Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1911-03-10 · Heft 10 (10.3.1911) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 10 (10.3.1911)
Date
1911-03-10
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2692297-2692716-2692726--06030-2701004
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 10. Frankfurter Israelisches Familienblatt. Seite 5 Und da T>at sich, heraus'gestellt, daß, ihr Schwiegersohn, dessen Vater gleichfalls nnr nach jüdischem Gesetz getraut, gleichfalls den Namen seiner Mltter führt, der Enkel ihres! ersten Gatten ist, der' die Schwester seines Vaters geheiratet hat! Du kannst Dir die Verzweiflung der Leute denken. Der Beschneider sagte, der Ehemann müsse seiner Frau den Scheidebrief übergeben, der aber hat geschrien, nicht einmal das wäre notwendig, denn, seine Ehe wäre nngiltig. —- Und das alles hat die Wöchnerin im Nebenzimmer gehört und ist dariiber in Tobsucht verfallen. — Daß das Kind den Folgen der Blutung erlegen ist, hat keiner beklagt. Der Maitn hat seine Frau sofort verlassen, die sich allmählich erholt, aber tiefsinnig geworden ist- Die Mutter, die auch den zweiten Gatten längst verloren hat, und deren Söhne sich bereits selbständig ernähren, möchte nun gern mit ihrer Tochter zurück in die Heimat zu ihrer Mltter. — Mirel hat nun mit dem Vetter darüber gesprochen, und.er, der gern allen hilft, hat ihr sofort gesagt, sie soll sie kommen lassen,: und bis sich für sie Besseres findet, -sollten sie bei ihm bleiben.. Und dann -hat er gesagt, ich könnte Mirels Tochter im Hauswesen unterrichten, so wie es bei ihm geführt wird, und loenn ich baiin zu Dir ziehe, könnte -sie als Wirtschafterin bei ihm bleiben, uild für die Landwirtschaft würde er einen Verwalter nehmen. Mit diesem Plane freue ich mich sehr) denn ich hätte doch den Vetter,-'der mir so viel Gutes erwiesen - hat, nichtin Verlegenheit lassen, können. So «wer hoffe ich, daß sich Mirels Tochter an das. Wirtschaften hier leicht gewöhne» wird. Und lvenn sie vielleicht schon im kommenden Monat oder in dem darauf folgenden herkoiiimen ivird, däim könnte ich vielleicht schon im Frühling oder im Sommer zu Dir übersiedeln. ' Solange Du in Berlin bist, nach dort -und' später nach D. -Wenn es Dir nämlich reckst ist. Ichhabe das vorhin mit dem Vetter Meilegt, er will sich demnächst nach einem Verwalter nmsehen. Mein Vermögen ist freilich nicht so groß, daß ich von meinen Renten leben könnte, aber ' ich würde mireine Leibrente dafür kaufen, von-der ich eine bescheidene Existenz führen könnte. Ob ich. das nun schon in diesem Jahre tue öder erst im nächsten, das ist kein tvesentlicher Unterschied. Mso mache Dich gefaßt, daß ich Dich vielleicht schon im nächsten Sommer überfalle. -Ich bin sehr gespannt auf Dein nächstes liebes. Schreiben, was Du zu meiner Idee sagen tvirst, gefällt' sic Dir, so komme ich, so bald ich kann. Grüße Deine liebe-teure Irma, und sei selbst herzlichst gegrüßt von Deiner Dich innigst liebenden Mltter." - „Wie lieb Deine Mutter schreibt, ich habe sie schon jetzt, ohne sie zu kennen, sehr lieb.. . Ich glaube aber, wenn ich sie erst . kennen' werde, iverde ich sie doch noch mehr lieb haben." „Das glaube ich auch. Mer wie fühlst Dü Dich? Glaubst Du, daß wir heilte zum Photograph gehen könnten?" „Gewiß! Ich fühle mich so gesund wie ein Fisch, im Wasser! Papa freilich meint, bei solchem Wetter gingen mich die Fische nicht spedieren, darum, sollte ich es auch nicht tu», ich müßt«! mich, für Dich schonen." . . »Dafür bin ich dem Papa sehr dankbar."