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Neue jüdische Presse · 1910-12-02 · Heft 46 (2.12.1910) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 46 (2.12.1910)
Date
1910-12-02
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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dietie lö. Nr. 46. Aeansfurier UrrEisches Fmrülienblati. Aus den Vereine«. Kravkfurt a. M. Die hebräischen Sprachkurse des Vereins „I w r i a h" erfreuen sich einer regen Beteiligung. Die Kurse finden für Anfänger Sonntag nachmittags 6V2 Uhr und für Fortgeschrittene Montag abends 9 Uhr, Hcrmeswcg 25/27 statt, und ist es auch Nichttcilnchmern gern gestattet, einmal einer Stunde bcizuwohnen. Wachenbuchen. Der „Israel. Jugendbund" (Präsioent: S a l l y Reinhardt) beabsichtigt eine neue „Scfer-Thora"-Rolle schreiben zu lassen; es sollen zu diesem Zwecke allwöchentlich Sammlungen unter den Mitgliedern stattfindcn. Posen. Dle Freie Bereinigung für d ie Interessen des orthvd. Judentums hielt hier eine stark besuchte Versammlung ab. Dr. med. Cal Vary begrüßte die Erschienenen und widmete dem jüngst verstorbenen Lehrer Isidor Jacobsohn einen tiefempfundenen Nachruf. Hierauf erstattete als Ausschußmitglied Bankier L 0 e w y - Rawitsch Bericht über die Begründung der Ostdeutschen Abteilung der freien Bereinigung. Dr. Haas hielt dann seinen Vortrag: „Die jüngsten Kundgebungen des liberalen Judentums." Redner führte unter anderem aus: „Wir wollen nicht den Fortschritt aus dem Judentum, sondern den Fortschritt im Judentum." Wie«. Die Leie- und wede-Ha lie jüd Hochschüler (früher jüdisch-akadem. Lesehalle) geht daran, einen Verband der Alten Herren zu begründen. Aus diesem Grunde sind alle, die zu Wten Herren ernannt tvurden oder Ausschuß-Mitglieder der Halle waren, gebeten, ihre Adresse schriftlich dem Verein an seine Adresse Wien, IX., Porzellangassc 1l, bekannt geben zu wollen. Aus der Lehrerwett. Frankfurt a. M. Vakanzen. — Grünstadt (Pfalz), unverh., seminar. gebild. Lehrer, Gehalt ca. 1500 Jk; Meckenheim bei Bonn, Religionslehrer und Kantor, Gehalt 1350 Jk Frankfurt a. M. Der fünfte Verbandstag des Verbandes der jüd. Lchrervereine im Deutschen Reiche findet hier vom 27. bis 28. Dezember statt. Berlin. In das Lehrerkollegium der hiesigen Lehrerbildungsanstalt ist Rabbiner Dr. Gaus, bisher in Pr.-Stargard, eingetreten. Gr. Elchholzheim «Baden/. Lehrer scheuerm a n n feiert am 3. Dezember sei» 25 j ä h r i g e s Orts- und Amtsjubiläuin. Personalien tt. Kleine Mitteilungen. Frankfurt a. M. Zum Andenken an die verewigte Frau Dr. Jehuda Marsch ak, geb. Gottlieb, die vor kurzem in der Blüte ihrer Jahre in P e t h a ch - T i k w a h dahingeschieden ist, wurde hier eine Lina M a r s ch a k - G 0 t t l i c b - Stiftung ins Leben gerusen, die von der Direktion der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft verwaltet wird und den Zweck hat, Lehrern und Lehrerinnen der genannten Realschule, an der die Verstorbene jahrelang wirkte, Stipendien für Studienreisen nach Palästina zu gewähren. Frankfurt a. M. Für die aus dem Ausschuß der Israelit. Gemeinde ausscheidenden Eli Michael, Dr. Merzbach und Regensburger stellen der „Centralverein Israel. Gcmeindemitglicder" und der „Freisinnige Verein für jüd. Gemeindelcbcn" Kaufmann Hugo Frankel, Dr. med. Ludwig Hanau und Bankier Leo Jsaac auf. Fraukfurt a. M. „E-zuhe unsere Kinder zu guten frommen Juden," so sprach ein dieser Tage plötzlich in der Blüte seiner Jahre aus dem Leben Geschiedener in seinen letzten Atemzügen, so sprach einer