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Neue jüdische Presse · 1910-12-23 · Heft 49 (23.12.1910) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 49 (23.12.1910)
Date
1910-12-23
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Seite 1t. Nr. 49 Manifurter UraÄrtischrs FamilieMaÜ. Gedenkens. Es. gilt anch des Freudentages gerecht zu werden. Erinnern wir uns doch an die Rettung des Judentums vor seinem großen Feinde, dem Hellenismus. Wir erinnern uns und dichten, wir erinnern und richten. Wir dichten, denn unser Herz erhebt sich an jenen poesiednrchtränktcn Makkabäertageni Wir richten, wie je nur der rückwärtsgekehrte Prophet richten mag. Deine Wagschalc schnellt empor, o schönhcitstrnnkencs GricchentniN! Dir galt das Schöne mehr als das Gute. Ja, auch sie, deine großen Denker und Ethiker vermochten sich nicht, zu der Menschen nmspannenden, Liebe bringenden Gerechtigkeit aufzuschwingen. Der edle Plato, der gewaltige Aristoteles toaren trotz all ihrer/ manchmal judäische» Ethik Sklaven ihrer Herrennatur, die' sich für berechtigt glaubte, schwächere Menschen ihres Edelsten, der persönlichen Freiheit zu berauben. Doch wiederum, trotz deiner Fehler nnd Laster, müssen wir dich bewundern, du hellumstrahltes, heiteres Griechentum.' Wir Besseren, die -tvir gesiegt haben, mir verzeihen nicht nur, wir nehmen gerne dein Gutes und Schönes und sind dir dankbar." Dies war der tiefe Sinn von Dr. Nobels Ausführungen, die ich mir erlaubt habe, ein wenig subjektiv auszuinalen. .Auf die starkeg Beifall findenden Worte des Redners folgte der" deklamatorisch - musikalische Teil des Programms. Und wirklich, der ästhetische Teil war ein vollauf geglückter. Biel gaben die musikalischen Darbietungen unter der Orchester - Leitung des Herrn Artur Holdes. Beethoven, mit dessen Ouvertüre zu Fidelio in L-ckur, das Fest seine Weihe erhielt, wechselte ab mit Wagner und Schubert. Was nun die Rezitationen anbetrisst, so verdient leider Frau Rahnrer-Nothmann auS Berlin nur ein eingeschränktes Lob. Nicht etwa, daß sie deklamatorisch ohne Wirkung wäre, nein, Stimme und Empfindung vermißte man bei ihr nicht; aber in der Tat, ich hätte der Dame aus Berlin mehr Einsehen zugetraut, um mit Wilh. Brandos schwacher Ballade „Die Jüdin von Worms", einer — wie humoristisch! — sogar preisgekrönten Ballade, die Zuhörer erwärmen zu wollen. Es wäre erwünscht, daß die Festleitung in Zukunft zur freien Wahl der Gedichte von Seiten der Deklamatoren ihre Genehmigung sich vorbehielte. Klaußner's „Simons Fall, Elend und Rache" fand mehr Beifall, obwohl diese Dichtung vielleicht anch daran leidet, an dem alle epischen Dichtungen, leiden, die biblische Stoffe behandeln, nämlich daran, daß sie von selbst hinter der hohen poetischen Kraft und. der einfachen, tiefen Bibeldarstellung Zurückbleiben müssen. Frau Rahmer- Nothmanns folgende heitere Gedichte erweckten in mir nur ernste Gefühle, da ich zu jenen charakterfesten Juden gehöre, die der selbstbespöttelnden, sclbstbewitzelnden Art der jüdischen Witze nur Bedauern entgegenbringe, zumal, wenn sie öffentlich die leider stets noch darauf reagierenden Lachmuskeln kitzeln sollen.. Das Unangebrachte solchen Humors hat leider auch Herr Graetz vom Frankfurter