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Neue jüdische Presse · 1911-03-10 · Heft 10 (10.3.1911) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 10 (10.3.1911)
Date
1911-03-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Maickfurter ZsraGttWs ZamtlienÄaÜ. " Nr. 10. sich janünd Hetaust hat, keine Beleidigung: viel wenig«: Verleumdung Mn, auch in jenem Falle nicht, wo dies, wie jetzt, mit materiellem Nachteil für den Betreffenden verbunden ist." Zioni. Großbritannien. London. Soeben ist das vom 5. August 1909 und 22. März 1910 datierende Testament Lord Swaythlings geöffnet worden. Das Vermögen beträgt 23 Millionen Mark. Bon den Legaten fallen an Wohltätigleitsinstitutionen: 40000 JL an 'die „Federation of Synagogues of East London", je 10000 ,(L an „Jewish Board of Guardians", „Jewish Provincial Ministers Fand", „News Hospital and Asylum, Lowes Norwood", „London Hospital" und „Metropolitan Free Hospital" und je 4000 JL an „Charity Organisation Soch" und „Jewish Working Men's Club and Institute". Die Kinder erben zu gleichen Teilen unter der Bedingung, daß sie der jüdischen Religion angehören und keine Person heiraten, die, derselben nicht angehört. Bemerkenswert ist aber auch der folgende Passus des Testaments: „Wen» meine Töchter, die Hon. Marion Montagu und die Hon. Lilian Helen Montagu meinen Wünschen zuwiderhandeln und die unter dem Namen „liberales Judentum" bekannte Bewegung fördern, deren Ziele ich streng mißbillige, so erkläre ich hiermit, daß wenn nach meinen« Tobe irgend eine meiner erwähnten Töchter der oben genannten oder irgend einer anderen Bewegung, die dieselben oder ähnliche Ziele, ob direkt oder indirekt, verfolgt, durch Geld helfen sollten und dieses zur Kenntnis meiner Testamentsvollstrecker gelangt ist, so «nögei« meine Vollstrecker in ihrer absoluten und uneingeschränkter Macht solcher Tochter solche Teile, welche % des ihr zukommenden Anteils übersteigen vorenthaüen, wie sie das Einkommen, welches nur für diese Verfügung an sie bezahlt «verden würde, richtig schätzen sollen, in Rücks,cht auf ihren Anteil an meinem übrigbleibenden Besitztum.". Rußland. Petersburg. Die Regierung Hot sich bis jetzt darüber ausgeschwiegen, wie sie sich zi« dein Antrag in der Duma über die Abschaffung des Ansiedlungsrayons stellt. Das Regierungsorgan Rossja" hat nun den Schleier gelüstet, es hält die Abschaffung des Ansiedlungsravons noch für verfrüht. „Fünfzig Jahre Bauernbefreiung haben den Bauer noch nicht selbständig gemacht, und daher «vürde der Jude, wollte man die Beschränkungen des Ansiedlungsrayons fallen lassen, zu mächtig werden."— Aus dem Unausgesprochenen darf man demnach schließen, daß die Regierung gegen eine Abschaffung der Wohnbeschränkungen der Juden in den Städten nicht sein wird. Petersburg. Finanzminister Kokowzew hat eine Verfügung erlassen, durch die tausende kleine jüdische Existenzen vernichtet werben, wenn er sie nicht wieder zurücknimmt. Er hat nämlich die Begrenzungen, die für Juden ^für den Verkaufs von Trinkspiritus bestehen, ans den Brennspiritus ausgedehnt. Der Senat hat zugunsten eines Buchbinders Nainens Flitermann entschiede««, daß er seinWohnrechtwiedererhält. „Die jüdischen Buchbinder, die sich «nit den Zigarettenhülsen und Zigarettenpapier beschäftigt haben, können «auch dann außerhalb ' des Rayons wohnen, wenn sie ihre Fabrikation nicht betreiben." So lautet der Senatsbeschluß, der ausnahmsweise einmal nicht gegen die jüdische,«! Interessen gerichtet ist, I. I. Braun. Jerusalem. Die jüngst in Warfchau veranstaltete Bezalel-Ausstellung hatte einen sehr befriedigenden Erfolg. Nicht «mr, daß die Erzeugnisse der.Anstalt reißei«dei« Absatz fanden, es wurde«« auch nach Jerusalem Bestellungen jm Werte von etiva 10000 Rubel aufgegÄen. — Dr. Schemarjahu Lewin, der jetzt von seiner amerikanischen Propagandäreisc für das' Jüd.Technikuin in Haifa nach Berlin zurückgekchrt ist, hat folgende Resultate zu verzeich,«en: Jacob H. Schiff, L. Marschall, S. Strauß, Dr. Cyrus Adler und Professor Sch echter sind dem Direktorium des Technikums beigetreten. An Spenden und Jahresbeiträgen wurden 370 000 Dollar gezeichnet, darunter 215 000 Dollar Stipenbiengckdcr für mittellose Zöglinge. — - Die Bewohner der jüdischen Kolonie K a f r - Saba hüben die behördliche Genehmigung zum Bau von 13 neuen Häusern erhallen. Das nötige Kapital leiht der Hilfsverein der .Deutschen Juden. Jaffa. Das'heftige Unwetter. Sturms Sch nee und Kälte, wie wir ein solches Wetter seit Jahrzehnten nicht hatten, hat in den Orangengärten Jaffas und der j ü d k s ch e n Kolonien g r o ß e«« S ch a - den angcrichtet. Infolge des Sturmes sielen unzählige Früchte ab und gingen zugrunde.' In P e t h a ch - Tikwah haben die Mandelpflanzungen glücklicherweise nicht gelitten, dagegen «vurden die Orangengärten sehr hart niitgenommen. Man beziffert de» Schaden in Pethach-Tikwah allein auf 50 000 Frcs In den Bojaren von Jaffa nnd Umgebung soll sich der Schaden insgesamt auf 4—500 000 Frcs. belaufen. — Bei den Anshcbnngsarbeiten für den Bau der Arbeiterhäuser des Bezalel in Beii-Schamen bei Lydda stieß inan auf zwei Z i st e r n e n aus a l t j ü d i s ch e r Zeit. Die Zisternen sind noch in so gute»« Zustand, daß sie sofort in Verwendung genommen «verden konnten. Im Ihre 1909 kaufte eine Gesellschaft wohlhabender jüdischer Palästinafreunde aus Moskau die deutsche Besitzung Magdala (Mcdschdel) am Tiberiassee in der Absicht, dort eine B a u in >v o l l p s l a n z n i« g anzulegen. Seit den« Sommer 1910 «verden nun die für die Anpflanzung notivendigen Vorarbeiten, «vie Beseitigung des Gerölls, Umbruch und Tiefpflügung des Bodens, Anlage von Feldwegen usiv. durchgeführt. Demnächst soll «nit den« eigentlichen Anbau begonnen werden. Gegenwärtig arbeiten in Magdala 70 jüdische Landarbeiter. Amerika. Rew-Uork. In den Vereinigten Staaten nimmt der Anteil der Juden in der Landwirtschaft in erfreulicher Weise ständig zu. Es sind bereits mehr «vie 30000 Juden in der Landwirtschaft beschäftigt, darunter 2984 selbständige Farmer. Rew-Uork. Die Jahresversammlung der Vereinigung rumänischer Juden in den Bereinigten Staaten, auf der 300 Delegierte 40000 rmnänische J««den vertraten, beschloß eine Resolution gegen die Beschränkung der Einwanderung, sowie einen Protest gegen die Weigerung Rußlands, die Pässe der jüdischen Bürger der Vereinigten Staaten anzuerkennen. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. SR- Die Zion. Jugend« gruppe veranstaltet Donnxrstag, den 23. März, im großen Saale des ehemaligen Kaufmännischen Vereins eine große öffentliche V e r s a in m - lung für die jüdische J««gend, in welcher Fräulein Nanuy Auerbach aus Köln, sowie ein bekannter ailswärtiger Redner sprechen werden. Näheres wird noch bekanntgegeben. Hamburg. Die Zion. Ortsgruppe Hamburg-Altona veranstaltete am 5. März iin Altonaer Gesellschaftshaiis in Altona ei««c öffentliche Bersainmlung, die von über 150 Personen besucht war. Dr. «ned. W i l l i a m Unna behandelte die historische Entwicklung der jcch.igen abnormen Lage der Judenheit «mdbetonte vom ärztlichen Standpunlle aus die Gefahren der jüdischen Konzentration in den Großstädten u««d des Mangels jeglicher ländlichen Reserven für den Bestand der jüdischen Gemeinschaft auch in Deutschland. Deshalb sei die unausgesetzte Gründung jüdischer Ackerbaukolonien eure unabweisbare Notwendigkeit. Eine solche landwirtschaftliche Kolonisation der Juden sei aber nur auf historischem Boden, im Lande der Väter «nöglich. Dr. nied. L. F r a «i ck «vandtc sich besonders an die zahlreich anwesenden Orthodoxen. Es sei eine einzigartige Erscheinung, daß das jüdische Gesetz jetzt, fast zweitause««d Jahre nach Vernichtung der staatlichen Selbständigkeit der J««de>«, noch in Kraft sei, trotzdem jeder staatliche Zwang für seine Befolgilng fehle. Die Reform, die im Judentum nur eine Religion sicht, handle durchausfolgerichtig, wenn sie das Gesetz abschaffen «volle. Deswegen müßte die Orthodoxie cs «nit Freuden begrüßen, daß der Zionismus eine neue gemeinsame Plattform für die Erfüllung d e s Gesetzes zu schassen bestrebt sei. In - der Debatte «neidete sich ein Gegner nicht zum Wort- Bon zionistischer Seite sprachen Refr. Möller-, der sich ebenfalls an die Orthodoxen wandte liiid die Sondcrbestrebungen derselben bekämpfte, Ab'raham, der auf die Beschlüsse des Adels ko ngresses in Rußland hinlvies, und Dr. Hal- Peru, der zum Schluß einen «vuchtigcu Appell an die Anwesenden zu energischer zionistischer Tätigkeit richtete. Der «norralische Erfolg des Abends «var bedeutend, mehrere neue Schekelzahler wurden gewonnen. Wiesbaden. Der Zion. Gruppenverband für Hessen -und Hessen--Nassa.il (Sitz Frankfurt a. M.) veranstaltete jm Saale der „Wartburg" einen sehr gut 'besuchten Jungjüdischen Abend. Nach begrüßenden Worte» des' Vorsitzenden der Wiesbadener Ortsgruppe, Lehrer Rosenberg, hielt L. Perlmutter-Franksiirt a. M. ein beifällig aufgenommenes Referat über „Jungjüdische Literatur," deren beste Proben hierauf rezitiert «vurden. Für die Rezitation hatten Cilly Rapp und Sally Rvseuheimer- Frankfurt. a. M. ihr großes . schauspielerisches Können in den Dienst der Sache gestellt. Jennv Rapp- Frankfurt a. M. , sang dann einige Lieder, die beredtes Zeugnis von ihrer sicheren Technik und ihre«« glänzenden stimmliche«« Mittel ablegten. Jm Schlußworte forderte der Referent zum Beitritte zur zion. Bewegung auf, worauf. 10 Neuamneldungen erfolgten. DuiSbnrg. In der Zion. Bereinigung erörterte Dr. Alfred Klee, Berlin modernjüdische Fragen. Dr. Klee setzte , sich vor allem mit dein sogenannten religiösen Liberal is «uns auseinander. Der .Kampf der Zionisten gilt denen, die, «venn sie selbst auch Vörden letzten Konsequenzen 'ihres Prinzips zurückschrecken, doch nicht verhindern können, daß andere diese Folgerungen ziehen. Das" Bild der Zerrissenheit, das die Vorkämpfer des „Zeitgeistes" bieten, die trotz heißen Bemühens' zu einer Einigung