der besten und treuesten Söhne Israels, Herr Joseph H a ck e n b r 0 ch, — und s 0 kann nur ein echter, glühender Jude in den letzten Zügen sprechen! In einem Hause von großer Frömmigkeit, Liebe uird Begeisterung für das Judentum großgezogen, hing der Dahiugegangene mit allen Fasern seiner Seele an dem Judentum, so daß er überall und stets die Gebote der Thora freudig erfüllte. Doch seine vom väterlichen Hause mit übernommene Liebe zur Tradition beschränkte« sich nicht bloß auf das Judentum, sondern erstreckte sich auch aus die Judenheit, zunächst aus die jüdische Gemeinde, nach und nach aber auch auf die jüdische Gesamtheit; er liebte sie glühend, mit der ganzen Wärme seiner treuen Seele, und bot all sein Können, seine Kraft und seine Mittel für die Regeneration seines geliebten Volkes im Sinne der Tradition aus. Als Mann von Konsequenz und Charakter an der eigenen Vervollkommnung beständig arbeitend, ward ihm das Bölkliche, Nationale zur Vertiefung seiner eigenen, schon so echten Religiösität. Stolz und doch bescheiden, grade, ehrlich, gütig juti wohltätig, erfreute sich der Verblichene allseitiger Beliebtheit und Hochachtung, so daß sein plötzliches und frühzeitiges Hinscheiden allgemeine Trauer hervorricf, an der auch wir tiefen An-, teil nehmen. Besonders herbe und unersetzlich trifft sein unerwartetes Dahinschcideu die „M i srachjivrganisatiou," der er seit langen Jahren als eine ihrer tätigsten und opferfreudigsten Stützen angchört hat. Ten furchtbarsten Schlag jedoch bedeutet es für die Familie des Verstorbenen, die in ihm einen liebevollen, treu sorgenden Vater, Gatten und Verwandten verliert. TaS Andenken dieses begeisterten Juden und vortrefflichen Menschen wird bei all denen, die ihn kannten, unvergeßlich bleiben/ Hanau. Ein schirr endloser Leichenkondukt bebewegtc sich am letzten Montag aus den Straßen von Wachendncheu dem hiesigen Friedhofe zu. Es galt die irdischen Ueberreste der Frau Han nch e » Rei n h ardt geb. Montag zur letzten Ruhestätte zu geleiten, einer Eches-chajil in des Wortes wahrem Sinne. Schon in ihrem elterlichen W0H11hause — sie war die Tochter des ehemaligen Lehrers N. Montag in Crumstadt bei Darmstadt — genoß sie eine gute religiöse Erziehung zur Gottesfurcht und pflanzte auch diese Einmal) tief in die Herzen der Kinder ein. Hamborn (Rhld.), 28. Nov. Ein in jeder Hinsicht wohlgelungencs Fest wurde gestern in unserer Gemeinde gefeiert. Es galt der Weihe einer neuen Seferthora, welche die hiesige Männcr- Chewre der Synagogengcmeiiide gestiftet hat. Ein Festprolog, gesprochen von Fräulein M a r b u r g e r, leitete das Fest ein. Die Begrüßung der Gäste durch den Vorsitzenden der Chewre, Herrn Marburgcr, folgte, wobei dieser auf den Wahlspruch der Chewre: weohawto lereiacho komaucho hinweisend, der Hoffnung Ausdruck gab, daß es dem Verein bcschiedcn sein möge, aus dem Gebiete der Nächstenliebe im Sinne des jüdischen Gesetzes auch weiterhin recht ersprießlich zu wirken. Herr Lehrer U ck 0 sprach dann in kurzen, markanten Worten über die ethische Bedeutung des Festes, und der Vorsitzende der Synagogengcmeinde, Herr Moritz Meyer, sprach den Dank der Gemeinde für das schöne Geschenk aus. Gesang und humoristische Vorträge, sowie ein hübsches Theaterstück halfen weiter, den Abend zu einem genußreichen zu gestalten. — II. — Berlin. Der Verein „Berliner Presse" beging in festlicher Weise den 70. Geburtstag seines Mitgliedes Dr. I. Kaftan. Freiburg. Das in allen Kreisen doch angelebene Lazarus P 0 l a k' s ch e Ehepaar erhielt anläßlich