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Neue jüdische Presse · 1911-01-06 · Heft 1 (6.1.1911) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 1 (6.1.1911)
Date
1911-01-06
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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I-- Seite 2. Franksurter Israelitisches AamiUenblaÜ 3ll. 1 BerbmiLstagcs vor sich, würdig der Ton, der da herrschte, würdig all die Veranstaltungen, die zu Ehren der Gäste vom Ortsausschuß und voin Philanthropin gegeben lourden. Aber auch harmonisch verlies die Tagung, harmonisch trotz der heterogenen Elemente, die da vertreten waren, trotz der Ungleichheit und Verschicdenartigkeit in Ansicht und Richtung; die gemeinsame Sache, das einigende Moment, von dem alle durchdrungen und beseelt waren, brachten diese Leistung fertig! _ Und das Resultat der Tagung? Gar manches Erfreuliche ist da zu verzeichnen, sowohl in geistiger als auch in materieller Beziehung. Zunächst das Wichtigere, das Geistige! —; „Tie Skepsis darf nicht in die Schule hineingetragen werden." Dieser Grundsatz ist sowohl vom Referenten der Hauptversammlung, Tr. Spanier, als auch von den Referenten der Ncbenversammlung, Gut. und B a ch r a ch, in kategorischer Weise aufgestM worden; dies ist für die religiöse Erziehung der Jugend von großer Tragweite. Freilich kann die Skepsis in die Herzen der Schüler aus zweierlei Art gesät werden: durch das negative Wort und durch die negative Tat des Lehrers. Doch der Grundsatz kam vom Munde bewährter Pädagogen, die wohl wissen, daß die vorbildliche Tat des Lehrers viel schlimmer als das Wort wirkt. „Es muß darauf geachtet werden, daß der Jugend kein Buch in die Hände gereicht wird, welches das Judentum in irgend welcher Weise herabsetzt." So ungefähr lautete der zlveitc Grundsatz des Referenten Gut. Auch dies ist ein erfreulicher Fortschritt. Früher war cs nicht so; enthielt doch gar manche jüdische Schulbiblivthck Bücher, die die Ehre des Judentums antasten. Ueberhaupt schon die bloße Tatsache, daß der Lesestoff der jüdischen Jugend unsere Lehrer zu beschäftigen beginnt, kann nicht genug begrüßt werden;- in früheren Zeiten gab es gar keine Probleme, alles war einfach, zu einfach, und alles war gelöst. Doch jene Zeiten sind glücklicherweise vorbei; jetzt beginnen bei uns Probleme zu entstehen, ein Beweis von dem Wachsen des jüdischen Selbstbewußtscins. Allein nicht nur die obenerwähnten Leitsätze waren cs, die unseren Beifall fanden, sondern auch manche Tat. Wir sprachen von einer würdigen Veranstaltung zu Ehren der Delegierten seitens des Philanthropin; wir meinen die Festauffnhrung von Schülern und Schülerinnen dieser Schule, die in rühuckichcr Weise ausgeführt wurde. Es war eine glückliche Idee und zeugt gleichfalls von dem zunehmenden jüdischen Selbstbewußtsein. Eines vermißten wir doch: das Verlangen nach Erweiterung des H eb räisch en in den jüdischen Schulen. Will man die Liebe zum Judentum und das jüdische Selbstbewußtscin der Schuljugeird stärken, so müssen die Kenntnisse der hebräischen Sprache als solcher erweitert werden. „Die Bibel, die Hauptquelle unserer Religion, ist uno bleibt eine unerschöpfliche Fundgrube religiös-sittlicher Ideen, die wir in die Herzen der uns anvertrauteu Jugend ciuzupflanzen in allen Zeiten als unsere Aufgabe betrachten," so lautet die einstimmig angenommene Resolution des Verbandes. Nun, wenn die Bibel die Hauptquelle unserer Religion ist, so muß sie doch in der O riginalspräche, in der sic abgefäßt ist, der Jugend dargereicht werden! Tem kann und soll ein noch so freigcsinntcr Lehrer zustimmen. Man wende nicht ein: die Religionsstunden reichten nicht für das Erlernen der hebräischen Sprache aus. Bei einer richtigen Methode und gutem Willen könnten die Schüler selbst bei zwei Stunden wöchentlichen Unterrichts das Hebräische als lebende Sprache erlernen. Und das Materielle? Auch auf diesem Gebiete ist manches geschehen! So ist der „Adlcrfonds" ins Leben gerufen morde». Ebenfalls als für die materielle Lage der Lehrer als günstig zn bezeichnen ist die Versicherung des Wohlwollens seitens der Gemeinden, wie sie namens der Frankfurter Gemeinde Justizrat Bla» und namens des T. I. G. B. Professor Türk zum Ausdruck gebracht haben. So der V. Vcrbandstag und so seine Resultate. V. Berbandstag der Jüdischen Lehrervereine im Deutsche« Reich. 