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Neue jüdische Presse · 1910-12-16 · Heft 48 (16.12.1910) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 48 (16.12.1910)
Date
1910-12-16
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 16. frankfurter UraMisches ZamAieMM. ' Nr.^48 ^Worten war ,es ihm nicht genug. Schnell hatte .. er den schweren, geschnitzten Renaissance-Sessel, . in dem das Modell zu sitzen Pflegte, herbeige- ^Mgcn und sich darin zurechtgesctzt, wie cs das . Bild verlangte,^ und .ruhte nicht eher, als bis .' ich zu Pinsel.und Palette griff, um das Fehlende ' in verbessern. Trotz aller ineiner Einwände saß dann der Siebzigjährige, ohne sich zu regen, ge- 'duldig mehr als eine Viertelstunde lang in dem ‘;-Ü)m sehr unbequemen Sessel, als wäre das ganz ' "selbstverständlich, und Lrst als er sah, daß die ' ^bemängelte-,Stelle in Ordnung lvar, erhob er sich, um nun alles, was ihm am Bilde gefiel, noch- ■'j-mala lobend. hcrvorzuheben. r- Noch "vieles könnte von dem Künstler Cohen ' " hier berichtet werden, — indessen eines darf am " Schlüsse dieser von wehmütiger Trauer diktierten ' kurzen Würdigung nicht unausgesprochen bleiben: '/Sein größtes und bestes Kunstwerk, das er .- schaffen durste, war sein herrliches Leben und Las ist mit seinem Judentum untrennbar verbunden. Ms bas unantastbare Ideal eines modernen, glaubenstreuen Juden, — so stand dieser - Mann inmitten unserer Gemeinde, so war er auch weiteren Kreisen innerhalb der Gemeinden unseres Vaterlandes bekannt. Und nicht etwa allein, weil er die ihm von Gott verliehenen materiellen Glücksgüter mit. vollen Händen freudig dahingab, um Not und Elend zu mildern, sondern auch in gleichem Mäße wegen der .reinen adeligen Gesinnung, mit der er unbestechlich und unbeirrt die religiösen Ldeale seines ihm angestammten Glaubens hochgehalten und verdeidigt hat. Gegen jeden Glauben und gegen jede Ucberzeugung war er als religiöser Jude duldsani; nur ' für die feigen Fahnenflüchtigen,- die ohne Ucberzeugung sich um eitler, blendender Vorteile willen vom Judentume lossagten, fand er flammende Worte der Verachtung, — er hat seine Schwelle vor solchen unaufrichtigen Naturen - sorgsam behütet. Von Wahrhaftigkeit war .Eduard Cohen durchdrungen in seinem -Glauben, wie in seiner .Kunst. Sollten Werke seiner Hand .dereinst doch den Weg in die Oeftcnllichkeit finden, so werden sie von seiner reinen Seele Zeugnis oblegen. * Julius Hülsen. ' Die Beerdigung fand Donnerstag, den 15. Dezember, unter großer Beteiligung statt. Die- Trauerrede hielt Rabbiner. Dr. C. S c l i g m a n n. Er rühmte in begeisterten Worten im Verblichenen einen Mann von höchster menschlicher Gesinnung, der wahrhajt ein „Kohen", ein Mensch, von unbefleckter Reinheit und Heiligkeit gewesen sei. Sr schloß sich niemals von seinen Mitmenschen ab, vielmehr blieb er stets mit ihnen in innigster Berührung, und so hat er sich auch bis zur letzten Stunde einen jugendlichen, frischen- Geist bewahrt Er lvar ein wahrhafter Künstler, dessen Seele durchaus harmonisch war. .Der Umfang seiner Wohltätigkeit läßt sich garnicht ermessen, und an seiner Bahre trauern nicht nur seine Mitbürger, sondern unglückliche Menschen in aller Welt, die er unterstützt hat. Mit ihm scheidet einer der letzten und größten jüdischen Philanthropen unserer Stadt. Es sprach dann Sanitätsrat Dr. I a f s S namens des Frankfurter Hilfsbereis. diabbinet Dr. Plant beklagt im Verschiedenen den teuren Freund, mit