seiner goldenen Hochzeit die Ehejnbil ä u m s m e d a i l l e. Schotten. Das K. Kaufmann'sche Ehepaar feierte seine goldene Hochzeit. -t. Stratzburg i. Eis. Landqenchtsdl'ektor Lebt wird, wie man uns aus vollständig kompetenter Quelle mitteilr, in den nächsten Wochen zum Senatspräsidenten am Obcrlandesgericht in Colmar ernannt. Da L. erst 55 Jahre alt ist und als bedeutendster Jurist Elsaß-Lothringens anerkannt wird, ist man in den maßgebenden Kreisen der Ansicht, daß die Erucnnnng zum Scnatspräsidenten erst der Anfang seiner weiteren Laufbahn ist. — Am Obcrlandesgericht Colinar ist auch der bekannte Zivilprozessualist F r e n d e n t h a l Oberlandes ge richtsrat. Dürkheim. Für das Altersheim für Israeliten, das bekanntlich hier errichtet werden soll, bewilligte die Stadt 2000 Jk als Zuschuß für den Erwerb eines Bauplatzes. Treptow a. Rega. Hier feierte das I. Moses'sche Ehepaar die goldene Hochzeit. Wien. Die „Jüd. Ztg." macht der ifrael. K u l t u s g e in e i n d e den Vorwurf, daß sie gewisse Täuflinge in ihrer T ä u f l i u g s l i st c nicht bringe; so habe sic in ihrer Liste Ministerialrat Sicgmund Sonnenschein, Universitätsdozent Dr. med. Emil Glas; und Regimentsarzt Dr. Eugen Stiaßuy, den Sohn des verstorbenen Kultusvorstehcrs Baurat Stiaßuy, nicht aufgeführt. — M0ritz H eim stiftete 300 000 Kronen für ein interkonfessionelles Krankenhaus in B u d a p e st. — Generalstabsarzt Dr. Salomo« Kirchen- Berger wurde anläßlich seiner Pensionierung mit dem Komturkreuz des Franz Josef-Ordens ausgezeichnet. Budapest. Prof. Marczale — der noch vor kurzem im „Ungar.-jüd. Jünglingsvercin" einen Tithvrambus auf das konfessionelle Judentum — im Gegensatz zum nationalen — gehalten hat, ließ seine Tochter am 26. d. M. in der Cisterzienser Kirche taufen. Z i 0 n i. Petersburg. Am 24. November n. St. feieite der berühmte Orientalist Dr. Abraham Harkavy seinen 75. Geburtstag, der mit dem 50jährigeu Jubiläum seiner wissenschaftlichen 'Tätigkeit zusammeufiel. Harkavy wurde 1835 im Gouvernement Minsk geboren, absolvierte die Rabbinerschule in Wilna und die orientalische Fakultät der Petersburger Universität. Seit 1876 ist er Bibliothekar an der hebräischen Abteilung der Kaiserlichen Bibliothek zu St. Petersburg. Harkavy wird von der ganzen wissenschastlichen Welt als einer der größten Orientalisten anerkannt. Von der Fülle der Werke, die seiner Hand entstanlmen, seien hier nur die bekanntesten angeführt: „Die iiiuselmännischeu Schriftsteller über die Slaven und Russen", „lieber die ursprüngliche Heimat der Semiten, Judoeurvpäer und Chamiten", „Sichron lerischonim w'gam leachronim, Studien und Mitteilungen aus der St. Petersburger Kaiserlichen Bibliothek", „Die hebräischen Schriftsteller über die Chosareu und das Chosarenreichs", „Ueber die Sprache der Jude», die in alter Zeit in Rußland lebten, und über die slavischeu Worte, die wir bei den hebräischen Schriftstellern finden", „Altjüdische Denkmäler ans der Krim, mitgeteilt von A. Firkowitsch und geprüft vo» A. Harkavy", u. a. Harkavys vielseitige Tätigkeit und wissenschaftliche Bedeutung in wenigen Worten darzillcgen. ist unmöglich. Es seien daher nur über den Juden und den Menschen Harkavy einige Worte gesagt. Der Jubilar interessierte und interessiert sich für jede Bewegung innerhalb des Judeutums und betrachtet alle Interesse» seines Volkes als die sciuigcn. Er erfreut sich in der jüdischen Gemeinde Petersburgs, - deren Leitung er angehört, wie auch unter der ganzen russische» Juden heit ungemein großer Popularität. Ich