Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 50 (30.12.1910)
- Date
- 1910-12-30
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 50. Frankfurter Ksrttelitisches Fanrilrenblatt. Seite 8. Land, wenn man täglich lesen mutz, daß sich die «Leitung der zionistischen Gesamtpar- Opfer mehren, die bei Nacht und Nebel über die I t e i. Die Erörterungen trugen mehr den Charakter Grenze geschoben und von einem Tag auf den einer freien Aussprache und führten nicht zu des. Kultusminister flehentlich bitten, den in ihrem den, ihre diesbezüglichen Vorschläge zu machen. Memorandum eingereihten Wunsch, das ungarischeIDic russischen Zionisten werden dazu vor- Jndentum endlich einmal unter den Schuh einer I anssichtlich in einer am 14. Januar stattfindendcn einheitlichen Autonomie zusammenzuschweißen f Konferenz Stellung nehmen, und den seit 41 Jahren geforderten „einheitlichen" Judenkongreß Ungarns doch noch einzuberufen? Oder ist es vielleicht mehr als zu- IV. Berbandstag der Jüdischen Lehrervereine fällige Schicksalsironie, tvenn im Ungarischen Mag- Deutschen^Grifft natenhaus nur mit Hilfe der nenernannten I ' ’ x drei jüdischen Oberhäusler, Ullmann. Ehvrin und Deutsch, die Modifikation der Straf-, ,,, , M „ r .. gesetznovelle .zurückgewiesen wurde, „wonach der! Ä-coutag, den -b. ^.ez., abends, fand dw er>te Zeuge bei Abnahme der Generalien auf seine L>er,ammlung anläßlich des Verbandstages statt, du: Religion befragt werden müsse, da von dieser \\d{ 'ntt der Jugendschrrftenfrage besagte, die zuverlässige Glaubwürdigkeit des Juguirierten I Zehrer B a chr a ch-Altona erstattete das Hauptabbänae?" Kioni I rcferat. Er betont die Wichtigkeit der Schaffung ' J ° ■ einer jüdischen Jugendliteratur in einer Zeit, da das Jilbentnnl so vielfachen 'Angriffen ausgesetzt ist. ÄLrUNLV ÜBlfief« I Judenfciudliche Schriften dürften selbstverständlich ... . . > I in den Jugcndbibliotheken nicht enthalten sein. Viel- (Von nnserem Korrespondenten., Imehr müßten nnserer Jugend Werke der Kunst dar Einen interessanten Beitrag zur! gereicht werden, wodurch nicht nur der Schönheits Charakteristik der Alli a n ce t äti g keit I sinn, sondern auch das sittliche Empfinden wohllieserte der jetzt hier weilende bekannte hebräische I tätig beeinflußt wird. Schriftsteller und Pädagoge David Pektin aus I Korreferent Lehrer Gut- Frankfurt a. M. Jerusalem in einem Vortrag über „Das Er-I schließt sich im wesentlichen den Ansichten des ziehungswesen in Palästina", den er in der hiesigen I Hanptreferenten an. Er hebt die Wichtigkeit von Bnei Bris - Loge hielt. Redner schilderte in ein-1 Werken hervor, die das jüdische Selbstbewußtsein gehender Weise die älteren Erziehungsanstalten der I und Gemeinschastsgesühl in der Jugend stärken. Sephardim und Aschkenasim, ihre „Chadarim" und I Keinesfalls dürften ihr Bücher gegeben werden, die „Äutebs"; den ersten Versuch Ludwig August Frankls, I die Sitten der Väter verächtlich machen, und skepeine Schule nach modernem Muster in Jerusalem I tische Gefühle großzichen. Er verweist darauf, daß zu begründendie französierenden Allianzeschulen, die wir eine reiche Märchen- und Sagenlitcratur in in der Jugend eine Wncigung gegen das Leben iin I dem Midraschim haben, die bisher wenig gekannt Heiligen Lande und den latenten Wunsch nach Ans-1 ist und der Jugend nähcrgebracht werden müßte. Wanderung hervorriescn; das erfolgreiche Erzieh-1 Auch ans der Jargonliteratur könnten geeignete ungswerk des „Hilfsvereins der Deutschen Inden", I Werke übersetzt werden, obwohl Vorsicht in der Ausdas sich