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Neue jüdische Presse · 1911-03-17 · Heft 11 (17.3.1911) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 11 (17.3.1911)
Date
1911-03-17
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 11 Seite 2. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Und nun wohin mit Ihnen und Ihren Löblichen Genossen, Herr Professor? Etwa auf de» Weg nach Zion?! ■" Panislamismus und Paujudäismus. Der „Osmanische Lloyd", das' offizielle deutsche Organ in der Türkei, beschäftigt sich in seiner Nr. 55 vom 5. März in einem Artikel unter dem Titel „Panislanrismus und Panjudäismus" mit der Zion ist endebatte in der Kammer. In dem Artikel wird zu Eingang eine Parallele zwischen dem Panslawismus und den alljüdischen Bestrebungen des Zionismus gezogen. „Wir sehen," sagt der Artikel, „,wic die slavischen Nationen sich als Zweige eines Stammes zu erfassen suchen und unter dem Banner des Panslawismus znsammenscharen. Wir sehen, wie die fortgeschrittensten und geistig bedeutendsten der Israeliten fast aller Länder die zwischen ihnen entstandenen Schranken fallen lassen und eine panjudäische Bewegung einleiten, die die Zusammenfassung aller nationalen Kräfte im Schatten der alten Davidsburg unter den Mauern von Zion zum Ziele hat." Das Hauptorgan des Panslawismus, die „Nvwoje Wremja" in Petersburg habe, so führt der Artikel weiter aus, kürzlich das jungtürkische Komitee angegriffen, weil es die phantastischen Idee» des Panislamismus ermutige, von welchem dem russischen Staate Gefahr drohe, da sich die Mohamedmier Rußlands angeblich im Zeichen des Panislamismus national zu organisieren trachten. Diese Gefahr, sagt der „Osmanische Lloyd", sei für Rußland ebensowenig vorhanden, wie der Türkei aus den zionistische» Bestrebungen eine Gefahr drohe. Die ganze Existenzberechtigung des Zionismus „liegt in der Abstraktion von allen nationalen Verschiedenheiten, lute sie aus dem Boden Europas bestehen, und in der Anerkennung des jüdisch-nationalen Gedankens". Die Auffassung eines griechischen Blattes, 8er Zionismus sei nichts als ein Nachtrab des Germanismus, sei unrichtig. „Wenn wir diesen Zusanünenhang bestreiten, so soll damit nicht gesagt sein, daß nicht viele Deutsche für die von bedeutenden Männern, die der Menschheit angehören und nicht nur dem Judentum, mit so vieler Warmherzigkeit und so viel Energie vertretene Idee des Zionismus Sympathien hegen, aber die Zionisten als Träger des Deutschtums zu betrachten, wäre grundfalsch und hieße die ganze Bewegung mißverstehen." Am Schluffe schreibt der „Osmanische Lloyd": „Was aber in Rußland geschehen ist, ist auch im Zentrum der nrohamcdanischen Welt, in der Türkei, nicht unmöglich. Langsam und zögernd betritt diese die Bahn der wirtschaftlichen Entfaltung. Ihre. große Gebietsausdehnung läßt Raum für das Zusammenwirken vieler Kräfte, die sich nicht gegenseitig anfheben oder lähmen, sondern die sich ergänzen und Hand in Hand schaffen können. Die Türkei braucht solche von draußen kommende Kräfte, da in einem kapitalarmcn Lande der Anstoß der wirtschaftlichen Entwicklung nur vom Jenseits der Grenzen kommen kann. Die politische und nationale Unduldsamkeit wäre daher ein gefährlicher Luxus, der die Entwicklung des Landes ernstlich hemmen könnte. Das jungtürkische Komitee hat diese Wahrheit in vollem Umfange erkannt. Es hält darauf, daß die Türkei, was sie stets gewesen ist, das Land der Toleranz in jeder Hinsicht bleibt. In diesem Sinne hat der Großwesir die antisemitischen Reden der Herren von der Bolkspartei und der übrigen Oppositionspartei beantwortet. Obwohl wir hierbei nicht vergessen, daß dieser plötzlich in Erscheinung getretene Antisemitismus mir eine Waffe war, die man nach dem Gebrauch vielleicht wegwerfen wird, müssen wir cs doch beklagen, daß nwhamedanische Abgeordnete eine andere Religionsgemeinschaft in derselben Weise bekämpfen wollen, in der in Rußland ihre eigenen Glaubensgenossen bekämpft werden. Ein rnssifcher Mohameimner hat sich im „Jeune-Turc" schon über das Widersinnige dieses Vorgehens ausgelassen. Möge man sich das recht zu Gcmütc