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Neue jüdische Presse · 1910-12-02 · Heft 46 (2.12.1910) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 46 (2.12.1910)
Date
1910-12-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 46. Zur Kernfrage der Angelegenheit, die Herr Dr. Apfel trotz der Länge seiner Erwiderung ständig ningeht, haben wir folgendes zu erklären: 1. Herr Dr. Apfel behauptet, wir hätten ihn als Berfaffcr der in der Nationalzeitung erfchienenen Angriffe gegen die Pariser Zentrale der A. I. U. bezeichnet. Diese Behauptung i st u n w a h r. Wahr ist vielmehr, das; wir Herrn Dr. Apfel der Verfasserschaft des Artikels in der Nationalzeitung nicht beschuldigt haben. D e n n w i r w i s s c », w e r der Verfasser dieses A r t i k e l s' i st. 2. Herr Dr. Slpscl versucht aber, auch die intellektuelle .Urheberschaft des ' Artikels über die Sitzung der Siebenerkommission der A. I. II., der in Nr. 43 des „Hamburger Israelitischen Familienblattes" erschienen ist, abzulengnen. Di e dahin zielenden Behauptungen sind u n w a h r. Wir behaupten vielmehr nach w i e vor, das; Herr Dr. Apfel das Protokoll jener Sitzung der Siebenerkommission durchaus widerrechtlich und in voller Erkenntnis der Tragweite seiner Handlung einem Berliner Journalisten übergeben hat, der daraus einen Leitartikel, für das „Hamburger Israelitische Familienblatt" machen sollte. Und zwar handelt cs sich um das unredigierte O r i g i n a l p r o t o k o l l der betreffenden Sitzung und nicht um eines der vervielfältigten redigierten Exemplare, die an die Mitglieder der Deutschen Koiifcrcnzgcincinschaft ' versandt wurden, wie Dr. Apfel jetzt nebenbei glauben machen möchte. Wir f o r d e r n n u n m e h r H e r r n D r. Apfel öffentlich aus, uns wegen dieses Vorwurfs zu verklagen. R e d a k t i o n der „Jüdischen 3t u n d s ch a u". Das Interview mit Präsident Wolffsohn. Sehr geehrter Herr Redakteur! In Nr. 45 Ihres gcsch. Blattes veröffentlichen Sie ein Jntervieio Ihres Berliner Berichterstatters mit mir über die gegenwärtige Lage iin Zionismus. Da es m. E. im Interesse der Belvegung gelegen ist, daß die Einigkeit in unseren Reihen nicht durch unrichtige Meldungen gestört wird, sehe ich mich genötigt, zu dem veröffentlichten Interview einige Bemerkungen zu machen. Der erste Teil mag im wesentlichen meine Acußcrungen richtig wiedergeben. Betreffs meiner Erwiderung aber ans die Frage der Verlegung des Zionistischen Zcntralburcaus nach Berlin sind dem Berichterstatter allerdings einige Jrrtümer unterlaufen. So habe ich nicht gesagt, das; dieselben, welche früher die Verlegung nach Berlin verlangt haben, nunmehr gegen Berlin sind, sondern daß jetzt, nachdem ich für die Verlegung nach Berlin eintretc, sich manche Stimmen dagegen erheben. Unrichtig ist, daß ich gesagt hätte, daß gerade die Herren, die uin die Verlegung der letzten A.-K. - Sitzung von Köln nach Berlin gebeten haben, auch nach Berlin nicht gekommen sind; ich sprach vielmehr davon, daß man auch früher schon immer verlangt hätte, die Sitzungen des A. - K. sollten in Berlin stattfinden und das; viele der Herren, die immer am lebhaftesten darauf bestanden hatten, auch diesmal nicht zur Sitzung gekommen sind. Vollständig aus der Luft gegriffen ist aber der folgende von Ihnen veröffentliche Satz: „Ich werde jetzt Vorschlägen, die Leitung nach Berlin zu verlegen, obgleich ich die Befürchtung hege, das; unsre Sache darunter leiden würde, da ich in Berlin nicht die hinreichenden autoritativen Persönlichkeiten sehe, die sich der großen und verantwortungsvollen Aufgabe widmen könnten." Hier werden mir Ansichten unterschoben, die zu den meinen in direktem Widerspruch stehen. Ich bin im Gegenteil davon überzeugt, das; in Berlin die geeignete» Männer vorhanden sind. Dieser meiner Meinung habe ich auch ans dem Frankfurter Delegiertentag klar und deutlich Ausdruck gegeben.