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Neue jüdische Presse · 1911-03-24 · Heft 12 (24.3.1911) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 12 (24.3.1911)
Date
1911-03-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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' AdmnemeMsbeüellunsen auf das „Irankfurter Israelit. Kamilienblatt" nehmen sämtliche Postanstalten des Jn- und Auslandes zu MK. 1,02 (fohl. litfetttttg frei ins Taus) für das zweite Vierteljahr 1911 entgegen. — Streifbandzusendung für Deutschland und Oesterreichilngarn Mark 150,' für die übrigen Länder Mk. 2 — vierteljährlich. U n te r k ab in c tts ch ef im Ackerba »Ministerium ernannt. Petersburg. Der Port Arthurer Millionär M. A. G ü nsburg spendete abermals große Stimmenfür jüdische Zwecke: 200 000 - Rbl. für die Errichtung eines Hauses, in dem arme Juden billige, evtl, mietfreie Wohnungen erhalten und 20 000 Rbl. für die' Errichtung eines jüdischen Greisenheims. Rew-Nork. Ach ad Haam (Ascher Ginsburg), der bekannte hebräische Schriftsteller, wird inr Herbst nach Amerika kommen, um am DropsieCollege in Philadelphia Vorlesungen über jüdische nltnr zu halten. Personalien «. Kleine Mitteilnngen. Frankfurt a M. Es sei an dieser Stelle noch einmal auf die Sonntag früh 11 Uhr im Hörsaal am Börneplatz stattfindcnde akademische Feier zu Ehren des 25jährigcn Amtsjnbilänms des Chordirigenten Lassar Seckbach aufmerksani gemacht. Herren und Damen haben freien Eintritt. Berlin. Sanitätsrat Jaffa, Rabbiner Dr. Robe l- Frankfurt a. M., Kommerzienrat Ludwig Metzger, Dr. med. S o m m e r, Justizrat H, e l d, Moritz. Rosenbaum-Nürnberg und Leo Michel-Lissa wurden in das Zentralkomitee des Hilfsvereins der Deutschen Juden kooptiert und in den V o r st. a n d d e s Ge s ch ä f t sführenden Ausschufses Landtagsabgeordne ter Cassel gewählt. Berlin. Kommerzienrat E i s n e r wurde für den zurückgctretenen Netter zum 1. stellvertretenden Vorsitzenden des jüdischen Gemcindcvorstandes ge wählt. Heidelberg. Für den Bezirk Sinsheim-Mosbach wurde Dr. Würzburger -Rappenau — und nicht, wie irrtümlich angegeben, Oppen he i m-Mosb ach — in die Israelit. L a n d e s s y n o d e gewählt. -1. Karlsruhe. Ais geistliche Vertreter zur israelitischen Landessynode sind.die Rabbiner Dr. Esche lb ach e r-Freiburg, Dr. Oppenheim- Mannheim, Dr. Pink uß- Heidelberg, Dr. Rawicz-Offenbnrg und Dr. Simon-Karlsruhe gewählt worden. Die Synode wird Montag den 3. April in Karlsruhe tagen. Stuttgart. Rechtsanwalt Dr. R o s e n st e i n, Präsident der Vereinigung bayerischer Reserve- und Landwehrofsiziere, erhielt den.. Michaelsvrden 1. Klasse. Beuthen. Durch einstimmigen Beschluß der beiden städtischen Körperschaften ist dem Stadtrat GuttMann der Titel S ta d t ä l t e st er verliehen worden. Hamburg. Ad. M. H e y m an n, erster Sekretär der Deutsch-Israelit. Gemeinde, konnte sein 50jähr i g e s A m t s j n b i l ä n m begehen. München. Anläßlich des 90. Geburtstages des Prinzregenten wurden die folgenden Inden ausgezeichnet: Hauptmann a. D. Marx, Hauptmann z. D. H o l l c r b a u m durch Beförderung zu M a - j o r e n, — Dr. Strauß durch Beförderung zum Oberstabsarzt — Dr. Walter L e v y - München, Dr. Sigin. F e d e r l e i n - 'Nürnberg durch Beförderung zu O b e r st a b s ä r z t e n — Dr. Leopold