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Neue jüdische Presse · 1910-12-23 · Heft 49 (23.12.1910) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 49 (23.12.1910)
Date
1910-12-23
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Ente 5. SK. 49. WnMMr UrMBiWZ WMienblaü. ,F3rnn •£ Dir recht ist, bleiben wir hier. Es ist' mir nämlich heute etwas eingefallen, was ich noch mit Dir besprechen möchte. Also Doktor.Blau hat auf seine wiederholte Erkundigung nach dem im Jahre 1906 vermißten Bruder seiner Adoptivtochter keine Antwort erhalten. Nun sagtest Du neulich/ wenn Du nur Nachweisen könntest, daß Du nicht derselben Familie entstammst, der sie entsprossen ist, so wäre" Dir die Auskunft, die er erhalten wird, sehr gleichgiltig. Nun weißt Du doch, daß meine Eltern zehn Jahre in Rußland gewohnt haben, mein Vater war als Chemiker an einer sehr bedeutenden Fabrik angestellt und hat noch jetzt dort in angesehenen Kreisen gute Freunde, die ihm gern gefällig sein würden. Ich möchte ihn daher bitten, an diese schreiben und sie ersuchen zu wollen, möglichst ausfindig zu machen, welcher Familie Du entstammst. Du müßtest mir zu diesem Zwecke nochmals alles genau Mitteilen, ivar Dir über Dich bekannt ist. Ort, Zeit und Personen, die Dich gefunden haben, nsiv-,. kurz, alles. — Um Gott! Viktor, wie siehst Du aus! Was ist Dir?" — „Nichts ist mir," flüsterte der andere, aus dessen Angesicht der letzte Blutstropfen gewichen war, „aber Du ahnst nicht, welch' blendende Aussicht mir Deine Worte eröffnen. Wenn das gelingen ivürde! — wenn — Mein ganzes Leben würde nicht hinreichen, Dir und-Deinem Vater meinen Dank auszusprechen. — Mein Gott! mein Gott!" „Du hast Dich noch nie dorthin gewandt?" „Doch, im vorigen Jahr habe ich an einige Rabbiner und Gemeindevorsteher in der dortigen Gegend geschrieben. Es waren vielleicht nicht die richtigen Männer. Einige haben gar nicht geantwortet, die andern haben sehr kurz und kühl geschrieben, sie hätten in der angefragten Angelegenheit nichts " erfahren." „Nun, sei versichert, wenn mein Vater die Sache in die Hand nimmt — und er wird sie in die Hand nehmen, verlaß' Dich darauf —, dann wendet er sich an die richtigen Leute, die alles aufbieten werden, Klarheit in die Sache zu bringen." „Ich werde auch noch zu dem Vorsteher des Waisenhauses gehen, es ist noch derselbe, der zu meiner Zeit dort war, er wird sich noch an meine Uebergabe au das Institut erinnern, vielleicht erinnert er sich auch irgend eines Umstandes, der mir von Nutzen sein könnte." „Ja, das tue, uild zwar so zeitlich als möglich. Ich wünschte nämlich, daß mein Vater noch morgen Vormittag schreiben würde, weil er nachmittags leicht verhindert sein könnte. Du weißt doch, Dienstag ist die Hochzeit meiner Schwägerin und Lili's und meine' Verlobung. Litt und .sch möchten, baß "der Trubel in dieser Woche erst vorüber wäre." „Darüber wäret Ihr froh? Es handelt sich dabei doch auch um Eure Verlobung." »Wenn auch, ich weiß im ■ vorhinein, ich werde in diesen Tagen von meinem süßen Mädchen weit weniger haben als sonst. — Doch verzeihe, Viktor, es ist unzart, daß ich zu Dir so viel von meinem Glücke reden — aber —" „Aber nein. Du Lieber, Guter, das ist keineswegs unzart von Dir, im Gegenteil, erzähle mir recht viel von Deiner Braut, Du machst mir dadurch Freude, ich kenne sie doch auch. Lili ist ungleich mehr als ihre Schwester." „Das ist sie, aber man darf Emmi's Wert auch nicht unterschätzen. Ich habe noch vorhin mit ihrem Vater gesprochen. Lili war doch von