*) In vorzüglicher 'Hochachtung Ihr sehr ergebener D. W o l f f s v h n. Aus aller Welt. Deutsches Reich. Stratzburg. Veranlaßt durch die Berliner Kundgebung des Verbandes der Deutschen Juden und des Zentralvercin deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, hatte sich in der liberalen „Straßburger bnrger Post" eine Debatte über das Thema „D ie Juden im deutschen Heer" entsponnen. Die „Straßburger Post" vertrat die *) Da unser Berliner Korrespondent uns demgegenüber mitteilt, daß er das Interview mit Herrn Wolffsohn richtig wiedergegeben habe, so müssen wir annehmen, daß sich Herr Wolffsohu mißverständlich ausgedrückt haben wird. Stunt, der Redakt. . Frankfurter Israelitisches Fainilienblatt. Ansicht, daß in der gegenwärtigen Zeit der politischen Reaktion die Bemühungen, die Gleichberechtigung der Juden im Heere dnrchzusetzen, vergeblich sein würden. Nach ihrer Meinung entspringt ferner der Widerstand im Offizierskorps nicht antisemitischer Gesinnung vder dem Glauben an ihre geringere Tüchtigkeit oder ihre geringere gesellschaftliche Eignung, sondern der Slnschauung, daß in erster Linie Söhne reicher Jaden Offiziere werden würden und diese einen Geist des Materialismus und einen Hang zum Wohlleben in das Offizierskorps, das noch aus altprcußisch einfachen Grundsätzen fußt, bringen ivürdcn. Von jüdischer ^cite wurde darauf in der „Straßb. Post" ausgeführt, daß der Einwurf, daß jüdische Offiziere deu Luxus im Heere steigern möchten, jeglicher Stichhaltigkeit entbehrt. Weblau. Der »ortschrittliche Kandidat sür kie bevorstehende Ersatzwahl im ReichstagSwahlkreise Labiau-Wehlau, Bürgermeister Wagner, veröffentlicht eine Erklärung, in welcher es heißt: „In der konservativ - agrarischen Versammlung in Wehlau am 14. November hatte der Redner der Konservativen, Herr Generalsekretär Kunze, unter Beifall der anwesenden konservativen Herren von einem „dunklen Punkt" in meinem Leben gesprochen. Dieser „d n n k l e P n n k t" soll darin bestehen, daß meine M u t t e r eine I ü d i u sei. DaS ist unrichtig, da ineinc Mutter nicht Jüdin, sondern Christin ist. Mein Großvater mütterlicherseits, der als Jude geboren wurde, wurde evangelisch, meine Großmutter ist Christin gewesen. Diese von Herrn Generalsekretär Kunze zu durchsichtigen Wahlzwecken benutzte Hervorzcrrnng meiner Familienverhältnisse veranlaßt inich zu der Erklärung, das; meine Mutter in einem arbeitsreichen Leben, auch nach dem Tode meines Vaters in unermüdlicher Liebe und Treue ihre acht Kinder zu ordentlichen Menschen erzogen hat. Sllle befinden sich in geachteten Stellungen. Rur Mühe und Slrbeit ist ihr Los gewesen, und ihr Slndenken vor den plumpen Slngriffen eines konscrvativeit Slgitatvrs' zu wahren, ist der Grund für diese meine Erklärung. Ich bin stolz auf meine Eltern, habe keinen Grund, mich ihrer zu schämen, und werde für sie und ihr Slndenken eintrcten, wo immer rohe Hände danach greifen." Slrme Taufjuden, ihr und euere