Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 12 (24.3.1911)
- Date
- 1911-03-24
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 1Ö. ' Frankfurter Israelitisches Familienblatt. ' Nr. 11. und Sally Gottlieb, in dem von den Mitgliedern Hermann Hirsch und Siegfried Mantel verfaßten'Einakter „Wieso auswärtiger -Besuch ohne Baedeker das Lokals des Nachlaß Zwi verfehlen konnte", sowie iif'önii Kadclbnrgschen Schwank „Im Zivil". Außerdem gab es noch mancherlei, so die Festansprache des Herrn Joseph B a m b e r g c r und den von den Damen Jenny n. E i l l y Rapp ansgeführtcn Lcare-Tanz. Frankfurt a. M. Der Verein für jüd Geschichte uub Literatur (VorsitzenderxRabbinar. Dr. I. Horovitz) kann mit Genngtnung ans seine diesmalige Wintersaiso» znrnckblicken. Die Borträge waren in der Regel überaus stark besucht und das 'Publikum mit der Qualität der Vorträge allgemein sehr zufrieden. Der gestrige Vortrag Rabbiners Dr. W c r n c r- München über Mos es und Hammnrabi gab den glänzenden Beschluß im Reigen der Vorträge. Es sei hier kurz der Inhalt seiner Worte skizziert. Vor 10 Jahren fand man an der Stätte des ehemaligen Susa, von welcher Stadt uns erst die jüngst verlesene Puriin-Megilloh erzählt hat, zwei mächtige Felsblöckc. Auf diesen war in 282 Paragraphen .— nur die letzte» waren weggcmciselt — das Gesetzbuch des Hammnrabi, des Amrofel der Bibel, des Zeitgenossen Abrahams, verzeichnet. Damit war mit der Behaitplnug der zersetzenden Bibelkritik aufgeräumt, daß das Gesetz Moses viel jüngeren Datums sein müsse, da bei dem damaligen Stand der Kultur , ein derartiger Gesctzeskodcx unmöglich gewesen. sei.. Hammnrabis .'>00 Jahre älteres Gesetzbuch zeigt ein geordnetes Staatswesen mit einer bedeutenden Kultur. Wer auch die ans dem Delitzsch' Bibel-Babel- Streit bekannte Behauptung, das Gesetz Moses' sei nichts Originales, sondern von Hammnrabi Entlehntes, erweist sich bei näherem Zusehen als falsch. Rabb. Dr. I. Horovitz-Frankfurt hat bereits in einer verdienstvollen 'Broschüre nachgcwiescn. daß die auf den Gott Schamasch bezughabende Uebcrschrift des HmnMurabi-Gcsetzes nur eine scheinbare Analogie in der Thora hat. Betrachtet man aber den Geist der beiden Gesetzbücherso sieht man, daß eine Welt zwischen ihnen liegt. Aus 33 Vergehen setzt Hammnrabi die Todesstrafe, der Diebstahl selbst der kleinsten Münze, die Aufnahme eines entlaufenen Sklaven lvurde» mit dem Tode bestraft. Die Verletzung eines Körperteiles wird bei dem Freien mit dem Verlust dieses Körperteiles bestraft, beim Sklaven jedoch war sie straffrei. Dem Sklaven schneidet.man, um ihn zu kennzeichnen, die Ohre» ab. Eine von ihrem Männe der 'Untreue bezichtigte Frau wird ins Busser Hcicorfcii, geht sic unter,' so ist die Beschuldigung des Mannes bclviesen, — und gewöhnlich ging sic unter. Wie ganz anders die Thora,- die—in jed e m Menschen das Ebenbild Gottes sieht, der die Persönlichkeit und das Leben des Menschen kostbar ist. Freilich sind auch Analogien zlvischcn den beiden Gesetzen vorhanden, doch deren Erklärung ist sehr einfach, die Thora gibt sie in dem Kapitel über den Midjanisten Jithro, den ^chiuirgervatcr des Moses. Wohl hat die Thora von Midjaus (Babylons) Gesetzen angenommen, aber nur insoweit, als sie die göttliche Sanktion erhielten. — Je mehcr wir in der Geschichte der Menschheit das Dunkel anfhellen, je mehr erweist sich auch wissenschaftlich, daß die Bibel das Buch Gottes ist. Frankfurt a. M Verein „Iwr.iah". Der Kursus für Anfänger sindet von jetzt ab jeden Donnerstag Abend 9 Uhr und der Kursus s ü r F o r t g c sch r i t t e u e. jeden Montag Abend 9 Uhr im Unterrichtslokal, Hermesweg. 