2. Tag, V o r m i t t a g s s i tz u n g. I. B. L c v y - Frankfurt a. M. referierte über das Thema: „Der Vorbeter inVcrgangeuheit, Gegenwart u n d Z u k u n f t." Der jüdische Vorbeter, so führte der Redner aus, war von jeher ein Hauptfaktor im Gottesdienst, weshalb an ihn hinsichtlich seiner religiösen Führung und allgemeinen Bildung hohe Ansprüche zu stellen sind. Die Ausbildung, die bisher oft eine ungenügende war, soll durch die jüdischen Lehrerseminare, die Fortbildung durch eine Kantorenschule erfolgen. Für die Kantoren wird ein ansrcichendes Gehalt, endgültige Anstellung, Pension und Reliktenversorgnng' gefordert. Der Vortrag wurde sehr beifällig aufgenvminen. 2. Tag, N a ch m i t t a g s s i tz u » g. Die Rcchnungsrevisoren erstatten ihren Bericht: dem Äasscnführer P r e ß b u r g e r - Creglinge» wird für seine Mühewaltung der Dank der Versammlung ausgesprochen. Hierauf erstattet der Verbandsrcdakteur Steinhardt-Magdeburg das Pr.eßrefcrat. Er schildert die Entstehung des Vertrags mit Herrn Leßmau» und berichtet, daß der bisherige Verleger keine neuen Zugeständnisse machen will. Trotzdem spricht sich der Referent gegen .Kündigung des Vertrags aus: mit einem anderen Blatte lasse sich kein günstigerer Vertrag schließen, und ein eigenes Blatt werde nur wenig Leser finden. Durch die Verbindung mit einem anderen Blatte würden die Forderungen der Lehrerschaft in die weite Welt getragen, und sie fänden dort weiteste Verbreitung und Beachtung. Er stellt den Antrag, den Vorstand zu ermächtigen, einen neuen Vertrag mit dem bisherigen Verleger abzuschließeu nach den von dem Referenten dargelegten Grundsätzen. Danach sollen besonders die Protokolle nicht mehr in dem Verbandsorgan, sondern in einem besonderen Korrespondenzblatt veröffentlicht werden. Zum Schluffe verteidigt sich der Referent dagegen, daß er die orthodoxe Richtung besonders bekämpfe; er habe immer bur danach gestrebt, alles zu fördern, 'was dem .Lehrerstande Nutzen bringe. Er habe niemals eine besondere Richtung gefördert oder bekämpft. Wenn er orthodoxe Gegner der Lehrerschaft bekämpfe, werde "er für einen Gegner der Orthodoxie erklärt, bekämpfe er aber die liberalen Gegner, dann werde das in dem orthodoxen Organe totgeschwiegen. Redner findet für diese Ausführungen stürmischen Beifall der Versammlung, die sich zum Danke auf Aufforderung des ersten Diskussionsredners von ihren Sitzen erhebt. In der Debatte werden einzelne Punkte des Vertrages mit dem Verleger des Verband-Organs von mehreren Seiten bemängelt. Es werden schließlich alle Anträge des Vorstandes unter Mlehnung aller anderen angenomnien. L e s e b u ch f r a g c. Gras- Essen befürwortet die Bearbeitung bereits genehmigter Lesebücher für jüdische Volksschulen. L e v y - Frankfurt beantragt zur Abkürzung der Debatte die Aufnahme der Berichte ins Protokoll. Dies wird bez. der Berichte der Statistischennnd Jngendschriften - Kommissionen genehmigt. Wirtschaftliche und Standes Interessen. Becker fordert in seinem Referate Lehrerheime, Pensionskassen, Reisebücher, Verträge mit Versicherungen, Stellennachweise . für Religionslchrer und Kantoren, Schiedsgerichte zum Austrag von Streitigkeiten zwischen Lehrern und Gemeinden. Ganz besonders verlangt er die Errichtung jüdischer Volksschulen. Dazu zwingt die Lehrer die Sorge für ihre Existenz, -besonders aber die für die. Erhaltung der jüdischen Religionsgemeinschaft. Vor Eintritt in die Debatte schlägt der Gcschäftsführende Ausschuß eine ausführlich begründete Resolution vor, in der das tiefste Bedauern über die ablehnende Stellu n g n a h me des D. I. G. B. z u d c n öffentlichen jüdischen Volksschulen ausgesprochen wird. In der Diskussion wird die Stellungnahme für die jüdische Volksschule sehr scharf zum Ausdruck gebracht. Die Diskussion muß aber der vorgeschrittenen Zeit wegen, trotz der großen Anzahl der gemeldeten Redner, geschlossen werden. Der Vertreter des D. I. G. B. erklärt, daß dieser die Beitrebunae» des Verbandes nicht bekämst führe eil lucroc. tbStOJitefä) jy.