- Es war in der Tat merkwürdig, wie ihr eiserner Wille sie während der ganzen Zeit seines. Besuches aufrecht hielt. Doch gleich nach seiner Wreise hatte sie abermals einen Blutsturz 'und aberinals in Gegenwart ihrer Freundin, die vorausgesehen,. daß der Abschied von dem Verlobten sie sehr erregen werde und deshalb für sie gefürchtet hatte. Und diescsmal erholte sie sich nicht so rasch. Zwölf Tage lang hatte sie mit seltener Willenskraft der Natur getrotzt, die sich nun rächte. Sie war überaus matt zind hinfällig geworden, und' wenn auch nicht im Bette, so verbrachte sie doch den iveitaus größten Teil ihrer Zeit liegend. Nur, um in Gesellschaft ihres Vaters das Mittag- und Abendessen einznnehmcn) setzte sie sich ans und »nt dem Geliebten zu schreiben, der tagtäglich die heitersten Briese' von ihr erhielt, die. in übermütigster Laune -geschrieben zu sein! schienen. Sie war auch nur selten verstimmt und blickte hoffnungsvoll in die Zukunft. Nur h.in und-wieder kamen Tagean denen der Ernst ihrer Lage . ihr voll zu Bewußtsein kam. Lili besuchte sie täglich, verweilte täglich mehrere Stunden bei ihr,. ihr gegenüber schüttete sic zuweilen ihr volles) zagendes Herz .aus. „Ich bin so. froh, daß Viktors Mutter wahrscheinlich schon, im.nächsten Sommer zuihm kommen wird, dann steht er - doch nicht allein, wenn ihn einmal ein großer Schwerz treffen wiirde." „Jtzn einen Schmerz tragen helfen, das ist mehr Deine Sache als ihres" erwiderte Lili scheinbar harmlos. . Irma atmete schwer auf, lvie lauernd blickte sie zu der Freundin empor. „Verstehst Du mich nicht, vder willst Du mich nicht 'versteheil?" „Warum sollte ich Dich nicht-verstehen oder nicht verstehen.,lvo.llen? Aber Mann und Frau - ' \*-- ' _-rT. w. . ... >: .* sollen alles gemeinsam tragen, von Mutter und Sohit habe ich das nie gehört." „Ich -iverde nie seine Frau werden", flüsterte Irma, während -sich eine Träne aus ihrem Auge stahl und langsam über ihre Wattige 'hernieder glitt. „Um Gott, Irma, ivas sprichst Dtt für ilitsinn! Eurer Verbindung steht doch nichts mehr im Wege; nur-- ivünscht Dein. Vater, daß Deine Gesundheit sich zuvor mehr festigen möge. Und Viktor kann doch auch ’ noch nicht heirate», er ist .doch noch iticht fertig mit seinen Stttdien — daß Du so nngednldig bist —" „Ich bin nicht nngednldig; doch ich tveiß, was 'ich weiß, n>td ich weiß, ivas ich sage." „Dem muß ich entschieden widersprechen, Du bist heute verdrießlich, weil die Sonne nicht scheint, der Himmel grau ist und der Sturmwind an' den Fenstern rüttelt. Das hat Dich nervös gentacht." Irma schüttelte den Kopf. „Ich biit nicht nervös." „Was bist Dü. ,de>m? 7— die ganze Welt ist nervös, — und da wolltest Du eine Ausnahme machen?" „Vielleicht nicht, vielleicht bi» ich auch nervös. — Aber Du lveißt nicht, was ich bin? — Neulich las ich in einer Zeitschrift, Herz und Lunge sind die Pforten des Todes." Lili fühlte, lvie sie erblaßte, doch mit möglichster Unbefangenheit erwiderte sie: .. ..