den Bedürfnissen und Verhältnissen derI wähl geboten ist. dortigen jüdischen Bevölkerung anpasse und auf einem I In der »ich anschließenden Diskussion wird einheitlichen, umsassendcn System, von den hebräi-1 Herrn Grit von verschiedenen Seiten für sein oorschen Kindergärten bis 5x1111 Lehrerseminar und dem I zügliches eben erschienenes „Lesebuch für die jüdische im Entstehen begriffenen Technikum, beruhe. Dem I Jugend" gedankt. Es sprachen dann Seminardirek- Referenten iourde vom zahlreichen Publikum, unter I tor Dr. Spanier, Lehrer Bach» Hcimann, dem sich viele namhafte Lehrer befanden, lebhafter I Dr. Gntmann, sowie Direktor Dr. Adler, Beifall gezollt. I der das geringe Interesse der Lehrer für die Jugend- Herr Pellin hatte noch eine Gelegenheit, der I literatur beklagt. Von 1100 Lehrern in Deutsch- Berliner jüdischen Oeffentlichkeit näherzntreten. Es I land empfangen nur 120 den von der Großloge unter war in einer vn der natioualjüdischen Frauen-Ver-1 Redaktion von Dr. Spanier-Magdeburg Herauseinigung cinbcrufcnen, von mehreren hundert Pergegebenen „Wegweiser", obwohl er ihnen gratis sonen besuchten Versammlung, in der Herr P e l l i n, I zngestcllt wird. Frau Wagner, Dr. Klee und Dr. Biram . über die Bedeutung der hebräischen! ^"9 (Vormxttag»sitzung). Sprache für das jüdische Volk sprachen. I In den Räumen der Frankfurt - Loge fand Die Versammlung nahm einen eindrucksvollen Ver-1Dienstag und Mittwoch der Verbandstag des „Verlauf und hatte den Ersolg, daß sich gleich zahlreiche I b a n d e s derjüd. Lehrervereine im Deutneue Teilnehmer an den von der „Histadruth Jbrith" s ch e n Reich e" statt. Der Verband zählt 19 begründeten hebräischen Sprachkursen anmeldeten. lEinzelvereine mit ca. 1100 Mitgliedern. Zu Beim merklichen Erstarken des jüdischen Selbst-Iden Verhandlungen sind 65 Delegierte und zahlreiche bewußtseins innerhalb der deutschen Judenhcit er- Gäste erschienen. scheint es um so seltsamer, daß Professor I 0 s e f I Nach einem Harmoniumspiel eröffnet der Vor- Kohler in der neubegründetcn „Deutschen Mon-1sitzende, Rektor Feiner-Hamburg, die Sitzungen tagszeitung" den deutschen Juden den iingebetenen I mit einem Willkommcngruß. Zum ersten Male tage Rat erteilt, durch einen M a s s e n ü b e r t r i t t I der Lehrerverband in Frankfurt, jener Stadt, der zum Christentum das Judentum gänzlich auf-1 das gesamte Judentum so außerordentlich viel verzugeben! Mit Köhlers Artikel beginnt in der ge-1 dankt als einem alten Sitze jüdischer Gelehrsamnannten Zeitung eine voraussichtlich lange Debatte I keit, als Stätte eines hervorragenden jüdischen über „Die Juden". Bisher haben dazu noch der I Schulwesens, dem in Deutschland kein zweites an Zionist Dr. Wittkowsky, der hiesige Rabb. Prof. I die Stelle zu setzen ist. Der Redner dankt der jü- Dr. M a y b a u m und I. Z a n g w i l l das Wort I dischen Gemeinde, die in vorbildlicher Weise für crgrisfen. Wittkowsky hebt besonders den ter-1Lehrer und Religionsunterricht sorgt und den Verritorialen Charakter der Judenfrage hervor, die in I bandstag tatkräftig gefördert hat und der Frankeinem Lande allein nicht gelöst werden könne, sowie I furt - Loge, die ihm ihr Heim zur Verfügung gedie Tatsache, daß die große Mehrheit der Juden I stellt hat. Mit Absicht ist der Verband nach Frankmit ihrer Ueberzeugung ini Judentum wurzeln. I furt gegangen, um jetzt, da die Kinderkrankheiten Maybaum ironisiert Köhlers Betonung, daß er überstanden sind, eine Brücke über den Main 5x1 „kein Jude und von vollkommen indo-germanischer I schlagen, zu denen, die