-lP Frankfurt am Main ütion des Geschäftsasn g cno m in c n. Dazu wird noch beschlossen, den D. I. G. B.' zu ersuchen, die Angelegenheit der jüdischen Volks-, schule ans die Tagesordnung des ordentlichen Gemeindctagcs zn stellen. Der Antrag Rheinland-Westsalen betr. Satzu n g s ä n d e r u n g wird zurückgewiesen. Ein Antrag Baden soll auf dem Verwaltungswege erledigt werden. . Es werden, dann noch einige Aenderungen betr. der Verbands pensioiiskassc vorgeschlagen. . Direktor Dr. Adler spricht noch einige Schluß'- nn-ite über den ebenso ergebnisreich wie harmonisch verle.i.jendcn V. Verbandstag und bringt ein Hoch ans den Verbandsleiter, Rektor Feiner, aus. Dieser schließt mit Worten des Dankes den wissenschaftlichen Teil der Tagung. Die Firma ili. Lehrberger hat den- Teilnehmern des Bcrbandstagcs eine hübsch ansgestattete Broschüre von S. Bachen heim er „Unser Gebetbuch" überreicht, und der Verlag I. Ä a-u f fm a n n dedizierte den sämtlichen Teilnehmern ein schönes Ansichtskarten- A I b u m v v n F ra n k f n r t a. M. Großes Interesse erregte die prächtige A u sstellnng israelitischer Kultus gegenstände ans dein kunstgewerblichen Atelier der Silberwarenfirma Felix Horovitz. Kommers. Anläßlich des V. Vcrbaiidstagcs veranstaltete die Vereinig n n g i s r. Religionslchrer und -Lehrerinnen in Fran-tfurt a. M. einen Kommers in den Räumen der Frankfurt-Loge. Der große Saal erwies sich sür die Menge der Lehrer und Lehrersreunde als zu klein, und viele sahen sich gezwungen, sich mit dem Aufenthalt in den angrenzenden Räumen zu begnügen. Leiter des Kommerses war Lehrer I. B. Le vH. In bunter Reihe folgten Toaste ans Kaiser und Reich, auf den Vorstand der hiesigen isr. Gemeinde, den jüd. Lehrcrverband usw., Tischlieder und Gesänge eines unter Leitung des Musiklehrers N c u in a n n stehenden wackeren Doppelqnartetts. Das Ganze krönte die wohlgclungene Aufführung des Stoltzeschen Lokalschwanks „Verspekuliert" von Damen und. Herren der gastgebendcn jüd. Lehrervereinigung. Außer diesen Genüssen hatte es die genannte „Vereinigung" sich nicht nehmen lasse», durch Speise und Trank für die leiblichen Bedürfnisse aller Kommersteilnehmer in ausgiebiger Weise Sorge zu tragen. So flössen die Stunden in gehobener Stimmung dahin, bis die späte» Morgenstunden auch die seßhaftesten Gemüter an den Aufbruch von der gastlichen Stätte gemahnte. Paris gibt «ach! Jnstizrat Fuchs, der interimistische Vorsitzende der Deutschen Konscrenzgeineinschaft der Alliance,, hat von Präsident N. Leven den folgenden Brief erhalten: Sehr geehrter Herr Kollege! Wir haben die Ehre, Ihnen den Empfang Ihres Briefes vom 23. Dezember zu bestätigen, dessen entgcgcnkoinmcndc Haltung und dessen verbindlicher Ton in einem glücklichen Gegensatz stehen zu den Resolutionen, welche der Brief wiedergibt,' und bei denen wir uns in dem Wunsch eines guten Einvernehmens nicht iveiter aushalten wollen. Wir erwarten mit Interesse die Vorschläge des Etats, die Sic uns in Aussicht stellen. Das Zeutral-Komitce hat nie den Wunsch gehabt und nie das Recht für sich in Anspruch genommen, die Deutsche Konferenz-Gemeinschaft als eine Vereinigung der oeutschen Mitglieder des Zentral-Koinitees aufzulösen. Wir haben sie nie geschaffen; sie hat sich vielmehr selbst und frei konstituiert. Das Zentral-Komitee hat nur gemeint, sich allem cntgegenjctzen zu müssen, was nach seiner Aussassung einen Angriff enthielt gegen die Einheit unserer Jnstitnlivii, die wir seit einem halben Jahrhundert mit allen Kräften aufrechterhalten haben. Es hat sich für verpflichtet gehalten, Ausgaben zurnckzuwciseii, die zum Teil den Zielen der Alliance fremd sind und ihr Budget allznschwer belasten würden. Nur dadurch ist der Gedanke entstanden zu einer Rückkehr zn dem Stande der Dinge von 1804, der sich ausgezeichnet hat durch ein. so glückliches Einvernehmen zwischen Ihnen und uns. Aber wenn Sie uns sagen, daß die Deutsche Konferenz- Gemeinschaft, indem sie ihre Fortexisteliz beschlossen hat, keinen anderen Gedanken verfolgt als den, mit uns für die allgemeinen Ziele' und die Größe der Alliance zu arbeiten, so beglückwünschen wir uns hierzu und n e h m cn gern n n sere Arbeiten mit I h neu w ie-d e r a it f. Wir hoffen, daß Ihr Etatseiitwnrf die nötigen Ausgaben in Deutschland, sei cs für die Verwaltung, sei cs für die Wohltätigkeitseinrichtiingcil, so sehr als möglich einschränke» wird in Gemäßheit der Gesichtspunkte, die inMiisercr früheren Korrespondenz anseiiiandergesetzt sind. 'V Die Kooptation des Herrn' Professor Landau wird keine Schwierigkeiten machen; seine Ernennung

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