heute die feierliche Eröffnung statt. Erschienen wäre» ». n. Generalleutnant Pclk m a n n und Major Schic ichcr. Obcrrabbiner Dr. Netter leitete als Präsident der Lothringer Loge den Akt mit einer Rede ein. Sodann sprachen S ch w e i ch h ö f e r - Würzburg für die Großlogc und S. Loeb - Trier für die Saar - Loge. Generalleutnant Pelk- >n a n n richtete markige Worte au die jüdischen Soldaten -— es waren deren mehr als >00 erschiene» —. Oesterreich-Ungarn. Wien. Die „Jüd. Ztg." bringt folgende Beweise für den erzieherischen Einst u s; der s ü d i s ch - »nt ionastdn Abgeordneten ans ihre j n d i s ch e ii K o l l e g c n: ..Biele Jahre saß Dr. Heinrich Ko lisch er im v?rlamente. Cr gilt für einen Fachmann in Eisenbahn- und Eolkswirtschafts-Angelegenheiicii. lim die Juden kümmerte er "sich überhaupt nicht. Welch anderen Ton schlügt Dr. Kolischer in der jetzigen Session an! Seine Rede in der Schänkerangclegenheit bei der galizischen Enqnöte, seine Rede über das Hausierergesctz im Abgeordiictciihanse unterscheiden sich in Form, Ton und Inhalt wesentlich von denen seiner Kollegen. Nie wären diese Reden an berufenen Stellen in Lemberg und Wien gehalten worden, wen» nicht d'er jüdische Klub im Hause säße! . Hosrat K n r a u d a unterzieht das Verfahre» der galizischen Verwaltungsbehörden in Angelegenheit der Volkszählung im Biidgctausschnsse einer scharfe» Kritik und verdammt die Bestrafung derjenigen Inden, die sich zu ihrer Muttersprache bekennen. Im liberalen Doktrinär, im strammen Dentsch-Rationaleii erwacht das jüdische Gefühl. Wäre das auch in -Abwesenheit des jüdischen Klubs erfolgt?" Budapest. Eine z„m großen Teile aus Vertrelern der „Machsikci Hadast"-Vereine znsainine»- gcsetzle Konferenz beschloß die Gründung eines Ort h v d. L a ii d c s Verbandes, dem sämtliche Mitglieder der „Machsikei Hadas;"- Bereine co ipso angehöre», und dem andere orthodoxe Juden mit 2.— Kr. Jahresbeitrag beitreten können. Budapest. Der jüdische Advokat Dr. Albert 2 z ö k c l y in 2 ä t v r a l j a n j h c l y veröffentlichte dieser Tage in ciiicm dortigen Blatt einen /-Artikel, in dem er die Sztrovküer und B a r t f e l d e r G r c n volizei s ch a r s a u - greift, weil sic in grausamer und unberechtigter Weise zu st r enge r W inte r s z e i t eine A n - zahl j ü d i s ch c r Familien, die bereits seit 20, -30, ja sogar seit 40 Jahren in Sztrovkr, wohne», ohne Rücksicht auf die von ihnen eingelegte Beriisiing a n s g e w i e s e n hat. Die Regierung hat nunmehr die Sätoraljaiijhelyer Staatsanwaltschaft ermächtigt, gegen Dr. Szökel» wegen öffentlicher Berte u in d n n g d a s Verfahren ei n z u teil e n. Der Prozeß wird vor den Kaschauer Geschivorenen verhandelt lverden, und man bringt ihm schon aus dem Grunde großes Interesse entgegen, weil er so manchen Gewaltakt der Grenzpolizei gegen wehrlose Juden zutage fördern dürfte. Sereth. Die Stadthalterci hat z w ö lf j ü d i s ch c F a m i l i e n a usge w i e s cii. ES handelt sich um Leute, die während der russischen Progromc nach hier gekommen sind und sich ehrenhaft als Handwerker ernähren. Großbritannien. Landau. Vorigen Mittwoch wurde in feierlicher Vcrsaiiimluiig in Albert Hall, dem größten Gebäude Londons, die 300 j ä h r i g e W i e d e r k e