27, statt. Frankfurt a. M. Die Purim-Veranstaltung des „M o i! t e s i o r c" - V e r e i n s am vorigen Sonntag im Saale der Frnnkfnrt-Logc übte ihre gewohnte Zugkraft ans die Frankfurter Judenheit aus, obwohl zu gleicher Stunde noch ein zweiter jüdischer Verein zu einer Feier großen Stiles geladen hatte. Das Auditorium durste aber auch mit dem, was ihm geboten wurde, zufrieden sein. ' Die erste Nummer des Programms war der Erinnerung an die zum, letzten Male vor 200 Jahren zur Pnrimzeit ansgeführtcn „P nr i m s p i ei c" gciridmct. Dr. Löffler, der verdienstvolle Vorsitzende des „Montefiore", -wies im Tone der Plauderei ans die Eigenart dieser literarisch und kulturhistorisch interessanten Dramatisierungen biblischer Stoffe hin; er zeigte, wie sich in den Pnrimspielcn die Tatsache dokumentiert, daß den Juden im Ghetto trotz ihrer mißlichen äußeren Lage die echte Herzenssrr hlichkcit nicht abging und erzählte sodann Einzelheiten über Autoren und Inszenierung der Purimspiele, wobei er sich ans die Angaben Joh. Schudts in seinem Werke „Jüdische Merkwürdigkeiten" vom Jahre 1714 stützte. Das Auditorium folgte diesem Referate wie auch den sich anschließenden Rezitationen einiger charakteristischer Szenen aus dem Purimspiele „Die Verkaufüng Josephs" (Dr. Löffler und Isidor Kahn) mit gespannter Aufmerksamkeit. Im weiteren Verlaufe des Abends erfreute Pank M o l t k e durch einige gut 'gewählte und mit Feingefühl wiedergegebene Violinvörträge und trug Fritz Stern mit viel Geschmack und löb licher Vermeidung dilettantcnhaftcr Nebertreibniig heitere Gedichte von Presber und Rideamns, sowie eine humoristische jüdische Skizze vor. Fräulein A l i c e Bachr, Don Frl. M a r t h a L i n d - m a ii n bestens begleitet, entzückte mit ihrer feinen, von reifster Küiistlerschaft zeugenden Kolorätnrstiiiiiiie in einer Arie aus den „Lustigen Weibern von Windsor" und Liedern von Hnmperdinck. und Alabieff. Frl. Mathilde Einzig vom Schauspielhaus weckte mit „Liedern zur Laute" wahre Stürme von Beifall. Mit Freude tonnte 'man da rvicdcr einmal konstatieren, welch' glänzendes Charakterisicrnngs- und Nnaneierungsvermögeu diese junge Künstlerin' in ihren Borträge» an den Tag legte, sodaß es nur zu bedauern ist, daß Frl. Einzig an der hiesigen Bühne so selten mit ihrem Talente angemesseiicii Rollen betraut wird. Recht wirkungsvoll wurde die Feier durch die Aufführung der klassischen Posse, „Der Nachtwächter" von Körner beschlossen. Um ihre Wiedergabe machten . sich Frl. N e l l i B a m b e r g c r und die Herren Arthur Horwitz, Fritz Stern und Friedr. Straus; in hohem Maße verdient. So hat denn der „Montefiore" seine diesjährige Wintertätigkeit mit einer Beranstattung beschlossen, die ihn ganz ans der-Höhe seines Schaffens zeigte. Bunte Chronik. Ist das „Okapi" identisch mit dem „Thachasch" der Bibel? ' Bon S. M. P e r l m a n n - London. Jüngst kam mir das Januarheft (1904) der „Westermaniischeii Monatshefte" in die Hände. Das erste, was mir anffiel, . war „Das Okapi, ein