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Neue jüdische Presse · 1910-12-02 · Heft 46 (2.12.1910) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 46 (2.12.1910)
Date
1910-12-02
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 46. Frankfurter Israelitisches Familienblati. Zeile 11. Im vorigen Parlament gab es außerdem noch einen drillen jüdischen Abgeordneten, A. E. Colli ns; er hat sich diesmal nicht um eine Wiederwahl beworben. Um das Entgegenkommen der Behörden der j n d i s ch e » B e v ö l k e r u ng g e g e n - über zn zeigen, mag erwähnt werden, daß als Wahltag der 14. Oktober festgesetzt wurde, und zwar, wie ausdrücklich hervorgehoben wurde, ans dein Grunde, damit die Wahlen nicht mit dem BcrsöhnungStage zusainmenfiele» nnd so die jüdischen Wähler an der Ausübung ihrer Bürgerpflicht verhindert wären. Alte Wahlen fanden im ganzen Staate an demselben Tage statt. Bunte Chronik. Zionismus und Raffenfrage. In seinem bekannten Buche „Das Rassenprobte in" har Dr. I g. Zoll s ch a n den Nachweis geführt, daß die jüdische Rasse hohen Kulturwert besitzt und der einzige Weg, diesen zu erhalten, in der Repatriierung der Inden in Palästina bestünde, also im Zionismus. Ans einigen Stellen seiner streng objektiv und wissenschaftlich gehaltenen Ausführungen glaubten die Gegner des Zionismus Nachweisen zn können, daß Zollschan den Zionismus aber für aussichtslos halte. Gegen diese Anssassung wendet sich Zollschan in der Borrede zu der soeben erschienenen zweiten Auflage. Er sagt barin: „In einigen von den Rezensionen kam die Meinung zum Ansdrucke, daß ich die Repatriierungsversuche für „anorganisch" halte. Diese Angabe ist durch den Inhalt des Buches nicht gerechtfertigt. In einer wissenschaftlichen Behandlung der Judenfragc, die nur die gegebenen, nicht aber programmatische Materialien zu Schlüssen verarbeiten kann, konnte ich nur das Ergebnis, zu dem die v o r h a n d e n c n Tatsachen mich drängten, iiicderschreiben. Ein solches Buch hat, wenn es an der Pflicht wissenschaftlicher Objektivität festhält, notwendig den Charakter eines Referats nnd nicht den eines Programms. Ich war also verpslichtct, die gegenwärtigen Entwicklungstendenzen k.'arzulegen, nnd deshalb kam ich zn einhm pessimistischen Schluß. Aber auch in dem Buche selbst heißt es, daß die Versuche zur Repatriierung nicht nur der einzige, sondern auch ein d u r ch a u s g e s n n d c r W cg zur Rcgcne - r i e r n n g und Erhalt u n g der Rasse feie n. Allerdings müßte die Kraft des Zionismus oder der analogen Bewegungen eine ungleich größere sein als sie derzeit ist. Das ist aber, wenn erst eine richtige Beurteilung der Jndenfrage durchgcgriffcn haben würde, durchaus möglich, mögen auch die derzeitigen Entwicklungstendenzen wie immer gestaltet sein. An anderer Stelle des Buches ist darauf hingewiesen — nnd cs wurde in dieser These geradezu das tiefste Wesen des .Judaismus erblickt — daß der Kulturmensch nicht mehr ein willenloses Produkt der Verhältnisse zu sein braucht, sondern daß er die soziale Lage nnd die gesellschaftlichen Verhältnisse zietbewußt nach seinem Verstand bilden nnd formen kann nnd „soll". Ich bin keineswegs der Ansicht, daß man eine erwiesenermaßen dem Volksganzen, den Interessen der Einzelnen nnd allen höheren kulturellen Interessen so verderbliche Entwicklung bloß ihrem sinnlosen Automatismus zuliebe d n r ch a u s ungestört weiter wirken lassen in ü s s