Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 49 (23.12.1910)
- Date
- 1910-12-23
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Leite 10. Nr. 49. WankfüMr NrEtisW MMienkM. Petersburg. Die jüd. Gemeinde errichtete zu Ehren Tolstoj's eine Stiftung, aus deren Zinsen zwei Waisen im jüd. Waisenhause erzogen werden sollen. — Rabbiner Zirelsohn in Kischenew hat im Austrage der Regierung ein Verzeichnis der in Rußland üblichen jüd. Vornamen angesertigt. New-Aork. Die New-Iorker Judmheit hat zwei um ihre Wohltätigkeitsinstitutionen verdiente Männer verloren: Jsaac Stern von der Riesenfirma Stern-Brothers und Lazarus Kohns, Mitglied der Handelskammer. Sau Franziska. Hier soll mit einem Kostenaufwand von 2-/r Millionen Dollar eine neue Synagoge errichtet werden. A«s der zionistische« Bewegung. Krautfurt a. M. Dienstag sprach in der Zion. Jugendgruppe" Parteisekretär K. Blumenfeld über „Die Juden im 19. und.20. Jahrhundert". Aus der Fülle der Argumente griff der Redner das eine interessante heraus über „Zionismus und freies Menschentum". Bon gegnerischer Seite höre man oft sagen, man wolle erst Mensch und dann Jude sein; dies ist aber unsinnig undunmöglich. Nur wer seine in ihm ruhenden jüdischen Anlagen ausbilde und sich so jüdisch Betätige, könne ein wahrhaft freier Mensch sein. Das Judentum des 19. und zum größten Teil auch des 20. Jahrhunderts befinde sich in der Dekadence, die sich darin kundgibt) daß die Juden sich den Nichtjuden gegenüber anders geben, als sie sind; diese Dekadence führe zum Zerfall des Judentums, das in der Tat bei vielen westeuropäischen Juden heute nur noch bin Pietätsjudentum sei. Uvcker allen Bewegungen im Judentum sei der gionismus Mein wahrhaft jüdisch, weil er in sich m historischen Optimismus des Judentums trage. So ergebe sich aus allem, daß nur der gute Zionist, der gute Jude, ein fteier Mensch sein könne. In der Diskussion sprach Prof. Wehl, der in längeren interessanten Ausführungen darlegte, daß der Zionismus nur auf der jüdischen Religion basieren könne und müsse. Nach einigen Worten des Vorsitzenden, M. Levigard, wurde die Versammlung geschlossen. Kraukfurt a. M. Recht glüallch war der Gedanke, der die „Zion. Jugend gruppe" veranlage^ einen Diskussionsabend über das interessante und trotz so vieler Agitationsreden noch wenig erfaßte Problem „Zionismus und gesetzestrenes Judentum" zu veranstalten. Wie notwendig eine solche Aussprache war, davon zeugt der Umstand, daß ein Abend nicht für die volle Erörterung des Themas ausreichte und die Diskussion in einer zweiten Versammlung fortgesetzt werden mußte, davon zeugt auch der zahlreiche Besuch an beiden Diskussionsabenden. Am ersten Abend hatte Lehrer .B- Stern das Referat übernommen. Nachdem der Vorsitzende, L Perlmutter, einen warmen Nachruf auf Joseph SB. Hackenbroch gehalten hatte, ergriff der Referent das Wort und behandelte in sachlicher Rede das Verhältnis von Orthodoxie zum Zionismus, ihre theoretische und praktische Stellungnahme und wies die bekannten Einwände überzeugen» zurück. In der Diskussion sprach als heftiger Gegner Referendar I. Breuer, der den prinzipiellen Gegensatz zwischen Orthodoxie und Zionismus darlegte und nachzuweisen suchte, daß die Orthodoxie das Gleiche wolle, wie der Zionismus, nur daß dieser ein unjüdisches Ideal verfolge, während jene auf dem Boden der Tradition stehe. Und wenn zwei Konkurrenten das Gleiche erstreben, gibt cs zwischen ihnen keine Versöhnung! — Ihm erwiderten nun eine Anzahl zionistischer Redner. L. Perlmutter bezeichnete das Baseler Programm als einzige maßgebende Grundlage des Zionismus. M. Levigard pries die große ideale Kraft des Zionismus, die so viele Juden,dem Judentum wiedergewonnen habe. Dr. Gottlieb wirft der Orthodoxie ihren Mangel an Nationalismus vor und wies dies an ihren Leistungen und Institutionen nach, trotzdem sie sich als national ausgebe. Sekretär Braun widerlegte die Behauptung, das zionistische Ideal als solches sei unjüdisch. Dr. Schwarzschild betont, daß der Zionismus gerade zum traditionellen Judenutm hinführe. In einer zweiten Rede wiederholte I. Breuer seine alten Argumente, ohne neue hinznzusügen, und sodann faßte Lehrer Stern nochmals die Gründe zusammen, die jeden orthodoxen Juden zum Beitritt zur