über Wege und Ziele nicht gelangen können, treibt den religiösen Zionisten ins Lager derer,, die mit Mut und Tre«ie das Erbgut der Väter wahren. Aus der Zukunft. Von Friedrich Rott. lFortsetzung.) Er zvg einen Brief aus der Tasche, und reichte ihn ihr. Sie las: „Mein lieber teurer Sohn! Hoffentlich treffen Dich diese Zeilen hei heiterstem Wohlsein und erhältst Du auch fleißig gute Nachricht von Dein«« liebe«« teuren Braut. Dein liebes Schreiben habe ich gestern erhalten und mich, «vie immer, sehr «nit demselben gefreut. Wie sehr, das kannst Du Dir unmöglich denken, de«m es ist eine bekannte Tatsache, das Gefühl geht abivärts, «vie Eltern ihre Kinder lieben, so werden sic nicht wieder geliebt. Und mir ist cs oft noch tvic ein Traum, daß ich einen Sohn habe, einen lieben, herrlichen Sohn. Erst «oenn ich einen Brief von Dir in hie Ha««d nehme .und Deine liebe Handschrift sehe, dann kommt die Gewißheit meines Glückes über mich. Auch von dem Vetter Arouoioitsch und seinen Lieben kann ich Gottlob Gutes berichten. Rnr von unserer guten Men Mirel, die doch auch mit zur Familie gerechnet «vird, kann ich nichts Erfreuliches «nitteilen, sie hat fast beständig Tränen in den Augen über das Unglück, das ihre Kinder, nämlich ihre Tochter und ihre.Enkelin getroffen hat. 'Sie hat nur diese eine Tochter, die früher in Galizien getoohut hat. Dieselbe hatte einen älteren Manu geheiratet, der bereits Großvater war, doch hat sie ihren Stiefsohn «rie keimen gelernt, da derselbe mit seiner Familie aus'ge- «vandert «var nach Amerika. Nach dem Tode ihres Mannes, dessen Namen sie jedoch nie geführt hat, denn sie war «mr nach jüdischem Gesetz mit ihm verheiratet, nicht aber uach staatlilhem, «vurde es ihr sehr schwer^ sich und ihr Kind zu ernähren. Sie schloß sich daher einer Anzahl jüdischer Ausivanderer an und übersiedelte gleichfalls nach Amerika. Dort hatte sie Glück, sie gefiel einem braven, fleißigem Männe, der sie heiratete. Alle Jahr zu Roschhaschauah schrieb sie ihrer Mutter. Im vorigen Jahr hat sie ihr sogar zweimal geschrieben, um ihr Mitzuteilen, daß ihre älteste Dichter sich verlobt habe. Vor ungefähr z«vei Akonaten kam abermals zu ungewöhnlicher Zeit ein Brief, der Mirel die Nachricht brachte» daß sie Urgrvßinutter geworden eines frischen kräftigen Uankee. Die Alte war überglücklich, am liebsten wäre sie gleich hingefahren, uM sich de«« kräftigen Uankee anzusehen, der doch etwas ganz Besonderes sein mußte. Und da kommt vorgestern die entsetzliche Nachricht. Denke Dir: bei der Beschncidling des Kindes, die ein dort «oohnendcr Galiziancr vorgenommen hatte, «var eine überaus starke Blutung eingctreten und nachdem es endlich gelungen «var, das Blut zu sttll««, sagte der Bcschneider, derartiges «väre ihn« noch nie vorgckommen, außer ein einzigesmal in Kvlomea bei ein««« Kinde von — „Sie «verden ihn vielleicht geka««nt haben, «oandte er sich , an die Großmutter des Kindes, dem« Sie sind doch aus Galizien, ich nreiiie Reb Jecheskel Sch»n«lewitz —" „Freilich habe ich den gekannt, erwiderte Mirels Tochter lächelnd, „Reb Jecheskel Schmulc- «vitz in Kolonien war doch meii« -erster Mm«««." „Was?" schrie ihr Schwiegersohir, „Reb Jecheskel Schmnlewitz war Dein Man««? — Und wessen Tochter ist dem« «nein Weib.?!' .

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