Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1911)
- Date
- 1911-03-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Frankfurter Israelitisches FamilienblaÜ. Seite 3. Mensa abtraten. Am 1. März fand die feierliche Eröffnung des Studententischcs in seinen Lokalitäten, die sich in der Nähe der Universität und der Technischen Hochschule befinden, statt. Nach den .Begrüßnngsworten des Präsidenten des Kultnrvereins, Baron M. L. H erzog, hielt Rabb. Dr. Simon H e v e s i eine längere Ansprache. Namens des Damenkomitecs sprach Frau Hofrat St e u m a ii n. Weitere Reden hielten Dr. W e i l l e r. Dr. Elias H e v e 's i und namens der Aiakkabäa cand. mcd. Viktor I v r d a ii. Die Gründung des Studententisches ist auch aus dem Grunde zu begrüßen, lucil er eine regelmäßige Zusammenkunft der jüdischen Studenten, die ungefähr ei» Drittel der Bndavester Akademiker bilden, ermöglichen rvird. Esuza. Seit Monaten leben die hiesigen Juden im Zittern. Das Verschwinden eines Mädchens, das inzwischen, vom Weg der Schande, auf den sie sich verirrt hatte, znrnckgekehrt ist, hat dem R i t n a l m o r d m ä r ch e n neuen Nährstoff gegeben und macht das Leben unhaltbar. Nun hat Bischof B a l t h a s a r einen scharfen Protest gegxn diese Volksverblöder veröffentlicht und sämtliche reformierte Seelsorger des Landes aufgefordert, mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen diesen Wahnwitz zu kämpfen. Zioni. Großbritannien. London. In Leeds fand während dreier Tage eine Ra b b i » e r ko n f c r e n z statt, an der 16 Rabbiner von Gemeinden eingewanderter Juden, also nicht die „offiziellen" englischen Rabbiner, teilnahmeii. Außerdem beteiligten sich Nichtrabbincr mit beratender Stimme an den Verhandlungen. Es präsidierten abwechselnd Rabb. D a i ch cs-Leeds, D o n wz kj -Manchester und R abb i n ow i tz-Liverpool, der bekannter Tapozkiner Raw. Eine erregte, lange Debatte entspann sich infolge des Antrages Dr. Iu ch s - Liverpool, die „I w r i t h b e Iwrith"- M e t h v d e ciiizuführen. Die Situation wurde besonders heftig, als Rabb. Bloch- Birmingham rief: „Die „Iwrith be Jwrith"-Methode ist trcfe wie Chasir!" Trotzdem auch Rabb. R a b b i n o w i tz sich warm des Antrages Fuchs annahm, wurde der Antrag überhaupt nicht zur Abstimmung zugclassen, sondern ein Antrag Horwitz angcnomnien, der besagt, es solle bei der seit Jahrhunderten angewandte u M e t h o d e d c s Unterrid) teils bleiben. Es gelangte sodann eine Resolution zur Annahme, die die Errichtung von Mikwans, die Verteilung eines Bnd)cs über „Dinei Nidd.oh" und die Absetzung von Gemeindebcamten, deren Frauen keinen Scheitel tragen, fordert, und das Tanzen von jungen Männern mit Mädchen verbietet nslv. Heftige Kritik erfuhr Oberrabbiner A d l e r s Verhalten vor der königl. Kvminission den „fremden" Rabbinern gegenüber. Rußland. Petersburg. Die erste Sitzung. der Duniakommission über die Frage der Abschaffung des Ansiedlungsrayons brad)te einen interessanten Zwischenfall. Graf ll b a r o w fragte nämlidi, für welche Zwecke die Zinsen der Million Francs verwendet werden, die Baron Hirsch 1899 dem Obervrokurator P o b j e d o n o s z e w zn Gunsten der g r i c ck) i s ck> - k a t h o l i s ch c n K i r ch e in der Meinung übergab, dadurch die Abschaffung des Ansiedlungsrayons zn veranlassen. Der Vertreter der Regierung erwiderte, daß mit diesem Geldc die Ülosterschulen unterstützt werden. Petersburg. Die Verwaltung in der Provinz läßt mit den A u Zwei s ii ii g c n von Jude n nickst nach. Sie macht sich auch nichts