führen." Jca und russische Regierung. Der „N. I. K." wird von gut informierter Seite geschrieben: Sehr bezeichnend für die Gefühle, welche die russische Regierung den Juden ihres Landes cntgegcnbringt, ist ihre Stellungnahme gegenüber der Jcwish Colonisation Association, der Gesellschaft, welche zurzeit die große Stiftung des verstorbenen Baron Hirsch verwaltet. Diese Gesellschaft ist bekanntlich in Rußland legalisiert worden. Sie beschäftigt sich dort vorzugsweise mit der wirtschaftlichen Erleichterung des Loses der einheimischen Inden. Diese Tätigkeit entspricht aber keineswegs den Intentionen der maßgebenden Verwaltungsstellen. - Man hat die Jca in der Voraussetzung genehmigt, daß sie die Ausivandcrung der Juden in großem Stile fördern werde, und ist nun wenig erbaut davon, daß sie dieses ursprüngliche Programm nicht einhält. Die Erfahrungen, die man in dieser Beziehung mit der Jea gemacht hat, werden geradezu als „traurige" bezeichnet, weil sie die Stellung der Juden durch die Begründung von Darlehnskasse», Kreditgcnossenschasten und andere Maßnahmen fördere, was der Regierung sehr unerwünscht erscheint. Und wenn die Jca selbst einer kleineren Zahl von Inden zur Auswanderung verhelfe, so nütze dies nicht — meint man — dem Staat, sondern nur den Juden, besonders im Ansiedlungsrayon, wo ihre Lage durch die.Abwanderung sehr erleichtert werde. Daran habe aber die Regierung gar kein Interesse. Man bereite der Jca zwar nicht gerne Schwierigkeiten, schon mit Rücksicht auf die europäische Presseschließlich werde man aber wohl zu Reprefsalicu greisen müssen. Es sollen denn auch, wie wir erfahren, bereits ernste Maßnahmen bevorstehen. Der in diesen.Anschauungen zutage tretende Zynismus von Leitern eines sogenannten Kulturstaates ist sehr charakteristisch. Er gewinnt aber noch besondere Bedeutung, wenn man die Stimnmng im Bcrwaltungsratc der Jca kennt. Dort erhoffen sehr einslußreiche Herren noch immer alles Heil von einer wirtschaftlichen Erleichterung des Loses der russischen Juden in Rußland selbst. Und einige von ihnen verhehlen keineswegs, daß sic die Einstellung jeder kolonisatorischen Tätigkeit anstrebcn würden, wenn nicht das Statut hindernd int Wege stände. Es wäre dringend zu wünschen, daß Man sich endlich über die Situation keiner Täuschung mehr überließe und die sehr notwendige und logische Folgerung zöge, entsprechend den kolonisatorischen Absichten des Stifters der Jca den Bedrängten eine menschenwürdige Existenz auf eigenem Boden zu sichern, statt Ziele anzustreben, die zugleich unerreichbar sind und Gefahren in sich schließen. , Aus aller Mett. Deutsches «eich. Berlin. Wir erfahren, daß das Vorgehen der deutschen Gemeinden in der Frage einer R e f o r in d e r j ü d i s ch c n W a n d erarmen für sorge auch im Auslan de N ach ahmu n g sindct. Bor kurzem hat der Gemeindetag des Schweizer Gcmeindebundcs die Grundsätze für die Abfertigung der Durchreifenden angenommen, die den von der Deutschen Zentralstelle entworfenen analog sind. Mit den belgischen Gemeinden, sowie mit Paris sind .Verhandlungen über gemeinsames Vorgehen mit der Deutschen Zentralstelle angeknüpft worden. Doch wichtiger als alle diese Fortschritte dürfte sich die von der Oesterreich i sch-Israeli tis ch e n Union z n W i e n . beabsichtigte Schaffung einer Zentralstelle nach dem deutschen Muster erweisen. Wie wir hören, hat die genannte Körperschaft an die Vorstände der österreichischen Kuktusvertoaltnngeii eine Einladung zu einer Delegiertenkonferenz ergehen lassen, die am 25./26. März in Wien stattfindeii soll. Berlin. Die Generalversammlung des Hilssvereins der Deutschen Inden findet am 19. März, vormittags ll1/!» Uhr in Berlin, Hotel Prinz Albrecht, Prinz Albrechtstraße 9, statt. Die Tagesordnung derselben lautet: 1. Vorlegung des Geschäftsberichts, 2. Entlastung der Verwaltung, 3. Wahlen. Berlin. In der , Zeitschr. s. Demographie und Statistik der Inden", gibt Dr. Heinrich Loewe einen intcressaiiteu Vergleich zwischen der Zahl der Inden Preußens iiir Jahre 1817 und i »i I a h r e 1905. Damals hatten Posen unter 22700 Einwohnern 1025 Juden, 1905 unter 136 