dem ihn Mjähriße gemeinsame Arbeit verband. Er'rühmt in ihm'die unvergleichliche Gerechtigkeit, die' unermüdliche Arbeitslust, vor allem aber - die wunderbare Barmherzigkeit und Menschenliebe. Dr. I. Heinemann brachte die Trauergefühle des Lemaan-Zivn-Vereincs zum Ausdruck, der im Dahingegangenen eines seiner rat- und tatkräftigsten Mitglieder verliert, sowie der Blindenanstalt in Jerusalem. Prof. Dr. Sulz buch sprach namens - des hiesigen Kindergartens sowie der Waisena n st a l t in Jerusalem und schilderte in warmen Worten die rührende Liebe des Verblichenen. zu den. Zöglingen des 'Kindergartens. Für das Greisen äsyl, zu dessen-eifrigsten Unterstützern der Verblichene zählte, sprach Herr Kertuh. Rechtsanwalt Dr. A. Horovitz überbrachte, die Trauergefühle des M o n t e f i o r e - V e r e i n s. der iin Dahingegangenen einen warme» und stets hilfsbereiten Freund bettagt. Der Direktor der Landwirtschaftlichen Schule in Ahlem brachte den Dank und die Trauer dieser Anstalt zum Ausdruck, für die große Förderung, die ihnen der Verblichene angebeihen ließ. Rabbiner Dr. I. Horovitz sprach namens der Jüdischen Lehrlings- und Erziehungsanstalt in Marburg. Wicsloch im Namen des Vereins „Esra". Rabbiner Dr. G o l d s ch m i d t - Offenbach beklagt im Dahingegangenen einen warmen Freund und eifrigen Unterstützer der osteuropäischen. Juden; besonders die in Offenbach wohnenden haben ihm viel zu verdanken. ’■ Dr. Deutsch überbrachte den Dank und die Trauer der Säuglings a n st a l.t. Die Trauerreden, die alle vom tiefsten Danke und innigster Bewunderung für den verstorbenen großen Philanthropen widerklangen, machten tiefen Eindruck auf die vielen Teilnehmer. Aus -er Lehrerwett. Frankfurt a. M. Der Bund gesetzestreuer jüd. Lehrer Deutschlands beruft seine Gener-alversämmtung auf den 1. Januar, vormittags 10 Uhr, nach der . Aula der Realschule der hiesigen isr. Religionsgesellschaft, ein. . . Frankfurt a. M. Zu dem vom 26. bis 29. Dez. hier stattfindenden V. Verbandstag der jüdisch e n Lehrervereine im Deutschen Reiche werden umfangreiche Vorbereitungen getroffen. Es sind bis jetzt 65 Delegierte und zahlreiche, Gäste angemeldet. Ein Teil der Verhandlungen ist allgemein zugänglich und dürfte auch Interesse in weiteren Kreisen erregen. In zwei Hauptversammlungen, die, wie die meisten übrigen Veranstaltungen, in der Frankfurt- Loge stattfinde», wird über die Bedeutung der Bibel für die religiös-sittliche Erziehung der Jugend und über das Kantorat gesprochen. In mehreren Nebenversammlungen werden Fragen, wie die Jugendschriftenbestrebungen, die Jugcndvereinsbewegung und die Förderung der Bodenkultur behandelt. Das P h i l a n t h r o - pin bereitet zu Ehren des Kongresses eine Fest- MSbel Diplomaten- Schreibtische in jeder Grösse und Ausführung, von Hk. 62.— an. Rolljaiusie- : Pulte mit Zentral verschloss, Aoszngplatte etc, — ausnahmsweise preiswert. - Regfstratur-ScDrinRe mit Bolljalusieverschlass, Zfigen, Patentscliloss etc. vKo Mt. 27.— an. Zusammensetzbare Bücherschränke billig, massiv eichen pro Abteil Mk. 14.— an. Stehpulte, Flat-lipnlte, drehbare Pnlt- : böcke, gchreibsessel. Gustav jSchmidt-Bangel, Karlstrasse 17, II. nächst Schumanntheater, Tel.-Amt I, 551. NB,Uebernahmevon beeid. Taxationen bei Nachlass, Erbschaften, Brand; und Wasserschäden. : Maiihemden ton Mk. 5.— an JhieWemdeit „ „ 4.50 „ elegante?assfornen — bequemer Sitz. MWsllrr v. 8. 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