zionistischen Bewegung veranlassen müssen. Den zweiten Diskussionsabend eröffnele der Vorsitzende M. Levigard .mit einem Nachruf ans P. S. Nabbinow i.tz. Sekretär Braun hielt das einleitende Referat, in dem er die verschiedenen Phasen des Verhältnisses zwischen Orthodoxie und Zionismus schilderte und an vielen Argumenten nachwies, wie notwendig für jeden orthodoxen Juden die Mitarbeit am Zionismus ist. In der D is kussi o n wies N. G o ld m ann den prinzipielllen und theoretischen Gegensatz zwischen der heutigen Trennnngsorthodoxie und dem Zionismus nach und zeigte, daß das zionistische Prinzip das einzig jüdische sei. Sekretär Braun wandte sich gegen den Vorredner, dem er vorwarf, daß er Line Trennung vornehme zwischen Nationalismus und .Religion. Referendar Brinkmann erllärte das Prinzip des Zionismus als unreligiös und unjüdisch. Zahnarzt Rosen bäum polemisierte gegen den Zionismus mit bekannten Argumenten. Referendar I. Breuer wiederholte im großen und ganzen seine Ausführungen voin vorigen Abend und schloß mit dem gleichen, diesmal noch beweglicheren Appell. Ihm erwiderte Lehrer B. Stern. (II—t.) Lffeubach. In der am Sonntag hier stattgefundenen größeren zionistischen Versammlung referierte Rechtsanwalt Dr. Siegsr. Schwarzschild-Frankfurt über das Thema: „Ist der Zionismus unpraktisch, antipatriotisch, antireligiös?" Redner zeigte an Hand zahlreicher Beweise, daß der Zionismus, sowohl von dem ideellen, als auch von dem rein objektiven Standpunkt aus betrachtet, durchaus praktisch sei. Ja, viel praktischer als andere jüdische Organisationen, die ans der Basis alter oder moderner Philanthropie fußen. — Der Zionismus sei auch keineswegs antipatriotisch. Im Gegenteil! Gerade der gute Zionist, der doch den Wert eines Vaterlandes zu schätzen weiß, — ist es, dem — bei aller Liebe zum heiligen Lande — sein deutsches Vaterland sehr am Herzen liegt. — Redner wies ferner den unberechtigten Vorwurf zurück, daß der Zionismus antireligiös wäre. Er stellte fest, daß der offizielle Zionismus nichts mit der Religion zu schassen habe und daher in keiner Weise dieser schädlich sein könne. — Lebhafter Beifall folgte dem glänzenden Referate. Mit einem schönen' Schlußwort des Herrn Martin Levigard -Frankfurt schloß die Versammlung. ver.tn. In dem von mehr als 1500 Personen besuchten Saale des. Tiergartcnhofs fand am 14. Dezember eine imposante jüdische Volksversammlung statt. Dr. Klee sprach über „Der Zionistenführer und sein SBerk", Dr. Gronemann über „Das Verhältnis des Zionismus zum gesetzestreuen Judentum" und Dr. Witkowsky über „Zionismus und Liberalismus". Darmftadt. Der Gruppenverband in Hessen und Hessen-Nassau veranstaltete ain 13. ds. Mts. im Fürstensaal eine öffentliche Versammlung, die von etwa 130 Personen besucht war. Nach einleitenden Begrüßungswortcn des.Herrn Fritz Sondheim er -Frantfurt, sprach Dr. j»r. Gottlieb - Frankfurt in 1% ständiger Rede „Z u r Judenfrage in Ost und Sc st". An den sehr beifällig aufgenommenen Vortrag knüpfte sich eine interessante Diskussion, in der Herr Ludwig Trier — einer der angesehendsten Vertreter der hiesigen jüdischen Gemeinde — seine werktätige Sympathie für die zionistischen Bestrebungen in Aussicht stellte, jedoch einen Gegensatz zwischen deutschen Staatsbürgern und National - Judentum zu konstruieren versuchte, dessen Nichtberechtigung her Redner nachzuwejsen suchte. Nach interessanten Mitteilungen des Herrn Neisse-Mannheim und stud. i n g. P e l l i n - Jerusalem schloß die eindrucksvoll verlaufene Versammlung. X. Hamburg. In der Zion. Ortsgruvpe fand am 15. Dezember eine interne Versammlung statt. Der Vorsitzende Rechtsanwalt David eröffnete die Sitzung mit einem Nachruf auf die mich dem Zionismus zu früh entrissene Frau Lea Hirsch geb. Hildesheimer. Hierauf referierte Zahnarzt Unna über die November-Sitzung deS AnktivnSkomitee 8 an welches Referat sich eine lebhafte Diskussion anschloß. Köln. Die Einnahmen für die' Zwecke des Jüd. Nation als onds betrugen im November .39 850 Jk . Teschen (Oesterr -Schles.). Hier wurden dieZionisten Heinrich Altmann, Samuel Eisner, G u st a v Z u ck e r in a h d e l und Ignaz Borger in den K u l t u s a n s s ch u ß gewählt. Glasgow. Hier hat sich bereits vor längerer Zeit ein Verein „Oalc