Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1911)
- Date
- 1911-03-31
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Air. 12 selten vuf bewußter Insinuation und- Lüge beruhenden Urteile und Vorstellungen der Antisemiten über das Judentum, — alles wurde Dort Meininger herbcigezcrrt, um das a priori gefällte Urteil zu bekräftigen Ist das Weib eine kulturelle tatoula/ rasa, so ist cs das Judentum in noch größerem, gewissermaßen potenziertem Maße. Ergo — ist das Judentum als solches quand meine zu überwinden. So schuf sich Meininger sein Judentum nach dem Weltbilde seines„Erb!- seindes" — des Weibes, damit er es samt diesem der verneinenden Ueberwindung preisgeben konnte .... Das empirisch-historische wie gegenwärtige Judentum scheint Meininger wie theoretisch, so auch Praktisch wenig gekannt zu haben. Nur eines fühlte er, und zwar so intensiv, wis vielleicht die . wenigsten seiner jüdischen Zeitgenossen: nämlich, daß das heutige Judentum in seinem unaufhörlich en Schwanken, zwischen Zwitterkultur und Bastardkultur unmöglich als solches bejah t werden kan».***) Ein anderes sah Meininger nicht, — so mußte er cs gänzlich' negieren .. . „Es ist innerlich bequem, Jude zu sein", ruft Meininger cinnral verächtlich aus. Sein Leben und Sterben haben diese Behauptung Lüge gestraft und das gerade Gegenteil von dem bewiesen... . .. (Schluß folgt.) Aus aller Welt. Deutsches Reich. Berlin. Am 27.' ds. Mts. wurde aus..Veranlassung des Deutschen Lyceum-Klub i n d e r Vo l k skuustabteilung bei A. Werthcim eine Ausstellung Palästinensischer Spitzenarbeiter und Arbeiten des Bezalel eröffnet. Der Lhccum-Klub war hauptsächlich bestrebt, in dieser Ausstellung, ueben anderen Hand-Arbeiten aus Palästina, diejenigen Spitzen zu zeigen, die in den Ateliers des „Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina" hergestellt werden.' Die Spitzen fanden sehr viel Beifall; cs wurde. vielfach von Sachverständigen die Feinheit der Technik bemerkt, die derjenigen der Araberinnen gleichkommt und sogar manchmal übertrisft, trotzdem in den Ateliers des Verbandes erst seit 2 Jahren, in Tiberias gar erst seit 4 Monaten gearbeitet wird. Der Verband beschäftigt in seinen Ateliers in Jaffa, Jcrusalcin und Tiberias über 100 Mädchen, außerdem arbeiten jetzt schon einige Kolonistinncn bei Jaffa diese Spitzen. Im Nmnen des Lyceum-Klub eröffnetc Fräulein M a r e l l e die Ausstellung. Professor Marburg wies sodann in einer Ansprache auf die Momente hin, die zur Gründung der Zionistischen Organisation, des Bezalel und des Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina führten. Berlin. 'Der „Bund der Deutschen Nordmährens" in Olmütz, eine waschecht antisemitische Organisation, überschwemmt die „rcichsdcutschen Volksgenossen", darunter zahlreiche Juden, mit Auftufen zur Zeichnung von Anteilscheinen für einen „Grundkausfonds", der dazu dienen soll, Grund und Boden in den deutsch-tschechischen Grenzgebieten für deutsche Volksgenossen anzukaufen. „Eine R o s e g g e r s a m m l u n g in kleiner in M aßsta b" nennt er den neuen Fonds. Der Mißerfolg, den die Roseggersammlung des jndcnfeindlichcn Deutschen Schulvereins infolge der Warnungen der jüdischen Presse bei den Juden hatte, scheint die wackcrn deutschen Antisemiten Oesterreichs nicht abgeschrcckt zu haben, und