Loewenfeld, Dr. Otto Reinach-München, Dr. Alexander Frankenburger, Dr. Ferdinand Gold sch mid t-Nürnberg durch den Titel Hofrat — Isaak Wahlhans, Hermann Niedermeier durch den Titel Kommerzienrat — Dr. Bernhardt Meyer, Dr. Max Berliner- Miinchen, Dr. Leonhardt ' Franken bürg er- Nürnberg, Dr. Moritz Meyer- Frankenthal durch den Titel I u st i z r a t. Außerdem erhielten zahlreiche Juden Ordensauszeichnungen. Jena. Nach dem Jahresbericht des hiesigen Vereins für Feuerbestattung wurden in Deutschland während des Jahres 1910 216 jüdische Leichen verbrannt. Liegnitz. Heinrich Cohn, Ehrenbürger unserer Stadt, früherer Stadtverordnetenvorsteher der jüdischen Gemeinde, ist — 85 verschieden. JP'Of. Schlesinger, einer der Herder Jetztzeit, der es ordentlichen Professur und Vorsteher Jahre alt — Budapest. vorragendsten Mathematiker hier als Jude nicht zur bringen konnte, wurde als ordentlicher Professor »ach Gießen berufen. Zioni. Lemberg. Hier ist man mit den Vorarbeiten z>lr Errichtting eines j ü d i s ch e n M n s e u m s beschäftigt. London. Der dieser Tage im 83. Lebensjahre verstorbene Elias Jacob Loewe, Mitbegründer der Nordwest-London-Synagoge und Mitarbeiter m der Leitung verschiedener jüdischer und allgemeiner Wohltätigkeitsinstutionen, war ursprünglich Lehrer in Baden — er stammte.aus dem Orte Diersburg — und hat sein Interesse für sein Heimatland mehrfach bewiesen. Paris. Albert M t l h a u d wurde zum Kablnettschefim Hanb;elsministerinm, Gaston S.trauß z«m Unterkabinettschef > m Arbeit s'm in i st er in m und B lo c q zum Ans der zionistische« Bewegung. Berlin. Dos Palästina-Ressort der z i o n. Organisation erläßt folgenden Aufruf:. „Nach langjährigen prinzipiellen Kämpfen hat sich innerhalb unserer Bewegung allmählich die Ueberzengung durchgernngen, daß die zionistische Organisation als eines der wichtigsten Mittel zur Erreichung des Endzieles diejenigen Institutionen schaffen muß, welche nötig sind, um die praktische Kolonisation in P a l ä st i n a ins Werk zu fetzen. D e r j ü d i s ch e Nationalfonds, der dazu bestimmt ist, Boden in Palästina zu erwerben und ihir i»i dauernden Volkseigentum zu erhalten, ist eine dieser 7 Institutionen. Seine Popularität und damit seine Spendencingänge sind seit der Verbreitung jener Erkenntnis gewaltig gestiegen, und es 'ist als sicher anzunehmen, daß diese Progression seines Wachstums anhalten wird. Aber es genügt nicht, den Bode» als Eigentum des jüdischen Volkes zu kaufen, denn kapitalkräftige jüdische Pächter gibt es nicht in Palästina. Der Boden muß bctvirtschastct werden, jüdische Arbeiter müssen auf den zu schaffenden Nationalsondsgütern ausgebildet und durch Gewinnbeteiligung zu späterer Selbständigkeit befähigt werden. Ferner ist es nötig, für Juden, welche einiges Kapital besitzen und nach Palästina nbersiedcln ivollen, wirtschaftssähige Parzellen zu schaffen. Zu diesem Zwecke wurde die Palestine Land D e v 0 l 0 p m e u t C 0. (P. L. D. C.) ins Leben gerufen, eine Aktiengesellschaft mit 50,000 Aktien zu einem Pfund. Die P. L. D. C. hat sofort nach ihrer Konstituierung den bis dahin nicht' von Inden bewirtschafteten Natioualsondsgrund am Tiberiassee gepachtet, bepflanzt und eine Musterfarin mit jüdischen Arbeitern (Kinereth) darauf geschaffen, deren landwirtschaftliche Leistungen von den maßgebenden