Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1911)
- Date
- 1911-04-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. . " - Frantfurier ZsrneKtiWes Familienklaü. Nr> 14. beiden Armen umschlang inid, ihn wieder nieder in den Sessel -rückte. ,^>ier?" wiederholte Egon noch imiiier verständnislos. , . Da stürzte Iran Doktor Hoffmann vor ihm nieder und umklammerte ihn mit .beide» Armen. „Egon!" schluchzte sie „Egon! verstehst Du cs denn' noch immer nicht? — Du bist Awrohmle! — Du bist Lili's Bruder!" Ein schriller, gellender Schrei entfuhr den Livven des' sungen Mannes, er war aufgesprungen und stand nun da wie erstarrt vom Entsetzen, sein sonst so frisches' 'Besicht war totenbleich, feine Äugen schienen hervorgeguollen aus den Höhlungen, während 'die Haare auf seinem Haupte sich empvrsträubten. Wie ein Schauer fuhr's durch sein Glieder. „Ich Awrohmle! —- Ich Lili's Bruder! —" und plötzlich brach er ein lautes, gellendes Gelächter aus': „Ich Awrohmle! — Ich, Lili's Bruder!" Und dabei lachte er imaufhörlich, uird sein Gelächter warb mehr und mehr grauenvoll — und - dazwischen immer die wie Hohn klingenden Worte: ,Hch Awrohmle! — Ich, Lili's Bruder! —" Vergebens.bat Herr Meier, vergebens flehten die wackern Leute, denen er teuer war lvic ein eigenes Kind, er möge zu sich kommen, möge sich fassen — Er schien sie nicht zu hören, er lachte und lacht wohl eine Viertelstunde lang, bis er endlich mit grauenvollem Aufschrei zusamnienbrach. Die beiden Männer, die daneben standen, hatten ihn nicht anfhalten können, er lag auf dem Fußboden in wildesten Zuckungen, wie von unsichtbaren. Händen schien er oft emporgehvbcn und wieder zurück geschleudert zu werden, cs war ein schauervoller Anblick. Der Doktor tvar zum Telephon geeilt, den Arzt herbei zu rufen; seine Kau hatte eine Matratze herbeigeschleppt, auf die die Männer den Kranken sorgsam betteten; die Zuckungen hatten noch immer nicht nachgelassen. „Ich Muß jetzt nach Hause", sagte Herr Meier, nach seinem Hute greifend, „must Lili das Schreckliche müteilen — Gott stehe mir bei!" „Gott stehe uns' allen bei! fügte Frau Doktor Hoffmann hinzu, „aber Sie tverden sehen, Lili Wird cs nicht so schwer treffen wie unfern armen Jungen." — Langsamen Schrittes ' betrat Herr Meier sein Haus. 'Einige Augenblicke blieb er in der Halle stehen, noch war er sich selbst nicht klar, ~ wie er das, was er zu tun hatte, beginnen sollte. Dann trat er zu dein Zimmer feiner Tochter und klopfte an die Tür. „Einmi!" rief er, „auf ein Wort." „Sofort, Papa" erwiderte Emmi, indem sie die Tür aufschloß, „inr Augenblick bin ich mit Lili's Frisur fertig. Willst Du hereinkonimen?" ,',Jch erwarte Dich im Wohnzimmer, aber, bitte, beeile Dich!" „Ein Augenblick!" Er hatte in der Tat kam» den Hut abgelegt und sich halblaut ächzend - in ein Fauteuil geworfen, als die Tür aufgerissen wurde uird Emmi auf ihn .zueilte. „Was' wünschst Du? — aber bitte, ich must Lili noch den Kranz imd den Schleier stecken und selbst twch Toilette machen. — In einer Viertelstunde. wird der Wagen Vorfahren." Herr Meier zuckte die Achseln. „Für den Wagen haben wir im Augenblick keine Verwendung." Emnri blickte .ihn betroffen an. „Ich verstehe Dich nicht, Papa." „Das kannst