Kinder und Kiudeskindcr bleiben — getaufte Juden! Oesterreich-Uugaru. Wien. Bei den am 27. d. M. abgehaltenen V o r st a n d s w a h l e n der i s r a e l i t. Kultusgemeinde siegte die L i st e dc s o s f i z icJ l c n W a h l k o m i tceS mit 2800 gegen 1550 stimmen, die die Kandidaten des jüdisch-demokratischen Wahlkomitees ans sich vereinigten. Die jüdisch-demokratische Opposition gewann gegenüber den vorigen Kultuswahlen 500 Wahlstinunen, ivährend die offizielle Borstandspartei etwa 1000 Stimmen verlor. Czernowiß. Am 26 b. fand im jüd. Nationalhause unter Vorsitz des Reichsratsabgevrdncter Dr. S t r a u ch e r eine Konferenz d e r j ü d is ch e n 3t a t i o n a l p a r t e i statt, zu welcher über 100 Vertrauensmäniier erschienen ivaren. Es wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: 1. Die jüdisch-nationale Vertrauensmünnerversaminlniig anerkennt die Notwendigkeit der Bildung eine» j ü d. L a n d t a g s k l n b s im Bukowinaer Landtage zur Wahrung und zum Schutze der Rechte und Interessen der jüdischen Bevölkerung in der Bukowina, sowie die vorbehaltlose Verpflichtung jedes jüd. Landt a g s a b g e o r d n e t e n , diesem zu gründenden LandtagSklub beizutreten; 2. die Versammlung fordert die Slnerkennung des jüdisch-nationalen ParteiprogrammcS und stellt den Grundsatz auf, daß alle Belverber um jüd. Landtagsmandate vorerst ihre ausdrückliche bindende Z u st i m m u n g z u m P a r t e i p r o - gram in e erklären; 3. die Versammlung fordert in D u r ch f ü h - r u n g der b e st e h e n d e n jüdisch-nationalen Organisation der I u d e n s ch a f t der Bukowina die Ausgestaltung des bestehenden „Jüd. Nationalrates" und die Schaffung einer sich aus die Kultusgemeinde-Organisationen aufbauenden, alle Schichten und Erwerbstünde der Jndenschaft umfassenden nationaljüdischen Retz r ä s e n t a t i v k ö r p e r s ch a f t, welcher die oberste Leitung und Entscheidung in allen die Bukowinaer Judenschaft betreffenden Angelcgenheiten zustehen soll: 4. die Versammlung anerkennt die Führung der Bukowinaer Jndenschaft durch den Reichsrats¬ und Landtagsabgeordneten Tr. Benno Straucher. proklamiert ihn zum F ü h r e r der jüdischen Nationalpartei und jüdischen Landesorganisation der Bukowina und spricht die bestimmte Erwartung aus, daß die gesamte Judenschast der Bukowina, insbesondere die nationaljüd. Organisationen, neuerlich hierzu ihre Zustimmung erteilen werden; 5. die Versammlung erachtet den gegenwärtigen Zeitpunkt zu neuen jüd. Parteibil- Seite 3. düngen in welcher Form immer für nicht geeignet und letztere für verderblich; 6. die Versammlung anerkennt die dringende N o t w c n d i g k e i l einer st r a ttt nt organisierte n einheitlichen und geschlossenen solidarischen I u d e n s ch a f t in der Bukowina und verurteilt alle eine Zerklüftung, Verhaderung oder Veruneinigung der Juden des Landes herbeiführende Agitationen und llmtriebe; 7. die Versammlung fordert Herrn Dr. Stranchcr auf, in Gemeinschaft mit den bestehenden jüd. National-Vereinen, den jüd. Kultusgemeinden und national-jüd. Vertrauensmännern zwecks Durchführung der bevorstehenden Landtagswahlen die schleunige Bildung eines Landeszeutral- W a h l ko m i t e c s sowie von Bezirks-Wahlkomitees in allen Städten und größeren Orten des Landes zu veranlassen - und die zweckentsprechende» Schritte sofort einzuleiten. Grotzbritauuie«. London. Die Zahl der jüdischen Kandidat