Komödienhaus nicht empfunden, was übrigens sehr zu verwundern war, da Herr Graetz im „Dreimaligen Lachen" ein warmes, jüdisches Gefühl zeigte. Ueberhaupt >var dies die beste deklamatorische Leistung des Abends. Ich sage, deklamatorische Leistung, denn der Clou des ganzen kommt zuletzt und zwar in Gestalt von Offenbach's komischer Oper in einem Akt: „Herr und Madame Denis". Unter musikalischer Leitung des Herrn A. Holdes und Spielleitung von Arthur Hellmer kam nun unter den Streichen der Orchesterkapelle des 81. Regiments der flotte Einakter in Szene. Er war wirklich ganz spannend: Paris gegen 1750, eine romantische Entführung der Nichte des Ehepaares Denis vom feurigen Gaston in das Haus seines Vormunds, des Herrn Denis. Die alten Herrschaften sind verreist. Nanette, das kluge, schlanke Hausmädchen, überninunt die Rettung des Liebespaares vor der Soldateska, die dem ganzen Spaß ein Ende bereiten soll. Und in der Tat gegenüber den Verbündeten: Weiberlist und erfinderische Liebe muß sie kapitulieren. Spiel und Sang der Mitwirkenden fanden starken Beifall. Namentlich entzückt hat Frl. Aenne Müschen vorn als eine .reizend-natürliche Nanette, mit silberklarem, frischem Organ. Der letzte Teil des Festes blieb dem Tanzvergnügen der Jugend Vorbehalten. Wir sahen wieder 'mal echt jüdische Lebenslust und Jugendkraft. Ja, auch das Herz der Aeltesten wurde wieder jung, sie, die sich znm Teil in die Nebenräume zurückgezogen hatten, um in anregender, fröhlicher Unterhaltung bis zum frühen Morgen das Andenken der Makkabäer würdig zu feiern. W. Frankfurt a. M. Der Vorstand des „Talmud- Thora"-Vereins teilt uns mit, daß außer an den Freitagabenden auch an jedem Sonntag von 6—7 Uhr im Hörsaale der Synagoge am Börneplatz ein Vortrag abgehalten wird. Herr Rabbiner Dr. Nobel spricht über Thillim und erklärt die Psalmen in o ansprechender und formvollendeten Weise, daß der Kreis seiner Zuhörer sich an jedem Abend vergrößert nnd dem Verein immer neue Mitglieder Angeführt werden. Auch Damen haben Zutritt zu diesen Vorträgen, und ganz besonders ist der Jugend der Besuch derselben zu empfehlen. Frankfurt a. M. „Talmud-Thora"-Berein Am ersten Abend Channka fällt der Thillim-Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Nobel im Hörsaalc der Synagoge am Börneplatz ans. Frankfurt a. M. Verein „Jwria h". Infolge der Weihnachtsfciertage werden die nüchstwöchentlichcn Stunden Sonntag früh abgehalten inS) zwar: für Fortgeschrittene 10>/i Uhr, für Anfänger liy* Uhr. Frankfurt a. M. Jüd. Frauenvereinigung. Wegen des Chanukafestcs fallen nächste Woche die Kurse aus. (U.I Posen. Der V.rein „Frauen-Hilfe" veranstaltete in diesen Tagen die alle 2 Jahre wiederkehrende F c st v o r st e l l u n g. Unter der unermüdlichen Uinsicht und Fürsorge der Frau Lea Calvary konnte ein Fest vor sich gehen, wie man cs in solcher Reichhaltigkeit der Darbietungen tvohl selten wiederfindcn dürfte. Das Fest wurde durch die „Freischütz" - Ouvertüre eingeleitet. Der Prolog, von Frl. Käthe Jaffe, Tochter des unvergeßlichen heiingegangenen Professors Dr. Jaffe, inachte einen herzbewegenden Eindruck. Diesem reihte sich der heitere Teil des Abends, eine „Posener Metropol-Theater Revue" an, die anmutende Bilder in 14 Nummern