so versenden sie den» wieder einmal an die mit den österreichischen Verhältnissen nicht vertrauten deutschen Inden tausende von Bettelbriefe», in denen zu Zeichnungen für ihren Grundkaufsonds ausgefordcrt wird. Demgegenüber ist cs Pflicht der selbstbewußten jüdischen Presse, das jüdische Publikum aufzuklären und vor diesen neuen Lockrufen entschieden z n wa r - ne«. Die in eisten Unterzeichneten des vom „Ernting 1910" datierten Aufrufs sind b c k a n n t e a u t i s e m i t.i s ch e Agitatoren. Die ganze Tätigkeit des Bundes der Deutschen Nordmährcns bewegt sich in antisciiiitlscher Richtung, und der Jude, der diese Organisatioir unterstützt, fördert mit seinem Gelbe judenfeindliche Bestrebungen. Hannover. Zu Gunsten des hier zahlreich ansässigen jüdischen Proletariats soll ein moderner Kinderhort gegründet werden. JL 20 000 sind durch Sammlungen aufgebracht worden, M 34 000 und das ***) Siehe m. Art. „Zwitterkultur und-Bastard- Miur" in der „Wage" Wien 1910. Nr: 46; Baugrundstück gibt ein seinerzeit von Moritz Simyn gegründeter Verein zur Förderung des Handfertigkeits-Unterrichts, insgesamt JL 32 500 gewährt die A. und F. Simon'sche Stiftung. Ein großes Grundstück für Gartenbau- und für Erholungs-Zwecke steht zur Verfügung, Werkstätten zur Beschäftigung. der Kinder werden gebaut. Der Grundgedanke ist, den Nachwuchs unserer ärmsten Glaubensgenossen,. der ohne Eingriff von außen dem Hausierhandel oder ungelernten Berufen überantwortet wird, f r ü h - zeitig zur Freude an gelernter und gewerblicher Arb ei t zu erziehen. An der Spitze des vorbereitenden Komitees stehen die Herren Sigmund Federleiu, W. Jasfe, Dr. Katz, Scminardirektor Dr. Knolle r, Sartorius R h e i n h o l d und Fran Neubcrg. Man hofft, bald mit dem Neubau beginnen zu können. München. Die Jubiläumsfeierlichkeiten zu Ehren unseres Regenten haben wiederum einmal den Beweis erbracht, daß an der höchsten Stelle in Bayern daS Judentum nicht hinter anderen Konfessionen zurückgestellt wird. Allen Veranstaltungen, welche vom königlichen Hofe arrangiert waren, wohnte auf spezielle Einladung Rabbiner D r. Werner als Vertreter des bayrischen Judentums bei. Dr. Werner hatte die Ehre, vom Prinzrcgenten wie vom Prinzen Ludwig durch eine Besprechung ausgezeichnet zu werden; außerdem erhielt er, als Vertreter der bat)rischcn Rabbiner, dieser Tage noch ein vom Regenten eigenhändig unterzcichnetes Schreiben, worin den Rabbinern für die in einer Adresse ansgedrückten Segenswünsche der Dank ausgesprochen wird. Wenn diese Vorgänge schon an und für sich bezeichnend für die Wertschätzung des Judentums bei allerhöchster Stelle sind, so ist der neueste Beweis sicher erst recht dazu angetan, in der bayrischen Judenheit Freude hcrvorzurusen. Prinz Ludwig, Sohn des Prinzrcgenten und bayrischer Thronfolger, besuchte Mittwoch - Vormittag die orthodoxe Synagoge in der Herzog Rudolph - Straße. Am Portale der Synagoge hatten sich der Vorsitzende der orthodoxen Vereinigung, Handelsrichter und Großhändler Sigmund Frankel, mit der gefaulten Vorstandsschaft und dem Vercinsrabbiner, Dr. Ehrentreu, zum Empfange eingesunden, um den hohen Gast in die festlich erleuchteten Räume des' Gotteshauses zu geleiten. In cigehendcr Weise besichtigte der hohe Gast die Herren- und die Damen-Abteilung und das anstoßende