habe einst in einer Gesellschaft einen kleinen Mann mit gutmütigem, klugen Gesicht und schneeweißem Haar sprechen hören. Alle lauschten seinen Worten mit gespannter Aufmerksamkeit. Ich verstand gleich, daß das keine unbekannte Persönlichkeit sein kann, und doch wollte ich zuerst nicht glaube», als mau mir sagte, es sei Dr. Harkavy, so schlicht und .bescheiden, ohne Stolz und Gefühl der Erhabenheit sprach der weltberübmte Gelehrte. Wünschen wir ihm, der Zierde des Judentums, noch lange für seine Ideen tätig sein zu können! L. K. Petersburg. In Leo Tolsto j ist ein Künstler, ein Schriftsteller, ein Denker, ein Menschenfreund heimgcgangen. Alles Große war in dieser Persönlichkeit, vereinigt, die sich mächtig über ihre Zeitgenossen erhob und zum Mittelpunkt einer ganzen Epoche wurde. Groß war Tolstoj nicht nur dadurch, lvas er schrieb und lehrte, sondern auch dadurch, daß er sein eigenes Leben nach seiner Lehre einrichtcte und so selber der Welt das beste Vorbild für das Ideal wurde, zu dem er in seinen Werken die Menschheit erziehen will. Tolstoj war der Apostel der Liebe, der Apostel der Wahrheit. Um seine Beziehungen zu uns Juden zu zeige», brauchen wir nur an das Wort zu denken, das er zu einem Grundsatz seiner Lehre geniacht hat: „Tu sollst auch diejenigen lieben, die nicht deinen! Volke angehören." Mehr als einmal protestierte er gegen die Unterdrückungen der Juden seitens der russischen Regierung, gar oft erklärte er, er halte die Gleichberechtigung der Juden für eine der ersten Forderungen der Kultur. Und erst vor kurzem erwiderte er einem Zionisten, der ihn fragte, ivie er zum Zionismus stehe, daß er mit der zionistischen Bewegung aus voller Seele sympathisiere. L. K. Petersburg Am 16. November n. St. fand hier unter großer Teilnahme die Beerdigung der ermordeten Familie des jüdischen Schneiders Lebenstein statt; die Polizei war vom Stadthailptmanil beauftragt worden, für die Aufrcchterhaltung der Ordnung während des Trauerzugs zu sorgen. — Der Mörder der Familie Lebenstein ist schon sestgenommcn. Es ist ein Bauer, namens Paivlow. Doch wird bezweifelt, daß Pawlow, bei dem das Geld und einige Sachen der Ermordeten gefunden wurden, den Mord allein begangen habe. L. K. New Aort. Nu den Brainin, der erst voriges Jahr eine längere Amerikareise unternommen hatte, ist am 14. November loieder hier angelangt. Er beabsichtigt, sich dauernd in Amerika niederzulassen und hier ein großes hebräisches Wochenblatt zu gründen, sür dessen Finanzierung er bereits maßgebende Kreise der hiesigen Judenheit gewonnen hat. Der Mißerfolg des vor Jahresfrist eingegangeneii hebräischen Tageblatts „Hajom" schreckt Braiiiin nicht ab, und er hegt die zuversichtliche Uebcrzeugung, daß sein Unternehmen gelingen tvird. Wie verlautet, gedenkt Herr Brainin ferner, in Amerika ein Komitee zur Errichtung eines jüdischen Nati0nalm u seum s in Paläst i u a zu organisieren. New-Aork. In Philadelphia feierte Meyer Frank, Ehrenpräsident der „Rodeph Shalom"-- Gemeinde, seinen 89. Geburtstag. — I» W a s h i n g t 0 u verschied Sal 0 »10 n Berliner, der ehemalige Konsul der Vereinigten Staaten in Teneriffa. — In San Francisco beabsichtigt dje „Emanu El" - Gemeinde, eine neueSynagoge mit einem Kostenaufwande von 500000 Doll, zu erbauen. Sydney «Australien). Bei der Hauptwahl sür das Parlament, die am 14. Oktober stattfand, nmrden die beiden einzigen jüdischen Kandidaten — Jo Hu I. Cohen und Daniel- Le v y — mit bedeutender Majorität wiedergewählt.

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