bot. Alles, was in der großen Welt und in unserer Residenzstadt Posen von aktuellem Interesse ist, war in dieser Revue von Dr. Landsbcrg geistvoll bearbeitet worden. Ein graziöser Tanz, von Frl. Funk einstudiert, wurde wie das Vorhergehende mit großem Beifall aufgenommen. In den Zwischenpausen reichten Damen Erfrischungen herum, Blumensträuße, sowie Ansichtskarten mit den Darstellern, die zu namhaften Preisen, ohne der Wohltätigkeit Schranken zu setzen, verkauft wurden. Aus -er Lehrerwett. Frankfurt a. M. Von den Verhandlungen des V. Vcrbandstages der jüd. Lehrerve r e i n e im Deutschen Reiche sind die nachb e z c i ch n e t e n allgemein zugänglich: 1. Montag, 8Hz Uhr abends, im Zeichensaale des Philanthropins, Vortrag über die Jugendschriftenfrage (B a chr a ch-Altona nnd Gut- Frankfurt). 2. Dieustag, 10 Uhr vormittags, in der Frankfurt-Loge, Vortrag des Herrn Dr. M. Spanier - Magdeburg über die Bedeutung der Bibel für die religiös-sittliche Erziehung der Jugend. 3. An demselben Tage, 0 Uhr abends, im Saale des Montefiorc-Vcreins, Vortrag über die Jugendvereinsbewegung (Felix Meyer- Frankfurt). 4. Mittwoch, 91/° Uhr vormittags, in der Frankfurt - Loge, Vortrag des Herrn I. B. L e v y - Frankfurt, „Der Vorbeter in Vergangenheit, Gegenwart und Z u k u n s t". 5. An demselben Tage, Uhr nachmittags, „Bodenkultu r" (S c l i g m a n n - Müllheim). Während der Dauer des Verbandstages findet in der Frankfurt-Loge eine Lehrmittel- und I u g e n ö s ch r i s t c n - A u s st e l l u n g statt. Letztere enthält sowohl Werke allgemeinen Inhalts als anch Bücher, die sich speziell für die jüd. Jugend eignen. Sic ist die 1. Ausstellung dieser Art und dürfte allgemeines Interesse Hervorrufen. . Frankfurt «. M Vakanzen. Cassel. Schächter per bald, 2400 Jk Einkommen nnd Pensions-Anspruch, Meid, deutscher Bewerber an Landrabb. Dr. Doctor. — Pfungstadt, Vorbeter und Schächter per bald, 1300 JL Einkommen und freie Wohnung. — Gimbsheim (Rheinhessen), Vorbeter, Religionslehrer und Schächter per sofort, 1300 M Einkommen und freie Wohnung. Berlin. Am 29. und 30. Dez. findet hier die Generalversammlung des Rabbinerverbandes statt. Ein Punkt der Tagesordnung ist die Stellungnahme des Rabbinerverbandes znm Gesetzentwurf betr. die staatliche Organisation des preuß. Gemeindewesens. Oldenburg. Der Landtag hat die P e t i t i o n des Jüdischen Gemeinderates uin Zuschuß des Staates zum jüdischen Religionsunterricht fast einstimmig angenommen. Dagegen stinimten nur die vier sozialdemokratischen Abgeordneten. Die Petition wurde der Regierung zur Prüfung überwiesen. Auch der Regierungsbevollmächtigte versprach eine wohlwollende Prüfung der Materie. Hamburg. Oberrabbiner Dr. Spitzer stattete dem Bürgermeister Dr. Burchardt einen Besuch ab und empfing den Besuch des Senators Dr. von Melle. Budapest. Die Angelegenheit des jüdischen Gymnasiums macht stete Fortschritte. Au das Kuratorium sind 2 Pläne sür den Bau desselben eingelangt, nachdem ein schöner Bauplatz schon seit Jahresfrist erworben wurde. Zwecks Besetzung der Direktorstelle hat das Kuratorium bekanntlich den Weg der osscnen Konkursausschreibung vermieden, sondern alldiejenigen Mittclschullehrer, die Lust und Fähigkeiten zur Bekleidung dieser