Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1911)
- Date
- 1911-02-10
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2692297-2692716-2692722--05974-2700935- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
6eifc 4i Frankfürttt AfüMtisW AamllieMatt. S. 3^ Oktober: Oberbahnäfsistent Karl Kaufmann, Kranachstraße 14. 4. Kaufmann Bruno Sternberg, Röderbergweg 22. 14. „ Witwe Fabrikbesitzer Max Meyer Marie geb. Brodnitz, Westendstraße 92. 21. ,. Journalist Siegfried Löwenthal, Gr. tirschgraben 21. aufmann Ludwig Born, Moselstr. 34. 25. Novbr.: Kaufmann Fritz Salli Albersheim, Humboldtstraße 3. 3. Dezbr.: Konzertmeister Nico Poppelsdorfs, Sandweg 30. 7. „ Frau Apotheker Dav. Wasserzug Frieda geb. Diefenbronner, SchumanEraße 7. 28. „ Frau Justizrat Dr. Julius Burghold Fanni geb. del Banco, Arnbtstraße 17. Aus aller Welt. Deutsches Reich. Frankfurt a. M. Di- Verwaltung der Israel. Franen-Krankenkasse hat aus. Anlaß des 150 jährigen Bestehens ihrer Anstalt in Verbindung mit dem Städtischen historischen Museum eine Ausstellung von Grundrissen, Plänen, Ansichten, Portraits und Original-Gegenständen veranstaltet, die sich auf dir alte Judengasse beziehen. Die Ausstellung ist im oberen Korridor des Museums (Weckmartt) aufgestellt und vom 13. bis 28. Februar von 10—3 Uhr Sonntag, Dienstag, Mittwoch und Freitag unentgeltlich zu besichtigen. An den übrigen Tagen kostet der Eintritt ins Museum 50 Pfg. Karten zur freien Bejrchtigung an den beiden Sanistagen, 18. und 25. Februar, sind bei Kauffmann u. Co., Börnestr. 41 zu haben. Mannheim. Der„Monn, eimer G,nerai-Anzeiger" macht interessante Angaben über die im letzten Jahre inBadener höbe nenKultus steuern. Die gesamten Verinögensanschläge aller 3 Religionsgemeinschaften betrugen für 1910 6,3 Milliarden Mark. Davon entfielen auf die Jrideu über 500 Millionen Mark oder 8,5 o/o. München, 'las von vi rfuMt Emil Löturnst ein an der Hermann - Schmidstraße in ein Schwestern« und Krankenheim umgebaute Haus wurde dieser Tage offiziell eröffnet und damit oen hiesigen jüdischen Schwestern einc eigene Stätte der Betätigung gegeben. Das Haus enthält 7 Zimmer für 11 Schwestern, 9 Krankenzimmer, Operationssaal us>v. Lesterretch-Uugaru. Budapest. Nach dem amtlichen Ausweis des Jahres 1909 leben in Ungarn 950352 Juden. Eheschließungen gab es 7140, Mischehen 658, Geburten 26123, das ist 3,91 o/o aller Geburten des Jahres, fast uin ein Fünftel weniger, als es im Verhältnis zur Einwohnerzahl, die 4,9»/« ist, sei» sollte. Ein Rückgang der nicht genug zu bedauern ist, da wir doch früher in der natürlichen Vermehrung an erster Stelle waren. Gestorben sind' 13606 --- 2,97o/o sämtlicher Konfessionen, was für uns überaus günstig, da es die kleinste Sterbezahl bedeutet, ist. — Der nichtjüdische Schrift stelle: Szasz Zoltan polemisiert in einem Artikel des größten ungarischen Tageblatts „Pesti Hirlap" mit Dr. Güdemann, der durch die Antitaufliga dem Abfall vom Judentum steuern will. „Der einzige Weg, der.dem ganzen Judentum feine Zukunft sichert" — so ist seine Konllusion —, „ist einzig das zionistische Ideal. Der jüdische Nationalismus schließt in sich die Ansicht, daß das konfessionelle Band allein zu lose ist, um einen auf der Welt zerstreuten Volksstamm innig zu umfassen. Was nur in der Vergangenheit den Ausgangspunkt findet, in der Zukunft