Du auch nicht, liebes Kiud! — Arme Lili! —: leider! leider können wir's! ihr nicht ersparen. Gebe der Hinimcl, daß es sie nicht so schwer trifft , wie Egon." „Um Gott, Papa! — was ist geschehen? Ist 'Egon erkrankt?" ,Lerr Doktor Hoffmann hat schon zweimal an den Doktor telephoniert — hoffentlich ist er schon drüben." .; „Großer Gott, wie wird Lili erschrecken!" ' „Du mußt es' ihr schonend Mitteilen." „Wie soll' ich das machen? sowie Lili nur ein Wort hört, läuft sic in ihrer Brauttoilette hiilüber!" „Das darf sic nicht! um keinen Preis." „Aber Papa, ich tverdc sie nicht zurückhalten können. — Was' ist. ihm geschehen? ist es denn so arg, daß sic nicht zu ihm darf?" „Setze Dich, dann teile ich Dir alles mit." „Nur eineit Augenblick, Papa, ich will nur Lili sagen, das; es' noch Zeit ist, und daß ich gleich bei ihr sein werde." Sie^ eilte hinaus und kam sofort wieder zurück, sie liest sich in seiner Nähe nieder, und er teilte ihr nun eingehend alles mit. Aber sie .schien kaum imstande, cs zu fassen; kopfschüttelnd und mit weit aufgerissenen Äuge» starrte sie ihn an, .als spräche er in einer ihr fremden Sprache. . - „Das kann doch unmöglich währ sein, da nmst doch irgendwo ein Irrtum sein!" „Kind, glaubst Du, ich würde Dir die Hiobsbotschaft bringen, wenn ich mich nicht überzeugt hätte, das; kein Irrtum möglich." „Verzeihe — Du hast recht — Aber ich kann das Lili nicht Mitteilen —, unmöglich! — ich kann es doch selbst kaum fassen." Da vernahmen sie in der Nähe der Tür ein Rauschen wie von seidenen Gewändern, unwillkürlich * wandten sich ihre Augen dorthin und erblickten Litt, die mit geisterbleichem Angesichts in ihrem neistschimmerndc» Brautkleid schon seit mehreren Minuten dort gestanden. — Emmis Ab- Ivesenhest hatte ihr zu lange gedauert, sie hatte sie erinnern w-ollcn, daß die zur Trauung bestimmte Stunde bereits begonnen. — Sie >var in das Zimmer getreten, ohne von den in ihrer Unterhaltung Vertieften bemerkt worden zu sein, — und so .hätte sie alles gehört — alles! Aber kein Schrei hätte sich ihrer Brust entrungen, kein tolles) wahnsinniges Lachen. Die gerungeneil Hände gegen das wild pochende Herz gepreßt, kam sic schwankenden Schrittes näher, nsthrend ihr weißes schinimerndcs Brautkleid wie eine gleisnerisch schimmernde Riesenschlange hinter ihr drein rauschte. „Lili!" schrie Emmi, auf sie zueilcnd, die Wankende zu stützen, „um Gotteswillen! wie sichst Du aus! — >vas ist Dir?" „Nichts" — stammelte Lili, „gar nichts! — >vir 'müssen Gott danken — Gott danken —" Aber wie ein Schauer durchrieselte es ihre Glieder, und dann sank sic in einen Sessel und sah wie erstarrt, mit gerungenen Händen, das sonst so liebliche Angesicht bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Laut schluchzend hielt Emmi sie nmschlungen, ihr Schmcichelworte zuflnstcrnd und die 'bleichen Wangen ihr streichelnd, tvä.hrcnd ihr Vater sich vergebens 'bemühte, ihr Trost znznsvrechen. — Ob sic beide auch nur hörte? Eine Stunde mochte vergangen sein, ohne daß sic sich auch nur ein einzigesmal geregt hätte. Diese anhaltende'Starrheit beunruhigte ihre Angehörigen weit mehr, als laute Klagen sie hätte beunruhigen können. Herr Meier glaubte dieses unheimliche Schweigen um jeden