e n für die bevorstehenden P a r l a m e u t s w a h l e n beträgt 31. Davon sind 17 Liberale, die übrigen 14 Unioniften. In zwei Wahlkreisen in London stehen je zwei Juden einander gegenüber, obgleich die jüdischen Wähler in diesem Distrikt nur eine sehr kleine SNinorität bilden. Bei den vorigen allgemeinen Wahlen wurden 15 Juden gewählt. Lord Roth s ch i l d hat an die Juden von 31 o r d w e st - 3N a n ch e st e r einen Brief z u g n n - st c n des u n i o n i st i s ch e n K a n d i d a t e n gerichtet, in dem er sagt, es gebe jetzt ernstere Fragen zu behandeln als die Fremdenvorlage (SllienS' Act), die übrigens die Uiiionisten, wenn sie die Majorität erlangen, nach den Wünschen der jüd. Gemeinde fassen würden. Rußland. Petersburg. Bei der Verhandlung der Duina über das Volk s s ch u l g e s e tz. was der erste Schritt zur Einführung des Schulzwangs in Rußland ist, wurde auch über die Unterrichtssprache an den jüdischen Volksschulen beraten. Die Regierung bestand darauf, daß die Unterrichtssprache nur in den zlvei ersten Schuljahre» das Jargon sei, sonst dagegen das Russische. Ta jedoch die Kinder aus den ärmeren Schichten der jüdischen. Bevölkerung Rußlands fast ausschließlich nur Jargon sprechen, so Hütte» diese mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, weih die Erlernung der russischen Sprache binnen 2 Jahren etwas fast Unmögliches wäre. Daher brachte der jüdische Tumadeputierte 31 i s s e l o w i t s ch das Slmendement ein, nach welchem die Unterrichtssprache in den 4 ersten Jahren das I a r g o n sein soll. Das Slmendement wurde von d c r 331 e h r h e i t bet -Su nt a a lt gen» in nt e n. L. K. Palästina. Jerusalem. Der „Verein zur Erziebung jüdischer Waisen in Palästina" (Sitz: Frankfurt a. 331.) hat beschlossen, das von ihm seit drei Jahrzehnten in Jerusalem unterhaltene Waisen h a n s, das in der Siegel dreißig Zöglinge beherbergt und ebensovielen Tagesschülern die Mittagskost gewährt, nach F e d s ch e nächst P e t a ch - T i k w a h zu verlegen. Das Terrain sür das neue Heim der Anstalt, das etwa 840 Dunain Boden umfaßt, wurde vor fünf Jahren von Rabb. Dr. Salvendi, zurzeit in Karlsruhe, erworben, um dort eine j ü d i s ch e Siedlung zu gründen, vornehmlich aus entlassenen Zöglingen des genannten Waisenhauses. DaS Internat, dessen Erbauung demnächst in Angriff genommen wird, ist für 80 Zöglinge berechnet. Bis zu ihrem 13. Lebensjahre sollen sie eine gute jüdische Schulbildung erhalten; hierauf sollen sie sich in der Landwirtschaft drei Jahre lang praktisch üben. 31ach Slblaus dieser Frist wird den Befähigten gegen einen geringen Pachtzins ein Stück Land überwiesen werden, um es für eigene Rechnung zu bearbeiten. Zehn Dunain dieses guten Slckerbvdcns können jährlich einen Reingewinn von etwa 40 Siapoleon abwerfen. Slnf diese Weise kann sich der Zögling in wenigen Jahren ei» Kapital ersparen, das ihn in den .-tand setzt, sich als selbständiger K o l o n i st n i e d e r z u l a s s e n. G Feuilleton. G Aus der Zukunft. Von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) „31a, na, na qui vivra verra. Vorhin, als Tu heimgekommen bist, hast Du nicht so ausgesehen, als trügest Tu eine unglückliche Liebe im Herzen. Im Gegenteil —" „Freilich im Gegenteil, mich macht die Liebe zu dem liebreizenden Mädchen keineswegs unglücklich, wenn ich auch nie wagen werde, mich

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