verantwortungsvollen Stelle in sich fühlen, aufgefordert, ihre Pläne bezüglich Geist und Lehrplan des Institutes auszuarbeiteu und einzureichen. Es sind im ganzen 11 solcher Memoranden eingelangt, darunter — wie man hört — ganz tüchtige Arbeiten, sowohl in pädagogischer, als in jüdischer Hinsicht. Budapest. P>of. Ignaz Goldzieher, L'ckor am Rabbinerseminar, wurde zum Kgl. Hosrat ernannt. Er ist auch Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften und es gibt kaum eine die Orientalistik pflegende wissenschaftliche Körperschaft, die ihn nicht in die Reihe ihrer Mitglieder ansgenominen hätte. Kultusannwer Graf Johann Z i rb h hat eine Verordnung erlassen, nach der die Lehrer höherer Schulen an ihren konfessionellen Feiertagen vom Unterricht dispensiert sind. Es ist dies ein Zugeständnis, um das die Kanzleien beider jüd. Konfessionen seit Jahren gekämpft haben. Zioni. Spenden. Bei dein Franks. Jsr. Fmbl. gingen einsür die Oppenheim er' s ch e Siedlungs-Genossenschaft in Palästina: Zur Vermählung Schmidt/Geis Ben Apigdor, Warschau 2,— JE Dr. Hellmann 1,— „ Zur Berniählung Lion/Landau S. H. Goldmann, Saly Geis ä 1 JE 2,— „ Abraham Hecht, Selmar Geis h. 50 Pfg. 1,— „ Für den Iüd. Nationalfonds: Direktor Julius Gans n. Frau, sowie Frau Rahel Mayer stiften je 1 Oelbaum aus den Namen Heinrich Gans, Ostendstraße 8 12,— JE Materialien von Frl. 'Auerbach, Theobaldstraße, Selma, Else und Josef Levigard, Seilerstr. 17. Für die Misr ach i-Mittelschule in Jaffa: Va der Sammlung auf der Hochzeit Lion/Landan 15,25 -iL Für die Misrachi-Föderation: Vs der Sammlung auf der Hochzeit Lion/Landau 15,25 „ Zur Eintragung S. P. Rabbinowitz s. A. in das Goldene Bnch: R. R. 2,— JE I G. 2,- „ Ch. Sorin, Ch. Gilwan, N. Goldmann, Tr. H., Frau Amalie Wolpe ü 1 JE . 5,— „ Vereins-Kalender. Freitag. Verein „Mekor Chajim", nach Schluß des Abendgottesdienstes im Hörsaal Friedberger Anlage: Mikro-Vortrag: 8V2 Uhr, Langestraße 18: Zwanglose Zusammenkunft^ — „M ontefiore"-Verein, SV2 Uhr, Seilerstraße 22: Zwanglose Zusammenkunft. — „Talmud Thor «"-Verein, nach Schluß des Abendgottesdienstes im Hörsaal Börneplatz: Vortrag. Sonntag. „Talmud Thora"-Berein. Der Thillim - Vortrag Rabb. Dr. Nobel's fällt aus. Dienstag. Verbandstag der. jüd. Lehrervereine und „Montefiore"-Verein, 9 Uhr, Seilerstr. 22: „Die jüd. Jugendvereinsbewegnng" (Felix Meyer). Mittwoch. „Montefiore"- Verein, 9 Uhr, Seilerstr. 22: Gemütliche Zusammenkunft. Donnerstag. Verein „Nachlaß Zwi", 8% Uhr, Langestr. 18: Chanukaveranstaltung (Festrede: Dr. Arthur Kahn-Charlottenburg). Telegraphische Nachricht. Frankfurt a M , 22. Dezember. Nach einer soeben bei dem hiesigen Büro der „Freie Vereinigung für die Interessen des orth. Judentums" eingegangmrn Nachricht hat die sächsische Regierung das Schächtderbot aufgehoben. Tip-Top SeL!L0CÄLif Sä! Erzielt bis 501 Brennmaterial-Ersparnis. Verbindest jedes Anbrennen und Ueberkocben der Speisen, sei es Milch, Sappe, Reis, Mehlspeisen, Fleisch, Gemüse, Früchte, Confltüren etc. in reiner extra starker Alumlninm- und Kupfer»Au8ftthning Kocht Stoff- und Mäheaalaorhaltond / Tip- Top Dampf kochtopf - Fabrik Frankfurt a. M. 35137 Stlftatraaaa 3B{37.

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