aber auscinandcrgeht, kann keine innige Liebe in der Gegenwart zusammcnhalten." Z i 0 n i. Bllvapest. D-e ikrael Kultusaemrinde ha 23321 Steuerzahler, die insgesamt 722060 Kronen, gleich 30,95 Kr pro Person, bezahlen. Sie sind in 6 Klassen eingeteilt. Die Höchstbestcuerten zahlen 3000 Kronen, die Mindestbesteuerten 6 Kronen jährlich. Die Vierteljahresschrift „Magyar Zsido Szemle", das Organ der Neologie, hat zu ihrer letzten Nummer eine hebräische Beilage gegeben. Wie es heißt, will die Redaktion diese Vellage beibehalten. Zioni. Prag. Das zion. Distrikts?nm lt-e f»r Böhmen veranstaltet im Monat August eine für ungefähr vier Wochen berechnete Gesellschaftsreise nachPal 8 stina, welche den weitesten Kreisen zugänglich sein wird. Neben den von Touristen im allgemeinen ausgesuchten Sehenswürdigkeiten bildet den Glanzpunkt der Reise der Besuch der in den letzten Jahren in Palästina geschaffenen jüdischen Institutionen und die Besichtigung der judäischen und galiläischen Kolonien. Uuf der Rückfahrt ist ein dreitägiger Aufenthalt in Aegypten in Aussicht genommen. Der Teilnahmepreis, in welchem sämtliche Auslagen für die Fahrt von Triest bis Triest, Unterkunft, Verpflegung, Wagen, Führung, Entrees usw. eingerechnet sind, wird sich 1. Klasse auf 1300 Kronen, 2. Klasse aus 1000 Kr. und 3. Klasse auf 650 Kr. belaufen. Ausführliche Programme sind durch das. zionistische Distriktskomitee für Böhmen in Prag, Benediktgasse 1, kostenfrei erhältlich. Rußland. Petersburg. De Juden, die über eine Million werktätiger Handwerker stellen, sind auf dem hier tagenden Handwerkerdeputierte nkongreß nur schwach vertreten,- die Polizeiverwaltung tat aber nun noch ein übriges und wies sieben ihrer Deputierten wegen „mangelnden Wohnrechts" aus. Petersburg E'N bieflge« jüdiscber Millionär hot eine halbe Million Rubel für die Errichtung eines jüdischen Krankenhauses gespendet. Petersburg. Hier tagt gegenwärtig rin a l lrusfif.cher Kongreß von Vertretern des H and Werks. Bei der Rolle, welche die über eine halbe Million jüdischer Handwerker (ungerechnet der Angehörigen) in Rußland spielen, ist es klar, von welcher Bedeutung für sie der Kongreß ist. Nun sollte man es kaum für möglich halten, daß bei dieser Gelegenheit die Wohnrechtsfrage für die j'übischen Vertreter austancheu würde, namentlich da doch die jüdischen Handwerker zu den Wohnprivilegierten gehören. Allein erstens hat ein jüdischer Handwerker nicht ein allgemeines »Wohnrecht," sondern ein allgemeines „Ausenthaltsrecht" und muß sich dieses an jedem Orte erst erkämpfen, zweitens dürften viele Vertreter des Handwerks aus Nichthandwcrkerkreisen gewählt werden und zum großen Teil also in Petersburg muh nicht „aufenthaltsberechtigt" sein. Also ein noch größerer Konflikt! Nur mit Mühe und Not erreichte es das Organisations- Komitee des Kongresses, daß den jüdischen Vertretern für die Zeit des Kongresses freies Aufenthaltsrecht in Petersburg gewährt wird, vorausgesetzt, daß für jeden Einzelfall die Genehmigung des lokalen Gouverneurs, eine Genehinigung, die meist nur sehr schwer zu erreichen ist, erfolgt. Es ist wirllich erstaunlich, wie die russischen Behörden aus jeder -Lappalie für die Juden eine Schikane konstruieren. Warschau. Ler Jerusalemer Korrespondent des ,4?eint" rechnet aus', daß bei den Spenden für Palästina aus dem Kaullel Warschau