nenentdecktes Tier des afrikanischen Urwaldes, von Georg Krause". Da ich hier und da in den Zeitnngeii kleine Notizen über dieses neue Säugetier schon früher mit-Interesse gelesen habe, wendete ich diesem Aufsatz meine volle- Ausiiierksamkeit zu und fand meine - frühere Vermutung, das; diese-s Tier schon den Juden zu Möses Zeiten unter dem Namen „Thachasch" bekannt war, vollkommen bestätigt. Ich hakte die Identität für so wahrscheinlich, daß ich fürchten muß, niit dieser meiner Entdeckung post festum zu kommen, denn es wäre ganz sonderbar, wenn dieses nicht schon früher bemerkt worden sein sollte. Aber unbekümmert dieser Verspätung, will ul f r ul fl Jerusalem steht vor einem katastrophalen Notstände, wie ef selbst dort seit langem nicht gesehen ward. Zu der durch die abnormen Witterungsverhältnisse herbeigefübrten Lebensmittelteuerung sind in den letzten Wochen finanzielle Katastrophen getreten, die die spärlichen Einkommenquellen der Aermsten der Armen zum Versiegen gebracht, den Kleinkredit in der heiligen Stadt vernichtet und eine entsetzliche Lebensmitteln ot herbeigeführt haben, deren Jammer unbeschreiblich ist. Tansende von Glaubensgenossen sind bncbstäblicb vom Hungerlode bedroht! Unsere Vertrauensmänner schildern uns in verzweifelten, herzzerreissenden Worten telegraphisch und brieflich die furchtbare Not, die nur durch allseitiges schleuniges und kräftiges Eingreifen ein wenig gemildert werden kann. — Es gilt in erster Reihe Mehl, Brot und sonstige notwendigste Lebensmittel zu beschaffen, um zunächst die hungernden Greise und Kinder am Leben zu erhalten. Wir haben, auf die stets bewährte Mithilfe unserer Glaubensgenossen fest vertrauend, vorläufig Fcs. 10000.— sofort telegraphisch angewiesen, doch sind weit, weit bedeut« ndere Summen unverzüglich notwendig, um nur das Aeusserste zu verhüten. So bitten wir denn alle menschlich fühlenden Glaubensgenossen an allen Orten der jüdischen Diaspora, in dieser ausserordentlichen Notlage ihre Hand weit zu öffnen und uns ihre Beiträge schleunigst zu überweisen. Die -Verteilung in Jerusalem erfolgt durch unsere verantwortlichen Vertreter ausschliesslich nach dem Gesichtspunkte der Bedürftigkeit, ohne Unterschied der Nationalität oder des Standes. Die Unterzeichneten, sowie alle Gaboim der Deutsch-Holländischen Palästina-Verwaltung, nehmen Beiträge gern entgegen... Ueber die Eingänge wird öffentlich quittiert. Amsterdam, Frankfurt a. 3L und Berlin, 13. Adar 5671 (13. März 1911). Deutsch-holländische Palästina-Verwaltung. (Pekidim und Amarkalim der Gemeinden des heiligen Landes zu Amsterdam). B. E. EU.se, Präses. Rabbiner Onderwyzer, Secretär. Rabbiner Dr. Sal. Breuer Emanuel Ettinghausen Max M. Kulp Dr. Israel Roos, Cassier Naftali Schwabacher Adolf Stern Hilfskomitee für die Aoslande zu Fraukfirt a. M. Disiriktsrabb. Nathan Bamberger-Würzbürg, Grossherzogi. Rabbiner Df. Marx-Darmstadt Provinzialrabb. Dr. Bamberger-Hanäu, Provinzialrabb. Dr. Cahn-Fulda, Rabbiner Dr. Camille Bloch-Mühlhausen i. Eis., Rabbiner Dr. Cohn-Basel, Dr. E. Biberfeld-Berlin, Heidereutergasse, Jonas Bing-Hamburg, 8. Eeer-Königsberg David Ettlinger-Karlsruhe, A, Grüubaum-Nürnberg, Heinrich Herz-Schwäb. Hall, E. Nathansen-Halberstadt, Jacob Rosen hei m-Frankfurta. M., M. Strangs-Berlin, Jacob Strauss-J’rankfurt a. M;, B. Mi Zimmer-Fürth.>