Zion" gebildet, dessen Mitglieder bemittelte jüdische Handwerker (Schlosser, Schmiede, Drechsler nsw.) sind, die die Absicht haben, demnächst nach Palästina anszuwandern und dort eine Han dwerker kolonie ans genossenschaftlicher Grundlage zu begründen. Zn diesem Zweck haben sie sich mit Dr. Franz Oppenheimer in Verbindung gesetzt, der ihnen seinen Rat und Beistand bei der Einrichtung der neuen Kolonie 'zugesagt hat. Toronto (Kanada) Aus Anlag der Jahresversaiiimlung des Bundes zion. Vereine von C a n a d a, die am 25. rmd 26. Dezember d. I. hier stattfindet, hat die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, den Delegierten einen feierlichen amtlichen Empfang zu bereiten. An der Spitze des Empfangskomitees stehen der Bürgermeister und die Mitglieder des Magistrats. Toronto ist die zweitgrößte von Canada und hat xinx Bevölkerung von über 400000 Seelen, darunter ca. 20000 Juden. Aus de« Vereine«. Frankfurt a. M. Montag sprach im stark überfüllten kleinen Saale der Loge — man hätte besser getan, den großen Saal zu wählen — im „B erein für jüd. Geschichte u. Literatur" Dr. I. Heiuemann über Lessings „Nathan der SS t t s e". Er stellte sich die Frage, ob dieses Drama in der Tat die Duldung aller Religionen oder vielmehr — wie manche behaupten — ihre Wertlosigkeit lehren wolle. Für diese zweite Annahme sprechen scheinbar auch manche Aussprüche des Dichters ielbst. Der Redner behandelte die Frage in interessanten literarhistorischen Nntersnchungen, deren Inhalt kurz der ist: Lessing hat am Drama „Nathan der Weise" mehrere Jahre gearbeitet. Der erste Entwurf desselben, der vor dem bekannten Streite des Dichters mit dem Pastor Götze fertiggestellt war, hatte die Tendenz, zu beweisen, daß gerade wahre Religiosität und Orthodoxie die Toleranz bedinge. Nachdem jedoch Lessing im Götzestreit die ganze Engherzigkeit und den Fanatismus der protestantischen Orthodoxie kennen gelernt hat, änderte er die Tendenz des Dramas insofern, als er zu zeigen suchte, daß auch der Freigeist tolerant sein könne. In der Tat steht Nathan eigentlich nicht auf dem Boden.einer positiven Religion, vielmehr ist er gleich seinem Vorbilde Mendelssohn 'ein Vernunftgläubiger. Es ergebe sich also daß Lessing keineswegs die Religionen habe angreifen wollen, vielmehr nur allgemeine Toleranz lehren wollte. Redner erörterte noch die Frage, ob Lessing recht daran, getan habe, einen Juden zum Träger der Toleranz zn machen und wies nach, daß er hierzu das vollste Recht gehabt habe. Mit einer Mahnung, im Geiste der Humanität und Toleranz, die „Nathan der Weise" lehre, zu leben, schloß der Redner sein interessantes und mit vielem Beifall ausgenommenes Referat. Kraukfurt a. M. Es waren in der Tat angenehme Stunden, Stunden der Belehrung, des ästhetischen Genusses und reicher, heller Freude, die einen großen Teil der hiesigen jüd. .Bevölkerung im Kauftnännischen Verein gm letzten Samstag vereinten. Ja, es war eine Chanukafeier, wie sie sein sollte; bot sie doch Belehrung^ ästhetischen Genuß und echt jüdische Fröhlichkeit. Rabbiner Dr. Nobel war es, der nach den einleitenden an die geschichtliche und religiöse Bedeutung und an das 15 jährige Bestehen des Mvntefiore - Vereins erinnernden Worten des Vorsitzenden, Dr. Löffler, für den geistigen Teil des Abends sorgte: „Er freue sich an der regen Anteilnahme, die die Chanukafeier gefunden. Zeigt sie doch die Beliebtheit des „Montefiorc"-Vereins. Und hier müsse mau von selbst an den Stifter des Vereins, an den verehrten und unvergeßlichen Rabbiner Dr. M. Horovitz denken; denn ist doch alles, was er geschaffen, teuer und groß, so wie er selbst, der unersetzliche Große Israels. Doch genug des. ernsten Aerobat Mo. 1 Hl 10 Pfg. bei Abnahme von List. 5°/o. Philipp Krell, Frankfurt a. HE Steinweg 1, Bossmarkt 2/4. Tel. 694. J Gr. Friedbergerstrasse 57. Tel. 12810. SchuhmocM ddEMWUMMMnniMMnnHWaMM Anfertigung nach Maas für Fussbekleidung. — Reparaturen werden bei billiger Berechnung fachgemäsa ausgeführt. — AI fl V C nPII N T fl Moderne Blamen-Binderei :: :: AuU I w Hu 11 ll Au Kl. Pflugstweldstrasse 11 am Ostbahnhof. Frische Blumen, Bukette und Körbe, Tischdekorationen und Brautgarnituren. Pflanzen-Dekorationen in jeder Ausführung. Einricht, und Unterhaltung von Wintergfirten. '