Preis brechen zu müssen; er sagte daher mit lauter Stiinmc: „Ich must hinüber gehen, must sehen, was unser .armer Egon macht." Lili führ zusammen. „Egon!" sliisterte sie, „mein armer, armer Bruder!" Sie stemmte beide Hände aus die Armlehnen des Sessels und wollte sich ausrichten, — aber die Kräfte versagten ihr. „Was möchtest Du?" fragte Emmi, „kann ich etwas für Dich tun?" Das bleiche Mädchen .schüttelte verneinend den Kopf. „Ich will zu ihm — zu meinem Bruder, — ich gehöre doch zu ihm —" „Gewiß, liebes Kind," sagte Herr Meier, „gctviß gehörst zu Deinem Bruder. Aber Egvn ist nicht so stark wie Du, so ohne Weiteres darfst Du heute nicht zu ihm. Dein Anblick könnte ihn all zu sehr erregen." Ein schlecht unterdrücktes Wimineru entrang sich ihrer Brust, sie sank wieder zurück - in den Sessel. „Akut, liebes Kind! Mut, mein kleines, tapferes' Mädchen, cs >vird mit Gottes Hilfe noch alles gut werden. Ich gehe jetzt hinüber, mich nach Deinem Bruder uinzuschcn und werde Dir dann berichten." Er begab sich in der Tat durch die aneinairdcrstoßenden Gärten hinüber in das Nachbarhaus. Der Arzt hatte sich erst vor wenigen Minuten entfernt, nachdem die Zuckungen bereits etwas früher nachgelassen hatten. _(Fortsetzung folgt.)_ „Zu Geschenken eignen sich meine Operngläser, Feldstecher.LorgnonS,Barometer Thennometer.Brillen, Pincenez; Spezialwerkstätte tür Optik, Mechanik, Elektrotechnik. Physikalische Lehrmittel." „I. W. Albert, Inh. Paul Wandereh, Haus Neptun, Ecke Neue Mainzerstr. und Weißftauenstr. 11. Tel. 7254, Amt I." VammiaL M Gustav Schwarz I PnniniP l^Gutleutstrassel4 1 nächst dem Schauspielhaus. Kein Laden. Tel. 13479. Kinder-Wäsche empfehlen in-grosser Auswahl und allen Preislagen F. 0. Strubberg & Co. 25 Neue Mainzerstrasse 25. Kunst und Literatur. Sinai-Briefe. Eine moderne Glosse von einem Rechtsgelehrten. 132 Seite»; Neuwied, I. Meinckes Verlag. In siebzehn Briefen an seinen Neffen zeigt der ungenannte Autor, wie' die Zehn Gebote alle Fragen des Seins in sich schließen, lvie sich bei»; Eingehen in den Geist eines jeden ihrer' Worte eine ganze Weltanschauung aus. ihnen aufbäut. Es find Briefe von' tiefer erzieherischer Wirkung, die da vor uns liegeil. Sic sind nicht eigentlich au Juden gerichtet —. nicht ein einziges Mal finde» sich mit ausgesprochenen Worten Beziehungen zun, Judentum —, aber ihr Schreiber kann nur ein Jude von gediegenem jüdischen und allgemeinen Wissen sein, und was sie geben, sind Anschauungen des Judentums. . Drataehm Frankfurt a. M. Zoll 53 1. -Tel. 113B1. — Beobachtungen pr. St. 1 Mk. Ermittelungen, Recherchen n. Auskünfte t. 5 Mk. an. Gewissenhafte Ausführung u. strengste Diskretionals mehrjähriger Polizeiu. Kriminalbeamte gesichert. Für den Schulbedarf. Reisszeuge, Reisahratter, Reis-'schlenen, 'Winkel, Linear»Zeichenblocks, Plastilin, Farbkasten, Pastelle etc. Jm Emmel & Sohn, ScliillerBtrasse 26. Wocheu-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Luacb.) Samstag, den 8. April l— 10. Nissan': Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 35 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 55 Min., in Berlin 7 Uhr 35 Mn. Wochcnabschnitt: Z a w. — Es wird von den beständige» Altarfeuern, von besonderen Arten von