ihm noch ferne stehen. Mstammung sei," und wirft ihm vor, er habe Dem Verband ist es gelungen, dem jüdischen Lehrer- „kein Gefühl für die Treulosigkeit, die. er I stände im Rahmen der Allgemeinbestrebungen eine der jüdischen Gemeinschaft in der Aufforderung zum geachtete Stellung als Mitarbeiter zu erringen. Es Ucbertritt zum Christentum zumutet." Er weist hin wird ihm auch gelingen, den Hader und die Zwie- . auf „das Hauptverdienst der Juden für alle Zeiten, I tracht zu überwinden, die aus religiösen Gründen die Bibel geschaffen und die S i t t l i ch -1 die Lehrerschaft noch immer zu entzweien trachten, keit zu einer Forderung der Religion! Hierauf begrüßt der Vorsitzende des Orts-Auserhoben zu haben", und bestreitet, daß dielschusses und der Frankfurter Religionslehrervereideutschen Juden Nationaljuden seien, die in der I nigung, Dr. Höxter, den Berbandstag. Er hebt Synagoge nicht nur eine religiöse, sondern auch I hervor, daß bereits am Vorabend die Verhandeine nationale Vereinigung erblicken." ZangwillI lungen durch eine Nebenversammlung eingeleitet bezeichnet Kühlers Anteilnahme an den Juden mit I worden sind, in der die Jugendschriftenfrage Verden Worten Dicken's: „Wenn immer das Lamm I handelt worden ist. Zu Ehren des Verbandstages mit dem Löwen kämpft, so wird es mit Haut! habe der Frankfurter Jugendschriften-Ausschuß durch und Haaren gefressen." IKollegen Gut-Frankfurt a. M. eine Festgabe Die Redaktion der „Deutschen Montags-Zeitung" durch die Herausgabe einer neuen Jugendschrift hat noch eine weitere Einzahl prominenter Persön-1 „Für unsere Jugend" veranstaltet. Unter stürmilichkeiten eingeladen, sich zu diesem „interessanten" I schem Beifall der Versammlung, machte er alsdann Thema zu äußern. Mit einer analytischen WürdigungIdie Mitteilung, daß zu Ehren des 25jährigen dieser in mehrfacher Beziehung beachtenswertenIDienstjubiläums des Ehrenvorsitzen- „Judendebatte" mag daher noch einstweilen gewartet Iden Direktor Dr. S. Adler-Frankfurt a. M. werden. I die Frankfurter Bereinigung im Vereine mit her- Am 26. Dezember fand hier eine den ganzenIvorragenden Philanthropen einen Direktor Dr. Tag mit kurzer Unterbrechung währende SitzunglAdler-Fonds gestiftet hat, dessen Zweck es ist» des Zionistischen Zentralkomitees für nach der Verfügung des Jubilars, zum Besten des Deutschland statt. Den Hauptverhandluugs-1 Verbandes und seiner Angehörigen verwendet zu gegenständ bildete die Frage der künftigen I werden; der Fonds beträgt heut« schon über Mark 30000. Redner verliest darauf die an den Jubilar gerichtete Adresse. Direktor Dr. Adler dankt in bewegten Wirten für die Festgabe, die nach seinen Ansichten teils zur Förderung der Berbandsarbeiten, teils aber mich zur Gründung einer Darlehenskasse für Lehrer, die sich in einer augenblicklichen Notlage befinden, dienen soll. Im Namen der jüdischen Gemeinde begrüßt de» Verbandstag Justizrat Dr. Blau-Frankfurt a. M ' Er betont die Bedeutung des Religionsimterrichts für die Erziehung unserer Jugend und leitet daraus die Notwendigkeit ab, die Lage der Lehrer sicherzustellen. Die kleinen Gemeinden sollen mit ihter Opferwilligkeit für den Lehrer vorbildlich sein. Als Vertreter der deutschen Großloge des Bne- Brith-Ordens und der Frankfurt-Loge begrüßt den Verbandstag Dr. FelixKauffmann-Fraickfurt a. M., als Vertreter des Deutsch-Israelitische» Gemeindebundes Prof. Dr. Türk- Berlin, als Vertreter des Verbandes der deutschen Juden JustxMat Dr. A u c r b a ch - Frankfurt a. M. und als Bev- . tretet des Rabbinerverbandes Rabbiner Dr. E. Seligmann -Frankfurt a. M. Dann erstartete Dr. Spanier-Magdeburg sein Referat: „Die Bedeutung der Bibel für die religiös-sittliche Erziehittf& der Jugend." In dem Ringen der große» Menschheit nach Lösung des religiösen Problems gelte es für uns Juden, neuen Boden zu gewinne», auf welchem alle Richtungen sich die Hand zu einem Bruderbund reichen sollten, und das fei die Bibel» ' die als ruhender Pol in der Erscheinungen Flucht betrachtet werden müsse. Der Vortragende tant» zeichnet die Persönlichkeit Moses, sowie den hervorstechendsten Grund- und Charakterzug der Bibel, der die monotheistische Ethik sei. Sodann weist er die Angriffe nnserer Gegner als von Vorurteile»' diktiert zurück, erwähnt die in unseren Tagen gxelk zu Tage tretende Bewegung, die auf eine Trennxmg von allem Jüdischen hinarbeitet. Der Vortragende / beschäftigt sich dann mit den bibelkritischen HWv» ( thesen Wellhausens und weist dabei hin, datz dß» Freiheit der Forschung im Judentume stets hochgehalten worden sei, was er durch Beispiele belegt- Er betont ausdrücklich, daß beim Religionsunterricht nicht dem skeptischen Sinn Nahrung geholt/ werden dürfe, wir müßten uns hüten, in die stilhe Arbeit der Schule Parteihader zu tragen. Er 6a»' leuchtet schließlich eingehend die radikalen bungen Bremer und anderer Lehrer, die statt^der Bibel die geistigen Schätze der gesamten Weltliteratur zu Zwecken des Sittenunterrichts heranznzwhe» beabsichtigten und bittet sodann um Annahme. $#(*. gender Resolution: „Die Bibel, die Hauptqxxekk unserer Religion, ist mid bleibt eine unerschöpfliche Fundgrube religiös-sittlicher Ideen, die wir i» die Herzen der uns anvertrauten Jugend einzupflaxtze» zu allen Zeiten als unsere vornehmste Aufgabe; betrachten." Die Resolution gelangt einstimmig 38t' 'Annahme. (Schluß in der Beilage.) Aus aller Wett. Deutsches 9teid). Frankfurt a. M. Wir verieh'en nicht, uns« Leser auf das allwöchentliche Inserat Arbeitsnachweis der Frankfurt - Loge und des israel. Hilfsvereius» Langestr. 30 I, aufmerksam zu machen. Die soziale» Bestrebungen dieses Komitees, arbeitswillige» Israeliten Arbeit und Verdienst zu verschaff«, um sie vor Alnwsennehmen zu bewahren, unterstützen wir aufs wärmste. Gerade im Winter ist' die Not dieser Menschen am stärksten, und jetzt, w» allabendlich die sreundlichen Chanukalichter in vielen Häusern Helle und Freude verbreiten, sollten «ich Strahlen in die dunklen Zimmer der Notleidend« fallen und den Arbeitssuchenden die gesuchte Wst zuteil werden. Fabrikarbeiter, Kaufleute, Handwerker und Gewerbetreibende sind herzlich gebeten, jsede Vakanz Langestr. 30 I anzuzeigen, um den vxäen Arbeitssuchenden, die sich dort melden, helfe» zu können. Oesterreich-Ungar«. Wie«. Die s. Zt bereits e'wshnte Antrittsrede des Universitätsrektors Hofrat Dr. Edmund natzik über die Frage der nationalen Matriken? liegt nunmehr int Druck vor. B. hat seiner MdK Anmerkungen hinzugefügt: wir erwähnen hier d« folgende: „Im ganzen Osten, in Rußland, RumK nien, Serbien, Bulgarien und der Türkei werde«; die Juden als Nationalität aufgefatzt. Vgl. Reumann, Volk und Nation, Leipzig 1888, S. L8 ff.» der die Folgen beleuchtet, welche diese Stellung» nähme der österreichischen und der ihr folgende» ungarischen Negierung auf die Nationalitätenstatvstik geübt hat. Neumann selbst sagt, S. 158J?&o§ kein Statistiker in Abrede stellen kann, daß ta«s die Juden des Ostens zu den Nationalitäten red)»«» muß. In diesem Sinne spricht auch WyszewiänSL und Anin Maxim. Die Nationalitätenprötzlemider Gegenwart;'Masaryk, Grundlagen des MaqMt