jährlich mindestens 130 000 Rubel unterwegs bleiben. In Polen dürften nämlich mindestens 200000 jüd. Familien wohnen, von denen jede eine „Rabbi Meir Bal Hannes"-Bnchse hat und jede mindestens einen Rubel jährlich in die Büchse wirft. Die Mindestsumme der Spenden beträgt also 200 000 Rubel im Jahr, während nur 70 000 Rubel nach Palästina geschickt werden. Die Differenz bleibt bei den Sendboten (Meschulochim), die das Geld berufsmäßig einsammeln. Es haben sich bei den Meschulochim ganze Dynastien herausgebildet. Der Vater vererbt den einträglichen Berus auf den Sohn. Es ist grade jetzt, wo der Kaullel Warschau als Verein „Esras Jeruscholojim" legalisiert worden ist, der richtige Zeitpunkt, mit der Meschulochim «Methode zu brechen und die ehrenamtliche Einziehung einzuführen, wie es vor einigen Jahren beim' österreichischen Kaullel geschehen ist. Frankreich. Paris. Die Hö er der Rechte verhinderten den Professor des bürgerlichen Rechts Wahl, seinen Vortrag zu halten, vertrieben ihn aus der Fakultät und inszenierten darauf vor seiner Wohnung einc wüste Katzenmusik, der die Polizei dlwch einen Angriff auf die Lärmmacher und die Verhaftung ihrer Rädelsführer ein Ende machen mußte. Als Erklärung für die Demonstration gaben die Studenten an, Professor Wahl sei ein zu strenger Prüfer und habe sich eines Lehrstuhles vollkommen bemächtigt, in den früher zwei Professoren sich teilten. Das sind 'indes nur Vorwände. Der wirkliche Grund ist kein anderer als die Tatsache, daß Professor Wahl Jude ist. Türkei. Konftantinopel. Rabbi H ai m Nab um beabsichtigt, dem Vernehmen nach, an den Sultan die Bitte zu richten, es möchte ihm näch seiUer Ernennung znm Senator noch gestattet werden, provisorisch als Größrabbiner zu fungieren, bis die türkischen Gemeinden sich über die. Wähl seines Nachfolgers schlüssig. geworden sind. Rabbi Nähum möchte jetzt die'Wählen" in den Großen Israelitischen Rät möglichst rasch durchgeführt sehen. damit - sein Nachfolger geordnet«^ GLmeindeverhälinisse in Konstanttnopel vörfinde. . Inzwischen verlautet in gutunterrichteten Kreisen, daß zahlreiche jüdische Gemeindeführer des Reiches sich telegraphisch an den Größwesir, an den Kultusminister und ' an den Minister des Instern mit dem dringenden Ersuchen gewandt haben, sttit Rücksicht auf die zerrütteten Gemeindeverhältnisse und die vielfachen Parteikämpfe innerhalb der ottomanischen Judenheit von der Ernennung Rabbi Rahums zum Senator abzusehen, um nicht Neste heftige Kämpfe und Leidenschaften herästfzubeschwören, die bei der Wahl eines Großräbbiners irnvermeidlich wären. Amerika. Ncw-Aork. Aut dem Bankett, dos d>e Vereinigung amerikanischer jüdischersem e i n d e n gab, sagte Jakob H. Schiff in seiner Rede gelegentlich der Vorstellung des Expräsidenten Roosevelt über Reform und Orthodoxie: ,,Es liegt mir fern, auch nur den geringsten Schatten auf die Majorität Juden in diesem Lande, die noch streng. an dem orthodoxen Gesetze halten, das sie von jenseits des Meeres hergebracht haben, zu werfen. Aber ich darf trotzdenr behaupten, daß wir Reform-Juden immer als Führer an der Spitze stehen, wenn es gilt, zu wachen über jüdische Wohltätigkeit und jüdische Anstalten für Erziehung und Kultur." Man muß, wenn man unparteiisch sein will, die Wahrheit dieser Worte anerkennen. Es gibt bei uns in Amerika auch zahlreiche reiche orthodoxe Juden, doch ihre Leistungen für jüdische Gemeinzwecke sind lange nicht so groß, wie die der reichen Reform - Juden. Aus der zionistische» Beweg«««. Hamburg. In der Zion. Ortsgruppe Hamburg-Altona hielt Rechtsanwalt Dr. B. Tannenwald einen Vortrag über „Die rechtlichen Verhältnisse der Inden in Hamburg." Der Redner führte etwa folgendes aus'-. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts sind die ersten Juden aus Spanien und Portugal, durch die Inquisition von dort vertrieben, nach Hamburg gekommen, wo sie zuerst als unbekehrte Christen geduldet wurden. Zust: ersten Mäle wurde die Aufmerksamkeit der Behörden im Jahre 1603 auf sie gelenkt. Der Versuch ihrer Ausweisung scheiterte aber an dem Widerstande des Senates, welcher sie als tüchtige Kaufleute in seinem Gebiete behalten wollte; 1612 schloß er daher mit ihNest einen Kontrakt, nach welchem ihnen gegen eine jährliche Zahlung von 1000 Ji. gestattet wurde, in Hamburg zu bleiben. Ein halbes Jahrhundert später als die portugiesischen, wanderten die deutschen Juden ein; erst mit den Portugiesen vereint, schlossen sie sich jedoch bald den beiden Nachbargemcinden Altona und Wandsbek an mit denen sie die berühmte Dreigemeinde A-H-W. bildeten. Sie erlangten Schutzbriefe vom dänischen Könige, sowie von den Besitzern des adeligen Gutes in Wandsbek. Ihr Oberhaupt >var der Oberrabbiner in Altona, der aber nicht nur in Religionsangelegenheiten, .sondern vor allem in privatrechtlichen Streitigkeiten die Entscheidung hatte. Ihre Verhältnisse wurden geregelt durch das Judenreglement von 1710. Sie lebten ziemlich ungestört dahin und ordneten ihre Verhältnisse ohne äußere Einwirkung bis znm Jahre 1910, in welchem Napoleon I. däs hämburgische Gebiet in das französische Kaiserreich einverleibte, wodurch die Verbindung der Dreigemeinde gelöst wurde. Am 26. Dezember 1810 wurde von den Hamburger deutschen Juden eine Kommission zur Auflösung der Dreigemeinde eingesetzt, welche iii dem Separationsakte vom 26. April 1812 ihren Ausdruck fand. Zur selben Zeit vereinigten sich die in Hamburg vorhandenen deutschen Juden zu einer Gemeinde, deren Vorstand zum ersten Male am 3. Mäi 1812 zu einer Sitzung zusammentrat. Die deutsch-israelitische Gemeinde, welche zum Unterschiede von der portugiesisch » jüdischen Gemeinde diesen Namen jedoch erst 1821 annahm, kann also im Jähre 1911 resp. 1912 auf ein hundertjähriges selbständiges Bestehen zurückblicken. Nachdem die Inden in Hamburg mehrfach vergeblich die Gleichstellung mit .den übrigen Einwohnern betrieben hatten, erlangten sie 1840 durch Art. 37 des neuen Aemterreglemestts daS Zugeständnis, daß Juden fortab in die Zünfte ausgenommen werden dürften. Nach dem Hamburger Brande (1842) und nach der Umwälzung des Jahres 1848 besserte sich ihre Stellung erheblich; durch däs Emänzipationsgesetz vom 22. Februar 1849 wurde es allen Gemeindemitgliedern freigestellt, das hamburgische Bürgerrecht und somit die Heimatsberechtiguüg zu erwerben. Im Jahre 1850 setzts der Senat, eine Kommission zur Vorbereitung. eines Gesetzes Wer die jüdischen Sepacatverhältnisse.. Nieder, zu welcher als Gemeindevorsteher astch'Gabtiek Rießei: gehörte.. Dir über die Gemeinde mit dein Entwürfe nicht. völlkönitsten hinv'erftäNb'en - tvat, so Nin -Nöch teiN--'stWfäsfendes JüdeiigMtz züskänbe; es wurde zunächst Nur Ms