Beth-Hamidrasch und ließ sich von den Begleitern alle möge lichen Aufschlüsse, wie über das „Ncr tomid", „Frauengitter" usw., erteilen. Aus einer geöffneten Thorah-Rolle trug ihm Herr Fränkel als geübter „Bal Koreh" in der bekannten alten Melodie die „Schiroh" vor, und bekundete der hohe Herr hierbei eine ausgezeichnete Kenntnis der Bibel. Sichtlich beftiedigt, verließ der Prinz die Synagoge, nicht ohne dem Vorsitzenden sowohl wie dem Rabbiner unter Händedruck seine hohe Befriedigung über die empfangenen Eindrücke ausznsprcchen. Auch auf die Revision des Iudcnedikts von 1813 kani man zu sprechen. Prinz Ludwig (der als Mitglied her bayrischen Reichsratskammer in der Gesetzgebung eine hervorragende Stelllmg einnimmt) hält es für wünschenswert, wenn sich beide Richtungen im Judentum einigen, „damit die gesetzgebenden Faktoren die Revision des veralteten Gesetzes leichter hurchbringen können." Z i o n i. Oesterreich-Ungarn. Ezernowitz. Der Rektor der Universität verbot, bei der Einschreibung jüdisch als Muttersprache anzugeben. Da Deputationen und Protestversammlungcn bisher keinen Erfolg hatten, beschlossen mehrere jüdisch-akademische Bcreine, alle offiziellen Veranstaltungen der Universität zu boykottieren. Den Anfang machte der jüdisch-akademische Kulturverein, indem er von der Jnauguratioiisfcicr fernblieb und keine Delegierten entsandte. Pretzburg. Als Blweis der Auswüchse des orthodox-ucologcn Zwiespalts bringt die hiesige „Ungar!. Jüd. Zeitg." solgcnden Fall: In einer obcrungarischcn orthod. Gemeinde verstarb ein armes Gemeindcinitglicd und hinterließ eine Witwe mit 4 unmündigen Kindern. Auf Veranlassung des Obernotars brachte die unwissende Frau die Kinder zur weißen Krcuzgescllschaft in Budapest, und erst nachdem sic die Kinder in der christlichen Anstalt untcrgebracht hatte, kam ihr dieser Schritt zum Bewußtsein. Der „Israel. Patronageverein" erklärte sich bereit, sich der Kinder anzunehmen und sie in orthodoxen jüdischen Familien uutetzubringen. Die Heiinatsgemeinde der Kinder jedoch weigerte sich, von diesem Anerbieten Gebrauch zu machen, da der Israel. Patronagevcrcin im Bereiche der Ungarländ. Israel. Neologic. und nicht im Bereiche der Ungarländ. israel. Orthodoxie ftmktioniert. Und so sind die Kinder seit Monaten in der christlichen Anstalt. Frankreich. Paris Das Central-Konütee der „Alliance Jsraälite Universelle" erhielt über . . , Um ruhen in Debdu (Marokko) folgenden Bericht: „Seit Tanger Zeit befindet sich die Gegend von Debdu im Zustand vollkommener Anarchie. Unsere Glaubensgenossen haben unter den Nachwirkungen der zwischen den benachbarten Stämmen stattfindendcn Kämpse zu leiden. Vor einiger Zeit würbe ein Europäer auf dem Wege nach Debdu, wo er einen Inden besuchen wollte, von einem der benachbarten Stämme ermordet. Der arabische Häuptling, her ihn begleitete, wurde gleichfalls getötet. Der Tod des sehr einflußreichen Häuptlings bedeutete ' die Einleitung von. Feind-- seligkeiten 'gegen die Juden. Die Anhänger des Häuptlings eröffncten in Debdn selbst den Kumpf: Bier Juden wurden in dem Gewühl ge - t ö t et, z w a u z i g H äuser a u s g e r a u b t um d c i u g e äschert. . Das jüdische Viertel blieb acht Tage lang geschlossen. Bei dem cingetrctenen Wassermangel stillten die Bewohner ihren Durst init frischgefallenem Schnee. Daß