h r d e r V e r ö f f e n t - l i ch u ii g d er söge n a nute n a n t o r i s i e r - t e n Bibel ii b e r s e tz u n g begangen. Soweit die englische Zunge reicht, in den entlegensten Kolonien, sowohl in dem Schlosse des Fürste» als auch in der Hütte des Bettlers ist diese Uebersctzung das eigentliche k l a s s i s ch c W e r k der e n g l i s ch c n S p r a ch e und übte m c (;■ r Einst u ß auf die r e l i g i ö s e und l i t e r a r i s ch e Ent iv i ck l u n g d e r f o l g ende » I a h r h n n d c r t e ans als i r g e n d e i » a n d e r c s W e r k. In der Blütezeit der höchsten Kultur ciitstaiiden, za einer Zeit, als Shakespeare »och lebte, sehen wir, daß es einem späteren Zeitalter Vorbehalten war, die Meisterstücke, welche durch den Einfluß der Renaissance hcrvvrgebracht wurde», zn würdigen, während die Bibel gleich Bes in von allen Klassen der Bevölkernng nahm und die volitischen Ereignisse der folgenden Zeit hauptsächlich ihrem Einfluß ziiziischrcibcn sind. Diese Ueberseimng, die bis vor kurzem auch die einzige war, die den cn g l i s ch - s v r c ch c » d e n I u den d r r ganzen Welt zur Verfügung stand, war natürlich nicht die erste, die überhauvt i» England erschienen ist. Die srühcren Uebersetzungen waren aber immer das Wert einzelner Gelehrten, mit dem Vulgat als Grundlage, während im Jahre 1.1,04 die ersten Kräfte Englands - auf Geheiß des Königs Jakob I. — das Werk gcmeinschiftlich in Angriff nahmen. Noch war England de» Juden verschlossen: der Geist der Revolution, der mir so manchem Althergebrachten ausräumte, mußte erst durch das Land gehen, ebe es. Menasse beu Israel gelingen konnte, sie in ' das Land der Freiheit zurückzuführeii. Die früheren llebersetzuiigen riefen einen Sturm der Entrüstung hervor, namentlich von klerikaler Seite, da es den geistigen Leitern des Volkes ungeheuer schien, dem Volke die Bibel in der 'Volkssprache in die Hände zu geben. - Der llebersetzer Tyndäll, dem als Ziel vorschwcbte, die ewigen Wahrheiten jedem Bauer geläufig zu machen, fand den Tod ans dem Scheiterhaufen. Und er stellt leider nicht das einzige Beispiel ans der Kulturgeschichte der Menschheit. Welchen Einfluß dieses „Buch" ansädte, kann man sich heute kauiii vvrstellen. Man hat England oft das Land der Bibel genannt: - aber mit welcher gewaltigen Kraft durch die Bibel die Seele des Volkes durchrüttelt wurde, als. ihm zum' ersten Male die ewige» Wahrheiten augeboten wurden, kann die heutige Welt kaum noch fassen. Denn diese Wahrheiten, durch so viele Erzeugnisse der modernen Kultur langsam dnrchsickernd, verleugnen ihren Ursprung nur zu oft. Die Wechselwirkungen zwischen Volk und Volk, das Nehmen und Geben ist immer dem Studierenden der Weltgeschichte ein anziehender Gegenstand. . Wer die Wirkung, die Milton auf Klopstock ansiibte und ihre Folgen in der deutschen Literatur allein wage» will, der tut gut, auf die Snnode zu blicken, die der pedantische Sohn der unglücklichen Maria Stuart einberief, um endlich Frieden zu schließen zwischen den verschieden.'» Ausgaben und ihren mehr oder weniger tendciiziöscn Aufsassuiigcn. Vor 2;"> Jahren war endlich die Zeit gctoniinc», diese Uebcrsepuiig, . die in, Jahre iUl I erschien, zu revidieren. Die ersten Gelehrte» Englands wurden