jeher sein Herzblatt und alle Lehrer haben immer die jüngere Schwester der älter» als Vorbild hingestellt. Wäre Emmi eine weniger vornehme Natur, wie leicht hätte dadurch das innige Verhältnis der Schwestern zu einander gestört werden können. Und doch, wie hängen sie aneinander, wie anerkennt jede die Vorzüge der andern. Litt behauptet, allerdings mit Unrecht, daß Emmi ihr in vielen Dingen überlegen wäre. — Denke Dir nur, Emmi hat zu ihrer Verlobung von ihrem Bräutigam einen prachtvollen Brillautschmuck erhalten, und meine Eltern sagten, ich müßte Lili einen ähnlichen schenken. Da habe ich sie neulich gefragt, ob sie den Schmuck genau so haben möchte oder in irgend einer Beziehung anders, da hat sie ein ganz besonders liebliches Gesichtchen gemacht, und dann hat sie gesagt, wenn es mir Freude mache, sie mit solch' funkelnden Steinen zu sehen, so wolle sie dieselben gern tragen; wenn ich ihr aber eine wirkliche Freude machen wolle, so solle ich ihr einen imitterten Brillantschmuck geben, der werde kaum den zehnten Teil eines echten kosten, den wolle sie mit Vergnügen tragen, so oft ich es wünschen würde, mit den neun Zehntel aber, die der echte Schmuck mehr gekostet haben würde, sottten wir einige arme Familien unterstützen. Wie gefällt Dir das?" „Das ist ein schöner Gedanke. Was hast Du ihr erwidert?" „Dasselbe, was Du soeben gesagt hast, daß ich^aber darüber mit meinen Eltern sprechen müsse, denn von meinem Gehalt könnte ich überhaupt keinen Brillantschmuck kaufen." r,Md was haben Deine Eltern dazu gesagt?" >,Mein Vater hat den Arm um meine Schultern gelegt und hat gesagt. Junge, Junge, die Frau mußt Du Dir erst noch verdienen." — (Fortsetzung folgt.) „Zu Geschenken eignen sich meine Operngläser, Zeldstecher.Lorgnons, Barometer. Thermometer. Brillen, Pincenez; Spezialwerkstätte für Opttk, Mechanik, Elektrotechnik. Physikalische Lehrmittel" „I. W. Albert, Inh. Paul Wanderoy, Haus Neptun. Ecke Neue Mainzerstr. und Weißfrauenstr. 11. Tel. 7354, Amt I." Kunst und Literatur. Ekstatische Konfessionen, gesammelt von Martin Buber. Eugen Diederichs, Jena, 1909. XXVIII und 238 S. Mit diesem Buche hat Martin Buber einen neuen überaus ivertvollen Beittag zur Geschichte und Verständnis der religiösen Mystik und Ekstase geliefert. Das Buch enthält die Aeußerungen von berühmten Mystikern und Ekstatikern aus allen Jahrhunderten und Ländern. Man findet da die indischen Mystiker neben einer Katharina von Siena, Plotinos neben einer Anna Vetter und die Aussagen des Sofis neben Worten und Sprüchen der Chassidim. Das Buch ist für sehr weite Kreise weder geeignet noch bestimnit. Wer ein Buch nur liest, weil es spannend ist und ihm die Zeit angenehm vergehen läßt, wird au diesen Bekenntnissen keine Freude haben, sie werden ihn im Gegenteil durch das Monotone und Freiudartige, das ihnen eigen ist, langweilen. Wer jedoch gerne in die Tiefen menschlichen Empfindens eindringen will, wer für diese wunderbare Erscheinung, wie sie die religiöse Ekstase darstellt, Interesse hat, der wird das Buch, das wie selten eines einen Einblick gewährt in die seelischen Zustände dieser Ekstatiker, mit höchstem Interesse und tiefem Genüsse lesen. Der Sammlung geht eine längere Einleitung Bubers über „Ekstase und Bekenntnis" voran, die, in der hohen und seltenen Sprache Bubers gehalten, den Leser mit tiefem Verständnis in das Wesen der Ekstase einführen will und eine notwendige Ergänzung der Bekenntnisse selbst bildet. M ä r ch e » von Max N o r d a u. Illustrationen von Hans