Frauen, und Kinder Belästigungen seitens der Muselmanen zu erdulden hatten, ist selbstverständlich." Das Zentralkomitee hat sich telegraphisch an die französische Gesandtschaft in Marokko gewendet. Ferner nahm das Zentralkomitee Anlaß, mit dem in Paris weilenden marokkanischen Minister des Aeußcrn, El Mokri, von der Lage der Israeliten in Marokko, und namentlich von den Zwischenfällen in Debdn, zu sprechen. Der Minister gab die Zusicherung, daß er die Aufmerksamkeit der marokkanischen Regierung aus diese bedauerlichen Vorfälle lenken und das Mögliche aufbieten Ivürde, daß den Juden in Debdu Gerechtigkeit widerfahre. - Türkei. Wie die „Hazefirah" mitteilt, machte David W o l f s s o h n, der Präsident der Zion. Organisation, in einem Schreiben an das Zentralbüro der Alliance Jsraelitc Universelle dasselbe darauf aufmerksam, daß verschiedene ihr nahestehende Zeitungen in der Türkei eine starke Agitation gegen den Zionismus entfalten und dadurch der gesamten ottomanischen Judenheit schaden. Die Alliance möge für die Einstell n n g d i c s e r feindlichen Agitation sorgen. Darauf erhielt Präsident Wolsfsohn ein Schreiben, unterzeichnet von Narcissc Leviu und Jacques Bigart, dem Präsident und dem Generalsekretär der Miancc, des Inhalts, daß die Alliance die Agitation dieser Blätter mißbillige und .sic weder unterstützt habe noch unterstützen werde. Palästina. Jerusalem. Am 8. März sind eine zweites von dcir Rabbinaten der Peruschinr, Chassidim und anderer Aschkenasischen Gemeinden einberufene Versammlung statt, die die Ausschreibung von Wahleiu für einen G em eind e v or st and beschloß. Es wurde ein Komitee eingesetzt, das die Wahlvorbereitungen treffen soll. Die Beschlüsse der Versammlung wurden durch ösfentlichen Anschlag bekannt gemacht. — Rabbi Jacob M e i r in Saloniki hat das Amt des CH ach amb a sch r v o n Jerusalem, d. h. des religiösen Oberhauptes der sephardischcn Juden Jerusalems, nunmehr angenommen. Die aus 27 Personen bestehende Reisegesellschaft des Warschauer I a r g o n b la t t es, „f> a iu t" — 12 Leser des „Haint", auf die das Los fiel, machen die Reise kostenfrei —, traf am 2. März in Haisa ein, um von hier aus mit, Wagen über Sichron-Jakob und Chedera nach Jaffa zu gelangen. In Sichron-Jakob blieb die Reisegesellschaft von Freitag den 3. bis Sonntag den 5. d. M. In Jaffa wurden die Reisenden zu einer im hebräischen Gymnasium veranstalteten Purimvorstellung eingcladcn. Sic wurde» hier von! Direktor Bogratschosf herzlich begrüßt. Dem hebräischen Schriftsteller David Frischmann, der ebenfalls Mitglied oer Reisegesellschaft ist, wurden. große. Ovationen bereitet. Die Reisenden spendeten einen ansehnlichen Betrag für den Jüdischen Natiooqlfonds. Dienstag,. den 7. d. M. kam . die Reisegesellschaft in Jerufalem an. Donnerstag reistesie, nach Hebron und kehrte tags darauf nach - Jerusalem zurück. Herr Jatzkan erklärte im Name»:> seiner Zeitung, daß diese im nächsten Jahre 200 ,Reisende nach Palästina zu führen gedenke. .. Amerika. , . New-Aork. Ein erfreuliches Bild der. aus Vertiefung der theoretischen und praktischen Kenntnisse hjnzielendcn.Bestrebungen der jüdische» Farmer bietet die hiesige Jargon-Zeitschrift . Der jüdis che.Farm er, Organ-derJcwish Agricn.lt,u.ral.and IndustMal. Aid H •. Society. •.••..'•ir, rr.-rv.:'-.