Fachleuten einstimmig anerkannt werden. Ferner hat sie schon nach Ablauf eines Jahres eine auf Körnerban beruhende Genossenschaft von Arbeitern mit bestem Erfolge als Pächter in Kinereth selbständig machen können. In diesem Jahre hat die P. L. D. C. eine zweite auf Gemüsebau basierende Arbeitergenossenschaft organisiert. Dieser Versuch -bedeutet einen - neuen aussichtsreichen Weg zur Selbständig machllng jüdischer Arbeiter in Palästina. Außerdem hat sie eine Baumschule für Pslanzenmaterial angelegt, sowie für Rechnung privater Interessenten mehrere Grnndkäufe abgewickelt und ist gegenwärtig mit der Einrichtung privater Plantagen beschäftigt. Dieser kurze Ueberblick über ihre bisherige Tätigkeit gibt ein klares Bild dessen, was die P. L. D. C. im Rahmen unserer Arbeit. bedeutet: Sie i st jene Institution, w e l ch e d i e praktische K 0 - lonisationsarbeit für besitzende und besitzlose Schichten der Judenheit d n r ch f ü h r t. Angesichts der eminenten Wichtigkeit der P. L. D. C. für unsere Sache ist es betrübend zu sehen, daß das Verständnis für die überragende Bedeutung dieser Institution noch wenig verbreitet ist und die Werbearbeit für sie bisher nur an einzelnen Orten mit dem nötigen Eifer betrieben wurde. Allerdings ist im Jahre 1910 von allen Zionisten große Energie für die Beschaffung des Genossenschaftssonds aufgebracht worden, und um den Sammlungen für diesen' Fonds keine Konkurrenz zu machen, hat' die P. L D. C. während des vergangenen Jahres keine größere Propaganda entfaltet. Nachdem aber nun der Genossenschastsfonds aufgebracht ist, gilt es, die frei gewordene Energie auf die P. L. D. C. zu lenken. Es handelt sich bei dieser nicht um Spenden, sondern um Beteiligung an einem Erwerbsnnternehmen, dessen Kapital in wertvollem Boden und Pflanzungen investiert wird, und das aller Voraussicht nach eine gute Verzinsung abwerfen wird. JedeUktiederP. L. D. C., dieverkauft wird, bedeutet einen Schritt weiter in der tatsächlichen Besitznahme des Bodens in Palästina durch jüdische Arbeit. Gesinnungsgenossen! 'Das einzige tragfähige Mmdament für den Wiederaufbau eines normalen jüdischen Volkslebens bildet ein zahlreicher Stand jüdischer Landbebauer in Palästina. Die P. L. D. C. ist jene Institution, welche dieses Fundament zu errichten imstande ist. Wenn jeder ideal gesinnter Jude einen kleinen Teil seiner Ersparnisse dieser wichtigsten Arbeit für die Zukunft des jüdischen Volkes widmet, wird die jüdische Kolonisation in Palästina in kurzer Zeit in ungeahnter Weise aufblühen." Mainz. Der gesellige Abend der Zion. Ortsgruppe nahm einen harmonischen Verlauf. L. Perlmutter- Frankfurt sprach über die Juden im 19. und 20. Jahrhundert. Die Damen Paula Sochat, Anna Frank und Lina Perlmutter und Herr Girdisky führten — für ihre Darbietungen lebhaften Beifall erntend — den künstlerischen Teil aus. Posen. Bei dem Purim-Kinderfest der Nationaljüdischen Frauenvereinignng war der 'Andrang so groß, daß auf polizeiliche Anordnung vielen Kindern und ihren Begleitern der Zutritt versagt werden mußte. Aus -er Lehrerwett. Berlin. Siegfr. Brünn hat 20000 Mark für Lehrer gestiftet, deren Zinsen zu 3ft als Kostenbeiträge für die Teilnahme an den Fortbildungskursen bestimmt sind und zu hh an solche Lehrer in Kleingemeinden verteilt werden, die Angestellte dann und wann in ihrem