Neumann, München. Prachtbano mit Goldschnitt 4,80 Jk Halle a. S., Otto Hendels Verlag. Der kühne und kühle Denker Max Nordau — eilt Märchenerzähler! Man ist versucht, an einen Namensvetter zu glauben und läßt sich nur schwer davon überzeugen, daß es wirklich der Max Nordau ist, den wir alle kennen. Und es ist wunderbar, Max Nordau kennt die Seele des Kindes, mit seinem Kinde war er Kind, doch vergaß er nicht den erziehenden Einfluß, und so verband er mit dem Fabulieren stets eine erzieherische Absicht. Gar häufig verwirren Märchen den kindlichen Geist, indem sie Furcht vor unbekannten Mächten einflößen. Nordau hat all derartige Gefahren vermieden; er wandelt mit seinem Kinde durch Gärten und nicht durch Schluchten. Da auch prächtige Illustrationen das Buch zieren und die sonstige Ausstattung eine durchaus vornehme ist, so darf der Wunsch ausgesprochen werden, daß das Märchenbuch in unserer Kinderwelt ein recht heimischer Gast werden möge. A. Puschkin. Sämtliche Werke in 8 Bänden. 5. Band: Novellen. Uebersetzt von A. Billard. 390 S. 5 Jk. broschl, 7 Jk. geb. I. Turgenjew. Sämtliche Werke in 12 Bänden. 1. Band. Herausgegeben von Dr. O. Buek. 470 S. 5 Jk brosch., 7 Jk. geb. Beides bei Georg Müller, München. Der junge, aber bereits rühmlichst bekannte Verlag Georg Müller hat es unternommen, die Meister der russischen Literatur in Gesamtausgaben herauszugeben. Die Klassiker der russischen Literatur sind ja in Deutschland noch wenig gekannt; erst in letzter Zeit beginnt man, sich immer mehr für sie zu interessieren. Bisher gab es jedoch keiiie vollständigen Uebersetzungen ihrer Werke, und die wenigen Uebersetzungen die von manchen Werken existieren, sind meistens so schlecht, daß der Eindruck und die Bedeutung der Originale stark darunter leiden. So ist es eine verdienstvolle Aufgabe, die der Münchener Verlag jetzt unternimmt» und seine Ausgaben —von namhaften Uebersetzern besorgt — werden sicherlich nicht verfehlen, das Interesse für die russische Literatur in Deutschland zu fördern. Für uns Juden haben diese russischen Meister besonderes Interesse, ist doch das Land und das Milieu, das sie schildern, der Wohnsitz eines so großen Teiles unseres Volkes; und ist es doch schwer,- fast unmöglich, die russischen Juden richtig zu verstehen, ohne Rußland und die Russen zu kennen. So können wir diese Ausgaben unseren Lesern nur warm empfehlen. Bisher ist der 5. Band von A. Puschkin erschienen, der seine bekanntesten Novellen enthält (Hauptmannstvchter,- Dubrowstt, Pique-Dame), sowie der erstz Band von I. Turgenjews der . den berühmten Roman „Väter und Söhne" (mit dem berühmten NihilistentyPuS Basarow als Helden), sowie den Roman „Am Vorabend" bringt. Die Ueberletzung ist überall gleich vorzüglich, die Ausstattung nicht minder gut. „F ü r u n se r e I u g e » d," ein Unterhaltungsbuch für israelittsche Knaben und Mädchen, unter Mitwirkung eines Ausschusses' herausgegeben von E. Gut..3 JL Verlag von I. Kauffmann, Frankfurt am Main. 1911. Wenn man aus Titeln Symbole herauslesen darf, dann drängen sich einem beim Anblick dieses eben erschienenen BucheS viele Fragen auf; denn es heißt ja: Gut —; für unsere Jugend. Wie sagte doch Pestalozzi: „Für unsere Kinder ist das Beste grade gut genug!" Nun es ist von vornherein schon ein Erfolg, daß jüdische Männer, ernste Arbeiter im Garten der Jugend sich zusammengetan, um einmal ein speziell für die jüd. Jugend bestimmtes Buch herauszugeben. Es ist weiter, wenn wir beim Aeutzern stehen bleiben wollen, die Ausstattung und der