e. Und da ich den Zionismus — wenn eine gesunde Kritik das Unreife aus ihm entfernt hat — für du r ch a u s möglich und nach allen materiellen und ideellen Gesichtspunkten f ü r e i n e Forde r n n g des Verstandes halte, so ergibt sich daraus meine Stellung wohl von selbst. — Um nun jedes einer vielleicht ungenügenden Diktion entspringende.Mißverständnis zu vermeiden, habe ich diesmal im Schlußkapitel durch einige rein stilistische Aenöerungen und Zusätze die betreffenden Stellen stärker unterstrichen." Kunst «Ad Literatur. Mo n a t s s ch r i f t für Geschichte u. Wissenschaft des J.udentums, begründet von Z. Frankel. Organ der Gesellschaft zur Förbernng der Wissenschaft des Judentums. Herausgegeben von Dr. M. Braun. 54. Jahrgang; neue Folge 18. Jahrgang. Breslau, Koebersche Verlagsbuchhandlung. Inhalt: Landrabbiner nnd .Landschreiber in Kurhessen (L. Horowitz.) — Das Wasseropfer und die damit verbundenen Zeremonien (D. Feuchtwang.) — Die talmndische Literatur der letzten Jahre (A. iilplowitzer.) — Die Ketubbah bei den Sameritanern (M. Gaster.) — Anträge jUC Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter (Simon Eppenstein.) — Weitere Untersuchungen über Mose Taku's Kesaw Tomim (S. Poznanski und H. Tykocinski.) — Zur Biographie R. Jakob Josua's (I. H. Simchowitz.) — Besprechungen usw. Blühender Lorbeer, Plaudereien und Andachten über deutsche Dichter von Otto Ernst. 328 Leiten, drosch. 3 Ak, geb. 4 Ai Leipzig, L. Staackmanu. „Theodor Fontane", „Anzengruber der Tendenzdichter", „Gottfried Keller» Verse", „Der hundertjährige Reuter", „Friedrich Hebbel als dramatischer Dichter", „Heinrich Hcine's Seele", „Goethe's Gesellige Lieder", „Eine Schillerrede", „Lessing der Dichter", so lauten die Ueberschristen zu den Kapiteln des neuen Otto Ernst. Otto Ernst will mehr wie ein Plauderer und Erzähler, mehr wie ein Dichter sein, er will erziehen zu einer optimistischen Auffassung der Dinge; doch diesmal hat er noch mehr als sonst vollbracht: er, selber ein Dichter, denkt sich in die Seele anderer Dichter und windet ihnen mit seinem Hellen Dichterauge und seinem gesunden realen Urteile Lorbeeren. Als kleine Probe sei hier eine Stelle apS dem Kapitel über den so selten vorurteilsfrei gewürdigcn Heine angeführt: „Er sah nicht nur da-? Recht der Gegner; er war auch offen und ehrlich und rücksichtslos genug, zu sagen und zn schreiben, was er gesehen hatte. Er griff auf das Schonungsloseste die Fürsten, die Kirchen und ihr Dogma, den 'Adel und seine Prätensionen an und geißelte sic mit der ganzen Schärfe seines Spottes; aber er war Zeit seines Lebens ein überzeugter Monarchist, hatte ein tiefes Verständnis für das religiöse Bedürfnis der Menschheit, für die großen Momente des- ChristentuniS und des Judentums nnd war in seinen sozialen Ansprüchen durchaus Aristokrat. Solche Menschen sind selten sehr beliebt; sie werden von den Metternichs ebenso schroff behandelt, wie von den Börne's; aber sie können verdammt interessant, ihre Bücher können viel gelesen sein, und eine spätere Zeit vermag sie auch zn lieben." „S e f e r B e s I a u s e f Z w i" zum Traktat Snkka, von Rabbiner Dr. S. Carlebach, Lübeck. Verlag „Hausfreund", Berlin. Großoktav. 