Hause anfnehmen. . Für den znrückgetretenen Prof. Dr. Maybaum ist Rabb. Dr. Warschauer als Dozent die L e h r a n st a l t f ür die Wissenschaft des Judentums berufen worden. Marburg. Das hiesige israetitikche Schüler- Heim sieht nunmehr auf eine zehnjährige ätigkeit zurück. Bon weitschauenden Männern in einer Zeit gegründet, als die soziale Bedrängnis in engeren Bezirken, insbesondere in lleineren Städten und auf dein flachen Lande, verhängnisvoll zu werden drohte, hat die Anstalt vortreffliche Wirkungen gezeitigt. Nahezu hundert beträgt zur Zeit die Anzahl ihrer Zöglinge. Der weitaus größte Teil besucht die hiesigen höheren L-chuleu (hum. Gymnasium, Realgymnasium und Oberrealschule), ein kleinerer Teil die hiesige israelitische Volksschule. Auch einige Handwerker haben bei hiesigen Meistern Stellung gefunden und empfangen im Schülerheim sorgsame Pflege und Anleitung. Gewöhnung an ein von echt jüdischem Geiste erfülltes Leben, gediegener Unterricht im gesamten jüdischen Schrifttum (Tenach, Mischnah, Genioro), sorgfältige Ueberwachung der Schularbeiten, Pflege des Turnens und des Jugendspiels, Anlage eines Schulgartens und Anleitung in Garten- und Qbstbaumpflege, das sind im wesentlichen die Aufgaben, die die beiden trefflichen Leiter, Oberlehrer Berge! und Rabbiner Dr. S ch l e f i n g e r, zu lösen bestrebt sind. Zweibrücken. Die Stadt «höhte den Zuschuß zum Gehalt des jüdische u Religionslehrers von 400 Mk. auf 800 Mk. Dieser Zuschuß ist ein Aequivaleut für die Umlagen, die die jüdischen. Bürger für die allgemeinen Schulzwccke zahlen, zumal ja aus den Umlagen der Juden auch der Religionsunterricht der Katholiken und der Protestanten mitbezahlt wird. München. Den Titel Hauvttehrer «hielten Jakob Oppenheimer-Neumarkt, Fulder- Diespeck, Leon Waldbott-Speyer, Nathan Blatt-Obbach, Moriz Bein-Steinach und Emma A n k e r-Nürnberg. Magdeburg. Am 1. April steht Dr. Moritz Spanier, einer der angesehensten Vertreter der jüdischen Lehrerschaft Deutschlands, '40 Jahre im Schuldienst. London. Rabbiner I. L. Herzog in Leeds ist nach Paris berufen worden. Rabbiner Herzog, der aus Lomza (Rußland) stammt, ist durch sein talmudisches Wissen bekannt. AuS dev Vereinen. Frankfurt a. M. Die Champagner-Stimmung des Purim — Champagner gab es freilich nicht — lag über den Jungen und den Alten, die der Purim-Kommers des Vereins „Nachlaß 3toi" im großen Saale des Kaufmännischen Vereins vereint hatte. Dieses Prickeln im Blute setzte sich in Mitteilsamkeit um, —: und wenn 600 Menschen mitteilsam sind, dann kann wahrlich nicht jene Grabesstllle herrschen, die die Herrschaften aus der Bühne als die Höflichkeit des Publikums gegen ihre Kunst verlangen. So war es denn nicht immer ganz still. Wer man unterhielt sich gut. Und toenn die Töne der Militärkapelle und der Chorgesang dabei nicht zur ‘ vollen Geltung kamen, — was schadete es? Der Purim kennt nicht die Gesetze der steifen Disziplin und wird nur dann mäuschenstill, wenn er disziplinfreie Purimlanne antrifst. Und die präsentierte sich auf der Bühne; 'sie präsentierte sich in den humoristischen Vorträgen und Rezitationen der Damen Rosa Kahn, Mathilde Oppenheimer, Cilly Rapp und Recha Schwarzschild und der Herren Hermann Nußdaum, Nathan Rothschild, Heinrich Bendheim 028047

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