Druck des Buches ein so vorzüglicher, so künstlerisch vollendeter, daß in dieser Richtung wirklich das Beste getan und erreicht worden ist. Und welche Seele wohnt denn nun in diesem Festtagsgewande, welcher Geist spricht aus seinem Jnnerir? Leset das Inhaltsverzeichnis, leset Namen wie Kvmpert, Franzos, M. Lehmann, E. Lehmann, Berth. Auerbach usw. Sind däS nicht alte bekannte Freunde unseres reiferen Alters? Ja freilich! Und doch wurden sie ausgewählt, und wie grade der reifere Leser mit Recht urteilt, wird für unsere Jugend aus ihrem reichen Borne geschöpft, weil in diesem für die israelittsche Jugend bestimmten Buche grade jene „sentimental-süßlichen Stoffe" vermieden und doch der heitere Ton, soweit wie möglich, gewahrt bleiben sollte. Wahrlich es liegt über diesem ganzen Buche etwas von jener Koheletstimmung: „Genieße, Jugend, mit Ernst deine Tage." — Schön waren sie nicht immer jene Tage und Zeiten, von denen dies Buch uns -erzählt, und doch entbehrten sie nicht des Reizes wegen der Herrlichkeit und Innigkeit, wie sie das" hier gezeichnete jüd. Familienleben, die hier beschriebenen Feste und Bräuche uns wiederspiegeln. Leset, Kinder, dies Buch, möchte die Jugend es der Jugend reichen; denn es ist „Gut für die Jugend." —y. Kaiser Friedrich Quelle - Offenbacb a. M. —— Gegen Gicht und Rheamattsmng bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfurt a. Stallbnrgstr. 9. Tel. 259 n. 71. J. EMNIEL & SOHN Schillerstrasse 26. Spezial-Gesehift für Malu Zeichen-Utensilien. Holzbrand-. Kerbsebnltt-.Tarso-n. Batik-Artikel. Wocheu-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem I-naeb.) Santstag. den 24 Dezember!— 23. Kislew): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr — Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 20 Min.» in Berlin 4 Uhr 45 Min. Wochenabschnitt: Wajeischew. — Jakob hatte Josef einen bunten Rock machen lassen. Dies erregte Bruderhaß, der sich noch mehr durch Josefs Träume steigerte: Die Gaben der Brüder bückten sich vor Josefs Garben, Sonne, Mond und Sterne beugten sich vor ihm. Das legten die Brüder als Stolz und Hochmut aus. Jakob sendet Josef aufs Feld, um sich nach den Brüdern uinznsehen. Diese wollen Josef umbringen, verkaufen rhu aber schließlich an eine nach Egypten ziehende Karawane und senden dem Vater den in Blick getauchten Rock Josefs. — Josef wird Diener bei dem Hofbeamten Potiphar, der ihn liebgewinnt und ihm sein ganzes Haus anverttaut. Die Herrin aber will lüstern Josef zur Sünde verführen, und da er widersteht, zeiht sie ihn der Verführung. Durch diese Verleumdung kommt Josef unschuldig ins Gefängnis. Doch mich dort ist Gott mit ihm. Er wird Aufseher über alle Gefangenen. Im Gefängnisse weilen auch.der Oberschcnk und Oberbäcker des Königs wegen Vergehens im Amte. Sie haben aufregende Träume. Josef deutet sie. Die Deutung wird Wahrhett. Der Schenk wird wieder in sein Amt eingesetzt, der Mundbäcker aufgehängt. Der undankbare Mundschenk vergißt in seinem Glücke, den imschuldigen Josef der königlichen Gnade zu empfehlen. — Chanuka. Sonntag Abend beginnt Chanuka. Geschichte. — Die Geschichte des Festes spielt ungefähr 200 Jahre vor der gewöhnlichen Zeitrechnung, die Zeit der eigentlichen Kämpfe von 167—64. — Es stand damals der 2. Tempel. Die Juden waren mit den schöngeistigen Griechen in Berührung gekommen. Geblendet durch deren schöne Künste und Wissenschaften wurden sie Assimilattonsjuden in deS Wortes vollster Bedeittttng. Sie schäm-

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