526 Seiten. Ein sehr ansehnlicher Teil unserer talmndischcn nnd halachischen Literatur steht im Zeichen der „Likutim." Auch diese reichhaltige „Sammlung" wird sehr nützlichen Zwecken dienen. Diejenigen, die es mit dem „Schanalin widaurschin" ernst meinen, werden in der Snkka den in Rede stehenden Traktat gründlich lernen können und dem Verfasser Tank dafür wissen, daß sie nicht mit ganz „Schas" dorthin iibersicdeln müssen. Und wer als Mitglied einer „Chewras Schas" gerade „Masechto Sukkoh" zn lernen hat, wird blos seine „Gcmoro" ans die Reise mitnehmcn müssen und sich zn den „Temimei derech hahaulchim besauras; Haschern" zählen können. Und wer selbst in seiner Lehrstnbe eine „Sugjoh" in Snkka zn lernen hat, wird froh sein, daß er nicht „nachschlagen" Muß. Er wird mit ,^Hachchowas halew" und „Simchoh schel mizwvh" seinen „Schinr" absolvieren können und die erübrigte Zeit für weiteres Thoralernen festhalten. Auf halachischem Gebiete besitzen wir im „Machazis haschekel" zum „Mogon awrohom" ein ähnliches Werk, Ivelches 'heute beim Lernen des „Aurach chajim" als unentbehrlicher Wegweiser benutzt wird. Auch diese Arbeit wird den Beifall der „Laumdei hatanroh" finden. Die Zitate von Raschi, Tansfaus usw. sind mit den nötigen Erklärungen so übersichtlich gruppiert, daß sich jeder Lerner bald gut zurechtfinden kann. Und mit einer den Verfasser auszeichnenden Gewissenhafttgkeit ist hier alles reproduziert, was zum reichen Inventar des Haupttraktates gehört. Papier, Truck und Ausstattnng lassen nichts zn wünschen übrig. Eingedenk jenes erhebenden Wortes der Talmudweisen: „Ansch zedokoh bechel es, seh hakausew seforim nmaschilen laacherim" rufen wir dem verehrten Verfasser, der neulich sein vierzigjähriges Rabbinerjubiläum in stiller Zurückgezogenheit begangen, zn: „Lech bechauchach seh." Möge es ihm gegönnt sein, auch die übrigen zum Druck vorbereiteten „Sammlungen" der Öesfentlichkeit zu übergeben und mögen auch andere „Talmide chachomim" zur Vollendung dieses Sammelwerkes auf dem gezeichneten Pfade beitragen. Derartige Likutim haben bleibenden talmudisch-literarischen Wert und jeder neue Band wird dem fleißigen und gründlichen Talmudstudium die vortrefflichsten Dienste leisten. H. Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen J ud en, herausgcgeben von Dr. Engen Täübler. 2. Jahrgang, 2. Heft. Seite 67 bis 164. Leipzig, Gustav Fock. Inhalt: Uebersicht über den jüdisch-geschichtlichen Inhalt des König!. Staatsarchivs zn Hannover von M. Zuckermann. — Verzeichnis der Neuerscheinungen zur Geschichte der Juden in Deutschland. Das Buch Koheleth, übersetzt und erklärt von Dr. Gerson Lange, Direktor der Realschule der „Jsr. Religionsgescllschast" in Frankfurt a. M., 64 Seiten, eleg. geb. Jk 1,50. Frankfurt, A. I. Hofmann. Der Uebersetzer und Erklärer schließt sein Vorivort, wie folgt: „Wir wollten zeigen, daß das Büch nach einem im großen und ganzen streng eingehaltenen Plane angelegt ist und keinesfalls ein Konvolut von lose aneinander hängenden, augenblicklichen Stimmungen entsprechenden Partien bildet, daß es überhaupt seine Gedanken nicht sprunghaft oder ohne abrundenden Guß entwickelt, wie man es so oft lesen kann, sondern ein einheitliches Ganze darstellt." Diese Worte enthalten die Tendenz, die dem Kommentare zugrunde liegt, eine Tendenz, die unser volles Einverständnis hat. Grade am Koheleth hat die Kritik ihre zersetzende Tätigkeit geübt, trotzdem es ein liacmonisch gegliedertes Ganze ist. Wir wünschen der vorliegenden Ausgabe, deren klebersctznng eine vorzügliche ist, die weiteste Verbreitung, damit der Koheleth seiner zum Nachdenken anregenden Bestimmung bei recht vielen gerecht werde. Prof. D r. E. König: H e b r ä i s ch e s n n d aremäisches Wörterbuch zum Alten Test am ent. Leipzig.^ Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung. Dritte (Lchluß-) Lieferung. Preis aller 3 Lieferungen drosch. 11 Ak, geb. 13 Ak Wir haben bereits ciiigehcnd auf die zwei ersten Lieferungen dieses vorzüglichen und wertvollen Wörterbuches hingewiesen (s. Nr. 38 dieser Zeitung) und haben auch dann die mannigfachen Vorzüge nnd Neuerungen dieses Werkes rühniend hervorgehoben. Der dritte Schlußband, der vor kurzem erschienen ist, enthält vor allem den Schluß des hebräischen Wörterbuchs, sodann aber bringt er auch ein Wörterbuch zu den aramäischen Mschnitten des alten Testaments und endlich ein deutsch-hebräisches Wörterbuch. So können wir nur nochmals alle, die sich mit deni Studium des Alten Testaments beschäftigen, aus dieses neue Werk Königs verweisen, das ihnen von großem Werte und Nutzen sein wird. vr. N. Spende«. Bei dem Franks. Jsr. Familienbl. gingen sür die D r. Oppenheimer' s che Siedl ungsgenossenschaft in Palästina ein: 1. Telegrammablösung Hochzeit Dr. Goldberg-Dr. Löffler, Joseph Wohlfarth u. Frau, S. H. Goldmann je 50 Pfg. 1,— Ak 2. Telegrammablösiing Schmidt-Geis, A. Lewisohn 2,— „ Siegsried Moses u. Frau 1,— „ Felix u. Leo Horovitz 1,— „ Martin Wolfs u. Frau 0,50 „ Leo Kadinsky, Petersburg 2,— „ Dr. Jakob Klatzkin, Lublin 1,— „ 3. Zionistischer Stammtisch Cafe Bauer 1,25 „ Beim Franks. Jsr. .Familienbl. gingen ein für den I ü d. Nationalfonds: Dr. Siegfried Schwarzschild u. Frau zur Eintragung des sel. Herrn Josef W. .Hackenbroch in das goldene Buch 10,— J£. Saly Geis u. Frau zum gleichen Zwecke 5,— „ Bei Joseph L. Oppenheimer (Hanauerlandstr. 2) gingen ein für den I ü d. R a t i o n a l s o n d s: Sammlung in der Zion. Versammlung vom 30. November er. 8,— Ak Allgemeine Mitteilungen. Soeben ist in eleganter Aufmachung ein Katalog des Hoflieferanten Wilhelm Büttel (Goethestr. 23) erschienen, der ein beredtes Bild von der hervorragenden Leistungsfähigkeit dieser bekannten Papier- und Büroutensilien-Firma gibt. Die Sana-Gesellschaft m. b. H. in Cleve stellt als erste Fabrik seit vielen Jahren eine koschere Pflanzen-Magarine unter Verwendung von süßer Mandelmilch her, die unter dem Namen „T o m o r" in den Handel gelangt. Da die Verbutterung von Pflanzenfett und Pslanzenspeiseöl mit Mandelmilch auf Grund des D. R.-P. 100022 das ausschließliche Recht der Sana-Gesellschaft ist, so ist keine andere Fabrik in der Lage, einen koscheren pflanzlichen Butterersatz herzustellen, welcher die gleichen, durch den Zusatz von Mandelmilch begründeten Vorzüge ausweist. Hieraus folgert ohne weiteres, daß Tomor unter den im Handel befindlichen koscheren Pflanzen-Margarine-Produkten eine wohlbegründete Sonderstellimg einnimmt. Tomor wird unter ständiger Aufsicht eines von Sr. Ehrw. Rabb. Dr. B. Wolf, Köln, angcstellten und inspizierten, streng religiösen 'Aufsichtsbeamten hergestellt. Vereins-Kalender. Freitag. Verein ,M e k o r C h a j i m", nach Schluß des Abendgottesdienstes im Hörsaal Friedberger Anlage: Mikro-Vortrag (Joseph Bamberger); 8tys Uhr, Langestr. 18: Zwanglose Zusammenkunft. — „M ontefiore" - Verein, SV-' Uhr, Seilerstraße 22: Zwanglose Zusammenkunft. —, „T a l - m n d T h o r a" - B e r e i n, nach Schluß des Abendgottesdienstes im Hörsaal Börneplatz: Bortrag.

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