Spciscopfern, voll den Vorschriften für das Sündopfer, Tchnldopfer, Fricdensopfer und Dankopfer berichtet. -Zeit- und Reiheitsvorschrift für den Genuß der Opferteile. Unerlaubte Genußstücke. Eintleidnng und Weihe der Priester für ihren heiligen Dienst. (Achnliches in Tczawch). Salbung mit Olivenöl, siebentägiger 'Aufenthalt im Vorhof des Stiftszeltcs. S ch a b b o s-H agodaul. — Der iSabbat vor Pesach führt den Namen Schabbos-Hagodaul (der „große" Sabbat! zur Erinnerung an das große Wunder, das sich an unseren Vorfällen in Aegypten vollzog. Sie stellten das von den Aegyptern göttlich verehrte Lamm zum Schlachten bereit, und doch schwiegen ihre Zwingherru sazu! Das' war gleichsam ein Wahrzeichen der bcvorsteheilden Erlösung. — Die „I a n z e r" - E i n s ch a l t u n g handelt von dieser wunderbaren Tatsache und enthält viele rituelle Vorschriften für Pesach. P es ach. Festesbeginn: Mittwoch abend 7 Uhr (Frankftirter Zeit). Während des Pesachfestes, das an die Begrüildung des jüdischen Volks körpers durch die Erlösung ans Aegypten erinnert, ist alles Gesälierte zum Genüsse und zum Besitze verboten. Geräte, die Chomezstoff enthalten, können auf Pesach nach vorgcnommenem Glühen und Käschern benutzt werde»; irdene ausgeschlossen. Das Gefäß must 24 Stunden vorher ungebraucht gewesen sein. Das Wasser sei strudelnd. Oefen ivcrden bis Rotglühhitze bcziv. Funkensprühen erhitzt. Die Gefäße müssen vor der Prozedur peinlich bereinigt ivcrden. Hier nur soviel! Der C'hvmez g e n u st ist schon am E r e w Pesach von ungefähr 9 Uhr untersagt; der Verkauf bis gegen 10 Uhr 20 Min. gestattet. Weder ii» Hanse noch sonstigem Eigentumsraum darf Chomez bleiben. Sonst ist cs' selbst nach Pesach zum Genuß verboten. An Nichtisraeliten verkaufe mans mit richtigem, nicht Scheinvertrag. — Am 13. Nissan (Dienstag) abends findet „Bcdikas Chomez" statt. Brocho: Al Biur Chomez. Bezieht sich zugleich ans das' morgige Verbrennen. (10 Uhr.) Das „Chomczlegen" eigentlich unnötig. Man sprickst die Formel „Kol-chamiro" abends und morgens in der vorgeschriebenen Form. Dadurch gibt man das Eigentumsrecht auf. Es ist Sitte, daß am Erew Pesach die erstgeborenen Söhne fasten. Man nimmt am Erew Pesach „Challo" von Mazzos; mehrere Packele vereinige man zu diesem Zweck unter gemeinschaftlicher Ueberdeckung. Man esse nicht Mazzos; Gebackenes daraus zum Genus; erlaubt. Haarschecren, Nägelschneiden vormittags, da nachmittags zur Tempclzeit Jomtof war Ivcgen Darbringung des Pcsachlammcs. Mn» macht diesmal „Ereiv Tawschilin," da sich dein 2. Tag Pesach sofort der Schabbos anschließt. Der Seder: Hierüber Näheres in jeder Hagadah! Om erzählen: Omer war ei» gcwisscs Mast, das man voll Gerstenkörner am 2. Tag Pesach brachte. Bon da an' zählte man sieben Wochen bis Schowuaus. Lehre hieraus: a) das Erstgcschnittcne dankbar Gott zu weihen; I>) Pesach und Schowuaus gehören zusammen, erst die Gesetz gcbung krönic den Auszug ans Aegypten. — Ma» zählt nachts; kanns auch am apdcreu Tag — ohne Brocho — nachholen. Wer einen Tag ganz übergangen, darf die folgende» Aveüde nur ohne Brocho zählen. . . . Offtnftacbtr Druckluft- Anlage Telefon 123. OHanbach a. H. 'ijläefqn 123? Unübertroffene bewährtest» TapplCfirilInlfflinff>