daraus, daß ihre Maßnahmen oft zugleich die gesamte andere Bevölkerung aufs schwerste treffen. Die jüngste Nachricht bezieht sich auf das große Stadtdocf Bcssonvwka in Gouvernement Pensa, wo die Juden den.ungeheuren Export von Zwiebeln und Kartoffeln uacks dem Ausland besorgen. Jedes fialjr pflegen sie im Februar , und März nach Bcssonowka zu kommen, um hier als einem Mittclvnnkte dieses Geschäft zn besorge», und die ganze Bauernschaft empfängt sie gewöhnlich mit großer Zuvorkommenheit. Da erfolgte plötzlich in diesem Jahre ein Verbot, das für die jüdische» Zwischenhändler, darunter angesehene Kaufteiitc, ebenso wie >ür die Bauern ruinös ist. Die Gemeinde will jetzt in corpore für die ansgewiesenen Indenein besuch einreichen. Aber was kümmert sich die Administration um die wirtschaftlichen Interessen des Volkes? ' . ' Amerika. , Rew-Aork. In Anwesenheit von 800 - Delegierten, darunter and) weiblichen Delegierten, ivnrde die -• Iahresve r s a m mlun g dpr j ii d. G e- . mein de Newyork eröffnet. ' - Rabb. Dr. I. L- M a g n e s, der Präsident, verbreitete sich in seinem Jahrcsübcrblick zuerst über die Zlvccke der Gemeinde. Sie soll auf demokratischer Grundlage die verschiedenen Richtungen zn gemeinsamer jüdischer Tätigkeit vereinen. llm den Rabbinern ihre Slutorität in religiösen Angelegenheiten wiedcrzugebcn, wurde beschlossen, eine Rabbinerkomniission zn bilden, auch soll eine Kaschruskoinniission in Tätigkeit treten. Durch Verhandlungen mit der Stadt wurde erreicht, daß in einem städtischen Hospital kvsd)erc Kvst für jüdische Schwindsüchtige verabreicht wird, ein wohltuender Gegensatz zn nianchcr j ü d i s d) c n Hosvitalsvcrwaltuug Skewyork, die sich der koscheren Verköstigung beharrlich widersetzt. So wird jetzt in Brooklyn ein jüdisches Hospital gegründet, weil das bestehende, sonst vorzügliche jüdische Hospital trefene Küche hat. Für die Einrichtung von gottesdienstlichen Veranstaltungen und die Befreiung von jüdischen Angestellten in staatlichen, städtischen und privaten Betrieben an den hohen Feiertagen war die Gemeinde tätig. Sie hat auch einen Gesetzcseutwurf in der Legislatur einbringen lassen, den Sabbat beobachtende Inden am Sonntag die Arbeit zn erlauben. Die Herausgabe guter jüdischer ilnterrichtsbncher wurde in die Wege geleitet. Ein SlrbeirsvermittliiiigSbüro bringt cxisteuzlose Jirdcn unter. Die Reformierung der Ehalukah für Palästina ist eingeleitet worden: heute bleibt 80a,> des gesaNimelte» Geldes unterwegs. Auf Veranlassung der Gemeinde entzogen reiche Juden eiiicm Krankenhaiisc die lliiterstützung, weil dieses prinzipiell keine jüdischen Aerzte anstcllt. Der Berid)t ivnrde mit lebhaftem Beifall ansgenvmiileii. Sodann beschloß die Berfanimluiig cinstimmig eine Resolution an die Legislatur wegen Gestattung der Sonntagsarbeit den froinmen Juden. Die Tagung beschäftigte sich in eingehenden Verhandlungen mit einer Anzahl Einzelfragen, die in diesem kurz gefaßten Berichte übergangen werden dürfen. b. Personalien u. Kleine Mitteilnvgen. Frankfurt a. M. Im hoben Greisenasier v ers di i e d am!