mit der Arbeit betraut, die besten Erzeugnisse der Bibelwissenschaft, das Resultat der archäologische» Entdeckungen der letzten Jahrzehnte, das pietätvolle Hincinleben in den Geist der alte» Schi ist »nb der alten, von jedem anerkannten jüdischen Erklärer, dieses altes macht die neueste Uebersepüng, die „revieived' Version", zu einem Werk, das eine langsame Evolution der 'Ausgabe von U>II dnrstellt und . auch dem jüdischen Gelehrten manches Anregende bietet. Möge die Zeit nicht allzufern sein, wo jüdische Gelehrte sich, von demselben Geiste , beseelt, zusammen finden, um eine Uebcrsetznng an zufertigen, die de» englischen Juden das bietet, was der ganzen Welt durch die llcberfetziingeii in ungezählte Sprachen und Dialekte geboten winde. P. Rußland. Petersburg. Das Fortbestehen der von Baron David Günzburg s. A. gegründeten und geleiteten H o ch s ch u l e f n r ü i e W i | f c n f ch oft d e S Indentu m s ist fraglich. Sic muß nach dem Tode Günzbnrgs de» Namen eines andern Leiters nnnchine», und hierzu steht die behördliche Genehinigniig noch aus. Ferner müßten die Dozenten und Hörer das Wohnrecht in Petersburg erlangen. Bisher waren die ,H ö r e r d e r H v ch s ch u l e als H a n d w e r k e r ode r a l s Dienerst m H a n f e akademisch gebildete r I u d e n a >i g e - meldet und koiiiitcu nur auf diese Weise ihren Studien in Petersburg obliegen. Nuninehr ist inan jedoch entschlossen, die Akademie auszulöseii, wenn es "nicht gelingen sollte, für ihre Hörer das legale Ausenthalstsrcchr in Petersburg zu erwirken. Petersburg. Laut Depesche aus Kiew bat die dortige Behörde eine neuerliche Revision des Wohnrechts der dortigen Juden vvrgenoiiimen und daraufhin 200 j ü d i) ch e F a m i l i c n n » t e r 'A n t l a g e gestellt, weil sie sich nicht mit ihrem Fache, sondern mit dem Handel beschäftigen würden. Die A n k l a g e bedeutet für tan s c n d j ü d i s ch e 2 e e l c ir d i c A u s iv. e i s n u g! Palästina. Jerusalem. Die Je sch iw ah ..Tauros C h aj i in" und das A l t e n 1) c i m „M a ii s ch n w S c k e i ii i m" sind trotz ihrer G c l d k a t a st r o p h e in niiunlerbrvchenem Betrieb geblieben. Das Alten heim dürste infolge der Bemühuiigeii seiner Bcrwaltiiugsmitglicder Piues, Frumkin und Be» Tnwjah über die Krisis biiiwegkomiiien, und die Jcschiwah will Menachem Mendel Rand, ein vor mehrere» Jahre» -ans Galizien eingewanderter sehr reicher Ehassid, ans sich übernehmen, trondem sie nicht chassidisch ist. Die 'Aiigelegeiir.eiien der anderen von der Katastrophe b-etrosienen Anstalten stehen aber noch schlecht. G i'CinITßfon. Aus der Zukunft. Von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) „Mama hat es Dir schon gesagt: Tu warst schwer krank, — wir dursten Dir die Wahrheit nicht mitteilcii, — wir wäre» gezwungen. Dich zn täuschen - „Ja, ich weiß, Ihr habt mir gesagt, daß Awrohmle erschlagen worden ist, — und er lebt, ist Lili's Bruder. — Sei versichert, ich werde nicht ruhen, bis ich ihn ausfindig gemacht habe!" . „Du brauchst ihn nicht zn suchen!" „Er ist bereits gefunden?" rief Egon aufspringend. „äSo ist er? — wo? —" „Hier" versetzte der Doktor mit heiserer, bebender Stimme, indem er den jungen Mann mit

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