Ü/Das hast Du nicht gewußt? Das ist etwas Neues? Aber Dein" Herz ' niid Deine Lunge sind kerngesund, das hat Dein Vater mir erst neulich erklärt. -Düs. bist in hohem Grade nervös, und die gereizten Nerven können jede Krankheit Vortäuschen." „Wenn mein Bater Dir erklärt hat, daß tnein Herz und meine Lunge gesund sind, so hat er mir Bewußtsein eine Unwahrheit gesagt. Ach Papa! "Papa! — xr tut mir so leid, denn er hat niemanden als mich — Und gestern — ich bin jetzt znweikn sogrenzenlos matt, daß ich auch ohne zu schlafeit die Augen nicht ordentlich aufhalten kann, aber ich habe sie dann auch nicht'ganz geschlossen. Da kam der Papa herein, glaubte vermutlich, daß ich schlafe, und ohne zu sprechen, kam er leise näher und blieb bei mir -stehen, längere Zeit. — Da hörte ich ihn wiederholt schwer seufzen und sah, wie ihm Tränen aus den Augen glitten." . „Das glaube ich nicht" entgegitete Lili lebhaft, „das muß Dir geträumt habe»." Irma -schüttelte den Kopf. „Ich ivar so wach, wie ich jetzt bin." „Das glaubst Du! Ich glaube es tiicht und werde deshalb Deinen Bater fragen." „Nein, um's Himinelswillen, nein! Du darfst Papa darüber nicht fragen. Papa ist so froh in der Meinung, mich über den Ernst meiner Krankheit getäuscht zu haben. Du darfst ihm diese Freude noch nicht stören." Sie drang solange in sie, bis sie ihr das Versprechen gab — allerdings in der festen 'Absicht,- es-nicht zuhalten. 7,(Fortsetzung folgt.) ' „Zu Geschenken eignen sich meine Operngläser, Feldstecher.Lorgnons, Barometer. Thermometer. Brillen, PinceneZ; SpezialwetMUe für Optik, Mechanik, Elektro, technik. Physikalische Lehrmittel." „I. W. Albert, Inh. Paul Wanderey, Haus Neptun, Eche Neue Mainzerstr. und Weißftauenstr. 11. Tel. 7254, Amt I.' /. C. jStrubberg & Co. 25 Neue.Mainzer strasse 25. Spezial-Geschäft für elegante Damen- ----- ----- Wäsche. Kunst und Literatur. Jüdisches. Vereins-Liederbuch, heransgegebe» vom Ausschuß der Jüdischen Turnerschast- 3. Auflage. .150 Seiten. Preis 0,80 Jt. Es zeugt für die Verbreitung des nationaljüdischen Gedankens und die- Fortschritte vcr Turnbewegung tut Besondere», ' baß nunmehr schon die dritte Auflage des Jüdischen Vcreins-Licderbnchcs erschienen ist. - Die neue Auflage unterscheidet sich vor allem dadurch vor den vorhergehenden, daß sic insbesondere eine ganz erhebliche Zunahme an Jargon- und hebräischen Liedern anfznweisen hat. Eine zweite Aenderung wurde darin getrosjen, daß nunmehr der Notenanhang getrennt erscheint und zwar znm Zwecke der Handlichkeit und Billigkeit. .. Also quantitativ tmd praktisch hat das Büchlein, sich vcrbcssert. Aber auch qualitativ, denn - in der Tat eine große 'Anzahl von frischen, sangbaren Liedertt, denen auch die poetische- Seite nicht fehlt, sind dazu nennen; so vor-allem die Sänge: Brüder schließt die Reihen, Ich bin Judäas Waffenschmied, Nicht Tau netzt noch Regen u. a. tu. Es wäre zu empfehle», die natiounicn Lieder,vott,!;dW,a!tdere» zu trennen.. ... . .__.... Es ist weiter darauf hinznweise», daß das Büchlein eine Anzahl von Jargonliedern und hebräischen Gesängen - anfweist. Jedoch etwas finde ich noch auszusetzen, nämlich: berührt mich seltsam, daß die jüdischen Lieder, nicht von de» allgetneinen Trink- und Liebesliedern getrennt sind. Ein echt jüdisches Zionslied-voll Sehnsucht und Hoffnung vereint sich doch nicht zusammen mit einem nordisch-germanischen Sange, der Trank und deutsche Kraft verherrlicht. F. W. Beobachtungen pr. 8t. 1 Mfc. Ermitptapfivtelungen, Recherchen a. Auskünfte IIvIvVUi v. 5 Mk. an. Gewissenhafte Alisas Instttat fiihrung n. strengste Diskretion als Frai3^.f“5tia* mehrjähriger Polizei-n. Kriminal- -Tel. 11301._ beamte gesichert. J. EMMEL L SOHN Schillerstrasse 26. Spezial'Gesebäft för Kal-a Zeleben-Olraslllra. Holzbrand-,KerbsehnllKTarso-n. Batik-Artikel. Wocheu-Kaleuder. lZeitangaben nach dem Laach.) Samstag, den 11. März l— 11. Aäarj: Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M 6 Uhr 55 Min. Sabbat-Ausgang