>. d. M. Frau H e l e n c H ö d> st e r geb. Kahn. Sie war die Tochter eines großen Talmudgelehrten. der in der daher. Pfalz ledte, und kam in jungen Jahren nach Frankfurt. Die Verblichene war eine sympathische, fein gebildete Persönlichkeit, ungewöhnlich wohltätig und 0or allein eine treue, überzeugte Jüdin. An den Namen „Höchster"' knüpfen sich Erinnernngcii an alte Zeiten und Verhältnisse, die an das „Ghetto" ankiiüvfen. Frau Höchster war nämlich die Gattin des letzten „jüdischen" Briefträgers unserer Stadt. Moritz Höchster war in seinen jungen Jahren der Gehilfe des bekannten jüd. Briefträgers „Schuster," eine Familie, die fast ein Jahrhundert dieses wichtige Amt dekleidcte, das nebenbei sehr lukrativ war. Schreiber nahm Einsicht von alten „B e st ät i g u n g s - D e k r e t c n , datiert vom Jahr 1754," die also beginnen: „Wir Alexander von Turn und Taxis, Fürst des heiligen römischen Reid)s nebst ein Dutzend Titel, geruhen gnädigst zu ernennen den I u d H a » u in M o s es S ch u st e r zu nuferem jüdischen Briefträger asm." And) ein „Dekret" liegt vor, das dem jüd. Briefträger gnädigst gestattet. eine Frl. Sdiöiichen Deutz zu ehelichen. Unwillkürlich muß man fragen, wie viele jüdische Briefträger jetzt nötig wären, um die Post für jüdische Firmen und Private zu bestellen, und wie einträglich das Amt sein würde, wenn jeder Brief noch 2 Kreuzer Bringcrlohn kostete! I. S. Frankfurt a. M. L a s s a r S e ck b a d>. der beliebte Chordirigent in der Synagoge am Bvrneplatz, feiert sein 25 f ä h r i a c s Dirigenten- I nb i ln ii in. Ans diesem Anlaß wird Sonntag, de» 2(5. März vormittags 11 Uhr im .Hörsaal eine akademische Feier und des Abends ein Bankett veranstaltet. Aiiiiieldiingeii zum Bankett bei Joseph Schwäbacher, Rückertstr. 51. Berlin. Justiz^at Dr. Arnold Werner erhielt den K r o n e n o r d e n 8. Klasse. — Bei der P r e i s v e r t e i l u n g an der L c h ra n st alt f ü r d i e W i s s c n s ch a f t des I u d c nt u m s .erhielt der schon mehrfach durcki Lösung von Preisänsgcibeii ausgczeidinete Albert Spanier-Magdeburg für seine Arbeit „Die Zusätze in der griechischen Uebersehung des Buches Daniel" den Preis der Mendelssohn-Stiftung und Joseph Schlumper und M a r t i n K v p p e n he i in für eine geineinsain verfertigke tatniudische Arbeit den Preis der Lazarus - Stiftung. -(.Karlsruhe. In die Israelit Landess y n ö d e wurden 1- Liberaler und 4 Konservative ncugewählt: damit bleibt die konservative -Mehrheit erhalten: Neugeirählt wurden Fabrikant Maie r-- Heidclberg sliberal), Rechtsanw. P f ä l z e r -Wem-- heim, Privatmann Oppen he i m -Mosbach, Dr. med. W ii r z ü u r g e r - Rappenau und Rechtsanw. K a n d e r Pforzheim. . Die übrigen Vertreter wurden wiedergewählt. Großkrotzenburg. Nächsten Freitagund Samstag wird sich hier ein bewegtes', festliches Treiben entfalten. Es gilt, unsere neue T ho rar olle im seierlischeu Zuge zur Synagoge zn bringen. Die Festrede wird Provinzialrabbincr Dr. Bamberg c r - .Hanau .halten. Slufführungen und Ball werden SainStag abend die freudige Veranstaltung beschließen. Mannheim. Der dieser Tage hier verschiedene Bankdircktor Wilhelm Lind eck war ein Sohn des Gießener Provinzialrabbiners Benedict Levi und ein Bruder des Münchener Generalmusikdirektors Hermann Levi. Da er nicht nur feinen Rainen, sondern auch seine Religion gewechselt hatte, so hat es einer seiner Söhne bereits zum königl. preußischen Hauptmann gebracht. Wien. Kapellmeister Marco Groß köpf, Sohn des Obcrkantors Großkopf in Frankfurt am Main, wurde an die am 1. Dezember in Budapest in Aktion tretende Neue Volksoper als c r st e r K a v e l l m e i st e r berufen. Er wird die Erösfnnngsoper „Quo vadis" leiten. Budapest. Nelly Krausz de Megyer hat sich mit dem Herzog von Thiurn u. Taxis verlobt. Mit dieser Berbindung ist die Familie des geivesenen Präsidenten der Äulmsgemeinde, Moritz Wahrmann, dessen Bater Israel R a b b i n e r gewesen ist, mit dem H aus e Habsbur g in B erw a n d t s cf) a f t getrct c