800 Einwohnern 5761 Inden, L i s s a u. .7931 C. 3611 I'., 1905 n. 16 000 E. 995 I., Si e m p c n u. 1588 E. 2106 I. , 1905 u. 5879 E. 801 I., Kr o losch in u. 1671 E. 1586 I., 1905 n. .12 675 E. 525 - I., G r a e p u. 2983 E. 1155 I-., 1905 u. 5500 E. 210 I., Fordou n. 1972 E. 1290 I., 1905 II. 2785 E. 181 I., Fi lehne N. 2788 E. 1231 I., 1905 ii. 1100 E. 378 I. Im gleichen Verhältnis haben sich die meisten jüdischen Gemeinden in dem Gebiete des damaligen Preußens vermindert und zwar zu Gunsten Berlins, das damals nur 3700 Inden hatte. Berlin. Ein ^Komitee fordert zur Errichtung einer Dr. Hirsch H i l d e sh c i in e r-S t i ft n n g auf, deren Zinsen der indischen Palästinaforsch u u g und der F ö r d e r u ii g 1> c r S ch ü l c r des Berliner R a b b i n c r s e in i n a r s zngewendet werden sollen. Das Andenken Hildesheimers, auch künftigen Geschlechtern als leuchtendes Vorbild zu erhalten, ist eine Ehrenpflicht aller Juden ohne Unterschied des Standes und des Lande s. Denn „wie Hildesheimer in den trüben Tagen von Tisza-Eszlar, Lauten und Könitz für die in den Staub gezerrte jüdische Ehre cingetreten, wie er im Kampfe gegen den nimmer rastcndcii Judenhaß seine beste Kraft eingesetzt, wie er für das gefährdete Rcligionsgesetz, im besonderen dsc Schcchitah, einen siegreichen Streit ausgesuchten, wie er für unsere im Elend schmachftcnden Brüder aller Länder und Zonen seine Gesundheit und sein Leben geopfert, das bleibt ein Ruhmesblatt für ihn und uns." Das Komitee der Hirsch Hildesheimer-Stiftung setzt sich ans folgenden Herren zusammen: S i c gw n n d Berget, Oberlehrer Dr. I. C a r l e b a ch, Rabb. De. I. E s ch c l b a ch e r , Bankier M a x Jaffa, Schriftsteller Dr. A r t h u r K ahn. Geh. Mcdizinalrat llniv. -Prvf. Dr. L. Landau, llniv.- Prof. Dr. E. Mittwoch. Rabb. Dr. E. Munk und Univ.-Pros. Dr. O. Marburg, sämtlich in Berlin. Geldsendiingeii sind zu adressieren: Max- Jaffa i. Fa. Jaffa & Leviu, Berlin NW. 7, Neustädtische Kirchstraße 15. Hannover. Die nächsten Sonntag hier tagende D « l e g i e rt e uv e r s a m m l n n g des Verbandes der j ü d. I n g e n d v e r e i n e Deutschlands nimmt Samstag abend 9i/i Uhr mit einem geselligen Beisammensein im Kasino des jiid. Jugendverciiis (Josefstraßc 17) ihren Anfang. Der Verband hat eine En q u c t e z u r I a h rhn ii d c r t fc ie r der Emanzipation der deutschen Inden veranstaltet. Die Minister von Hceringcn, Dernbnrg, von Heutig, die Parlamentarier P o r s ch, Er z b e r g e r, F n ß, Pfeil dt u er, Stengel, Roste, von Kard o r f s, S t r u w c und zahlreiche Persönlichkeiten von wissenschaftlichem und literarischem Rufe antworteten. Die gelegentlich des Verbandstages erscheinenden Mitteilungen des Verbandes werden die Antworten bringen. Hannover. In diesem Jahre wird der Gutshof Steinhorst, auf dem bekanntlich junge Juden zur Landwirtschaft aiisgebildet. werden, ganz neu anfgebaut. It. a. wird ein Viehstall errichtet, der auf etwa 100 Haupt Rindvieh berechnet ist, und das Gut mit modernen iiiaschincllcii Einrichtungen versehen. Die Möglichkeit' Tjimit wurde durch tatkräftige Hilfe der „Jca" in Paris gegeben. Nachdem die Aufnahmen zu diesem Frühjahr bereits abgeschlossen sind, empsiehlt es sich für solche Eltern, die ihre Söhne zum Herbst nach Steinhorst schicken wollen, nach Möglichkeit bereits setzt aiiziimcldeii. Sind die neuen Gebäude fertig, so können im Herbst noch ettva 8 Lehrlinge Ansiiahme finden. Diesbeziialiche Gesuche nimmt die A. und F. Simon'sche Stiftung, Hannover, Hansahaus, Acgidieiitorvlah> entgegen. Oesterreich-Urtirarrr. Budapest. Die von dem hiesigen zionistischen Akademiker-Verein „Matkabäa" äiigestrebte Errichtung eines s iidi sch cn S t nd en tcn ti sch cs - ist nach langem Bemühen in die Tat nmgcsetzt worden. Der Ungarisch-Israelitische Landeskulturverein hat sich der Aiigelegeiiheit angenommen, indem er die nötigen Mittel bereitstellte, worin ihm allerdings auch die Zionisten behilflich waren, die unter anderm das Reinerträgnis der im Lande veranstalteten Makkabäerfeiern zugunsten der

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