m Frankfurt a. M. 7 Uhr 1v Min, in Berlin 6 Uhr 49 Mn. Wochenabschnitt: Tezawe. — Die Herrichtung des goldenen - Leuchters. Tagtäglich hatte ihir der Priester zu reinigen, mit reinstem Olivenöl zu füllen und anzuzünden: ein Symbol des in Israels Mitte rein strahlenden Thoralichtes. Der Priester ist der Thoralehrer. — Sodann sind die Priesterkleider genau beschrieben. Der gewöhnliche Priester trug 4 Gewänder: Beinkleider, Leibrock, Gürtel, Mütze: der hohe Priester 8 Gewänder: die vorgenannte», dazu einen Ueberrock, einen Efodmantes, einen Brnstschild, ein Stirnblech mit der Aufschrift „Heilig dem Ewigen". Am unteren Saum des Obermantels waren goldene Glocken und goldene Granatäpfel abwechselnd befestigt. Das Geläute kündete die Ankunft des Hohenpriesters im Heiligtum an. Im Brustschild 12 Edelsteine mit den 12 Stämmenamen; ans über die Schultern laufeirden Trägern 2 Edelsteine mit je t> Stämmenamen. 'Auch die Priesterkleider haben symbolische Bedeutung: der Gürtel z. B. scheide den tierischen Unterkörper von dem menschlich schönen Oberkörper. Die Steine auf Brust und Schulter besagen: Der Priester trägt Israel voll Liebe ans dem Herzen, er trägt die Verantwortung (Last) für sie auf den Schultern. — Am Ende des Wochenabschnittes die Vorschrift für die siebentägige Priesterweihe, die Weihe, das Tomid- Opfer (beständ. Opfer) und der Befehl, den Räucher¬ oder goldeneit Altar zu errichten und täglich darauf Ranchwerk (Gewürze) zu verdampfen. Beständiges Opfer und Räucherwerk jeden Tag morgens und abends: (Ihm entspricht unser Morgen- und Minchogebet.) Lehre daraus: Jeden Tag sei ttnser Leben Gott geweiht. Montag: „T aanis-Est her". — Es erinnert an Esthers Fasten, ehe sie znm Könige ging, um Israels Rettung zu^erbitten. — Waj'chal-Borlesung. Selichaus im Tchemauno Esrei des Morgens. Aneinu-Einschaltung. Dienstag: Purim. — Es erinnert an die wunderreiche Rettung Israels zur Zeit der Perser- Herrschaft, ungefähr 500 Jahre vor dem Jahre 1. Ahasveros, König von Persien, glaubt der lügenhaften Anklage seines' Ministers Hantan, Israel sei staatsgefährlich. Dabei hatte Mordochai dem Ahasveros das Leben gerettet. Haman bekam die Erlaubnis, alle Juden vertilgen zu dürfen. Durch das Los wird hierzu der 14. Adar bestimmt. Esther, Mordochais Nichte, die inzwischen Königin geworden, leistet Fürsprache für ihr Volk. Haman wird entlarvt und an den für Mordochai bestimmten Galgen gehängt. Mordochai wird Minister, bei den Inden kehrt Freiheit und Freilde ein, sie feiern das fröhliche „Losefest" (Purim). Vorschriften: Jeder höre zweimal Megilovorlesung. Die Megilo muß vorschriftsmäßig geschrieben sein. Drei Por-Brochans, morgens zwei. Eine Nach-Brock,»- Im Tischgebet und Schmono-Esrei „Al - hanissiin". Purim-Freudenmahl am Tage abhalteu. — Mischloach -Monansmindestens einem Freunde zweierlei Geschenke - an Speisen. An zwei Arme zwei Gaben („Matonaus Lo - evjaunim") Awelim senden auch, erhalten.aber nichts. Kein Tachanun. Thorarerlesung von Amaleks Kampf. (2. Bch.M. Kap. 17.) Machazis Hafchekek geben. Ca|6 Constabler 8to“VÄ£Sfe“*t M Qesohäftsleitung: Cafetier 'Willi Leuten. Arbeitsnachweis der Frankfurt - Loge und des Israel. Hfilfsrerelns. Sitzung: Montag and Donnerstag morgens 10—12, Langestrasse 30, l. Telephon 3728. Wir bitten herzlich, uns Vakanzen und jede Art von Arbeitsgelegenheit mitzuteilen, tim arbeitswillige Glaubensgenossen vor Mot zu bewahren. Arbeitsnaohwejs-Ansschnss.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.