n. Die Metamorphose ist ein Ergebnis der letzten 30 Jahre. Daß sie ganz gründlich geschehe, dafür hat die Mutter der jüdischen Braut, Reuse Fiath, gesorgt. Trotzdem sie die Tochter des Parncs war, hatte sie sich dock; echt anrisemitisdie Allüren angetüncht. — In Bad P ö st y e n hat ein Kurgast aus Rußland einen Freitisch für Talmndschüler begründet. Es ist das in Ungarn die erste menschenwürdige Versorgung von Talmndschülern. — In M i s k o t c z vcrscksied Frau Josef Ster n, eine Greisin von 105 Jahren. Zioni. Prag. Dr. Ludwig Spiegel, Professor an der deutschen Universität, ist zum Ordinarius für östcrr. Verwaltungsrecht ernannt worden. A«S den Vereinen. Frankfurt a. M. Der Jahresbericht des „M o n t c f i v r c" - B c r e i n s (Vorsitzender: Dr. Gustav Löffler) konstatiert für das nunmehr abgclaufene 14. Vereinsjahr eine erfreuliche Fortcntwicktnna. Die Mitgliederzahl ist auf 1446 gewachsen. Das überaus vielseitige Täsigkeitsgebiet des Mvntefiore ist nach der sozialen Seite lsin noch ausgedehnt worden, da der Verein sich nunmehr auch nin den Nachiveis von in hygienischer und ethischer Beziehung einwandsfreien Logis für feine jungen Biitglieder kümmert. Die 14. ordentliche Hauptversammlung des Mvntefiore ivird am 29. März, abends 9 Uhr im Saale der Sldlcr-Loac, Seilerstr. 22, stattfindcn. Frankfurt a. M. D'e „Werbliche F ürs o r g c" macht darauf aufmerksam, daß die st ä dtische D i e n st b o t e n v e r s i ck) c r u n g auch für jüdische D i e n st b o t e n gilt: diese werden im Krankhcitsfallc im isracl. Gcmcindehospital mif Kosten der Stadt verpflegt. Berlin. Der von den Berliner Logen U.O.B B. gegründete Verein für Arbeitsnachweis hat im vergangenen Jahre 2481 Personen in Stellungen nntcraebracht und 993 Personen vorübergehende Beschäfti-'Ung nachgcwiesen. Von den fest untergcbrachten Bewerbern waren 1424 männlichen und 1057 weiblichen Geschlechts: Die Unterbringung gusländischer Beirerber (407 Ausländern wurde Stellung verschafft) erweist sich dauernd als schwierig. Die Schreibstube des Vereins führte 591 Austärge aus. Die Jnkasioabteilnng zog Beträge in Höhe von 400 000 Mark ein. Stratzbnrg. Zü einer imposanten Kundgebung gestaltete sich die am 4. ds. Mts. im Vereinslokal, Schlosserga'se 21, abgehaltene 2. ordentliche H a n v t v c r s a m m l n n g des I ü d i - s ch c n I n g c n d b u n d s. Um 9h, Uhr cröffnete der 1. Vorsitzende, Bi a r t i n E i ch e l g r ü n , die Versammlung und erteilie das Wort dem 2. Vorsitzenden, stud. jnr. E d m o n d Weilt, zur B e r i ch t c r st a t t n » g über das verflossene Vereinsjahr. Dem großzügigen und dennoch in alle Einzelheiten eindringeildcii Berichte, war ein klares Bild dser reichen, von der Vcrcinsleitnug entfalteten Tätigkeit zu entnehmen. Zwei Ziele vor allem verfolgte das Vereiiisproaramm, geistige Anregung und Förderung der Geselligkeit, und beide» ist die Vereinslcitung gerecht gwrordcn. Mehr als 20Vorträge wurden gehalten, in denen hervorragende Gelehrte und Männer der Praris über ihr Gebiet svrachcnl Daneben fanden Diskussionsäbende. französische Sprachiind Konversationskursc, Schachabende, und Iknterhaltnngsabcnde statt, und vor allem irurde auch der schönen und gemütvollen Einrichtung der Frcitaa-Abcndc Eingang verschafst. Kurz noch bei der wundervoll verlaufenden Ehanukkafeier verweilend, ging der Redner daun über zn den allgemeinen Fragen des Vereinslebens, zu Fragen organisatorischer und finanztechnischer Natur. Er erwähnte ferner die wichtigsten vom Vorstände vorgenommenen Slintshaudlimgen, unter